Mittwoch, 12. Oktober 2016

Boss der Hells Angels von 16 Kugeln durchsiebt

Er muss seinen Widersachern unmittelbar gegenüber gestanden haben. Die Obduktion des toten Rocker-Chefs Aygün Mucuk hat weitere Details zur Bluttat vom Freitag ans Licht gebracht. Eskaliert ein gewaltsamer Machtkampf unter Hells Angels in Hessen? Der Präsident des Gießener Charters wurde auf dem Gelände des Vereinsheims getötet. Die Hintergründe sind noch unklar, die Suche nach den Tätern läuft. 



Der Präsident der Gießener Hells Angels ist auf dem Gelände des Rocker-Vereinsheims erschossen worden. Aygün Mucuk wurde nach ersten Erkenntnissen der Ermittler von mehreren Schüssen getroffen, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger, sagte. Die Putzfrau, die in dem Clubheim arbeitet, hatte den 45-Jährigen am Freitagmorgen auf dem Grundstück im mittelhessischen Wettenberg gefunden und gegen 8.30 Uhr Polizei und Rettungsdienste alarmiert. Die Leiche soll nun rechtsmedizinisch untersucht werden. Von dem oder den Tätern fehlte zunächst jede Spur.

Das hessische Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte am Freitag das Gelände des Vereinsheims, auf dem sich 30 bis 50 Rocker aufhielten. Zugleich lief die Fahndung nach den Tätern, die Beamten kontrollierten dabei mehrere Fahrzeuge. Die Polizei befragte auch Nachbarn und suchte Zeugen. Unklar war, ob es einen Schusswechsel gegeben hatte.



Der genaue Tatzeitpunkt stand anfangs noch nicht fest. „Momentan gehen wir allerdings davon aus, dass das Tötungsdelikt sich entweder in der Nacht oder am frühen Morgen zugetragen haben müsste“, sagte Behördensprecher Thomas Hauburger. Ob Mucuk bewaffnet war und es einen Streit gegeben hat, muss noch ermittelt werden.

Der am Freitag bei Gießen erschossene Hells Angels-Anführer Aygün Mucuk wurde von mindestens 16 Kugeln getroffen. Das habe die Obduktion der Leiche ergeben, teilten das Landeskriminalamt in Wiesbaden und die Staatsanwaltschaft in Gießen am Montag gemeinsam mit. Die meisten Geschosse trafen den 45-Jährigen in den Brustkorb. Ob die Schüsse aus einer oder mehreren Waffen abgegeben wurden, war zunächst unklar.

Rivalitäten zwischen den alteingesessenen Hells Angels aus Frankfurt und den türkisch geprägten Hells Angels aus Gießen - den so genannten jungen Wilden - hatten in den vergangenen Jahren mehrfach für gewalttätige Auseinandersetzungen gesorgt. Dabei soll es vor allem um die Gründung der Ortsgruppe in Gießen gegangen sein. Dieser Streit hatte vor rund zwei Jahren zu Schüssen vor einem Frankfurter Club mit insgesamt fünf Verletzten geführt. Mucuk, der als Anführer der türkischen Strömung galt, erlitt dabei schwere Verletzungen.



Am Himmelfahrtstag dieses Jahres fielen mitten auf einem belebten Platz in der Frankfurter Innenstadt ebenfalls Schüsse - zwei Männer wurden schwer verletzt. Hintergrund dieser blutigen Rocker-Fehde war nach einer früheren Einschätzung der Ermittler ein Streit zwischen Frankfurter Hells Angels und einem rausgeworfenen Mitglied. Ein Tatverdächtiger, der rund eine Woche nach den Schüssen gefasst wurde, sitzt seither in Haft. Nach einem anderen Verdächtigen wird noch immer gesucht.


Nach Einschätzung des Landeskriminalamts umfasst die Rockerszene in Hessen rund 700 Menschen, die vier Gruppen zugeordnet werden. Im Fokus der Ermittler stehen sie vor allem wegen Rauschgiftdelikten und kriminelle Aktivitäten im Türsteher- und Rotlichtmilieu.
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Van Gogh in den Händen der Mafia

Mit einer Leiter schlichen sie sich ins Museum und stahlen zwei Van-Gogh-Gemälde. Der Kunstraub aus dem Amsterdamer Van Gogh Museum gehört zu den spektakulärsten der letzten Jahre. Nun sind die Bilder in Italien aufgetaucht.



Amsterdam/Neapel (dpa) - Einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle der vergangenen Jahrzehnte ist aufgeklärt: 14 Jahre nach dem Raub zweier Gemälde von Vincent van Gogh aus dem Amsterdamer Van Gogh Museum sind die Werke in Italien gefunden worden.
Die italienische Polizei hatte die Gemälde im Millionenwert südlich von Neapel im Zuge von Drogenermittlungen gegen die Mafia entdeckt. Sie waren in dem Haus eines Drogenbosses der Camorra versteckt, der im Januar festgenommen worden war, berichteten italienische Medien.

«Ja, sie sind gefunden worden», sagte der Direktor des Museums, Axel Rüger. Ein Konservator des Van Gogh Museums hatte die Bilder im Auftrag der italienischen Justiz untersucht und die Echtheit festgestellt, wie das Museum mitteilte.
Bei den kostbaren Werken handelt es sich um das Gemälde «Zeegezicht bij Scheveningen» (Meeressicht bei Scheveningen 1882) und «Het uitgaan van de Hervormde Kerk te Nuenen» (Die Kirche von Nuenen mit Kirchgängern 1884/1885).

Sie seien leicht beschädigt, aber in relativ gutem Zustand, bestätigte das Museum.
Sie waren im Dezember 2002 gestohlen worden. Die Diebe waren in der Nacht mit einer Leiter über das Dach in das Museum eingestiegen und unerkannt entkommen. Sie wurden später gefasst und 2005 zu Haftstrafen von mehr als drei Jahren verurteilt. Von den Gemälden fehlte aber bis jetzt jede Spur. Nach dem Einbruch hatte das Museum eine Belohnung von 100 000 Euro für das Aufspüren der Bilder ausgesetzt.

«Auf diesen Moment haben wir 14 Jahre gewartet», sagte Museums-Direktor Axel Rüger. Wann die Gemälde zurück nach Amsterdam kommen und was die Mafia damit vorhatte, ist noch unklar. «Das sind echt, echt fantastische Neuigkeiten. Auch weil es total unerwartet ist. Niemand wagte noch zu träumen, dass sie auf einmal wieder auftauchen», sagte die niederländische Kulturministerin Jet Bussemaker in Den Haag. Der italienische Premierminister Matteo Renzi und sein Kulturminister Dario Franceschini gratulierten den Ermittlern. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch Güter im Wert von 20 Millionen Euro beschlagnahmt.


Der Wert der Bilder wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Sie seien aber vor allem auch kunsthistorisch sehr wichtig, betonte das Museum. Laut FBI gehört der Diebstahl zu den Top Ten der Kunstraube der Welt. 

Dienstag, 4. Oktober 2016

Gestohlenes 20 Millionen-Van-Gogh-Gemälde bei Mafiaboss gefunden

Die Polizei in Neapel hat im Rahmen einer Razzia gegen internationale Drogendealer zwei kostbare Werke von Vincent Van Gogh sichergestellt, die 2002 aus dem Amsterdamer Van-Gogh-Museum gestohlen worden waren. Die Werke befanden sich im Besitz eines Camorra-Clans, bei dem Besitztümer im Wert von mehreren Millionen Euro beschlagnahmt wurden, teilte die Polizei am Freitag mit.

Die Gemälde von unermesslichem Wert wurden im Haus eines Drogenbosses, Raffaele Imperiale, entdeckt, der sich in Haft befindet. Die Bilder wurden in Baumwolltücher eingewickelt in der Ortschaft Castellammare di Stabia südlich von Neapel gefunden.



Einen entscheidenden Beitrag zu den Ermittlungen leistete ein abtrünniges Camorra-Mitglied, das sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hatte. Unter anderem wurden 49 Immobilien, Jachten, ein Flugzeug und 88 Bankkonten beschlagnahmt. Der Clan Amato Pagano, dem der Boss Imperiale angehörte, spielt eine wesentliche Rolle im Drogenhandel mit Südamerika.



Das eine der wiedergefundenen Gemälde ist eine Darstellung des Meeres bei Scheveningen aus dem Jahr 1882. Das andere zeigt die reformierte Kirche von Van Goghs Heimatort Nuenen. Das 1884 entstandene kleinformatige Bild hatte der Maler seinen Eltern geschenkt, Van Goghs Vater war der Pfarrer der Gemeinde.

“Ich bin auf unsere Ermittler stolz”, kommentierte der italienische Premier Matteo Renzi. Er informierte seinen niederländischen Amtskollegen Mark Rutte über die Sicherstellung der Gemälde. Beide Premiers beteiligten sich am Freitag an der Trauerzeremonie für den verstorbenen israelischen Ex-Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres in Jerusalem.

“Die Resultate dieser Ermittlung bezeugen, wie stark kriminelle Organisationen an Kunstwerken interessiert sind, die als Form von Investition betrachtet werden”, kommentierte der italienische Kulturminister Dario Franceschini. “Ich hatte jegliche Hoffnung verloren, dass man die Gemälde wiederfinden würde”, freute sich der Direktor des Van-Goh-Museums Axel Rüger.


Die Bilder waren im Dezember 2002 aus dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam gestohlen worden. Ein Jahr später waren zwei Kriminellen wegen des Diebstahls festgenommen und zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Wann die Gemälde in das Museum zurückkehren, ist noch nicht klar.

Mittwoch, 21. September 2016

99 Mafiosi in Brescia wegen Kokaingeschäfte verhaftet

Insgesamt 99 Verdächtige wurden verhaftet und fast 5 Tonnen Drogen beschlagnahmt, wie die italienische Finanzpolizei am Dienstag mitteilte. Neben Kokain, Heroin, Marihuana und Haschisch fanden die Beamten auch 554.000 Euro Bargeld sowie mehrere Fahrzeuge.



Ermittlungen laufen seit 2012

Die Bande soll ihre Drogen unter anderem an Mafia-Clans der Camorra und der 'Ndranghetha in Italien geliefert haben. Versteckt unter Fisch, Meeresfrüchten, Obst oder Gemüse wurde die Ware demnach aus dem Ausland nach Italien gebracht und dort weiter verteilt.

Die Ermittlungen liefen nach Angaben der Finanzpolizei bereits seit 2012. Einige Verdächtige waren mit internationalem Haftbefehl gesucht worden.

Mittwoch, 14. September 2016

Mädchen wird von 9 Männern vergewaltigt

Im süditalienischen Melito Porto Salvo ereignete sich über Jahre hinweg Schreckliches. Ein junges Mädchen wurde fast täglich von neun Männern vergewaltigt. Besonders schrecklich: Ihre Eltern wussten davon - doch sie taten nichts.



Ein unvorstellbares Martyrium musste ein junges Mädchen aus Süditalien erleben. Über drei Jahre lang soll sie von neun Männern vergewaltigt worden sein, das berichtet "20min.ch" unter Berufung auf die italienische Zeitung "Corriere Della Sera". Besonders erschreckend: Auch ihre Familie soll von der Vergewaltigung gewusst haben.


Mädchen von neun Männern missbraucht

Bereits im Alter von 13 Jahren wurde die heute 16-Jährige von einer neunköpfigen Männerbande missbraucht. Dem Bericht zufolge holten sie die mutmaßlichen Täter immer wieder von der Schule ab und brachten sie in ein Lokal, wo sie von den Männern vergewaltigt wurde.

Aus Angst, die Männer würden Videoaufnahmen, die sie beim Sex mit ihnen zeigt, veröffentlichen, sagte das Mädchen lange nichts. Vor rund einem Jahr brach das Opfer endlich sein Schweigen. In einem Schulaufsatz, schilderte das Mädchen die grauenvolle Geschichte.


Eltern des Opfers schwiegen

Wie "Corriere Della Sera" berichtet, soll der Teenager vergangene Woche ausgesagt haben, dass seine Mutter damals ihren Aufsatz entdeckt und den Text gelesen habe. "Wie schön, was du da geschrieben hast", zitiert die Zeitung die Mutter.

Doch warum ging die Mutter nicht zur Polizei? Aus Angst vor der italienischen Mafia schwieg die Familie. Eine Lehrerin des Mädchens brachte schließlich die Ermittlungen im Oktober 2015 ins Rollen. Monatelang sollen die Ermittler die Telefone der Verdächtigen abgehört haben. Im Januar dann der entscheidende Hinweis: Während einer Unterhaltung eines Verdächtigen mit seinem Bruder verplapperte sich einer der Täter.


Täter wurden festgenommen


Die neun Männer konnten in der vergangenen Woche festgenommen werden, berichtet "Corriere Della Sera". Unter ihnen soll sich auch der Sohn des kalabrischen Mafia-Bosses, Remigio Lamonte, befinden.
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Dienstag, 16. August 2016

Corleone wegen Mafia unter Zwangsverwaltung

Corleone in Sizilien? Bekannt aus dem weltberühmten Mafia-Epos "Der Pate". Seinem Ruf als Hochburg des organisierten Verbrechens wird der Ort nun einmal mehr gerecht. Aktueller Anlass: Unterwanderung des Gemeinderates.



Italiens Regierung hat den Gemeinderat der Mafia-Hochburg Corleone aufgelöst - weil Kriminelle das Gremium unterwandert haben sollen. Bis zu Neuwahlen sollen Corleone sowie drei weitere Gemeinden in Kalabrien und bei Neapel unter die Kontrolle Roms gestellt werden, beschloss das Kabinett von Ministerpräsident Matteo Renzi. Unter Zwangsverwaltung gestellt wurden neben Corleone auf Sizilien auch Arzano im Kerngebiet der neapolitanischen Camorra sowie Bovalino und Tropea in Kalabrien, der Heimat der 'Ndrangheta.

Dass die Mafia in dem Ort Corleone immer noch mitmischt, brachten seit Juni laufende Ermittlungen des Innenministeriums zutage: Demnach hatte der Gemeinderat Verwandte von bekannten Mafiosi beschäftigt, zudem gab es Unregelmäßigkeiten beim Betrieb einer kommunalen Molkerei. Hintergrund der neuen Untersuchung waren frühere Ermittlungen zu zweifelhaften Vergaben von Bauaufträgen der Vorgängerverwaltung.

Das Verfahren, Gemeindeverwaltungen unter Kontrolle der Regierung zu stellen, wurde in den vergangenen 25 Jahren schon bei über 200 Kommunen angewandt - jedoch noch nie in Corleone. Dabei steht die Kleinstadt wie kaum eine zweite für die Machenschaften der Mafia.



Corleone ist Geburtsort der berüchtigten Mafia-Bosse Bernardo Provenzano und Salvatore "Toto" Riina, die aus äußerst brutalen Revierkämpfen mit ihren Rivalen in Palermo in den Achtzigerjahren als die unbestrittenen Chefs der Cosa Nostra hervorgingen. Beide wurden erst nach jahrelanger Flucht geschnappt und wegen mehrfachen Mords zu mehrfach lebenslänglicher Haft verurteilt. Provenzano starb im vergangenen Monat im Alter von 83 Jahren im Gefängniskrankenhaus.

Weltberühmt wurde der Ort aber vor allem als Heimat von Vito Corleone, dem "Paten" im gleichnamigen Film von Francis Ford Coppola. "Der Pate" gilt als einer der besten Filme der Geschichte.



Freitag, 5. August 2016

...wenn die Mafia Häuser baut

Illegale Bauten verschandeln auf Sizilien historische Ruinen oder Küstenstreifen. Abreißen, fordern nun viele Italiener. Doch wer das tut, lebt gefährlich. Und so könnten die Gebäude am Ende genehmigt werden.




Mindestens 770.000 Gebäude - manche schätzen: bis zu zwei Millionen - sollen seit Mitte der Siebzigerjahre ohne Genehmigung errichtet oder ausgebaut worden sein auf der schönen Insel. Von der Mafia, von Lokalpolitikern, von kleinen Häuslebauern und vor allem von Spekulanten.

Zigtausende dieser Schwarzbauten bleiben jahrelang als Betongerüste, ohne Wände und ohne Zufahrt, in der Landschaft stehen. Irgendwann, so das Kalkül, bringt der hässliche Beton dann viel hübsches Geld.

Seit 2009 sind weitere 22.000 illegale Häuser dazu gekommen. Sie wurden an die schönsten Küstenstreifen gesetzt, an der Meerenge von Messina etwa oder rund um Marsala. Sogar in der Nähe der antiken griechischen Säulen im berühmten Valle dei Templi (Agrigento), dem von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärten Tal der Tempel, stehen viele hässliche Neubauten. Hier allerdings greift man jetzt durch, trotz ernstzunehmender Warnungen der Mafia.



Inzwischen stören sich viele Italiener daran, fordern den Abriss der illegalen Architektur. Umweltorganisationen machen Druck, die Medien nehmen sich des Skandalthemas an. Die Politik verspricht, jetzt wirklich hart durchzugreifen. Denn bislang wurde eher symbolisch ab und zu ein Exempel statuiert. So wurden im vorigen Jahr gerade einmal zwei Dutzend illegal gebauter Häuser abgerissen. Meist waren es nur kleine, billige.


Trickreicher Antrag in Palermo

Aber kann man wirklich Hunderttausende Gebäude zerstören, auch wenn es rechtens ist? Wo bleiben die Bewohner? Manche haben das umstrittene Objekt schon geerbt. Eine Gruppe sizilianischer Politiker hat nun ihre ganz eigene Lösung für das leidige Problem gefunden. Mit einem trickreichen Antrag, der im Regionalparlament von Palermo demnächst zur Abstimmung steht, wollen sie illegale Häuser nachträglich genehmigen. Die Bauten müssen mindestens 150 Meter vom Strand entfernt stehen.

Initiatoren sind Parteifreunde des italienischen Innenministers Angelino Alfano. Der hatte vor geraumer Weile noch vollmundig das Ende der Toleranz gegenüber den illegalen Häuslebauern verkündet. Er kennt das Problem aus der Nähe: Er ist in Agrigent0, also nahe des hochgradig verschandelten Tals der Tempel geboren.
Die geplante Legalisierung sei klar verfassungswidrig, halten Juristen dagegen. Italiens Umweltminister Gian Luca Galletti kündigte an, falls ein solches Gesetz in Palermo eine Mehrheit finde, werde er das Verfassungsgericht anrufen.
Kungeln, kassieren, verschleppen. Oft fand sich auch einfach keine Baufirma für den Abriss - zu gefährlich, hieß es.

Dass die Sorge nicht unbegründet ist, zeigt ein Beispiel aus Licata, einer Schwarzbau-Hochburg an Siziliens Südküste. Dort zündeten Unbekannte das Haus des Bürgermeisters an, der sich für den Abriss einiger Häuser eingesetzt hatte. Anderenorts werden ganze Gemeinderäte und deren Familien bedroht. Die Mafia ist mit im Spiel.

Nach Recht und Gesetz hätten die Behörden die meisten Bauten schon vor Jahren abreißen lassen müssen. Aber die Bauherren kennen ihr Land, ihre Justiz- und Verwaltungsbehörden und ihre Politiker gut. Die haben nämlich dazu beigetragen, dass genehmigungsfreies Bauen durchaus Sinn machen kann.

Dreimal - 1985, 1994 und 2003 - haben die freundlichen Politiker in Rom mit einem gesetzlichen Gnadenakt die Wildwest-Bauten nachträglich legalisiert. Gegen einen kleinen Obolus an die jeweilige Kommune wurden Bauernkaten zu Mehrfamilienhäusern und Geräteschuppen zu Luxusvillen, und alle waren zufrieden. Die Gemeinden bekamen etwas Geld in die leeren Kassen. Politiker machten sich beliebt. Das Volk löste seine Bauprobleme selbst.

Etwa zwei Millionen Anträge auf die politische Absolution wurden seinerzeit eingereicht, viele wurden akzeptiert, andere nicht. Etwa 40 Prozent der Verfahren sind bis heute nicht abgeschlossen. Für die Betroffenen muss das kein Nachteil sein.


Gute Freunde helfen und Akten gehen verloren

Denn so lange kein negativer Bescheid ergeht, droht auch kein Abriss. Das hilft jenen, die im Naturschutzgebiet oder Weltkulturerbe-Tal gebaut haben, die in jedem Fall ihre Häuser räumen müssten. Aber bleiben dürfen sie, solange der Räumungsbeschluss nicht rechtskräftig wird.

Also werden Verfahren verschleppt, mithilfe „guter Freunde“ in der Verwaltung oder der Politik. Die Justiz ist ohnehin so langsam, dass oft Jahrzehnte bis zur Entscheidung vergehen. Derweil können Akten verloren gehen, Staatsanwälte und Richter andere Prioritäten setzen und auch die Objekte des langen Streits können sich verändern. Mitunter hat das erstaunliche Folgen.

So attestierte im vorigen Oktober ein Berufungsgericht Hauseigentümern auf einem Hang oberhalb von Palermo: Sie hätten nicht gewusst, dass sie illegale Bauten kauften - hätten vielmehr "in gutem Glauben" ihre Immobilie erworben. Deshalb dürfen sie diese auch behalten und nutzen. Die Verkäufer waren inzwischen stillgelegte Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Der trotz Bauverbot inzwischen dicht besiedelte Hügel mit Aussicht aufs Meer wird Hügel der Schande genannt.


Wenn die lahme Staatsmacht doch einmal einen Abriss verfügt hat, fanden sich meist alternative Lösungen zur Selbsthilfe. Da formierten sich zum Beispiel Menschenketten, die den anrückenden Bagger stoppten. Dagegen war natürlich auch die Polizei machtlos.
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Warnung aus Italien - Mafia in Deutschland etabliert

Der italienische Staatsanwalt Nicola Gratteri warnt vor einer Ausbreitung der Mafia in Deutschland. "Wir haben Beweise dafür, dass die Strukturen in Deutschland genau so sind wie in Italien", sagte Gratteri, der sich seit rund 25 Jahren gegen die Mafia engagiert, am Samstag in Darmstadt.



"Die große Gefahr besteht darin, dass die kriminelle Organisation alle Bereiche des öffentlichen Lebens durchdringt", warnte Gratteri. Er beklagte, dass in Deutschland beispielsweise es keine Straftat sei, Mitglied einer kriminellen Organisation wie der Mafia zu sein.

"Wer die Mafia bekämpfen will, braucht eine europaweite Anpassung der Gesetze. Es bringt nichts, die kleinen Fische zu fangen, die Kokain transportieren. Man muss die Strukturen knacken", betonte der Staatsanwalt, der europäisch einheitliche Gesetze forderte. Heute habe man es mit einem Imperium zu tun, das einer Holding gleiche. Ziel der Mafia sei es, wirtschaftliche Macht und Kontrolle auszuüben. Und seit der Öffnung des Ostblocks habe sich die Mafia in ihrem Aktionsraum vergrößert.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Südhessen, Gosberg Dölger, erklärte, gerade das Rhein-Main-Gebiet sei als wirtschaftsstarker Raum für die Akteure der organisierten Kriminalität interessant. Auch wenn man in den Zeitungen nicht täglich darüber lese, fänden Mafia-Aktivitäten auch hier statt. "Wir führen Strukturermittlungen durch und sind in diesem Bereich gut informiert", versicherte Dölger.

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Italien: Senator wegen Mafia-Verstrickungen verhaftet

Der Senat in Rom hat heute mit 154 Stimmen gegen 110 und zwölf Stimmenenthaltungen einem Antrag zur Festnahme des Parlamentariers Stefano Caridi zugestimmt. Dem Senator der Gruppierung GAL werden Mafia-Verstrickungen vorgeworfen.

Senator Stefano Caridi


Nach der Abstimmung wurde der Senator in die römische Strafanstalt Rebibbia geführt. Die Festnahme war beim Senat von einem Untersuchungsrichter der süditalienischen Stadt Reggio Calabria eingereicht worden.


Senat unter Tränen verlassen

Die Staatsanwälte ermitteln gegen Caridi sowie den Vizepräsidenten Kalabriens, Francesco D’Agostino, und weitere 38 Personen wegen Kontakten zur kalabresischen Mafia-Vereinigung ’Ndrangheta. Caridi wird unter anderem beschuldigt, während des Wahlkampfes für die Regionalwahlen 2010 einen Mafia-Boss in seiner Wohnung aufgesucht zu haben, um sich seine Unterstützung beim Wahlgang zu sichern.
Der 46-jährige Caridi erklärte vor dem Senat seine Unschuld und appellierte an die Kollegen, gegen seine Festnahme zu stimmen. Er verließ nach der Abstimmung in Tränen den Senat.


Donnerstag, 4. August 2016

Mafia-Mitglieder des Gambino-Clans in New York festgenommen

Den New Yorker Strafverfolgungsbehörden ist ein Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen. Sie verhafteten 13 mutmaßliche, teils hochrangige Mitglieder der Gambino-Mafia-Familie. Einer der Angeklagten befand sich zunächst noch auf der Flucht.



In der am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft den 14 Angeklagten eine Reihe von Verbrechen vor, darunter auch - erstmalig in einem Mafia-Fall - Menschenhandel in Verbindung mit der Prostitution einer Minderjährigen.

Die bei einem Bundesgericht in Manhattan eingereichte Anklage beschuldigt die Verhafteten, als Mitglieder des Gambino-Clans in Stripclubs Prostituierte angeworben und deren Dienste im Internet angeboten zu haben. Dabei sollen sie auch ein 15-jähriges Mädchen rekrutiert haben.

Daniel Marino - Mitglied des inneren Kreises
des Gambino-Clans


Außerdem hätten die Beschuldigten die jungen Frauen den Spielern eines regelmäßig von der Gambino-Familie ausgerichteten Pokerturniers für sexuelle Gefälligkeiten zur Verfügung gestellt. Die zuständige Staatsanwältin nannte dies einen "neuen Tiefpunkt" und eine Premiere für die Mafia.

Ein Punkt der Anklageschrift bezichtigt Daniel Marino, der als Teil des innersten Führungskreises der Gambino-Familie gilt, aus dem Gefängnis den Mord an einem seiner Neffen 1998 in Auftrag gegeben zu haben. Dieser hatte mit der US-Bundespolizei FBI zusammengearbeitet. Der 69-jährige Marino wurde auch wegen eines zweiten Mordes 1989 an einem Mitglied einer rivalisierenden Familie angeklagt. Darüber hinaus wurde ihm Erpressung von Baufirmen und der Betrieb von illegalen Glücksspielen vorgeworfen.


Der Fall ist der jüngste in einer Reihe von Verfahren gegen die Gambino-Familie in den vergangenen Jahren. Seit der berüchtigte Pate John Gotti 1992 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, haben die Strafverfolgungsbehörden zahlreiche Prozesse gegen den Gambino-Clan geführt. Gotti starb 2002.

Mafia-Krieg in Neapel

Nachdem die Polizei mehrere Bosse der berüchtigten Camorra verhaftet hat, tobt ein Krieg unter jungen Mafiosi um deren Nachfolge.

Im Rahmen einer Fehde zwischen rivalisierenden Clans der Camorra sind am Mittwoch in Neapel auf offener Straße zwei Männer erschossen worden. Eine weitere Person wurde verletzt, berichteten italienische Medien.



Bei den Todesopfern handelt es sich um zwei Vorbestrafte im Alter von 25 und 32 Jahren. Der Angriff ereignete sich in einer Gasse im Zentrum von Neapel. Einer der beiden Männer war sofort tot, der zweite erlag im Spital den schweren Wunden. Der Verletzte schwebe nicht in Lebensgefahr, berichtete die Polizei.

Erst am Dienstag hatten die Behörden in Neapel vor dem Bandenkrieg unter Mitglieder der Camorra, der Mafia in der Stadt, gewarnt.


Jung, skrupellos und mit riesigem Waffenarsenal

Nachdem in den vergangenen Monaten mehrere prominente Bosse der Camorra festgenommen worden sind, hat eine junge Generation die Führung der kriminellen Geschäfte übernommen, analysierten Experten. Junge, skrupellose Kriminelle würden über ein riesiges Waffenarsenal verfügen.

Ein beispielloser Krieg zur Kontrolle des Territoriums und der illegalen Aktivitäten wie Drogen- und Waffenhandel sowie Prostitution und Wucher tobe im Großraum von Neapel, der fast vier Millionen Einwohner zählt.


Mafiaboss ließ Haus wie in «Scarface» umbauen

Außerdem wurde am Mittwoch bekannt, dass die italienische Polizei Vermögenswerte in Höhe von 44 Millionen Euro eines 34-jährigen Mafiabosses beschlagnahmt hat. Laut den Ermittlern gab der Mann an, in 14 Jahren 80'000 Euro verdient zu haben - die wirklichen Einkünfte betragen aber eher zwei Millionen Euro. Beschlagnahmt wurden unter anderen 20 Firmen, 30 Grundstücke sowie Luxusuhren.

Dem Festgenommenen wird vorgeworfen, der Boss eines Clans zu sein, der Drogenschmuggel, Erpressung und Geldwäscherei betreibt sowie mit Wuchermieten Geschäfte macht.

Der Mafioso ist zudem für seine Leidenschaft für den Kinofilm «Scarface» von Brian De Palma aus dem Jahr 1983 bekannt. Er soll derart besessen von der Figur des Tony Montana, gespielt von Al Pacino, sein, dass er sein Haus in Sizilien nach dem Vorbild von Montanas Filmvilla umbauen ließ.

Im Kampf gegen die Mafia ist die Beschlagnahmung von Vermögen eine der Hauptwaffen des italienischen Staates geworden. Für die Clanbosse wiegt es schwerer, wenn sie ihr Vermögen verlieren, als wenn sie in den Knast wandern - denn aus dem Gefängnis treiben sie gewöhnlich ihre kriminellen Geschäfte weiter.