Dienstag, 20. August 2013

Mafia-Boss in Mainz gefaßt

Dem mutmaßlichen Killer Alessandro Emmanuelo (51) werden viele Morde zur Last gelegt


Alessandro Emmanuelo

Ein brutaler Killer und berüchtigter Clanchef der sizilianischen Mafia ist der Polizei in Mainz ins Netz gegangen. Nach sechs Jahren Fahndung legte eine Beamtin des Mobilen Einsatz-Kommandos dem 31jährigen Alessandro Emmanuelo am letzten Donnerstag Abend auf offener Straße die Handschellen um. Der Mafia-Boss ist wegen eines Mordes bereits zu lebenslanger Haft verurteilt und soll zahlreiche weitere Menschenleben auf dem Gewissen haben. Er war mit dem Fahrrad unterwegs, als die Polizei ihn überrumpelte.

Emmanuelo war die Nummer 1 der Cosa Nostra in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta, wie deutsche und italienische Fahnder am Freitag in Mainz berichteten. In Kämpfen zwischen drei Mafia-Familien um die kriminelle Vorherrschaft seien dort in den vergangenen zehn Jahren 300 Menschen umgebracht worden, berichtete der italienische Verbindungsbeamte beim Bundeskriminalamt, Alexander Zelger. Nicht alle Toten seien gefunden worden: "Die sind irgendwo in einem Zementpfeiler drin."

In Mainz hatten die Fahnder den 31jährigen, gegen den sieben Verfahren wegen Mordes laufen, zwei Wochen lang beobachtet. Dann, so hieß es, war seine Identität geklärt und die Polizei griff zu. Der Vertraute des Mafiabosses "Piddu" (der Kleine) Madonia hatte laut Staatsanwaltschaft bei einer nicht-italienischen Familie in Mainz gewohnt. Von seinem kriminellen Hintergrund hätten die Gastgeber aller Wahrscheinlichkeit nach nichts geahnt.


Piddu" (der Kleine) Madonia


Bei der Festnahme unbewaffnet

"So jemand sucht Schutz in einem Gebiet, wo keine Mafiosi sind", sagte Zelger. Brauche ein Sizilianer Hilfe, wende er sich an Leute aus seiner Heimatgegend: "Da wird nicht gefragt, wer er ist oder was er getan hat." Zelger und der Vizechef der Kriminalpolizei in Caltanissetta, Stefano Dodaro, beschrieben den Mann mit dem narbenübersäten Körper als äußerst gewalttätig: "Ein Opfer hat er mit den Händen erwürgt und dabei noch nach seinem letzten Wunsch gefragt." Bei seiner Festnahme in Mainz war Emmanuel unbewaffnet.


Spitze der Cosa Nostra brutal erobert

Nach der Festnahme hoher Mafiapaten habe Emmanuelo mit äußerster Brutalität die Spitze der Cosa Nostra seiner Region erobert, sagten die Fahnder. Sein Versteck in Deutschland spürten sie im Zuge der Ermittlungen zu einem Blutbad im sizilianischen Vittoria am 2. Januar auf. Bei der Auseinandersetzung zwischen den Familien Mirabella und Piscopo kamen fünf Männer ums Leben. Emmanuelo, der mit den Piscopos verschwägert ist, gilt als Drahtzieher dieser Tat.

Das letzte Fahndungsfoto des Verhafteten war sechs Jahre alt. Von dem "Phantom der Mafia" und ganz großen Fisch der Cosa Nostra, Bernardo Provenzano, sind die jüngsten Bilder sogar 30 Jahre alt. Emmanuelo blieb untergetaucht, seit das Landgericht Genua ihn in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt hatte. Er ließ sich einen Vollbart und lange Haare wachsen. "Wenn man ihn so ansieht", meinte der Italiener Zelger, "dann würde man ihm vielleicht einen Pfennig geben und sagen, geh' mal zum Frisör."  


Auslieferungsverfahren

Am Freitag habe ein Mainzer Haftrichter den internationalen Haftbefehl gegen Emmanuelo bestätigt, sagte der Mainzer Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach. Das Auslieferungsverfahren beim Oberlandesgericht in Koblenz könne einige Wochen dauern. Der Mainzer Polizeipräsident Hans-Heinrich Preußinger hob die gute Zusammenarbeit der deutschen und italienischen Behörden bei der Suche nach dem Mörder hervor: Der Fall zeige, wie reibungslos die Fahnder in einem zusammenwachsenden Europa kooperierten.

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