Mittwoch, 3. September 2014

Mafia-Pate verhindert blutigen Bandenkrieg in der Schweiz

FRAUENFELD/SINGEN. Sie sind Cousins, waren aber auch erbitterte Rivalen: Der in Italien vor einer Woche verhaftete Antonio N. aus Frauenfeld und Bruno Nesci, Kopf der 'Ndrangheta-Zelle in Singen. Gemäß den Recherchen der NZZ am Sonntag hätte nicht viel gefehlt und in der Bodensee-Region wäre es zum blutigen Bandenkrieg gekommen.


Antonio Nesci, genannt Ntoni, "lo svizzero"


Es habe damit begonnen, dass Antonio Nesci, genannt Ntoni, "lo svizzero", sich nicht auf die Frauenfelder Lokale beschränken wollte, er strebte nach der Macht in Süddeutschland. Die hätte er sich wohl auch mit Gewalt geholt. Die Staatsanwaltschaft der Reggio Calabria schöpft Verdacht und bittet Baden-Württemberg Ende 2008 um Amtshilfe. Der Singener Ableger wird von da an observiert.

Bruno Nesci



Die Frauenfelder provozieren

Zeitweise soll es sogar Pläne gegeben haben, zwei Zellen in Singen zu führen, eine für "lo svizzero", die andere für seinen Cousin. Die Idee wird aber wieder verworfen. In der folgenden Zeit provozieren die Frauenfelder die Singener, indem sie etwa als Gruppe durch Singen marschieren oder nach Kalabrien fahren, um sich grünes Licht für ihre Expansions-Ideen zu holen. Bruno Nesci tobt.

Dann schaltet sich die 'Ndrangheta-Spitze in Kalabrien ein. Dem Singener Chef wird befohlen, er solle ruhig bleiben. Donato Fratto tritt als Vermittler zwischen den rivalisierenden Zellen auf den Plan. Donato Fratto wohnt in Uzwil, nicht wie früher behauptet in Kreuzlingen oder Frauenfeld. Die Schweizer sollen aus dem Macht-Gerangel als Sieger hervorgegangen sein.

Donato Fratto - der Vermittler


Singener Boss in Haft


Doch für Bruno N. neigt sich die Zeit in Singen ohnehin dem Ende zu. Im Sommer 2010 werden in Italien 300 Männer verhaftet, darunter ein 58-Jähriger aus Singen. Dabei habe es sich wohl um Bruno N. gehandelt, bestätigt das Landeskriminalamt Stuttgart. Er wird am 8. März 2012 zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Er soll noch im Gefängnis sein.
Doch seine Entlassung steht kurz bevor, da nach deutschem Recht nach Verbüßung von 2/3 der Strafe die Freilassung angeordnet wird.