Mittwoch, 21. August 2013

Mafia schafft 400.000 Tonnen Giftmüll beiseite

Die Umweltschutzorganisation "Legambiente" in Italien gibt in ihrem Jahresbericht 2012 an, dass auf dem Weg zur offiziellen Entsorgung 350.000 bis 400.000 Tonnen giftigen Industriemülls beiseite geschafft worden sind. Demnach gewinnt die Mafia immer mehr Einfluss bei der Entsorgungsindustrie. Besonders in den südlichen Gebieten um Kampanien, Apulien, Kalabrien und Sizilien sind zunehmende Aktivitäten zu beobachten.

Für die italienische Mafia ist das Geschäft mit der illegalen Entsorgung kein Neues. Laut Angaben der italienischen Umweltschutzorganisation Legambiente aus dem Jahr 2010 verschwinden in Italien jährlich mehr als 25 Mio. Tonnen Abfall - rund ein Viertel des Gesamtvolumens. Damit erwirtschafte das organisierte Verbrechen rund 1,5 Mrd. Euro pro Jahr. Neben Drogenhandel und Prostitution gilt das schmutzige Geschäft mit dem Müll mittlerweile als das dritte zentrale Standbein der Mafia.

Dieses brisante Thema war nach meinem Buch LA NERA Antrieb, mich intensiv mit der illegalen Müllbeseitigung der Mafia zu beschäftigen. Ein Jahr Recherche liegt nun hinter mir und mein neuer Roman Il BASTARDO basiert weitgehend auf diesen Erkenntnissen.

Den Beweis für diese exorbitanten Schweinereien bringen abgehörte Telefonate unter Mafia-Bossen. Die illegalen Organisationen übernehmen die Beseitigung von giftigen oder krebserregenden Abfällen. Die Aufträge werden von den Firmen erteilt. Auch aus Deutschland werden zunehmend Giftmülltransporte organisiert, deren Verbleib völlig unklar ist.

Längst ist bekannt, dass große Entsorgungsschiffe mit hochtoxischen Substanzen im Mittelmeer und auch vor den Küsten Afrikas schlicht versenkt wurden. Vor Kalabrien liegen Wracks mit giftigem und radioaktivem Müll auf dem Meeresgrund. Staatsanwälte wurden zum Schweigen gebracht, Journalisten ermordet. Ein Kronzeuge behauptet, Politiker hätten die Mafiaorganisation 'Ndrangheta beauftragt, die brisante Fracht illegal zu entsorgen. Wer lügt in dieser unfassbaren Geschichte?

Still ist es im Hafen von Cetraro. Keine Fischer sind zu sehen, nur wenige Boote schaukeln im Wasser am Kai. Um einen Poller hat sich eine Gruppe von Männern versammelt, einer hält eine Angel ins Wasser, andere lachen oder schauen ihm zu. Mit Fremden werden sie nicht reden, hatte die Sprecherin des Fischervereins angekündigt.



Cetraro


Die Männer wollen von der Geschichte nichts mehr hören, sie habe ihnen sehr geschadet. Erst wurde das Fischfangverbot verhängt, dann dieses rätselhafte Wrack entdeckt, und nun traut sich niemand mehr, Fisch aus Cetraro zu kaufen. Dieses Dorf nahe Cosenza an der kalabrischen Westküste hat in Italien traurige Bekanntheit erlangt, weil in seinen Gewässern mit 
Cäsium kontaminierte Fische gefangen wurden. Dort liegt das Wrack, in dem 120 Container voll radioaktiver Schlacken liegen sollen – glaubt man dem 
Ex-Mafia-Mitglied und Kronzeugen Francesco Fonti. 

Bis 1994 war Fonti ein Mann der kalabrischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta. Er wurde von der Polizei verhaftet, wechselte die Seiten, erklärte sich bereit, mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Was er damals über die Struktur und die Geschäfte der 'Ndrangheta aussagte, erwies sich als zutreffend und aufschlussreich, Fonti galt seither als zuverlässiger Zeuge. Nur das Geständnis, das er 2005 ablegte, konnte bislang nicht verifiziert werden. Darin beschreibt er, wie der illegale Handel mit Giftmüll Anfang der 80er-Jahre begonnen haben soll: Italienische Politiker hätten seinerzeit zur 'Ndrangheta Kontakt aufgenommen, um giftigen und radioaktiven Müll illegal zu entsorgen.


 Francesco Fonti
 
 
Als Abladeplätze seien zunächst der Aspromonte – ein unwegsames, von der 'Ndrangheta kontrolliertes Bergmassiv im Süden Kalabriens –, die süditalienische Region Basilikata, das Mittelmeer vor den italienischen Küsten, Somalia und die Gewässer anderer afrikanischen Staaten vorgesehen gewesen. Für die Vermittlung des Geschäfts und die notwendige Rückendeckung hätten Geheimdienstagenten gesorgt, so Fonti. Manche Leiter der staatlichen Energiebehörde ENEA hätten sich 
sogar direkt an die 'Ndrangheta gewandt, um 600 Container giftigen und radio-aktiven Mülls -loszuwerden, der aus Italien, der Schweiz, Frankreich, Deutschland und den USA stammte.

Fonti will diese Aufgabe sogar selbst erledigt haben: 1992 habe er giftbeladene Schiffe im Mittelmeer versenkt, ein weiteres voll Schlämmen vor 
Maratea in Basilikata, eines mit verschiedenen toxischen Substanzen vor dem kalabrischen Ort Melito di Porto Salvo und dann eben die „Cunsky“, jenes Schiff, das vor Cetraro liegt und von dem er behauptet, dass es 120 Container der gefährlichen Fracht enthalte. Eine 'Ndrangheta-Familie soll ihm dabei geholfen haben, die „Cunsky“ mit Dynamit zu sprengen. Inzwischen spricht Francesco Fonti nicht mehr, weil er um sein Leben fürchtet. Einflussreiche Leute hatten ihm signalisiert, alles würde schlimmer, wenn er weiterrede. Im September vergangenen Jahres gab er ein letztes Fernsehinterview. Man kann es sich auf Youtube ansehen.
 
 
 
 


Im September bestätigten die italienischen Behörden tatsächlich den Fund eines -Frachters vor Cetraro, 120 Meter lang, 20 Meter breit, circa elf Meilen vom Ufer entfernt, in einer Tiefe von 472 Metern. Im Bug des Schiffes klaffte ein Riss, durch den der Tiefseeroboter eines Forschungsschiffs einige Container sichten konnte. Weitere zerplatzte Container, so berichtete der Pilot des Roboters, lagen auch in der Nähe des Schiffes auf dem Meeresgrund verstreut.


 

Staatsanwalt Bruno Giordano hat keinen Zweifel, dass es sich um die von 
Fonti genannte „Cunsky“ handelt: „Für mich war es klar: Fonti handelte als 'Ndrangheta-Mitglied, er handelte mit der Hilfe einer lokalen 'Ndrangheta-
Familie, beide Parteien erzielten damit einen bestimmten Gewinn. Nach dem Gesetz ist das ein mafiöser Akt.“ Bruno Giordano ist der einzige Staatsanwalt 
in der Kleinstadt Paola, ein hochgewachsener Mann mit dem Habitus des Intellektuellen. „Es stimmt, ich habe jenes Schiff vor Cetraro entdeckt, aber ich will mich nicht in die Angelegenheit einmischen“, sagt er. Da es um ein Mafia-Verbrechen ging, musste Giordano die Ermittlungen zur „Cunsky“ an die Antimafia-Staatsanwaltschaft von Catanzaro, der kalabrischen Hauptstadt, weiter-leiten. Nun möchte er seine „institutionellen Grenzen nicht übertreten“. Doch der nun zuständige Staatsanwalt Giuseppe Borrelli hält den Fall für abgeschlossen: Erstens sei Fonti ein Schwindler, sagt er. Zweitens sei mittlerweile bewiesen, dass es sich beim gefundenen Wrack nicht um die „Cunsky“ handele.
 
 
Staatsanwalt Giuseppe Borrelli, zu feige, den Fall weiter zu verfolgen 

 
Fakt ist: Ende Oktober beorderte die italienische Regierung das Forschungsschiff „Mare Oceano“ nach Cetraro. Dorfbewohner beobachteten, wie das Schiff drei Tage lang um einen Punkt kreiste, der circa 20 Meilen von der Küste entfernt liegt. Dort ist das Meer bis zu 3000 Meter tief – perfekt, um ein Schiff mit illegaler Fracht verschwinden zu lassen. Dann aber sei die „Mare Oceano“ Richtung Küste zurückgefahren, bis ungefähr zu der Stelle, an der man die „Cunsky“ vermutete. Nach zwei Tagen behauptete dann die Besatzung, das verdächtige Wrack sei ein Schiff namens „Cagliari“ – was sie dann wiederum zurücknahm, da bekannt wurde, dass die „Cagliari“ an einer ganz anderen Stelle untergegangen war.
 
Vier Tage später hieß es, das Wrack sei die „Catania“, ein Passagierschiff aus dem Ersten Weltkrieg. Das wiederum ließ die italienische Umweltministerin Stefania Prestigiacomo verbreiten, allerdings einen halben Tag bevor der Unterwasser-Roboter der „Mare Oceano“ ins Wasser getaucht war. In Cetraro glaubte ihr das kaum jemand. „Denn selbst wenn es die ‚Catania‘ war“, meint Andrea Paiser, Meereszoologe und Berater der Gemeinde Cetraro im Fall „Cunsky“, „warum hat man nicht weiter nach der ‚Cunsky‘ gesucht? Mindestens ein Dutzend Wracks liegen vor Cetraro auf dem Meeresgrund. Unter den vielen harmlosen befinden sich mehrere Gefährliches.“



 


Nach einer Auflistung der Marine von Reggio 
Calabria liegen in kalabrischen Gewässern 40 Wracks auf dem Meeresgrund. Bei neun Schiffen sind weder Herkunft noch Name bekannt. Es wäre ein Leichtes, sie mit ozeanografischer Technik zu untersuchen. Die Staatsanwaltschaft lässt dagegen lieber eine neue Liste erstellen. „Nach Wracks im Meer Ausschau zu halten und all den Wracks, die man findet, einen Namen zuzuordnen, ist fast unmöglich“, erklärt Borrelli. Würde tatsächlich ein Schiff mit radioaktivem Müll im Mittelmeer gefunden, müsste man nämlich eine alte Geschichte neu aufrollen: Im März 1994 erstattete die Umweltorganisation „Legambiente“ beim Polizeipräsidium von Reggio Calabria Anzeige. Sie hatte von dem Handel mit Giftmüll erfahren, der aus Norditalien, Deutschland und anderen nordeuropäischen Ländern stammte und nach Kalabrien gebracht worden war. Dieser Müll soll zunächst in Höhlen des Aspromonte versteckt und später im Mittelmeer versenkt worden sein. Francesco Neri, Staatsanwalt in Reggio 
Calabria, leitete damals die Ermittlungen.
 

Francesco Neri - ein weiterer Staatsanwalt mit Maulkorb


Aus „institutionellen Gründen“ dürfe er heute leider keine Auskünfte über diese alte Geschichte geben, sagt er am Telefon. Ein ähnliches Schweigegebot ist allen Mitgliedern seines damaligen Ermittlungsteams auferlegt worden – jedenfalls jenen, die noch am Leben sind. Der Marinekapitän Natale 
De Grazia etwa starb während der Ermittlungen am 13. Dezember 1995. Auf dem Weg von Reggio Calabria nach La Spezia, wo er einige Zeugen vernehmen und Schiffsregister sichten wollte, brach er auf dem Rücksitz des Autos zusammen, mit dem er und zwei Kollegen Richtung Norden fuhren. Kurz zuvor hatten sie zu Abend gegessen. De Grazia war der einzige, der einen Limoncello trank. Herzstillstand, ergab die Autopsie, doch keine Spur eines Infarkts. Der wahre Grund für den Tod De Grazias ist bis heute ungeklärt.
 
 
 
Natale 
De Grazia

 
Im März 1994 wurden die Journalistin Ilaria Alpi 
und der Kameramann Miran Hrovatin in Mogadischu ermordet. Sie hatten zu illegalen Geschäften mit Waffen und Giftmüll zwischen Italien und Somalia recherchiert und Hinweise erhalten, dass dem italienischen Geheimdienst eine wesentliche Rolle bei der Sache zukam. Während die Journalisten einen somalischen Informanten interviewten, wurden sie von elf Maschinengewehrsalven nieder-gemäht. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Italien befasste sich mit dem Tod der Berichterstatter – geklärt wurde er nie.

Neri und sein Team verfolgten die Spuren von 
70 auf geheimnisvolle Weise verschwundenen Schiffen. Die Recherchen führten zu einem dubiosen Geschäftsmann, dem 
Ingenieur Giorgio Comerio. Im Besitz seiner Gesellschaft Oceanic Disposal 
Management (ODM) befanden sich die Pläne eines Projekts zur – abenteuerlichen – Entsorgung radioaktiver Abfälle: Comerio wollte sie in Unterwasser-Raketen einschließen und diese in den Meeresgrund schießen. Nach Aussagen eines Zeugen wurde das Projekt zwar nie verwirklicht.


Giorgio Comerio - dubioser Geschäftsmann und Müll-Entsorger


Weitere Ermittlungen aber ergaben, dass Comerio mit diversen Staaten über andere Formen der Entsorgung von Atommüll verhandelte – und dass er Schiffe an- und verkaufte. Es ist also nicht auszuschließen, dass der Ingenieur seinen ursprünglichen Plan ad acta legte und den Atommüll durch Versenken von Frachtern entsorgte. Als Staatsanwalt Neri Comerios Villa in Garlasco bei Pavia durchsuchen ließ, wurde 
dieser Verdacht durch mehrere Funde erhärtet, unter anderem durch einen Kalendereintrag vom 21. September 1987, in dem es heißt: „Lost the ship!“ An jenem Tag war weltweit nur ein einziges Schiff untergegangen: die „Rigel“.


Chemikalienfrachter Riegel - sie wurde versenkt


Ausgerechnet dieses Schiff war vor Capo Spartivento bei Reggio Calabria 25 Meilen von der Küste entfernt auf kuriose Weise „verschwunden“. In einem Prozess wurde Versicherungsbetrug festgestellt – das Schiff war absichtlich versenkt worden. Bekannt wurde auch, dass die „Rigel“ eine andere Fracht transportierte als jene, die deklariert worden war: 1.700 Tonnen Marmorpulver und 60 Container mit Zementblöcken. Beides Materialien, die geeignet sind, ein Schiff schnell zu versenken – aber auch, um Radioaktivität abzuschirmen.

Später geriet eine weiteres Schiff ins Visier der Ermittler um Neri, die „Jolly Rosso“. In den 80er-Jahren war dies eines der Schiffe, das die italienische Regierung auch in den Libanon schickte, um toxische Abfälle nach Italien zurückzuholen. Eine Zeitlang hatten Drittweltstaaten Atom- und Giftmüll europäischer Staaten aufgenommen, verlangten dann aber später deren Rücktransport. 
Am  14.  Dezember  1990 tauchte die „Jolly Rosso“ im Tyrrhenischen Meer vor Amantea an der kalabrischen Küste auf, hieß nun allerdings nur noch „Rosso“ und wurde an einen Strand von Amantea getrieben.
 
 
 
 Chemiefrachter Jolly Rosso

 
„Wie eine Szene aus einem Fellini-Film wirkte das“, sagt der Lokalreporter Francesco Cirillo, der zu der Stelle eilte. Ein riesiges rotes Schiff lag da am Strand. Dann habe die Gesellschaft Ignazio Messina, der das Schiff gehörte, die holländische Firma Smit Tak beauftragt, die auf die Bergung von Schiffswracks spezialisiert ist. Niemand erfuhr, was für Arbeiten sie dort verrichteten. Anschließend wurde das Schiff abgewrackt. Indessen kursierten in Amantea Gerüchte, nach der Strandung seien Lastwagen gesichtet worden, die nachts vom Schiff zum Tal des Flusses Oliva fuhren. Da man um die „Rosso“ Firmen gesehen hatte, die der 'Ndrangheta nahestanden, wagte niemand, vor Staatsanwälten auszusagen. Die Ermittlungen wurden bald darauf eingestellt. Als Francesco Neri auf einen Hinweis stieß, dass eine 'Ndrangheta-Familie aus 
Africo an der ionischen Küste Kalabriens mit radioaktivem Müll handelte, musste er den Fall im Juni 1997 an die Antimafia-Staatsanwaltschaft von 
Reggio Calabria übergeben. Am 14. November 2000 wurden die Ermittlungen über die „Schiffe der Gifte“ endgültig eingestellt.

Heute bedeckt die typische Mittelmeer-Vegetation die Berghänge an den Seiten des Oliva-Tals – Gestrüpp, Pinien, Dornensträucher, verdorrtes Gras. Von der einen zur anderen Seite des Tals erstreckt sich ein Steindamm. „Dort unten, beim Damm“, sagt Teresa Bruno, und zeigt mit dem Finger auf das Flussufer. Sie steht auf der Landstraße über der Böschungsmauer des Flusses, der Wind lässt ihr schwarzes Haar wallen, dicke Wolken ziehen vom Westen auf. Die 29-Jährige ist wütend darüber, was in Kalabrien geschieht. „Freunde von mir sind im Alter von 30 Jahren an Krebs gestorben“, sagt sie. „Wovor soll ich Angst haben? Was macht es für einen Unterschied, ob ich erschossen werde oder bald an Krebs sterbe?“ Also hat sie geredet, offen, vor allen.
 
Sie erzählt, wie sie als Kind oft am Flussufer spielte. Ihre Großmutter hatte dort ein Grundstück gepachtet, um Gemüse anzubauen. Eines Tages sah Teresa blaue Behälter im Kiesbett des Flusses. „Ich weiß nicht, ob sie gerade dorthin gebracht oder durch einen Erdrutsch freigelegt wurden. Jedenfalls verschwanden sie danach von heute auf morgen.“ Nach Teresa haben auch andere Zeugen Staatsanwalt Giordano berichtet, blaue Fässer am Fluss Oliva gesehen zu haben. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. Im Flusstal wurden Schwermetalle und Cäsium-137 gefunden, ein radioaktives Isotop, das bei Kernspaltungen entsteht. Links von der Straße, die zum Tal führt, gibt es einen künstlichen Hügel, der einen extrem hohen Grad an Radioaktivität aufweist – eine Folge des Cäsiums im Boden.

„Es gibt Cäsium, das durch Niederschläge auf die Erde rieselt“, erklärt Giordano. Dies sei bedingt durch den Reaktorunfall Tschernobyl oder Folge der früheren Atombombentests. Dieses Cäsium liegt aber maximal bis 20 Zentimeter tief im Boden. 
„Da wir aber das Cäsium bei uns in vier Metern Tiefe gefunden haben, sind unsere wissenschaftlichen Berater zu dem Schluss gekommen, dass es aus kontaminiertem Boden stammen muss, der von seinem ursprünglichen Herkunftsort ins Oliva-Tal gebracht wurde.“ Die verunreinigte Gegend im Flusstal des -Oliva wiederum liegt nicht weit von der Stelle, an der 1990 die „Jolly Rosso“ gestrandet ist. Folgt man dem Flusslauf bis zum Meer, kommt man direkt zum Strand. Dort liegt ein verrosteter Baggergreifer neben dem Rinnsal, das ins Meer mündet. Ob der kontaminierte Boden mit dem Schiff nach Kalabrien gebracht wurde?

Staatsanwalt Giordano schweigt, obwohl das Oliva-Tal wie auch der Strand von Amantea und das Hafenstädchen Cetraro in seinen Zuständigkeitsbereich fallen. Seitdem er die Ermittlungen über das vor Cetraro entdeckte Wrack an die Antimafia-Staatsanwaltschaft von Catanzaro abgeben musste, darf er über die Schiffe weder ermitteln noch über sie sprechen. Das Verfahren zu der „Jolly Rosso“ sei längst beendet, sagt er. Warum aber wurden alle Ermittlungen über die „Schiffe der Gifte“ eingestellt? Warum hat man sie jedem Staatsanwalt, der sie weiterführen wollte, gleich 
wieder entzogen?

„Ich darf auf solche Fragen nicht antworten“, sagt er. Soll man also selber seine Schlüsse daraus ziehen? „Ja, das dürfen Sie.“