Mittwoch, 19. Juni 2013

Von der Mafia verscharrt....

WASHINGTON –   18. Juni 2013

Das FBI sucht bei Detroit nach der Leiche des früheren Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa. Seit 1975 beschäftigt dessen Verschwinden die amerikanische Öffentlichkeit. Unzählige Legenden und Verschwörungstheorien ranken sich um den Fall Hoffa. Endlich kommt Bewegung in die Sache!


Der Gewerkschaftsführer James „Jimmy“ Hoffa (links) wurde 1967 wegen Betrugs und Bestechung abgeführt.


Sie graben ein Feld um und hoffen, eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte in den USA zu lösen. Am Dienstag nahmen Beamte der US-Bundespolizei FBI nahe der Stadt Detroit die Suche nach den Überresten des seit bald 38 Jahren verschwundenen früheren Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa wieder auf. Und wieder einmal heißt es, der mysteriöse Fall stehe kurz vor der Aufklärung.

Seit 1975 beschäftigt das Verschwinden von Jimmy Hoffa die amerikanische Öffentlichkeit. Hoffa, der von 1957 bis 1971 Präsident der mächtigen Transportarbeiter-Gewerkschaft Teamsters war und jahrzehntelang Verbindungen zur Mafia unterhielt, wurde am 30. Juli 1975 zum letzten Mal in der Nähe eines Restaurants bei Detroit gesehen. Seither ranken sich um den damals 62 Jahre alten Mann unzählige Legenden und Verschwörungstheorien.

1992 wurde das Leben des Lagerarbeiters, der zu einem der mächtigsten Gewerkschaftsbosse der USA wurde, verfilmt. Jack Nicholson spielt darin Hoffa, der gegen Ende seiner Laufbahn wegen Betrugs und Bestechung zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Der damalige US-Präsident Richard Nixon war jedoch gnädig und ließ Hoffa nach vier Jahren im Gefängnis freikommen.

Unter Betonplatten

 
 
Alle Bemühungen, Hoffas Leichnam zu finden, blieben über die Jahre erfolglos. Doch im Februar dieses Jahres sagte der 85 Jahre alte Tony Zerilli einem Fernsehsender aus Detroit, dass er genau wisse, wo die Überreste liegen – auf einem Feld im Örtchen Oakland Township, gut 30 Kilometer entfernt von dem Restaurant. Tony Zerilli, der noch heute abstreitet, der Mafia angehört zu haben, saß zwar im Gefängnis, als Hoffa verschwand. Aber Zerillis Anwalt sagte jetzt im Namen seines Mandanten, der sei sich zu 100 Prozent sicher, dass Hoffa unter einer Betonplatte auf dem Feld liege.






Das Grundstück habe vor 38 Jahren einem Verwandten Zerillis gehört, sagte der Anwalt. Hoffa sei erst mit einer Schaufel geschlagen und dann lebendig begraben worden. Die Betonplatte soll sich in einer Scheune auf dem Feld befunden haben, die allerdings heute nicht mehr existiert.

Endlose Suche

 
 
In einem Manuskript Zerillis heißt es wie zur Bestätigung seiner Theorie, wonach der Mord an Hoffa so und nicht anders geschehen sein soll: „Im Film fahren Leute mit Leichen im Kofferraum herum. Die stecken sie dann in Fleischwölfe und Öfen, begraben sie in Stadien oder packen sie in Häcksler.“ So etwas geschehe aber nicht im wahren Leben, „zumindest nicht im wahren Mafia-Leben“.

Die US-Bundespolizei FBI scheint von Zerillis Aussagen beeindruckt gewesen zu sein. Denn Beamte starteten jetzt eine Grabung auf dem Feld.

Möglicherweise geht die jüngste Suche nach Hoffas Überresten aber auch so aus wie Dutzende vor ihr. Hoffas Leichnam wurde schon im Giants Stadium in New York vermutet, in den Fundamenten der Firmenzentrale von General Motors in Detroit, in den Everglades in Florida, in einem Hotel in Georgia, auf einer Müllkippe in New Jersey und auf einer Pferdefarm in Michigan.
Gefunden wurde dort jedoch jedoch nichts.

Dienstag, 18. Juni 2013

Ein sizilianischer Journalist kämpt mutig gegen die Mafia

Das Gesetz des Schweigens - dafür ist die Mafia berüchtigt. Pino Maniaci bricht dieses Gesetz. Der mutige Lokaljournalist produziert Tag für Tag eine Fernsehsendung über die sizilianische Mafia.
Wer sich Pino Maniacis Studios nähert, merkt das nicht nur an den Carabinieri, den Polizisten, die diskret in der Nähe Wache halten. Er merkt es auch am stechenden Geruch von Zigarettenqualm. Der Journalist und TV-Moderator Pino Maniaci raucht drei Packungen am Tag, "manchmal sogar vier", grinst er. (Anmerkung Claudio M. Mancini - die würde ich an seiner Stelle auch rauchen...)




Er liebe sein Land, erklärt mir Maniaci. "Und dieses Land braucht Journalisten, die ihren Job als wahre Mission begreifen". Journalistische Erfahrung brachte er für seine täglich zweistündige Anti-Mafia-Live-Nachrichtensendung nicht mit. "Ich wollte zuverlässige, glaubwürdige Nachrichten verbreiten", meint Maniaci. "Das heißt, man muss die Dinge sagen wie sie sind."

Der Inhaber einer kleinen Baufirma kaufte 1999 einen lokalen Fernsehsender in Partinico, einer unscheinbaren Kleinstadt etwa 30 Kilometer von der sizilianischen Hauptstadt Palermo entfernt. Von da an änderte sich sein Leben grundlegend. Ein Jahr später war "Telejato" der erste und der einzige Anti-Mafia-Fernsehsender Siziliens - und Maniaci bei der örtlichen Mafia der Feind Nummer Eins.

Maniaci markiert den starken Mann, während er an seiner Zigarette zieht, flucht und Witze über seine Gegner macht. Nicht, weil ihm die Gefahren seiner Berichterstattung über die Mafia nicht bewusst wären. Die Autoreifen haben sie ihm mehrfach aufgeschlitzt, Bremsleitungen durchgeschnitten, seine Wagen brannten aus, wurden beschossen, die Windschutzscheibe von Kugeln zerschmettert. Der Journalist hat schon so viele Drohbriefe erhalten, dass er aufgehört hat, sie zu lesen. Angst um sich und seine Familie hat er aber trotzdem, gibt Maniaci zu.

Einen Anschlag auf sein Leben hat Maniaci mit vier gebrochenen Rippen, einem gebrochenen Bein, einem blauen Auge und zerbrochenen Zähnen überlebt. Er erzählt, wie er damals davongekommen ist: Sein Vater habe ihm, als er noch jung war, beigebracht, den Schlips mit einem doppelten Knoten zu binden. "Sie versuchten mich zu erwürgen, indem sie an beiden Enden fest zogen. Mein Vater hat mich gerettet, denn ein doppelter Knoten lässt sich nicht sehr eng zuziehen."

 

Die USA rüstet sich gegen die Camorra auf

Sie sind wieder da

Die US-Regierung rüstet sich gegen die Camorra, denn sie bedroht das Land wie lange nicht mehr. Italien sollte sich dem Kampf anschließen.


Little Italy in New York City


Es ist eine Revolution. Zum ersten Mal bezeichnet die amerikanische Regierung die Camorra als »eine der vier gefährlichsten Verbrecherorganisationen für die wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten« – neben dem mexikanischen Los-Zetas-Kartell, der russischen Mafia-Bruderschaft und der japanischen Yakuza. Die Camorra ist damit nicht mehr nur ein fernes kriminelles Problem, das man der Ethik wegen bekämpfen sollte. Nein, die neapolitan mafia, wie man sie in Übersee nennt, ist nun eines der größten Wirtschaftsprobleme der Vereinigten Staaten von Amerika.

Alles begann mit einer Mitteilung von Präsident Obama aus Anlass einer Pressekonferenz in Washington. Beigefügt war ihr eine detaillierte Beschreibung des Phänomens: Die kriminellen Netzwerke, so stand dort, sind im Begriff, ihre Operationen über die nationalen Grenzen hinweg auszuweiten, ihre Tätigkeitsbereiche zu diversifizieren und insgesamt komplexer und raffinierter zu werden. »Sie vereinigen sich mit korrupten Regierungselementen und nutzen deren Macht und Einfluss, um ihre kriminellen Machenschaften voranzutreiben.« Die US-Regierung betont, dass die Camorra sich umso tiefer ins Wirtschaftssystem eines Staates einnisten und ihn damit umso mehr gefährden kann, je enger sie sich mit der Regierung verbündet hat.

Schon im Januar dieses Jahres zeigte sich, was Washington über die italienischen Mafia-Vereinigungen denkt. WikiLeaks veröffentlichte damals die Depeschen des ehemaligen amerikanischen Konsuls von Neapel, J. Patrick Truhn, die dieser im Juni 2008 an seine Regierung gesandt hatte. Truhn berichtete darin von Lebensmitteln, die importiert und dann als italienische Produkte verkauft würden: moldawische Äpfel, mit Pestiziden vergiftet, marokkanisches Salz, von Kolibakterien durchsetzt. Außerdem berichtete er, dass zwei Drittel der regionalen Brotfabriken von Mafia-Clans kontrolliert würden und dass das Brot mit toxischen Zusätzen versehen sei. Dass der Mozzarella in Caserta zuweilen aus bolivianischem Milchpulver hergestellt werde und dass in Kampanien illegale Abfälle aus ganz Italien vergraben würden.


Lebensmittel-Razzia in Caserta

Mit Blick auf Kalabrien sprach der Konsul von einem Gebiet, das sich ganz »in der Hand von Erpressern und Drogenhändlern« befinde, mit einer Bevölkerung, »der jeglicher Optimismus abgeht und die ihre lokalen Politiker für unfähig und korrupt hält«. Viele amerikanische Unternehmer weigerten sich, in Süditalien zu investieren, aus Angst vor der Mafia, schrieb der Konsul. Und er schloss mit den Worten: »Die von der organisierten Kriminalität verursachten Kosten belasten letztendlich fast jeden italienischen Bürger, sei es auf direktem oder indirektem Weg. Wir müssen die neue italienische Regierung davon zu überzeugen suchen, dass das organisierte Verbrechen für die amerikanische Regierung ein ernstes Problem darstellt und dass die absurd hohen Kosten dieses Verbrechens ein ausreichendes Argument dafür sind, sofort zu handeln.« Der Bericht des Konsuls ging an den zuständigen Staatssekretär, an die CIA, ans FBI, an die DEA und an 18 weitere amerikanische Regierungsstellen.

Auf die Enthüllung der Depesche reagierten die italienischen Politiker mit der Versicherung, es werde bereits alles Notwendige getan, um die Mafia zu bekämpfen, im Übrigen seien die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten hervorragend. Damit kamen sie durch, weil es sich damals »nur« um Berichte handelte, die von WikiLeaks veröffentlicht worden waren. Das geht jetzt nicht mehr. Diesmal handelt es sich um eine offizielle Stellungnahme der amerikanischen Regierung. Vor Kurzem hat sie einen Aktionsplan mit dem Titel Strategy to Combat Transnational Organized Crime entworfen. Er wurde, mitsamt dem Geleitwort Barack Obamas, in einer Pressekonferenz im Weißen Haus vorgestellt, an der unter anderem Justizminister Eric Holder, Heimatschutzministerin Janet Napolitano sowie Sicherheitsberater John Brennan teilnahmen.


Der Neuaufstieg der neapolitanischen Mafia ist im Fernsehen zu besichtigen

Dieses Dokument und vor allem die Einsicht, dass die Camorra eine durchstrukturierte verbrecherische Organisation ist, die eingedämmt werden muss, sind alles andere als Selbstverständlichkeiten. Für die Amerikaner spielte die neapolitan mafia in den vergangenen Jahrzehnten im Vergleich zur sizilianischen Cosa Nostra und zur kalabresischen ’Ndrangheta eine marginale Rolle. Das könnte daran liegen, dass die italo-amerikanische Mafia in einer tiefen Krise steckt. Der Rico Act (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act) – ein Anti-Mafia-Gesetz, das im Falle eines Verbrechens Klageerhebung gegen sämtliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung vorsieht, auch wenn nur einer oder einige von ihnen aktiv an der Tat beteiligt waren – hat ihr buchstäblich das Rückgrat gebrochen.

In den sechziger und siebziger Jahren wurden die italo-amerikanischen Vereinigungen wie große Schwestern der italienischen Gruppierungen betrachtet; in New York beherrschte die Mafia große Teile des Baugewerbes und der Müllentsorgung. Diese Macht verlor sie jedoch nach und nach, da die neuen Mafiosi-Generationen nicht mehr über die Erfahrung und das diplomatische Geschick ihrer Väter verfügten. Deshalb begann der Mafia-Boss Carmine »Lilo« Galante um die Mitte der siebziger Jahre, neue Mitglieder direkt in Sizilien zu rekrutieren: in der Hoffnung, sie seien verlässlicher, skrupelloser und weniger den Bequemlichkeiten und Extravaganzen der Neuen Welt verfallen. Wenn nun eine der New Yorker »Familien« irgendeine delikate Operation zu Ende bringen muss, lässt sie zu diesem Zweck »Vertrauenspersonal« aus Italien kommen.



Carmine Galante - erschossen in seinem Lieblingsrestaurant 1979

Was übrig blieb von der alten italo-amerikanischen Mafia, ist eine Art Unterwelt, die aber mehr ästhetischen als realen Charakter hat. In den USA nennt man sie »Guidos«: durchtrainierte, braun gebrannte Jungs mit protzigen goldenen Ringen und Ketten und gegeltem Haar, die ihre Gesichter beim Essen dicht über die Teller hängen und einen Slang reden, der sich nach italienischer Verballhornung anhört. Eine Mafia zum Vorzeigen: Es gibt sogar eine Reality-Show namens Mob Wives, die das Alltagsleben von vier italo-amerikanischen Mafiosi-Frauen darstellt, deren Männer allesamt wegen Mafia-Verbrechen einsitzen.


Der Clan der Bonanno

In New York aber verwalten noch immer die fünf großen Mafia-Familien – die Gambino, Colombo, Bonanno, Lucchese und Genovese – das Know-how der Organisierten Kriminalität, auch wenn heute so gut wie keiner mehr diese Namen trägt.


Gambino bei seiner Verhaftung in New York


Währenddessen hat es die Camorra geschafft, abseits des Rampenlichts Wurzeln zu schlagen. Beginnend mit dem berühmtesten Gangster aller Zeiten, mit Alfonso Capone, genannt Al, gebürtig aus der Provinz Neapel, der davon träumte, dereinst in seine Heimat zurückzukehren und sie »samt und sonders aufzukaufen«, bis hin zu den vielen in den vergangenen Jahren aufgedeckten Geschäften fand stets ein reger Austausch zwischen der Camorra und den Vereinigten Staaten statt.


Thomas Gioeli - Clanchef der Colombo-Familie

So wurden Warenfälscherringe aufgedeckt, die von der Camorra kontrolliert werden: gefälschte Bosch-Schlagbohrer und Canon-Kameras, Lederbekleidung, aus dem Orient importiert oder in der Provinz Neapel hergestellt, die dann in den Läden zusammen mit den Originalen zum Verkauf angeboten werden.


Joseph Bonanno

In einem Erlass aus dem Jahr 2005 wiesen die Untersuchungsrichter der neapolitanischen DDA (Direzione Distrettuale Antimafia) nach, dass das Monopol für den Fälschermarkt in Europa, Amerika und Australien jahrelang in den Händen eines kriminellen Netzwerks lag, das unter anderem aus neapolitanischen Unternehmern bestand, die Geschäftsbeziehungen mit Camorra-Familien unterhielten. In der Folge wurden nicht nur Angehörigen der Mafia-Clans Handschellen angelegt, sondern auch Inhabern von großen neapolitanischen Bekleidungsunternehmen.

Paolo Ottaviano, der als Boss des Mazzarella-Clans gilt und 2008 verhaftet wurde, hatte im Auftrag des Clans den Handel mit gefälschter Ware kontrolliert. Laut Aussage einiger Mafia-Kronzeugen reiste er ständig zwischen Italien und den USA hin und her, um die Geschäfte des Clans abzuwickeln.


Paolo Mazzarella

Aus einer Ermittlung der DIA (Direzione Investigativa Antimafia) von Neapel und Padua vom April 2011 geht hervor, dass ein in Padua ansässiger Hersteller von Müllverbrennungsanlagen es zum Marktführer in vielen Teilen der Welt gebracht hat, unter anderem auch in New York, mit Firmensitz nahe der Wall Street, und zwar dank beträchtlicher Geldsummen, die ihm von Cipriano Chianese zugeflossen sind, dem Boss des Canalesi-Clans, auch bekannt als König des Mülls.


Cipriano Chianese - König der Müllmafia

Dass die neapolitan mafia dabei war, wieder Terrain zu gewinnen, bemerkte die Filmindustrie noch vor der Polizei. Die Sopranos, berühmteste TV-Mafia-Familie, stammen dem Drehbuch zufolge aus Avellino, und obwohl sie inzwischen in jeder Hinsicht Amerikaner sind, unterhalten ihre Angehörigen stets noch Verbindungen zum »Mutterhaus«. In einer berühmten Folge begeben sich die Protagonisten von ihrem Wohnort New Jersey aus auf eine Geschäftsreise nach Neapel, um dort einen Handelsvertrag für gestohlene Autos abzuschließen. Und ebenfalls in Neapel macht Tony Soprano sich auf die Suche nach zuverlässigen Auftragskillern – ganz so, wie es in den siebziger Jahren Carmine »Lilo« Galante getan hatte.

All dem stehen die Millionen Italoamerikaner entgegen, die in den Staaten leben und darunter zu leiden haben, dass man sie für Mafiosi hält. Es ist ein Vorurteil, das auch deshalb Schaden anrichtet, weil es sowohl in den Vereinigten Staaten wie in Deutschland den intakten italienischen Gemeinschaften zu verdanken ist, dass die Mafia sich nicht weiter ausbreitete. Italiener haben der ganzen Welt vorgemacht, wie man die Mafia bekämpft: Es gilt, die Erinnerung an jene zu pflegen und hochzuhalten, die sich den Mafia-Vereinigungen widersetzt haben, und den Einsatz und Opfermut zu würdigen, den jene Unternehmer aufbringen mussten, die »sauber« blieben.


Schluss mit den Ausflüchten, Italien muss das Alarmsignal hören!

So versteckt die Einladung der US-Regierung zur Mitarbeit, so unverhüllt ist die Kritik an der italienischen Regierung. Sie kommt jedoch nicht unerwartet. Unser Land steht seit geraumer Zeit unter Beobachtung, jetzt wird abgerechnet. In den Vereinigten Staaten spricht man von der Camorra als einer Gefahr für die Demokratie, während man sie in Italien merkwürdigerweise für besiegt erklärt. Und die bloße Erwähnung der offensichtlichsten aller Wahrheiten, nämlich der Tatsache, dass die meisten Mafia-Geschäfte im Norden des Landes stattfinden, hat eine Welle von Ärger und Wut bei den regierenden Parteien ausgelöst, die gerne leugnen würden, dass die Mafia sich auch in jenen Regionen eingebürgert hat, aus denen sie ihre Wählerstimmen beziehen.

Denen, die meinen, über das Organisierte Verbrechen zu reden bedeute, Italien zu diffamieren, antworte ich, dass unser Land die ältesten Anti-Mafia-Organe der Welt besitzt und dass wir die Einladung der amerikanischen Regierung mit Begeisterung aufnehmen sollten; denn wir könnten zu einem wertvollen Verbündeten im Kampf gegen die kriminellen Organisationen werden.

Das Vorgehen der Amerikaner taugt als Schlag gegen die versteinerte Gleichgültigkeit der italienischen Öffentlichkeit, die es zuließ, dass Nicola Consentino ungestraft für das wichtige Amt des Vize-Wirtschaftsministers nominiert wurde, obwohl er derzeit wegen Beihilfe zu diversen Mafia-Verbrechen unter Anklage steht.



Nicola Consentino

In Neapel wurden Ermittlungen eingeleitet, von denen auch Mitglieder der Regierung und der Mehrheitsparteien betroffen sind, darunter sogar der Regionalpräsident von Neapel, Luigi Cesaro. Ebenfalls in Neapel überprüft die Staatsanwaltschaft einen Bericht, in dem ein Zusammenhang hergestellt wird zwischen Camorra, Unternehmen und korrupten Mitgliedern der Ordnungskräfte.

Wenn die italienische Regierung fortfährt mit ihren Bagatellisierungen und billigen Ausflüchten oder wenn sie, schlimmer noch, das aus Amerika kommende Alarmsignal ignoriert, liefert sie einen weiteren Beweis ihrer Schwäche und Unzuverlässigkeit, und zwar in einem extrem kritischen Moment.

Neapel macht die Schätze der Camorra zu Geld

Neapel versteigert einen Teil der Schätze der Camorra, die die Stadt in vier Jahrzehnten Mafia-Jagd beschlagnahmt hat. Damit beweist sie im ewigen Kampf gegen das organisierte Verbrechen Kreativität. 


Die Schätze der Camorra werden versteigert


Eine Rolex aus Weißgold. Ringe, besetzt mit Smaragden. Ein Collier aus Diamanten. In Neapel werden derzeit hochkarätige Schmuckstücke versteigert. Nicht im Auktionshaus allerdings, sondern im Gerichtssaal. Das Landgericht hat beschlossen, seine vollgestopften Asservatenkammern zu leeren – in der sich die gesammelten Schätze von vier Jahrzehnten Jagd auf die Camorra stapeln.

Mehr als eine Million Euro beträgt der Wert der Güter die von diversen Clans der neapolitanischen Mafia konfisziert wurden, und die das Gericht nun loswerden möchte. Die Startpreise hat die Verwaltung auf unter 50 Prozent des Marktwertes veranschlagt, ein Fest für wohlhabende Schnäppchenjäger. Die Rolex etwa wird für 12.000 Euro feilgeboten, das Collier für 11.000.

Die Versteigerung der Schmuckstücke ist erst der Anfang einer Serie von Auktionen. Als nächstes soll der Fuhrpark der Camorra-Clans unter den Hammer kommen: Autos, Motorräder und Lastwagen – man habe mittlerweile ein Platzproblem, heißt es beim Gericht.
 
 
 

So treiben die Behörden Gelder ein

"So treiben wir Gelder ein, welche die organisierte Kriminalität dem Staat abgenommen hat", begründet Carlo Alemi seine Initiative. Der Präsident des Landgerichts weiß auch schon, was er mit dem Gewinn anfangen wird. "Ich hoffe, dass wir einen Teil davon wieder in unsere Behörden investieren können. Wir haben hier teilweise Probleme, den ordnungsgemäßen Arbeitsablauf aufrechtzuerhalten."

Der ewige Kampf gegen das organisierte Verbrechen in Italien mag nicht immer erfolgreich sein, doch umso kreativer sind die Behörden im Umgang mit dem beschlagnahmten Besitz der Bosse.

1996 hat die Regierung ein Gesetz erlassen, nach dem das Eigentum zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilter Mafiosi an die Gemeinden übergeht. Es sieht vor, dass die auf illegale Weise erworbenen Güter an Verbände, Gemeinden und Regionen verteilt werden. Diese investieren das Geld wieder in den öffentlichen Dienst oder fördern gemeinnützige Projekte.

Letzteren kommt besonders die hohe Anzahl konfiszierter Immobilien zu Gute. Die nationale Agentur, welche die Güter verwaltet, zählt landesweit inzwischen rund 13.000 Grundstücke und Unternehmen von Mafiosi zum staatlichen Eigentum. Die meisten werden in soziale Einrichtungen umgewandelt.


Aus Cosa Nostra-Landsitzen werden Bio-Bauernhöfe



Das wohl skurrilste Projekt soll demnächst in Casal di Principe eingeweiht werden. Der Camorra-Boss Walter Schiavone hatte sich in dem süditalienischen Städtchen einen Palast bauen lassen – eine originalgetreue Kopie der Luxusvilla von Gangsterboss Tony Montana aus dem berühmten Mafia-Film "Scarface". In diesem 850 Quadratmeter großen Protz-Palazzo mit Säulenhalle, Pool und Wendeltreppen soll demnächst ein Rehabilitationszentrum für Menschen mit Behinderungen eingeweiht werden.

"Das Konzept der Umnutzung ist nicht nur finanziell, sondern auch kulturell sehr effektiv", erklärt Davide Pati von der Antimafia-Organisation Liberà. "Indem wir uns an einem Ort sozial engagieren, gewinnen wir die Einwohner für uns und entziehen der Mafia so nicht nur ihr Eigentum sondern auch den Rückhalt in der Bevölkerung."

Liberà ist der Dachverband von den rund 1.500 verschiedenen Organisationen, die sich gegen die Mafia engagieren und Umnutzungs-Projekte im ganzen Land betreuen.

In Bari etwa haben sie ein ehemaliges Kino der apulischen Mafia in eine Bühne für ein Theaterprojekt verwandelt. In Corleone nahe Palermo wurden zwei Landsitze der sizilianischen Cosa Nostra in Bio-Bauernhöfe samt Pension umgebaut. Auf zahlreichen Grundstücken sind in den vergangenen Jahren zudem landwirtschaftliche Genossenschaften entstanden, die Arbeitsplätze in der Region schaffen – und die erste Lebensmittel-Marke mit dem Etikett "Mafia-frei". Unter dem Label "Libera Terra" (freies Land), produzieren die Höfe Olivenöl, Zitronen oder Wein, die in Supermärkten im ganzen Land verkauft werden.


Kammer mit Mafia-Besitz wird bald Museum



Die meisten konfiszierten Güter verzeichnet der Staat in den südlichen Regionen Sizilien, Kampanien und Kalabrien. Aber seit ein paar Jahren kommen auch immer mehr Immobilien aus dem Norden dazu. Camorra, 'Ndrangheta (Kalabrien) und Cosa Nostra investieren ihr Geld längst auch in anderen Landesteilen. Das bislang größte Grundstück mit 600 Hektar Land beschlagnahmten die Behörden etwa in der Toskana.

Und auch in schicke Wohnungen in der italienischen Hauptstadt investiert die Camorra. Unweit der Piazza Venezia beschlagnahmten Ermittler vor ein paar Jahren ein Appartement im siebenten Stock eines Palazzos. Die Mafiosi hatten die Wohnung nicht etwa wegen ihrer tollen Aussicht auf das historische Zentrum Roms ausgewählt, sondern weil sie im Fall einer Hausdurchsuchung über die Dächer fliehen konnten. Heute hat dort Liberà ihr Büro und koordiniert aus der ehemaligen Clan-Wohnung ihre Antimafia-Projekte.

Auch Neapel will – nachdem Schmuck und Fuhrpark der Camorra versteigert sind – sich bald um ein Umnutzungs-Projekt kümmern. In Castel Capuano, einer alten neapolitanischen Burg, lagern nämlich noch einmal mehr als 20.000 beschlagnahmte Clan-Güter aus vorrepublikanischen Zeiten: darunter alte Waffen und allerlei Werkzeug für Einbrüche, eine bronzene Büste von Benito Mussolini und zwei Gemälde aus der neapolitanischen Schule des 18. Jahrhunderts.

Das zuständige Gericht will die historische Asservatenkammer künftig in ein Museum umwandeln. Die konfiszierten Schätze, so die Idee, werden dann einfach entstaubt und als Exponate arrangiert – etwa für eine Dauerausstellung über die Geschichte der neapolitanischen Justiz.


Mafia-Prozess in Boston: "Ich schoss ihm ins Herz"

Zwei böse Greise vor Gericht: Der legendäre Gangsterboss James "Whitey" Bulger muss sich wegen 19 Morden verantworten. Johnny Martorano, der "Schlächter aus der Basin Street", sein einstiger Vollstrecker und jetziger Erzfeind, belastet ihn schwer. Ein filmreifes Spektakel.


Gangster Johnny Martorano (2008): "Der Schlächter aus der Basin Street"


Der Killer ist in die Jahre gekommen. Schnaufend durchquert Johnny Martorano den Gerichtssaal und sackt in den Zeugenstand. Seine Miene ist gequält, widerwillig, sein Blick nach unten gerichtet. "Morgen", brummt er, das "Guten" spart er sich. Das, was er hier zu erzählen hat, ist alles andere als gut.

Johnny Martorano, 72, ist auch noch unter anderen Namen bekannt. Etwa "Der Henker". Oder "Der Schlächter aus der Basin Street". 20 Morde hat er gestanden, eine beliebige Zahl, in Wahrheit waren es viel mehr. So viele, dass er am Ende selbst keinen Überblick mehr hatte.

 Es wird mucksmäuschenstill. Dies ist der Moment, auf den sie alle warten. Der Moment der Wahrheit. Zumindest der Wahrheit, wie ein eiskalter Killer wie Johnny Martorano sie sieht.
Der Kronzeuge meidet den Blick des Angeklagten. Sie waren mal beste Freunde. "Partners in crime", wie Martorano ohne jeden Anflug von Ironie sagt: Komplizen im Leben und im Geschäft. Dann kam ein Verrat, "es brach mir das Herz", seither sind sie Erzfeinde, und nun folgt die Stunde der Abrechnung.


Der Ex-Gangster und sein Ex-Vollstrecker

Der Angeklagte ist James "Whitey" Bulger, 83, Bostons legendärer Gangsterboss der siebziger und achtziger Jahre. Nach 16-jähriger Flucht ging er den Fahndern 2011 ins Netz, seit voriger Woche wird ihm der Prozess gemacht: Erpressung, Drogenhandel, Geldwäsche, Raub, illegaler Waffenbesitz und was sonst noch alles so dazugehört zum organisierten Verbrechen.

Und natürlich, nicht zu vergessen, 19 Morde.




Als erster Belastungszeuge der Anklage soll Martorano ihn nun ans Messer liefern. Ihm diese Morde anhängen wie einen Betonklotz, der ein Mafia-Opfer ins nasse Grab zieht. Im Gegenzug musste er selbst nur zwölf Jahre für die Morde absitzen.

Es ist ein filmreifes Bild: Der Ex-Gangster und sein Ex-Vollstrecker, vereint in Saal 11 des Bostoner US-Bezirksgerichts, im wohl letzten großen Prozess ihrer Branche. Beide sind zu Greisen reduziert, zu Schatten ihrer selbst.

Der gedrungene Bulger - die reale Vorlage für Jack Nicholsons Schurke im Kinothriller "Departed - Unter Feinden" (2006) - sitzt wie versteinert da. Martorano trägt eine dicke Brille und hört schlecht. "Wie bitte?", nuschelt er oft.


Schreckensherrschaft über Boston

Staatsanwalt Fred Wyshak steuert ihn mit Fragen durch eine Darstellung seiner blutigen Karriere. Martorano erfüllt die Pflicht als larmoyanter Buchhalter: Eine Hinrichtung nach der anderen lässt er Revue passieren - eine Schreckensherrschaft, die Boston bis heute bannt, ausgeführt mit der Mentalität von Berufskillern, in aller Banalität ausgebreitet

Sie waren unzertrennlich: Martorano, Bulger und Bulgers rechte Hand, Stephen "Rifleman" Flemmi, der später ebenfalls für die Anklage aussagen soll. Erst nach seiner Verhaftung 1995 erfuhr Martonaro, dass seine engsten Freunde nebenher FBI-Informanten waren.


Stephen "Rifleman" Flemmi

"Sie brachen jedes Vertrauen", erinnert er sich an seinen Schock damals. "Jede Loyalität." Und das besiegelte das Ende des Mörder-Trios.

Gemeinsam terrorisierten sie Boston, von Kneipen aus, die "Luigi's" hießen, "Sugar Shack" und "Basin Street Club". Mehrere Gangs stritten um die Herrschaft, es waren blutige Revierkämpfe, bis Bulgers "Winter Hill Gang" siegte. Wer im Weg stand, überlebte nicht. Das Motto, so Martorano: "Macht mit uns Geschäfte - oder macht gar keine Geschäfte."

Anfangs arbeitete Martorano auf eigene Faust. Assistiert von Staatsanwalt Wyshak, rezitiert er seine Opfer wie Stationen eines Lebenslaufs. Bobby Palladino: 15. November 1966. Johnny Jackson: 28. September 1966. Herbert Smith: 6. Januar 1968. Ronald Hicks: 19. März 1969.


"Er war der Falsche?"

Später mordete er, wie er behauptet, im Verbund mit Bulger. Zum Beispiel Al Notarangeli: Martorano beschreibt, wie er den Rivalen 1974 im Auftrag Bulgers in eine Falle gelockt und umgebracht habe: "Ich schoss ihm ins Herz." Bulger habe Flankenschutz geleistet.

Zuvor mussten aber noch zwei Unschuldige sterben, die Martorano fälschlicherweise für Notarangeli hielt. Darunter Barkeeper Michael Milano: "Er war der Falsche?", fragt Wyshak. "Der Falsche", murmelt Martorano ungerührt.



Auch da sei Bulger mit dabei gewesen - wie beim Mord an Notarangelis Bruder Joe: Den erschoss Martorano 1973. James O'Toole, einen weiteren Gegner, hätten sie auf offener Straße erledigt: "Er stand hinter einem Briefkasten, ich lehnte mich darüber und schoss."

So geht es weiter, einer nach dem anderen. Bulger habe die Entscheidung als Anführer stets abgesegnet und meist auch mitgemacht.

Am Ende reicht der Verhandlungstag nicht aus. An diesem Dienstag soll Martorano seine Aussage fortsetzen, auch im Kreuzverhör der Verteidigung, die ihn als unglaubwürdigen Verräter darstellen will. Als er den Gerichtssaal verlässt, würdigt Bulger ihn keines Blickes.

Montag, 17. Juni 2013

Berlusconi wollte Gadafi ermorden lassen...

Italiens Ex- Premier Silvio Berlusconi, der in der Vergangenheit öfters wegen seiner Beziehungen zum ermordeten libyschen Revolutionsführer Muammar al- Gadafi unter Druck geraten war, soll sich bei den italienischen Geheimdiensten während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 über Möglichkeiten informiert haben, den Ex- Machthaber zu liquidieren. Man habe diverse "Pläne" durchgespielt und sogar die Möglichkeit in betracht gezogen einige Killer der Mafia auf Gadafi anzusetzen. Dies berichtete am Donnerstag die italienische Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano", die sich auf diplomatische Kreise berief.
 




Mit der Tötung Gadafis, habe der Medienzar sein wackeliges internationales Ansehen bei den Europäern und den Amerikanern konsolidieren wollen, da er dem libyschen Ex- Machthaber im Ausland als zu nahe stehend galt. Dies habe Berlusconis internationalem Prestige geschadet, berichtete das Blatt. Ein Informant hielt es sogar für möglich, dass Berlusconi bereits ein hohes Kopfgeld ausgesetzt habe und später deshalb von hohen Mafiabossen erpresst wurde, weil seinen Plan nicht weiter verfolgen wollte.
Die Zeitung zitierte den Ex- Verteidigungsminister Ignazio La Russa: "Berlusconi war besorgt. Er hatte Angst, wegen seiner guten Beziehungen zu Gadafi international in Schwierigkeiten zu geraten."

Vorwürfe für Berlusconi- Sprecher "absolut haltlos und absurd"

Berlusconis Sprecher, Paolo Bonaiuti, bezeichnete den Zeitungsbericht als "absolut haltlos, absurd und unannehmbar. Wie kann man behaupten, dass Berlusconi auch nur so etwas gedacht haben könnte".

Die ehemalige Kolonialmacht Italien war bis zum Beginn des Anti- Gadafi- Aufstandes im Februar 2011 der engste Verbündete und wichtigste Handelspartner des libyschen Regimes in Europa. Im Jahr 2008 unterzeichneten beide Länder ein Freundschaftsabkommen, das die Stärkung der Beziehungen vorsah. Das Abkommen verbot die Nutzung italienischen Territoriums für Angriffe auf Libyen.

Berlusconi bezeichnete den "Colonello", wie Gadafi in Italien genannt wurde, als persönlichen Freund. Mehrmals wurde Gadafi von Berlusconi als Ehrengast in Rom empfangen. Der Ex- Diktator hatte Italien wegen seiner Teilnahme an der in Libyen durchgeführten Militäraktion unter NATO- Regie des Verrats beschuldigt und scharf attackiert.

EZB im Kampf gegen die Mafia und "Blüten"- Hauptstadt Europas

Während die Europäische Zentralbank im Kampf gegen die Krise immer mehr frisches Geld in den Markt pumpt (siehe auch Infobox), sorgt auch eine kleine italienische Gemeinde dafür, dass der Strom an neuen Euro- Noten nicht abreißt. Die Scheine aus Giugliano nördlich von Neapel sind allerdings durchwegs "Blüten" - noch dazu nahezu perfekte. Die Regierung Monti und die EZB sagen diesem Treiben nun den Kampf an - allerdings mit wenig Aussichten auf Erfolg.

"In Italien haben wir eine uralte Tradition der hohen Künste. Hier (in Giugliano) drucken sie eben Falschgeld", erklärte Alessandro Gentili, Chef der Anti- Falschgeld- Abteilung der italienischen Polizei, gegenüber der "New York Times" . "Giugliano ist dabei auch heute noch die 'Blüten'- Hauptstadt, die besten Fälscher arbeiten hier."




"Blüten" nur als "Nebenerwerb"

Mehr als die Hälfte der jährlich bis zu 800.000 gefälschten Euro- Banknoten kommt aus dieser Region, die fest von der Camorra kontrolliert wird. Laut einem Sprecher der Österreichischen Nationalbank liegt dabei der Anteil des aus Italien stammenden Falschgeldes - von dem in den letzten Jahren bei uns immer weniger in Umlauf kam (siehe Infobox) - auch in Österreich ähnlich hoch. Dabei sind die "Blüten" für die Mafia nicht mehr als ein "Nebenerwerb", viel mehr Geld lässt sich derzeit mit der Entsorgung von giftigem Müll, Drogenhandel und der Fälschung von Markenprodukten machen. Dennoch wird in den Falschgeldwerkstätten rund um Giugliano weiterhin fleißig gedruckt, bevorzugt 20- und 50- Euro- Scheine.





Die Fälscher hätten bei der Entwicklung moderner Reproduktionstechniken mittlerweile ein derart hohes Niveau erreicht, das sie "nahezu perfekte Blüten" herstellen, klagen Experten. Sie können mit größter Genauigkeit jene Sicherheitselemente nachahmen, welche die EZB als Garantie für die Echtheit der Scheine einbaut. Entlang der internationalen Drogen- und Menschenhandelsrouten werden die "Blüten" dann in Umlauf gebracht. Gerade deshalb wurden in den letzten Jahren vor allem in der Türkei, Bulgarien, Russland, aber auch Kolumbien große Mengen an Falschgeld sichergestellt.

"Fast so wie das Katz- und- Maus- Spiel"

Italiens Regierung und die EZB wollen gegen dieses lukrative Geschäft nun härter vorgehen, allerdings ist fraglich, ob dieser Kampf gewonnen werden kann. Bereits im Jänner 2009 wurden 162 Fälscherwerkstätten in Süditalien ausgehoben, 109 Menschen verhaftet und große Mengen an illegalem Material sichergestellt. Und obwohl die Strafen für Fälschungen mit drei bis zwölf Jahren Haft gerade in Italien sehr hoch sind, hielt sich der Erfolg der Operation in Grenzen. "Wir verfolgen eigentlich immer wieder dieselben Personen", erklärte Gentili etwas resigniert. "Es ist fast so wie das endlose Katz- und- Maus- Spiel."

 

Über 130 Mafiosi in Haft

Die Rolle der Frau in der italienischen Mafia ist Gegenstand zahlreicher Studien, wobei immer häufiger von einem Wandel im traditionell männerdominierten organisierten Verbrechen die Rede ist. Mittlerweile dürfte, zumindest einem Medienbericht zufolge, aber selbst eine Frau an der Spitze eines Clans kein Tabu mehr sein.
 
Vor einer breiten Öffentlichkeit wurde das auch bei der ersten Seligsprechung eines Mafia-Opfers Ende Mai von Papst Franziskus angedeutet. Bei der Zeremonie zu Ehren des sizilianischen Priesters Pino Puglisi forderte er, dass sich nicht nur Mafiosi, sondern auch Mafia-Frauen bekehren sollten. Für das italienische Wochenmagazin „L’Espresso“ jedenfalls Anlass genug, um sich des Themas anzunehmen. Überraschendes Ergebnis der Recherche: Sei es in Sizilien, Kalabrien, Kampanien oder Apulien, „überall“ fänden sich zunehmend Frauen an der Spitze der Clans.

„Wir Brauchen mehr Tote“

Frauen seien demnach schon lange nicht mehr bloß „Wasserträgerinnen und einfache Botinnen ihrer Männer und Familien“, sondern übernähmen auch das Ruder, weswegen von der Zeitung bereits die „Stunde der Patinnen“ ausgerufen wurde. Die Mafia-Frauen sollen sich in der „kriminellen Hierarchie“ zudem nicht nur ganz nach oben emanzipiert haben, sie würden vielmehr noch kompromissloser ihre Interessen vertreten als ihre männlichen Pendants.

Darauf verwiesen den Angaben zufolge etwa die Aussagen eines reuigen Mitglieds der Camorra in Neapel, wonach eine als „Tragicatora“ (in etwa: die für Tragödien Sorgende) bekannte Clanchefin mit „Wir brauchen Tote“ immer wieder Morde in Auftrag gegeben haben soll. Für ihre Härte bekannt sei auch die im Mai verhaftete Ilenia Bellocco gewesen, die laut „Gazzetta del Sud“ nach der Festnahme ihres Ehemanns Giuseppe Pesce den berüchtigten Pesce-Clan im kalabrischen Rosarno angeführt haben soll.


Mafia-Cheffin Ilenia Bellocco


Die Karriere der 24-jährigen Bellocco - laut „L’Espresso“ die derzeit jüngste bekannte Clanchefin Italiens - gilt als beispielhaft für viele andere Frauen, die nach der Festnahme ihrer Ehemänner, Brüder und sonstigen Familienmitglieder die Führung gleich selbst übernommen hätten. Mit Verweis auf Aussagen geständiger Mafiosi sei die Zahl der „Patinnen“ stark steigend. Darauf verweise auch, dass bei Anti-Mafia-Razzien auch immer öfter für Frauen die Handschellen klicken. Rund 130 Frauen sollen bereits unter Mafia-Verdacht in italienischen Hochsicherheitsgefängnissen sitzen, so „L’Espresso“ weiter.

„Die Witwe der Camorra“

Darunter befindet sich auch die als „Witwe der Camorra“ bekannte Anna Mazza, die nach Angaben des Nachrichtenportals Nanopress die erste verhaftete Frau in einer Führungsrolle der neapolitanischen Mafia sein soll. Mit der wegen einer Liebesaffäre in Untreue geratenen Antonella Madonna alias „Lady Camorra“ gebe es mittlerweile auch eine erste reuige weibliche Camorra-Führungsperson, die sich für die Kooperation mit der Justiz entschieden hat.


Anna Mazza

„Keine große Rolle“

Dass sich neben „dem Stereotyp der Frau, die in der Mafia keine Rolle spielt“ immer mehr ein neues etabliert, „nämlich der ‚Donna-Boss“, stellte die römische Historikerin Ombretta Ingrasci laut der „Stuttgarter Zeitung“ bereits vor Jahren außer Frage. Als prominentes Beispiel wurde hier Giuseppina Nappa genannt, die im Namen ihres Ehemanns Francesco „Sandokan“ Schiavone die monatlichen Versorgungszahlungen für inhaftierte Mitglieder des Casalesi-Clans übernommen haben soll.
Die 2002 verhaftete Cinzia Lipari soll zudem das Vermögen vom „Boss der Bosse“ der Cosa Nostra, Bernando Provenzano, verwaltet haben. Ingraschi vertrat damals allerdings noch die Ansicht, dass Frauen „dem Reglement der Mafia zufolge nie formal aufgenommen“ würden, „und Boss dürften sie erst recht nicht werden“.


Giuseppina Nappa

Auch wenn Mafia ein weibliches Wort sei, spielen dort Frauen „keine große Rolle“, sagte der Zeitung zufolge auch die Politikerin Laura Garavini. Zu bedenken gab diese zudem, dass sich die Bedeutung der Frau auch zwischen den einzelnen Mafia-Organisationen deutlich unterscheiden würde. Weit weniger als in der modern organisierten kalabrischen `Ndrangheta hätten demnach Frauen in der archaischen Cosa Nostra in Sizilien zu sagen.


Don Panizza bietet der Mafia die Stirn

Seit Jahren steht Giacomo Panizza in Kalabrien unter Polizeischutz. Der Priester lässt sich bei seiner Arbeit mit Behinderten nicht von der ’Ndrangheta einschüchtern. In Bern schilderte er, was ihn antreibt.

«Wer sich den Mafiosi beugt, entgeht der Angst nicht»: Priester Giacomo Panizza.


Ein Traum wiederholt sich, von einem unbekannten Mann, der von zwei Killern verfolgt und getötet wird. Sobald sie weg sind, beugt sich Don Panizza über den Toten – und schaudert, als er sich selbst erkennt.

Don Panizza, ein hagerer, energisch wirkender Priester, macht in seinem Vortrag in der Berner Pfarrei St. Marien wie auch im Gespräch kein Geheimnis daraus, dass er Angst hat: «Mehr, als man sich vorstellen kann.» Die Familie Torcasio, ein gefürchteter Clan der kalabrischen Mafia ’Ndrangheta, hat ihn gewarnt, in einer Sprache, die nicht nur aus Worten besteht. Regelmäßig senden sie ihm ihre makabren Botschaften: Bomben explodieren am Weihnachtsabend, an Ostern wird geschossen.


Clan-Boss Pietro Torcasio


Der Tod könnte jederzeit kommen, was allerdings auch für die Mafiosi gilt. Viele Mitglieder der Familie Torcasio sind in den vergangenen Jahren gestorben, sie haben sich gegenseitig umgebracht oder sind in erbitterten Kämpfen mit anderen Familien gefallen.


Man schämte sich für Behinderte

Es war im Jahr 1976, als der junge Geistliche mit einer Vergangenheit als Stahlarbeiter und einem Blick wie Terence Hill aus dem norditalienischen Brescia in den Süden zog, um mit schwerbehinderten Menschen zu arbeiten: «Im Süden gab es damals nichts, gar nichts; man schämte sich, einen Behinderten oder einen Geisteskranken zu Hause zu haben. Die Krankheit wurde als Schuld erlebt, eine für den Mittelmeerraum typische Mentalität, die zu Vernachlässigung und Ausgrenzung führte.»

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Seit mehr als dreißig Jahren lebt der 66-Jährige nun in Lamezia Terme, einer 70'000-Seelen-Stadt in Kalabrien. Unter der Bezeichnung «Progetto Sud» hat er eine Reihe von erfolgreichen Initiativen lanciert. Dabei handelt es sich um kleine Werkstätten, in denen Behinderte Arbeiten für lokale Firmen erledigen oder Gegenstände produzieren, die dann an Märkten verkauft werden. Aber nicht nur: Geistig Behinderte werden zum Beispiel für repetitive Arbeiten ausgebildet; «den Müll», erzählt Don Panizza sichtlich amüsiert, «können sie peinlich genau sortieren».




Mit seinen 150 festen Arbeitsplätzen und den üppigen Subventionen ist Progetto Sud für die lokalen Verhältnisse eine wirtschaftliche Größe; nur das Spital und die Gemeinde stellen in Lamezia Terme mehr Leute ein. Da erstaunt es nicht, dass die ’Ndrangheta ihr Augenmerk schon bald auf die Institution gerichtet und von Don Panizza Geld verlangt hat. Die Politik habe damals wenig geholfen, sagt er, und an das Schweigen der Kirche erinnert er sich mit unverhohlener Wut: «Die Kirche hat lange Zeit bestritten, dass es die Mafia überhaupt gibt. Es musste viel Blut fliessen, bis man zur Einsicht kam – eine Schande.»


Die Mafiosi als Nachbarn

2002 spitzte sich die Lage zu. Im Kampf gegen die Mafia wurden Immobilien beschlagnahmt und anderweitig verwendet. Dabei ergab sich auch für Don Panizza und seine Organisation die Chance, in ein großes Gebäude umzuziehen. «Dieses Gebäude war ursprünglich als Sitz für die Stadtpolizei vorgesehen, doch diese inszenierte einen Streik, es wurde nichts daraus.» Als er die Schlüssel bekam und das angeblich konfiszierte Haus betrat, war er nicht vorbereitet auf die Szene, die sich ihm bot: Die Mafiosi waren immer noch da. «Sogar die Wäsche war draußen zum Trocknen aufgehängt, sodass jeder sehen konnte, dass die Familie stärker ist als der Staat; eine einschüchternde Botschaft auch für die Bevölkerung.» Schließlich zogen die Mafiosi zwar weg, nachdem sie alles im Haus zerstört hatten. Aber nicht weit: Das beschlagnahmte Gebäude war Teil eines Komplexes, in dem schon andere Familienmitglieder lebten.

Die Entscheidung, trotzdem zu bleiben, hat Don Panizza nicht allein getroffen: «Gerade die behinderten Menschen zeigten einen Mut, die bei sogenannt ‹Normalen› selten anzutreffen ist», erzählt er mit Stolz. Seitdem sind auch sie ins Visier der Mafia geraten: Die Bremsen von Transportwagen wurden sabotiert, nur ein glücklicher Zufall hat verhindert, dass niemand deswegen gestorben ist. Don Panizza selbst steht seit über zehn Jahren unter Polizeischutz. Seine Geschichte wurde 2010 vom Schriftsteller Roberto Saviano («Gomorrha») in einer erfolgreichen, von Berlusconis Partei bekämpften TV-Sendung der ganzen Nation bekannt gemacht. Jede seiner Bewegungen wird überwacht, und falls zweimal dasselbe Motorrad seinen Weg kreuzt, muss er sofort die Polizei alarmieren: «Nicht ich habe die Mafia gesucht», sagt er, «sondern sie mich.»


Bedrohung auch für die Schweiz

Wieso nicht einfach weggehen? Auf diese offensichtlich grobe Frage reagiert der sonst so geduldige Don Panizza irritiert. Nur für einen Augenblick allerdings, dann antwortet er mit jenem sanften Lächeln, das man üblicherweise nur für Kinder bereithält – oder für Menschen, die nichts von der Welt verstanden haben: «Wer sich vor den Mafiosi beugt, entgeht der Angst nicht. Die einzige Wahl, die einem bleibt, ist jene zwischen einer Angst, die ehrenhaft ist, und einer, die es nicht ist.»
Inzwischen ist die Präsenz der Mafia auch in der Schweiz belegt.

Das Land bietet optimale Bedingungen für die Geldwäscherei, und mit dem Geld kommen die Familien. Ob dies der Grund für seine Reise in die Schweiz sei? Nein, sagt Don Panizza, «ich habe nur auf eine höfliche Einladung reagiert.» Aber man solle aufmerksam bleiben hierzulande, denn mit der Ndrangheta lassen sich keine Geschäfte machen: Man fängt als Partner an, und bald ist man nur noch Opfer. So bringt der alles andere als weltfremde Priester die ’Ndrangheta-Philosophie auf den Punkt: «Cumandare è meglio ca futtere» (Herrschen ist besser als ficken). Und fügt dann scheinheilig hinzu: «Aber das kann man vielleicht nicht in der Zeitung schreiben?»

 

Mittwoch, 12. Juni 2013

Großeinsatz gegen Kokainclan bei Neapel

Italienische Anti-Mafia-Einheiten sind heute Früh mit etwa 110 Haftbefehlen gegen die Drogenmafia bei Neapel ausgerückt. Die Behörden gingen bei dem Einsatz gegen den mächtigen Di-Lauro-Clan in der Stadt und ihrer Umgebung vor.

Cosimo Di-Lauro


Den bei den Razzien festgenommenen Mafiosi wird neben versuchtem Mord und illegalem Waffenbesitz vor allem vorgeworfen, im großen Stil Kokain von Spanien nach Kampanien geschmuggelt zu haben.


90 Kilo Drogen wurden beschlagnahmt


Ein Boss des Drogenclans der Camorra ist seit Jahren in Haft, ein zweiter noch flüchtig, wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete. Mehr als 400 Soldaten waren bei den Razzien gegen den Di-Lauro-Clan eingesetzt. Der 19 Jahre alte Sohn eines Bosses wurde auf einem Kreuzfahrtschiff vor Sizilien verhaftet, auf dem er gerade den Geburtstag seiner Freundin feierte.


Großeinsatz gegen den Mafiaclan in Neapel



Den Mafiosi wird neben versuchtem Mord und illegalem Waffenbesitz vor allem vorgeworfen, im großen Stil Kokain von Spanien nach Kampanien geschmuggelt zu haben. Der Clan soll damit jährlich mehrere Millionen Euro verdient haben, teilten Behörden mit.

Wie viele mutmaßliche Mafiosi und Helfer verhaftet werden konnten, war zunächst unklar. Ein Boss des Drogen-Clans der Camorra ist seit Jahren in Haft, ein zweiter, der auf der italienischen Fahndungsliste weit oben steht, ist noch flüchtig, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Dienstag, 11. Juni 2013

Krieg der 'Ndrangheta - vierter Mord in sechs Tagen

Hinterhalt in Isola Capo Rizzuto, in der Nähe von Crotone: das Opfer der Fehde ist Francesco Capicchiano, 33 Jahre. Der Mörder feuerte 12 Mal mit zwei Automatic-Pistolen in Kopf und Unterleib. Der Mann war auf der Stelle tot.





Zuvor wurde bei einer Beerdigung Luca Megna, 37, Chef Capicciano-Clans mit einem Präzisionsgewehr aus großer Entfernung erschossen. Noch in der gleichen Nacht zwischen Samstag und Sonntag geriet dessen Tochter in einen Hinterhalt und wurde schwer verletzt. Der Krieg der 'Ndrangheta in Crotone hat begonnen. Heute wurde das dritte Mitglied der Familie, die fünfjährige Simona. durch einen Kopfschuss eliminiert. 

Francesco Capicchiano war bewaffnet und zu Fuß auf einem schmalen zentralen Isola Capo Rizzuto unterwegs. Er wurde , wie jetzt bekannt ist, von zwei Killern abgefangen, die ihn aus kürzester Entfernung hingerichtet haben. Einer der Mörder wurde in Reggio Emilia verhaftet, Die Familie von Capicchiano gehört seit Jahren zum mächtigsten Clan der 'Ndrangheta.

Ein weiterer Mord in der Provinz Reggio Calabria folgte am Montag. Es ist ein Junge Mann von zwanzig Jahren, Sylvester Galati, der mit der Tochter des verfeindeten Clanchefs liiert war. Offenkundig wurde er Opfer einer Vendetta, von der die Carabinieri annehmen, dass sie mit dem Tod des jungen Mannes gerade begonnen hat.

Mafia-Exekution in Messina

Gestern Abend wurde ein führendes Mitglied aus Messina in einer Bar mit mehreren Schüssen aus einer Pistole exekutiert. Die Ermittlungen im Mafiamilieu laufen auf Hochtouren.


Mafia-Boss Giovanni Perdichizzi


Das Opfer, Giovanni Perdichizzi, 41, wurde schon seit Wochen von einer Spezial-Eingreiftruppe observiert. Nun wurde er erschossen, bevor die Polizei etwas unternehmen konnte. Das Motiv der Tat dürfte die Sorge eines gegnerischen Clans gewesen sein, dass Perdichizzi als Kronzeuge aussagen könnte, sollte er verhaftet werden.

Die Tat geschah gegen 19 Uhr 30 in einer stadtbekannten Bar in Messina, die hauptsächlich von Mafiosi frequentiert wird. Der Mörder verwendete ein sogenanntes Hohlraumgeschoss, das beim Aufprall explodiert. Das Ofer konnte nur noch aufgrund einer DNA-Analyse zweifelsfrei identifiziert werden.

Es gäbe keinen Zweifel an einem Mafia-Mord, so die Ermittler. Perdichizzi wurde im Dezember 2011 bereits einmal verhaftet, weil er Giuliano Gentile, Direktor der Sigma Supermärkte erpresste und gewaltige Summen an Schutzgeld eintrieb.


Montag, 10. Juni 2013

Schießerei in Rom / VIDEO

In der Nacht kam es zu einer Schießerei in der Innenstadt von Rom. Die Nachtschicht der schnellen Eingreiftruppe wurde von Reportern begleitet. Das Video zeigt die Intervention der Staatspolizei und die Verhaftung des Schützen. Der Schusswechsel soll angeblich nach einer heftigen Schlägerei erfolgt sein. Ein bewaffneter Mann aus dem mafiösen Milieu erschoss einen jungen Mann.
 
 
 

'Ndrangheta-Boss am Strand verhaftet

Der seit dem 25. Februar flüchtige 'Ndrangheta-Boss Salvatore Facchineri, der in Abwesenheit wegen schwerer Erpressung, Menschenraub und Geldwäsche verurteilt worden war, wurde an einem stark frequentierten Strand von Tropea verhaftet.


Tropea



Der Mann wollte gerade für seine Familie ein paar Liegestühle aufstellen Liegestühle, als die Polizei zuschlug. Die Carabinieri hatten sich als Touristen verkleidet unter die Strandgäste gemischt, ohne dass Facchineri etwas davon bemerkt hatte.

Salvatore Facchineri, 36, Erbe des Clan-Chefs Luigi Facchineri, der seit Monaten unter verschärften Hausarrest seine Villa nicht verlassen durfte, ließ sich ohne Gegenwehr verhaften. Wochenlang hatte die Spezialeinheit der DIA den Verbrecher beschattet und jede seiner Bewegungen beobachtet.

Sonntag, 9. Juni 2013

...wie die Bosse von Gomorra Mailand erobern!

Die Lauschangriffe in der Lombardei brachten es an den Tag. Doch die Verhaftung von Antonio Iovine geriet zur Farce. Der Big Boss schien sich köstlich zu amüsieren und witzelte mit den Polizisten, wohl in der Annahme, dass er bald wieder frei sein würde. Doch zum Hergang und zur Entwicklung.

Die Verhaftung von Camorra-Boss Antonio Iovine
 
Nach 16 jähriger Flucht erklärte er dem Staatsanwalt das System seines Erfolges: "Sie müssen klug sein, wenn man eine Stadt wie Mailand einnehmen will. Die Casalesi investierten in Immobilien und Luxus-Villen mithilfe eines kalkulierten Corporate-Risikso. Man begann in entlegenen Dörfern n in der Campania und breitete sich systematisch bis ins Zentrum von Mailand aus, nur wenige Schritte von der Villa Necchi Campiglio, die historische Heimat der schönsten Städte. Verbrecher wie Iovine  wissen genau, wie konkurrierende Immobilienunternehmen arbeiten. Und wenn ein solches Unternehmen in ein neues Produkt investiert, imitieren sie die Konkurrenten und drängen sie mit ihrem billigen Drogengeld aus dem Markt. Nach Casalesi-Clan kamen die "Cutolini und dann Antonio Iovine.

Spielhallen, Bingo, Video Poker, rücksichtslose Immobilieninvestitionen und - natürlich - das Waschen von schmutzigem Geld. Das sind die Tentakeln der Bosse von Gomorra im Norden, die solkche Erweiterungen begünstigen. 

Die Staatsanwaltschaft Neapel beschlagnahmten Vermögenswerte für 900 Millionen Euro zwischen Mailand und Caserta. Die Camorra der "cutoliana", betrieben einen schwunghaften Handel im Zentrum Mailands, rissen sich das berühmte, historische Gran Caffè Sforza unter den Nagel, kauften mit Drogengeld Immobilien-Gesellschaften und Fabriken und errichteten Betriebsstätten für Video-Poker.

Die Macht der Bosse in Kampanien wird jedoch immer größer. Und sie binden Geschäftsleute mit "Gefälligkeiten" die laut Ermittlern gnadenlos ausgenutzt werden. Telefonüberwachung und  "Maulwürfe" in der Strafverfolgung machten es möglich, Antonio Iovine festzusetzen. Ob er bald wieder frei sin wird, wissen die Götter. Denn das wissen die Carabinieri: Iovine gehört zu den Klugen...!

Hinrichtung in einem Supermarkt in Neapel

Es endete in einer Tragödie. Die Geldeintreiber der Camorra haben den Inhaber und dessen Kassiererin erschossen. Zwei Banditen, Raffaele Topo, 24 Jahre alt und sein Begleiter, 16 Jahre, versuchten nach der Schießerei, die die Tat wie einen gewöhnlichen Raub aussehen zu lassen.
Zeugen berichteten jedoch, dass der Anführer der Täter einem "schönen Gruß vom Boss" ausrichtete, bevor er dem Inhaber fünf mal in den Kopf schoss.

Ein Wachmann und dessen Sohn , die sich in unmittelbarer Nähe aufhielten und sich den Gangstern in den Weg stellten, wurden angeschossen als die Täter flüchteten. Nach vorläufigen Berichten durch die Polizei, die bald am Tatort eintraf, flüchteten die beiden Räuber mit einem schnellen Motorrad.  Die Täter sind bekannt und werden einem bekannten Camorra-Clan zugeordnet.



Botschaft protestiert gegen Anti-Mafia-Gerichte

Die italienische Botschaft in Wien hat wegen nach Mafiosi und Anti-Mafia-Helden benannten Speisen in einem Wiener Lokal Protest eingelegt. Der Gebrauch der Namen sei nicht nur „geschmacklos, sondern auch beleidigend“ heißt es in dem Schreiben an die Behörden.

Auf Anweisung der italienischen Außenministerin Emma Bonino schreibt Sergio Pagano, ein italienischer Gesandter in Wien, der Gebrauch der Namen von im Kampf gegen die Mafia gefallenen Persönlichkeiten zu Marketingzwecken sei nicht nur „geschmacklos, sondern auch beleidigend“ gegenüber diesen Personen und all jenen Menschen, die sich täglich im Kampf gegen die Mafia engagieren.
 
 
 

Der Brief ist an die österreichischen Behörden gerichtet. Die Website des Lokals war am Samstagabend nicht mehr zu erreichen. Das Lokal selber soll schon seit einiger Zeit geschlossen sein.

„Schwere Beleidigung“

Ironische Bemerkungen über prominente Opfer im Kampf gegen die Costa Nostra, wie Staatsanwalt Giovanni Falcone und Anti-Mafia-Aktivist Peppino Impastato, seien inakzeptabel und hätten „stark negative Reaktionen“ in der Öffentlichkeit in Italien sowie in der italienischen Gemeinschaft in Wien ausgelöst, berichtete das Außenministerium in Rom.

Groß ist offenbar die Empörung auf Sizilien: Der Bürgermeister von Palermo und Anti-Mafia-Aktivist, Leoluca Orlando, schickte einen Brief an Premier Enrico Letta und Außenministerin Emma Bonino und beschwerte sich wegen der „schweren Beleidigung“ gegenüber Mafia-Opfern wie Falcone und Impastato. „Es ist äußerst dringend und notwendig, dass sich der Premier bei der Regierung in Wien einschaltet, das Andenken der Mafia-Opfer darf nicht derart beschmutzt werden“, so Orlando.

Facebook-Initiative fordert Namensänderung

Eine Facebook-Initiative, die sich “Italiani a Vienna” (Italiener in Wien) nennt, hatte kürzlich eine Unterschriftensammlung gestartet, in dem das Lokal aufgefordert wurde, die Namen seiner Menüs zu ändern. Der Initiator der Kampagne forderte mehr Respekt für die Mafia-Opfer. „Man darf den Begriff Mafia nicht zu Marketingzwecken verwenden“, sagte der in Wien lebende Italiener nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Er bemängelte, dass in Wien zuletzt mehrere Pizzerien mit Namen eröffnet worden seien, die auf die Mafia hinweisen, wie „Mafiosi“, „Camorra“ und „Al Capone“. „Wir hoffen, dass andere italienische oder österreichische Unternehmer mit geniereichen Einfällen dieser Art es sich anders überlegen werden. Man muss verhindern, dass der Begriff Mafia als Marke für Werbung genutzt wird."

Tausende unterzeichnen Petition

Der von Impastato gegründete sizilianische Radiosender „100 Passi“, der engagierte Anti-Mafia-Kampagnen führt, startete auf der Webseite „change.org“ eine an das Außenministerium gerichtete Petition gegen das Wiener Lokal, die in Kürze über 7.000 Unterschriften sammelte. Mehrere Kaufleute, Opfer von Erpressungen auf Sizilien, unterschrieben die Petition.

Italienische Medien haben von dem Lokal berichtet. Proteste führten dazu, dass sich auch Politiker der Mitte-Links-Partei „Partito Democratico“ (PD) der Sache annahmen. Auch die Linkspartei SEL verurteilte das Lokal.

Geschlossen

Der kritisierte Betrieb hatte Samstag geschlossen, im Geschäftslokal war niemand anzutreffen.  Es ist überhaupt fraglich, ob der Laden noch  in Betrieb ist. Im Lokal stehen Schachteln und leere Regale herum, am Boden liegt Mist. Von den Wänden sind alle Plakate und Tafeln abmontiert, Besen stehen in der Ecke. Samstagabend  war plötzlich auch die Homepage des Betriebes offline.