Samstag, 17. August 2013

In den Fängen der Internet-Mafia

Rund 70 Prozent aller Deutschen geben an, schon einmal Opfer von Onlinebetrug geworden zu sein. In den letzten zwölf Monaten gab es dreimal mehr Opfer von Internetkriminalität als von Gewalttaten. Allein in Deutschland kommen täglich 43.000 neue Betrogene dazu. Weltweit sind es mehr als eine Million pro Tag. Weltweit haben 2012 Internetkriminelle einen Schaden von 284 Milliarden Euro verursacht.




Die Dokumentation begleitet die trickreichen Machenschaften von Cyber-Gangstern über einen Zeitraum von zwei Jahren und folgt BKA-Fahndern, dem FBI, französischen und britischen Ermittlern bei ihrem Kampf gegen die Internet-Kriminalität.

Die Leipzigerin Ursula H. geriet durch eine einfache Jobsuche auf einem seriösen Portal in die Fänge der Internet-Mafia. Sie wurde unwissentlich zur Geldwäscherin für eine Fakeshop-Bande und fiel aus allen Wolken, als sie anstatt der versprochenen Entlohnung ein Schreiben der Staatsanwaltschaft im Briefkasten fand und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde.

Monatelang blieb die Autorin den Tätern auf der Spur und agierte selbst als Lockvogel. Sie fand heraus, wie dreist die Kriminellen mittlerweile vorgehen und wie schwer es ist, ihre wahre Identität herauszufinden. Am Ende führte die Spur zu einer Fakeshop-Bande, die in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland im großen Stil Onlinebetrug verübte. Ursula H. war nur eine von vielen Geprellten.

Auch Alfred M. tappte in die Falle von Cybergangstern. Bei ihm führen die Spuren der Gangster bis ins Baltikum. Für die ARTE-Dokumentation bewerben wir uns bei den Cyber-Kriminellen und erhalten lukrative Jobangebote. Die Cybergangster errichten eine Jahr für Jahr größer werdende Schattenwelt, die sich längst wie ein Spinnennetz um den ganzen Globus gelegt hat. Fahnder und Experten betrachten diese Underground Economy mit großer Sorge, denn sie ist längst zu einer Bedrohung der realen Geschäftswelt geworden.

In der Underground Economy herrschen ähnliche Spielregeln wie im wahren Leben: Es gibt Geldgeber, Händler, Hersteller, Handlanger und, wenn man so will, technische Dienstleister. Ein lukratives Geschäft, international und völlig anonym. Auf die Schliche kommen ihnen die Fahnder immer nur dann, wenn die Kriminellen einen Fehler begehen.

Die Dokumentation begleitet exklusiv die deutschen Kriminalhauptkommissare Mirko Manske und Stefan Methien in die USA. Die Ermittler vom Bundeskriminalamt arbeiten sehr eng mit dem FBI zusammen. Special Agent Keith Mularski bestätigt: "Es hat sich eine völlig neue Art der organisierten Internetkriminalität entwickelt. Weltweit gibt es Gruppen, die untereinander vernetzt sind und die zusammen von verschiedenen Punkten der Erde aus ihre Beutezüge planen und durchführen." Die BKA-Fahnder, das FBI, französische und britische Ermittler haben nur gemeinsam eine Chance gegen die Underground Economy.

"Heute wird Schadsoftware entwickelt, um Geld zu verdienen. Und wir haben es nicht mehr mit dem eigentlichen Programmierer zu tun, sondern mit Kunden, mit Auftraggebern dieses Programmierers, die dann die durch den Programmierer erzeugte Schadsoftware kriminell einsetzen", sagt Mirko Manske vom BKA. Er und seine Kollegen bewegen sich in der Täterwelt. Sie locken die Gangster, indem sie sich selbst als Kriminelle ausgeben, und versuchen so deren Vertrauen zu gewinnen. Sie chatten mit ihnen und treten als Käufer von Schadsoftware oder gestohlenen Kreditkartendaten auf. Wie leicht man mittlerweile Hunderte "frischer" Daten im Paket und mit entsprechendem Preisnachlass mit wenigen Mausklicks kaufen kann, zeigt uns Mirko Manske vor der laufenden Kamera. Der Cyber-Cop beweist uns auch, wie einfach es geworden ist, einen Trojaner auf einem Computer zu installieren und Daten auszuspionieren.

Orla Cox ist Managerin bei Symantec, einem der weltgrößten Anbieter von Sicherheitssoftware. Symantec hat vor kurzem in Dublin eine neue hochmoderne Zentrale erbaut. Orla Cox sagt: "Deutschland ist die Nummer 1 in Europa hinsichtlich der Anzahl von bösartiger Software, die entwickelt und in den Umlauf gebracht wird. Der jährliche Schaden beläuft sich auf 24 Milliarden Euro."

Der Film beleuchtet das aufwendige Katz und Maus Spiel der Cyber-Fahnder: Von der ersten, scheinbar unauffälligen Mail zur Kontaktaufnahme, über die Portale von Fakeshop-Banden, über Schwarzmärkte und geheime Foren bis hin zu Festnahmen und Gerichtsprozessen. Er ermöglicht einen tiefen Einblick in die Netzwerke der Internet-Mafia und zeigt die Gesichter der neuen ehrenwerten Gesellschaft.