Dienstag, 23. April 2013

Doppelmord im Spielsalon der Camorra

Die Angst kehrt nach Neapel zurück. In der Nacht wurden am Stadtrand von Neapel in der Via Miano zwei Camoristi regelrecht abgeschlachtet. Die Mörder betraten den Spielsalon, in dem sich die beiden Opfer aufhielten. Salvatore Scognamiglio, 46 und Salvatore Paolino, 34 Jahre starben im Kugelhagel von Maschinenpistolen. "Wir versuchen die Tat und die Fakten zu rekonstruieren, die sich durch die Aussagen der anwesenden Personen im Casino ergeben."





Nur wenige hundert Meter fand die Polizei neben einem Motorrad ein weiteres Opfer, offenkundig ein lästiger Informant, der die Mörder zu ihren Opfern führte.




Unterdessen haben die Ermittler auch das Privatleben der beiden Männer eruiert, um das Licht auf den typischen Mord-Stil der Camorra zu erhellen. Das eigentliche Ziel der Mörder war Salvatore Scognamiglio, der eng mit dem Lo Russo-Clan verbunden und dessen Aufgaben die Verteilung von Drogen an die Dealer des Stadtteiles war.

Der Camorra-Clan von  Salvatore Lo Russo regiert das Quartier und verteidigt derzeit die territoriale Dominanz. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass sich eine große Anzahl illegaler Existenzen dort niedergelassen haben. Die Anti-Mafia-Behörde hält es sogar für möglich, dass die aktuellen Morde mit einem neuen strukturellen Aufbau der Camorra zu tun hat.

Damals lag das Gespenst einer Fehde im Norden von Neapel in der Luft, weil durch viele Verhaftungen ein Vakuum der Machtverhältnisse entstanden ist. Die Via Miano, wo die Killer in der Nacht das Blutbad anrichteten, ist es eine stark befahrene Straße am Stadtrand von Neapel. Sie führt zum berüchtigten Camorra-Schlupfwinkel von Scampia.






Hier wird derzeit ein blutiger Kampf zwischen zwei Clans ausgefochten. Alleine in den letzten beiden Jahren zählte die Polizei 76 Morde und 120 Mordversuche.

Montag, 22. April 2013

Massaker in Kalabrien

Gestern Nacht wurde eine ganze Familie getötet. Fünf Menschen starben gestern, getötet durch Schüsse aus dem Hinterhalt. Aus Polizeikreisen verlautete, dass es sich um eine Abrechnung der Mafia handelt. Domenico Fontana (61 Jahre alt) und seine Söhne, Pasquale (37 Jahre alt), Pietro (36 Jahre alt), Emilio (32 Jahre) und Gianni(19) waren die Opfer.








Eine Stunde später fanden die Carabinieri weitere auf einem benachbarten Bauernhof. Die Ermittler fanden den Vater und zwei Söhne, während zwei Kinder im Haus überlebten. Für die Morde wurden zwei großkalibrige Waffen verwendet. Die Opfer wurden überrumpelt und hatten noch keine Chance zu reagieren.

Mafia-Boss Giaccomo Caracciolese in Bari erschossen.

Giaccomo Caracciolese, 32, wurde durch Schüsse in den Kopf in einem Hinterhalt in Bari auf der Straße passiert erschossen, in dem bevölkerungsreichsten Stadtteil San Pasquale. Sein Kumpan wurde nur einige Straßenzüge weiter wurde mit einem Knüppel erschlagen.





Der Hinterhalt fand in einem sehr belebten Ort unmittelbar vor einem Supermarkt statt. Giaccomo Caracciolese war Chef eines bekannten Stadtteils von San Pasquale di Bari und wurde von den Ermittlern gefährlicher Killer seit Monaten überwacht.


Giaccomo Caracciolese

Sonntag, 21. April 2013

Drogenring zerschlagen: 44 Festnahmen in Italien

Der Druck auf die Mafia nimmt zu. 44 Mazzarella-Mitglieder wurden verhaftet. Ihnen wird Suchtgifthandel zwischen Spanien und Italien vorgeworfen.




Die italienische Polizei verschärft den Druck auf die Camorra, den neapolitanischen Arm der Mafia. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neapels wurden 44 einflussreiche Mitglieder der Camorra-Clans Mazzarella, Amato-Pagano und Di Lauro festgenommen, die in der Vesuvstadt den Drogen- und Waffenhandel sowie die Prostitution kontrollierten.

Verhaftet wurden auch einige prominente Bosse der Clans, die einen lukrativen Drogenhandel zwischen Spanien und Italien aufgebaut hatten. Die Drogen wurden im Großraum von Neapel und in mehreren italienischen Regionen verkauft. Die Polizei führte in Neapel auch eine ausgedehnte Anti-Drogen-Razzia durch.

In ehrenwerter Gesellschaft, am Rande des Gesetzes

Sie herrschen über Teile von Berlins Unterwelt. Auch Rapper Bushidos im Fadenkreuz. Verbrecherische Clans wie die Abou-Chakers aber gibt es auch in anderen deutschen Städten. Der Clan von dem die Rede ist, ist laut Polizei schwer kriminell und hat Kontakte zur Italienischen Mafia aufgebaut.

„Dass Bushido bei der CDU ein- und ausgeht, ist nicht in Ordnung“: Bushidos Verbindungen zu einer zwielichtigen Berliner Großfamilie werden nun auch Thema im Bundestag. SPD-Politiker Oppermann will wegen der Mafia-Gerüchte den Ältestenrat einschalten.



Bushido


Im Berliner Landeskriminalamt gibt es drei Buchstaben, die ein Fahnder aussprechen muss, wenn er das resignierte Nicken der Kollegen sehen will: "A-B-C" und dann wissen alle Bescheid. Ach, Abou-Chaker. Die schon wieder. Bushido taucht auch auf einer internen Liste des Landeskriminalamtes Berlin auf, in der erkennungsdienstliche Fotos und Hinweise über die kriminellen Mitglieder der Abou-Chakers gesammelt sind.




Das Kürzel steht für Angehörige der Familie, die Berlins Unterwelt beherrscht. Es steht aber auch für den anscheinend aussichtslosen Versuch, die familiäre Bandenkriminalität in der Hauptstadt in den Griff zu bekommen. Verhaftungen, Prozesse und Gefängnisstrafen scheinen knapp 30 Mitglieder des Clans der Abou-Chakers nicht nachhaltig zu beeindrucken.

Die "ABC" gehören für szenekundige Polizeiführer zu den Machthabern der organisierten Kriminalität in Berlin. "Sie stehen für Verbrechen, Gewalt und Angst", so ein frustrierter Beamter, der nur den "Kopf schütteln kann über das Versagen der Gesellschaft".
Und so schmücken sich die Abou-Chakers noch mit einem Sänger, der sich gern "Gangsta-Rapper" nennen lässt und mit überzeichneter Gossensprache den angeblichen Lebenswandel von Frauen abhandelt, die er ausschließlich mit der Vokabel "Schlampen" belegt. Darüber hat sich hierzulande nur Alice Schwarzer erregt. Der darf offenbar so reden.






Mit Haut und Haaren ausgeliefert

Bushido, der gern so groß tut und sich für unverwundbar hält, hat etwas getan, was allgemein für nicht gerade genial gehalten wird: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, so sein bürgerlicher Name, hat seinem Freund Arafat Abou-Chaker eine notariell beglaubigte Generalvollmacht ausgestellt. Damit darf er alles mit Bushidos Besitz machen, was ihm gefällt.

Der Sänger hat sich ihm mit Haut und Haaren ausgeliefert. Das Dokument hat der "Stern" abgedruckt, und es scheint der Beweis dafür zu sein, dass Bushido sich der Familie nicht nur verbunden fühlt, sondern sich auch an sie gekettet hat. Vor Jahren hat ihn Arafat Abou-Chaker aus einem unvorteilhaften Plattenvertrag geboxt, vielleicht war das der Dank dafür.
Die schrecklich nette Familie, deren Nähe Bushido so intensiv sucht, gilt als eine der bekanntesten 20 bis 30 Großfamilien, die in Berlin berüchtigt sind. Die Berliner Kriminalpolizei hat wegen des Verdachts auf zahlreiche Delikte gegen Mitglieder der Abou-Chakers ermittelt, unter anderem wegen Drogen- und Menschenhandels, Erpressung und Zuhälterei.

Angehörige der Familie sollen bereits große Teile der Prostitutionsszene der Kurfürstenstraße kontrollieren. Zudem drängten sie in das Rotlichtmilieu an der Oranienburger Straße. Außerdem sollen die führenden Mitglieder eine Diskothek in Friedrichshain betreiben.

 

Polizei sieht "ethnische Subkulturen"

Die Clan-Kriminalität ist in keinem anderen Bundesland so schillernd mit der Popkultur verknüpft wie in Berlin. Doch längst hat auch das Bundeskriminalamt (BKA) erkannt, dass die oft staatsfernen Clans bundesweit anzutreffen sind und ihnen schwer beizukommen ist.


Ausländische Großfamilien haben in verschiedenen Regionen Deutschlands Fuß gefasst und "ethnische Subkulturen gebildet", warnte das BKA schon vor Jahren. Die "Zerschlagung" dieser kriminellen Strukturen werde "nur in Teilbereichen" möglich sein, so die Ermittler.

Dabei wirken die Berliner Abou-Chakers unter den polizeibekannten Clans im bundesweiten Vergleich eher wie eine Kleinfamilie. Eine der wirklich großen Problem-Sippen hat sich im beschaulichen Bremen ausgebreitet. Es ist die Familie Miri, deren Angehörige erkennen sich unter anderem am Buchstaben "M", den sie sich auf Poloshirts einnähen, umrankt von einem Lorbeerkranz und dem Schriftzug "Das goldene M".

Die Mitglieder der Sippe, der nach Polizeiangaben bis zu 2600 Menschen angehören, stehen in der Hansestadt für "organisierte Kriminalität vom Feinsten", wie mal ein Fahnder dem "Stern" sagte.

Sie gehören zu einem weitverzweigten Clan einer kurdischen Ethnie, den sogenannten Mhallamiye-Kurden, die sich untereinander auf Arabisch verständigen. Viele der Miris haben 15 oder mehr Kinder, das Organigramm der Familienzweige umfasst mehr als acht Meter Papier. Es gibt Ableger in Berlin und im Ruhrgebiet.

 

Die Bilanz der Familie mit dem "goldenen M"

Nicht jeder, der den Nachnamen trägt, ist kriminell. Aber 1.466 Angehörige des Clans sind nach Angaben der Polizei bereits einmal straffällig geworden, mehr als 1.000 Straftaten pro Jahr sollen auf das Konto der Großfamilie gehen. Mit Schutzgelderpressung, Diebstählen, Drogen- und Waffenhandel setzt der Clan bis zu 50 Millionen Euro um, schätzt die Polizei.


Das Ausländerrecht greift nicht mal als Drohmittel: Die Bremer Innenbehörde glaubt zwar, dass die Familie aus der Türkei stammt. Die Türkei behauptet jedoch, der Libanon sei zuständig. So bleiben alle an der Weser. Einer der Miris gab vor dem Bremer Landgericht einen wohl ehrlich gemeinten Kommentar ab, als ihm der Prozess wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gemacht wurde: "Ich scheiß' auf diesen Staat!"
Es ist dieses ausgeprägte Unrechtsbewusstsein, das Polizisten stets aufs Neue frustriert. Strafen werden hingenommen, die Familiensolidarität geht über alles, und vor allem thront sie über den Gesetzen. Das gilt für Clans wie auch die klassischen Vertreter der organisierten Kriminalität – der Mafia und der Rockerbanden.

 

Die Cosa Nostra im Ländle

Die Haupt-Operationsbasis italienischer Mafiosi befindet sich in Deutschlands Südwesten. Mindestens elf verschiedene Gruppen der kalabrischen 'Ndrangheta haben Dependancen in Baden-Württemberg, aber auch die Cosa Nostra hat ihre Netzwerke mitten hinein ins Ländle gespannt, heißt es im Landeskriminalamt.


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Wie wohl sich die Mafiosi im deutschen Südwesten fühlen, zeigte eine Festnahme 2009: Damals waren zwei Mafia-Killer kurz vor einem geplanten Dreifachmord in Italien festgenommen worden. Sie hatten jahrelang in Baden-Württemberg gewohnt. Im Handel mit Kokain, Heroin und Co. soll die 'Ndrangheta enge Bündnisse mit türkischen und kolumbianischen Drogenkartellen eingegangen sein.

Die klassischen Geschäfte der selbst ernannten "ehrenwerten Gesellschaft" haben vielerorts auch Motorradklubs an sich gerissen. In Bremen breiten sich die "Mongols" aus, eine meist aus kurdischstämmigen Mitgliedern zusammengesetzte Truppe. In Duisburg kämpfen sich die "Bandidos" nach oben. Und in Hamburg machen sich die "Hells's Angels" breit, die eigentlich schon 1983 dort verboten wurden und jetzt unter den Namen "Harbour City" oder "Rot-Weiß" firmieren.






Die Hells Angels auf St. Pauli

Nach dem Rückzug albanischer Paten und einer einflussreichen Zuhälterbande haben die früheren Höllenengel das Machtvakuum auf St. Pauli ausgefüllt und Milieuexperten zufolge weite Teile der Gastronomie und die Türsteher-Szene rund um den Hans-Albers-Platz im Griff.

Außerdem kontrollieren sie die Geschäfte im Eros-Laufhaus an der Reeperbahn. "Aber mit Prostitution ist wegen der Konkurrenz des Internets immer weniger Geld zu verdienen", sagt ein Ermittler. Deshalb nehme der Handel mit Drogen und Waffen zu.




Ob Mafia, Clan oder Rocker – manchem Mitglied wird das Geschäft mit der organisierten Kriminalität irgendwann dann doch zu heiß. Die Aussicht auf weniger Angst und Konkurrenzdruck, auf Reihenhaus und Familie, auf ein richtiges Leben nach dem falschen bringt einige Ex-Gangster dazu, sich als gesetzestreue Geschäftsmänner zu versuchen. So wie Yunus Miri (Vorname geändert), ein Mitglied der berüchtigten Miri-Familie und nach Erkenntnissen von Ermittlern ihr Statthalter im Westen.

Idyllisch lebt seine Familie in einer Villa an der Grenze zwischen Rheinland und Ruhrgebiet. Die Kinder sind eingeschult, die Frau ist mit den Nachbarn gut bekannt. Das Geld für seinen luxuriösen Lebensstil erwirtschaftet er offenbar legal.

Das halblegale Leben danach

Zumindest neuerdings, wie nordrhein-westfälische Fahnder betonen. Denn Yunus Miri entstammt dem rund 200-köpfigen Berliner Zweig der Miri-Familie. Über Jahre wurde er verdächtigt, im großen Stil an illegalem Glücksspiel und Autohandel zu verdienen. In Berlin galt er als eine führende Figur dieser Szene. Doch überführen konnte die Polizei ihn nie.




Yunus Miri hat inzwischen in verschiedenen Großstädten einen florierenden Autohandel aufgebaut, der ihm erhebliche Einnahmen bringt – alles saubere Geschäfte. Natürlich haben ihn die Experten für organisierte Kriminalität noch im Auge. Aber auch sie müssen einräumen, dass er es wohl "geschafft" hat.

Soll heißen: Dem früher als gewalttätig verrufenen Mann gelang es, von der illegalen in die legale Wirtschaft zu wechseln. Ihm scheint geglückt, wovon etliche Kriminelle träumen: Erst verdiente er gewaltige Summen in der Unterwelt, dann schaffte er – die Taschen voller Geld – den Sprung in ein komfortables Leben nach der Kriminalität.

Ganz so clever hat es Anis Mohamed Youssef Ferchichi nicht angestellt. Die Staatsanwaltschaft Berlin soll ein Ermittlungsverfahren gegen den Popstar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung führen, ein Delikt, das schon echte Mafia-Bosse wie Al Capone hinter Gitter brachte. Da könnte er den ganz Großen dann tatsächlich einmal ähneln, der kleine Bushido mit den mächtigen Freunden.


 Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido

'Ndrangheta-„Superboss“ Sebastiano Strangio gefasst

Der „Superboss“ der 'Ndrangheta, Sebastiano Pelle, ist am Samstag verhaftet worden. Der 38-Jährige, der zu den prominentesten Köpfen der Mafia in Kalabrien zählt, war seit 2007 auf der Flucht.




Ihm wird unter anderem Mord und Erpressung vorgeworfen.

Strangio wurde in der norditalienischen Region Piemont festgenommen, berichteten italienische Medien am Samstag. Strangio gilt als Clan-Chef in der kalabresischen Mafiahochburg San Luca.

Seine Schwester Maria Strangio war zu Weihnachten 2006 getötet worden, weitere Personen, darunter ein Kind, wurden verletzt. Der Mord an Maria Strangio hatte eine blutige Fehde zwischen den Familien Pelle und Strangio ausgelöst, was im August 2007 zum Massaker von Duisburg in Deutschland führte, bei dem sechs Italiener getötet worden waren.

Mittwoch, 17. April 2013

Mafia - Italiens Schande

Schlag auf Schlag: Erst wurde der "Boss der Bosse" verhaftet, dann sein Stellvertreter, dann die mittlere Führungsebene. Endlich, dachten viele, ist die Mafia besiegt. Es war ein Irrtum. Das organisierte Verbrechen in Sizilien lebt weiter, nur die Methoden haben sich geändert.


Schaulustige nach einem Mordanschlag der Mafia


Die Morgensonne gießt warmes Licht über den Justizpalast von Palermo. Vor seinen Toren stehen Carabinieri, schwer bewaffnet. Mit versteinerter Miene kontrollieren sie Ausweise, sprechen in ihr Walkie-Talkie und winken Besucher zur Eingangstür weiter, wo Gepäckstücke durchleuchtet werden. Dahinter tun sich lange Gänge im Neonlicht auf. In einem der oberen Stockwerke arbeitet Roberto Scarpinato.


Roberto Scarpinato - Generalstaatsanwalt - schwer bewacht von Bodyguards


Vor seinem Büro sitzen fünf Leibwächter, Jeans, Turnschuhe, Jacket. Die Eichenholztür ist schusssicher, daneben hängt eine Videokamera. Scarpinato kann die Tür von seinem Schreibtisch aus öffnen. Er trägt sein grau meliertes Haar zurückgekämmt, sitzt hinter unzähligen Aktenbergen, hat alle paar Minuten sein Handy am Ohr und einen durchdringenden Blick.

Er sagt: „Wenn es für die Politik opportun ist, dann werde ich getötet.“

Der 57-jährige Roberto Scarpinato ist einer der führenden Mafia-Jäger Italiens. Seit mittlerweile 20 Jahren steht der leitende Staatsanwalt Tag und Nacht unter Polizeischutz. Seit jener Zeit also, da die Cosa Nostra, die sizilianische Mafia, auf den Straßen blutige Spuren hinterließ. Fast täglich wurden Menschen erschossen. Mehr als 1.000 Tote hatte die Cosa Nostra in den 80er Jahren allein in Palermo zu verantworten. Damals begannen sich die Bürger zu wehren. Privatpersonen, Gewerkschaftler und Studenten protestierten gegen den Terror und gründeten Aktionsbündnisse. In Palermo wurde 1985 einer der bekanntesten Mafiagegner, Leoluca Orlando, Bürgermeister und blieb das bis ins Jahr 2000. Doch die Mafia mordete weiter: Im Mai 1992 wurde der Richter Giovanni Falcone getötet, zwei Monate später sein Kollege Paolo Borsellino.


 
Leoluca Orlando


Die blutigen Zeiten sind scheinbar vorbei. Die Cosa Nostra aber existiert nach wie vor, stärker den je und sie hat ihren Stil geändert. Sie ist unsichtbar, ihre Aktivitäten heißen Wirtschaftsbetrug, Drogen- und Waffenhandel – und sie ist zur Normalität im sizilianischen Leben geworden. Ihre Waffe ist die Allgegenwart.

An staatliche Fördermillionen gelangt in Sizilien oft nur der Unternehmer, der in mafiöse Beziehungsnetze eingebunden ist, der über die Freunde seiner Freunde den entscheidenden Politiker kennt, der Personal beschäftigt, das ihm der Mafioso empfiehlt oder Aufträge an Firmen weitergibt, die der Mafia gehören. Es sind die Verbindungsleute zwischen Legalität und Illegalität, die das Netz zusammenhalten. „Weiße Kragen“, äußerlich unverdächtige Steuerberater, Anwälte, Ärzte, Architekten und zunehmend auch Politiker. So ist die Cosa Nostra zu einer Parallelgesellschaft geworden, Scarpinato nennt sie die „weiße Mafia“.
„Die weiße Mafia“, sagt er, „ist mittlerweile eine eigene Gesellschaftsklasse.“

Und er ärgert sich über diejenigen, die das nicht begreifen, wie die deutschen Behörden. Deutschland sei „ein Paradies für Geldwäsche“, sagt er. In Italien kann Mafia-Eigentum und -vermögen konfisziert werden, wenn ein Verdächtiger nicht nachweisen kann, dass er Gelder und Besitz legal erworben hat. „Wir haben die Beweislast umgedreht. In Deutschland aber liegt die Beweislast bei der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörden können deshalb nicht schon bei Verdacht zugreifen“, sagt Scarpinato. Es gebe ein mangelndes Bewusstsein bei deutschen Behörden für die Aktivitäten der Mafia.

Dass Deutschland zu passiv sei, zu untätig, sagt auch Laura Garavini, 43, Deutsch-Italienerin, die unter anderem in Berlin lebt und 2008 ins römische Abgeordnetenhaus gewählt wurde. Sie gehört zur oppositionellen „Demokratischen Partei“ und ist im Antimafia-Ausschuss tätig. „Schmutzige Gelder werden in Deutschland investiert und reingewaschen“, sagt sie, „nicht nur in Pizzerien, sondern auch durch den Kauf von Immobilien. Der Verfolgungsdruck muss größer werden.“

Immerhin hat 2009 die große Koalition noch vor ihrem Ende einen EU-Beschluss in nationales Recht umgesetzt, das den Einzug von Mafiabesitz erleichtert. Wenn ein Gericht in Italien einen Mafioso verurteilt und den Verfall seines Gewinns aus Mafia-Geschäften anordnet, werden auch umgehend seine deutschen Konten gesperrt. Bei weniger als 10 000 Euro verbleibt das Geld beim deutschen Staat. Ist es mehr, teilen sich die Länder den Betrag. Auch mafiaverdächtige Immobilien können nunmehr in Deutschland konfisziert werden.

Scarpinato nennt dieses Gesetz zwar einen wichtigen Schritt in der internationalen Bekämpfung, weist aber auch auf den zunehmenden Einfluss der Mafia in der Politik hin. „Es muss viel mehr Politikern in Italien der Prozess gemacht werden.“

Und so glauben nicht viele Sizilianer daran, dass die Cosa Nostra, zu der 5.000 Mitglieder, Unterstützer und Zuarbeiter zählen, je besiegt wird. Sie überstand mehrere Verhaftungswellen, Mafiabosse wurden nach und nach abgeurteilt, eingesperrt, aber noch immer ist sie da.
Und wo sie ist, ist auch Letizia Battaglia. Die Mafia-Fotografin. Sie fotografierte in den 80ern die Tatorte, rund 600 000 Schwarzweißaufnahmen, die Blut zeigen, zerschossene Körper, Täter und Opfer, Witwen, Mafia-Ehefrauen mit hartem, stolzem Blick oder Mafiajäger wie Scarpinato.


 
Letizia Battaglia

Letizia Battaglia, heute 75 Jahre alt, zündet sich eine Zigarette nach der nächsten an, schnippt die Asche in einen Messingaschenbecher, der auf einem schweren Holztisch in ihrer Maisonettewohnung im achten Stock unweit des alten Gefängnisses Ucciardone steht. „Das System ist korrupt. Wenn sich heute Personen öffentlich zur Mafia äußern, werden sie gesellschaftlich isoliert. Und das ist die schlimmste Strafe“, sagt sie. Auch sie selbst, Künstlerin von Weltruf, existiere in ihrem Land nicht. Die Mafia sitze in den Köpfen der Menschen, in den Verwaltungen, in der Politik. „Diese korrupte Klasse versucht, das Volk zu korrumpieren“, sagt Letizia Battaglia. Das sei barbarisch.


 
eines der unglaublich aufrüttelnden Fotos von Letizia Battaglia

Tatsächlich blieb der erwartete „Aufstand der Bevölkerung“ gegen die Mafia aus, als 2006 nach 43-jährigem Versteckspiel der „Boss der Bosse“, Bernardo Provenzano, aufflog und danach Schlag auf Schlag die mittlere Führungsebene und die Aufsteiger der Mafia abgeräumt wurden. Erst vor einigen Monaten fasste die Polizei Domenico Raccuglia, die vermeintliche Nummer zwei. Im Dezember ging Palermos Mafiaboss Giovanni Nicchi ins Netz der Fahnder. Und doch sagen auch italienische Regierungspolitiker, wenn sie sich nach den jüngsten Verhaftungen selbst loben, die Cosa Nostra habe schon andere Todesstöße überlebt.



Domenico Raccuglia
 
Sie herrscht nicht nur mit Angst und Schrecken. Ihre Forderung, Pizzo zu zahlen, Schutzgeld, ist nicht nur Erpressung: Wer zahlt, erkauft sich auch Vorteile. Er tritt ein in ein großes Beziehungsnetz, das ihm Ruhe vor Kleinkriminellen oder Konkurrenz garantiert, das ihm Arbeitsstellen für seine Kinder verschafft, das ihm einen Parkplatz sichert, einen kurzen Dienstweg in der Verwaltung oder eine schnelle ärztliche Behandlung. Und wer dieses Schutzgeld zahlt, akzeptiert damit auch die Mafia. Es ist ein stillschweigendes Geschäft.

Vor sechs Jahren wollten ein paar Studenten eine Kneipe eröffnen. Sie diskutierten, was zu tun sei, wenn die Mafia von ihnen Schutzgeld verlangen würde. Wie sie reagieren sollten auf die Einladung zum Stillhalteabkommen mit dem Bösen. Ihre Antwort darauf schrie den Palermitanern an einem Junimorgen überall in der Stadt, von Lampenmasten, Telefonzellen, Hauswänden entgegen: „Ein Volk, das Pizzo bezahlt, ist ein Volk ohne Würde.“

Diese Gruppe von Studenten hatte beschlossen, nicht den Mund zu halten. Sie gründeten die Antischutzgeld-Organisation „Addio Pizzo“, aus der die im Verborgenen arbeitende Vereinigung „Libero Futuro“, die Unternehmern hilft, hervorging. Wer sich gegen Schutzgeldzahlungen wehren will, wird dort beraten.

Als die Polizei vor ein paar Monaten Mafiosi festnahm, applaudierten junge Leute vor den Polizeiwachen. Es waren Mitglieder und Anhänger von „Addio Pizzo“. Sie klatschten, beglückwünschten die Spezialeinheit „Squadra mobile“ zu ihrem Fahndungserfolg und sangen die italienische Nationalhymne. „Wir wollten damit zeigen, dass die Mafiawelt anders ist als unsere Welt“, sagt der 21-jährige Student Alessio von Addio Pizzo. Die Nationalhymne sollte symbolisieren, dass man „für ein freies Italien ohne Mafia“ eintrete.




Fahndungsaufruf der Aktion "Addio Pizzo"

„Addio Pizzo“ ist keine Massenbewegung. Sie hat einen kleinen Kern von 30 Aktiven, aber, wie die jungen Leute sagen, 10 000 Anhänger. Die jungen Leute, Studenten oder Akademiker zwischen 20 und 35, arbeiten ehrenamtlich und haben ihre Zentrale in einem unauffälligen Mietshaus im Norden von Palermo, in einem bürgerlichen Viertel mit kleinen Geschäften und Restaurants. Ihr Büro ist eine große Wohnung, die aus konfisziertem Mafia-Besitz stammt und ihnen von der Kommune zugewiesen worden ist. „Das ist schon irrwitzig, dass wir ausgerechnet da arbeiten, wo ein Mafioso wohnte“, sagt Eduardo, „aber das ist ein gutes Omen.“

407 Läden, Hotels, Restaurants in Palermo – darunter jedoch keine Autohändler, Apotheken oder Banken – haben sich inzwischen „Addio Pizzo“ angeschlossen. Sie sind verzeichnet in einem speziellen Reiseführer, dem „Addiopizzo Guide for the Critical Customer“. Die Aktivisten hoffen, dass möglichst viele Touristen ihren Mut unterstützen. Denn Unterstützung ist nötig. 407 Geschäfte sind wenig bei rund 90.000 Unternehmern in Palermo. Nach Polizeiangaben zahlen 80 bis 85 Prozent aller Geschäftsleute immer noch Pizzo, bis zu 4 Milliarden Euro fließen alleine in Italien jährlich an die Cosa Nostra. In Deutschland schätzt man die Einnahmen der Schutzgelder auf 3 Milliarden Euro jährlich.

Am Abend in einem Ausgehviertel von Palermo, in La Kalsa, das früher wegen der vielen Straßenüberfälle berüchtigt war. Mit EU-Fördermitteln hat man in den vergangenen Jahren ganze Straßenzüge restauriert, hier treffen sich Studenten, Akademiker, Selbstständige und Angestellte in den vielen kleinen Restaurants. Auch in der „Antica Focacceria San Francesco“ in dem schmalen Gässchen Via A. Paternostro, an deren Fenster der Aufkleber von „Addio Pizzo“ klebt. Ein paar Mal am Abend fährt ein Polizeiwagen vorbei.

„Das ist natürlich nur symbolisch“, sagt ein 35-jähriger Sizilianer, der sich Piero nennt. „Wenn die Mafia zuschlagen will, macht sie es auch.“ Piero arbeitet im väterlichen Getreidebetrieb mit. Ob sein Vater Schutzgeld zahlt? Piero grinst, zieht die Schultern hoch und sagt „keine Ahnung“. Nach zwei weiteren Bieren erzählt er von einem „entfernten Verwandten“, der wegen „irgendwelcher Mafia-Kontakte“ im Knast sitzt.

Und so ist auch im „Addio-Pizzo“-Restaurant der Geist zu spüren, den der Staatsanwalt Scarpinato, die Abgeordnete Garavini, die Fotografin Battaglia beklagen. Dass die Mafia mit ihren eigenen Gesetzen, ihrem System aus Geben und Nehmen die Menschen durchdrungen hat. Dass auch diejenigen, die dagegen sind, nur selten laut sprechen, weil sie die Omertà, das Schweigegelübde der Mafia, tief verinnerlicht haben.

Dienstag, 16. April 2013

Weitere Haftbefehle gegen Cosa Nostra-Mitglieder

Die italienische Justiz verschärft ihre Offensive gegen das organisierte Verbrechen. 77 Haftbefehle sind gegen Mitglieder der Cosa Nostra auf Sizilien erlassen worden. Die Haftbefehle sind auf die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Catania zurückzuführen, die aufgrund von Angaben des abtrünnigen Mafia-Bosses Santo La Causa zustande kamen.


Mafia-Boss Santo La Causa


La Causa, der zu den 30 gefährlichsten Kriminellen Italiens zählte, war 2009 festgenommen worden, während er an einem Gipfeltreffen von Mafia-Bossen in Catania teilnahm. Seit dem vergangenen Mai arbeitet er mit den Justizbehörden zusammen, die heikle Ermittlungen um den Mafia-Clan Santapaola führen.


Mafia-Boss Salvatore Santapola


Beschlagnahme des Anwesens von Santapola -  30 Millionen Euro konfisziert


Auch in der süditalienischen Region Kalabrien haben die Ermittler positive Resultate im Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu feiern. Sie konnten Domenico Sibio, einen 35-jährigen 'Ndrangheta-Boss, verhaften. Ihm werden enge Verbindungen zum 'Ndrangheta-Clan Pesce vorgeworfen.

Domenico Sibio

Claudio Mancini liest in Bern aus LA NERA

am 19.ten April - anlässlich des größten Events europäischer Kriminal-Autoren "Criminale 2013" liest Claudio Michele Mancini aus seinem Werk LA NERA. Für Fragen und Auskünfte steht der Autor im Anschluss gerne zur Verfügung!





Die Veranstaltung in der CASA ITALIA - einen Gourmet-Restaurant in Berns Innenstadt beginnt um 19°° Uhr. Die genaue Adresse lautet:


Casa d'Italia
Bühlstraße 57
CH-3012 BERN
 
Eintritt: 35 Schweizer Franken incl. 3 Gänge-Menü
Reservierung erforderlich unter:
info@casaitalia.ch




Also, liebe Schweizer, kommt zuhauf, es wird ein spannender Abend. Es dürfen aber auch gerne Österreicher, Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier oder Deutsche kommen.

Mörder von Richter Falcone nach 21 Jahren endlich gefasst

21 Jahre nach dem Mord an dem Mafia-Jäger Giovanni Falcone haben die Justizbehörden auf Sizilien acht Haftbefehle erlassen. Sie betreffen mehrere Mafia-Bosse, darunter der Pate Salvatore Madonia, der wegen anderen Delikten bereits verhaftet worden ist. Falcone war eine Symbolfigur im Kampf gegen die Cosa Nostra. Der Chef der Anti-Mafia-Behörde, Arturo De Felice, sprach nach den Verhaftungen von einem "fundamentalen Element" bei der Suche nach der Wahrheit.



der Pate Salvatore Madonia


Er gilt als Auftraggeber des Mordes. Die Haftbefehle wurden auch gegen weitere Mafiosi erlassen, die den Sprengstoff für den Anschlag besorgt haben sollen, teilten die sizilianischen Justizbehörden am Dienstag mit. Es sei gelungen, fehlende Puzzle-Teile zur Vorbereitung und Ausführung des Anschlags zusammenzutragen und einige Personen aus dem kriminellen Umfeld nun klarer zu sehen, teilten Ermittler mit. Dazu gehöre der Clan des Giuseppe Graviano, der ein Bindeglied darstellen könnte zwischen dem Attentat auf Falcone und dem ebenfalls tödlichen Anschlag auf dessen Anti-Mafia-Kollegen Paolo Borsellino zwei Monate später, hieß es von der Staatsanwaltschaft Caltanissetta.


Clanchef Giuseppe Graviano


Die Festnahmen erfolgten im Rahmen einer neuen Untersuchung, die um den Anschlag auf Falcone in die Wege geleitet wurde. Die neue Untersuchung kreist um die Aussagen eines abtrünnigen Mafioso, Gaspare Spatuzza, der sich zur Zusammenarbeit mit den Justizbehörden entschlossen hat.


 Der Pate Gaspare Spatuzza


Falcone 1992 bei Sprengstoffattentat getötet

Falcone, seine Frau Francesca Morvillo und drei seiner Leibwächter waren am 23. Mai 1992 während einer Autofahrt in Capaci bei Palermo durch eine ferngesteuerte Bombe getötet worden. Dabei explodierten auf der Straße, die vom Flughafen ins Zentrum von Palermo führt, 500 Kilogramm Sprengstoff.




Eine entscheidende Rolle spielte er beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 80er-Jahre große Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen verbuchen konnten. Die neuen Erkenntnisse der Anti-Mafia-Polizei stützen sich auf Geständnisse zweier früherer Mafiosi. Sie hatten von einer Verwicklung eines Mafia-Clans in den spektakulären Anschlag erzählt. Für die Morde hatte sich später der Mafia-Boss Giovanni Brusca vor Gericht verantworten müssen. Über mögliche Hintermänner wie den "Boss der Bosse" Totò Riina hielten sich aber Spekulationen, auch über die möglichen politischen Beweggründe einer ganzen Reihe von Anschlägen der sizilianischen Mafia in den Jahren 1992 und 1993.

Sein engster Kollege, Paolo Borsellino, wurde zwei Monate nach Falcone ebenfalls durch ein Sprengstoffattentat der Mafia getötet.


Montag, 15. April 2013

Leben in Palermos Herzen - Bilderstreifzug durch die Mafia-Hochburg

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Via Albergheria


Eingang zur Vucceria

in einer stille Seitengasse



berüchtigte Bar Messina - Kein Ort für Touristen



 
Die berühmte Vucceria - der Alststadtmarkt