Samstag, 31. August 2013

Anklage gegen 13 Mafia-Mitglieder in Bellinzona

Vor eineinhalb Jahren scheiterte die Bundesanwaltschaft mit einer Anklage vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Jetzt kommt Versuch Nummer zwei.

13 mutmassliche Mitglieder der 'Ndrangheta sollen seit 1994 vor allem im Rauschgift- und Waffenschmuggel tätig gewesen sein. Ihr Tätigkeitsgebiet war vor allem die auf der Achse Zürich-Tessin-Italien. Die Bundesanwaltschaft (BA) hat beim Bundesstrafgericht in Bellinzona erneut Anklage gegen die Angeschuldigten erhoben. Eine erste Anklage in dieser Sache hatten die Richter vor eineinhalb Jahren wegen Verfahrensfehlern zurückgeschickt.



Eugenio Ferrazzo, Sohn des prominenten
 'Ndrangheta-Bosses Felice Ferrazzo, wurde verhaftet.
 

Nach der Rückweisung habe die BA zahlreiche Personenbefragungen sowie Schlusseinvernahmen der Beschuldigten durchgeführt. Das Resultat der vorgenommenen Beweisergänzungen habe die ursprünglich erhobenen Vorwürfe bestätigt.


Verbindungen nach Italien

Den 13 Beschuldigten lastet die BA Beteiligung beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Organisation, qualifizierte Geldwäscherei, Betäubungsmitteldelikte, Verstöße gegen das Kriegsmaterialgesetz und weiterer Delikte an.


Felice Ferrazzo - Boss des Clans

Unter den Beschuldigten befindet sich auch der mutmaßliche Chef des 'Ndrangheta-Ablegers. Der in der Schweiz eingebürgerte Mann stammt aus dem italienischen Mesoraca, wo der 'Ndrangheta-Clan Ferrazzo seine Hochburg hat. Der Mann ist in der Schweiz einschlägig vorbestraft.


Schlupfwinkel des Ferrazzo-Clans


zur Entwicklung

Die Carabinieri haben in Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden in der Lombardei eine kriminelle Vereinigung zerschlagen, die aus der Schweiz Waffen und Drogen nach Italien schmuggelte. Der Schmugglerring konnte auf die Hilfe eines Schweizer Ehepaares zählen.
Die Organisation hatte nach Angaben der italienischen Polizei Verbindungen zu einem Clan der 'Ndrangheta, der Mafia in der süditalienischen Region Kalabrien.

Über die italienisch-schweizerischen Grenzübergänge in Brogeda und Gaggiolo seien offenbar seit 2009 beträchtliche Mengen von in der Schweiz legal erworbenen Waffen und Munition nach Italien geschmuggelt worden, sagte der Staatsanwalt der norditalienischen Stadt Varese, Maurizio Grigo, am Donnerstag.



beschlagnahmte Waffen und Sprengstoffe

Die 'Ndrangheta, die inzwischen auch im Tessin und in Zürich stark verwurzelt ist, habe für die Schmuggelaktionen ein «älteres» Schweizer Ehepaar eingesetzt. Über dessen Identität machten die Behörden keine Angaben. Im Auto des Paares seien mehrere Waffen sowie 200 Gramm Haschisch kolumbianischen Ursprungs sichergestellt worden.


Bevorstehender Krieg zwischen den Clans?

Insgesamt wurden gegen acht Personen Strafverfahren eingeleitet. Vier Personen befinden sich in Haft, die restlichen vier unter Hausarrest. Darunter befindet sich der 34-jährige Eugenio Ferrazzo, Sohn des prominenten 'Ndrangheta-Bosses Felice Ferrazzo, der seit 2011 in Haft ist.
Die Ermittlungen wurden in Zusammenarbeit von Carabinieri und der Schweizer Polizei geführt und nahmen nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Varese zwei Jahre in Anspruch.

Die Menge der geschmuggelten Waffen lässt bei der italienischen Polizei Befürchtungen über einen bevorstehenden Krieg zwischen den Clans aufkommen. Der inhaftierte Boss Felice Ferrazzo führt seit Jahren eine Fehde gegen einen rivalisierenden Clan, der unter der Leitung eines abtrünnigen Familienmitglieds steht.

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