Samstag, 20. Juli 2013

Der mysteriöse Tod des Mafia-Zeugen "Stippo"

Der Prozess gegen den Ex-Mafia-Boss und FBI-Informanten James "Whitey" Bulger holt die Schrecken der 80er zurück: Jetzt starb der wichtigste Zeuge namens "Stippo" unter rätselhaften Umständen. (siehe auch Vorbericht)


Die Geschichte des ehemaligen Mafia-Bosses James "Whitey" Bulger hat bereits Hollywood inspiriert. Sein brutales Leben diente als Vorlage für den Hollywood-Film "Departed – Unter Feinden" von Martin Scorsese.


Schutzgelderpressungen, Drogenhandel, Korruption – mit harter Hand regierten James "Whitey" Bulger und seine "Winter Hill Gang" in den 70er- und 80er-Jahren große Teile Bostons. Wer sich seiner Regentschaft nicht beugte, wurde von dem gnaden- und scheinbar gewissenlosen Bulger aus "dem Weg geräumt".
 
Mindestens 19 Menschen soll der Mafia-Killer persönlich ermordet haben. Das zumindest wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, die den gefürchteten Bulger nach jahrelanger Flucht vor den Behörden vor vier Wochen in seiner alten Heimstadt vor Gericht stellte.
 
Es ist ein spektakulärer Mafia-Prozess, bei dem jetzt die Erinnerungen an die Schreckensherrschaft des mittlerweile 83 Jahre alten Bulger wieder zurückkehren. Doch jetzt wurde einer der wichtigsten Belastungszeugen tot aufgefunden. Und niemand weiß, wie Stephen "Stippo" Rakes ums Leben gekommen ist. Eine Autopsie soll den mysteriösen und plötzlichen Tod des einstigen Besitzer eines Alkoholladens aufklären.
 
"Ich hoffe sehr, dass Rakes nicht ermordet wurde", sagte Steve Davis, einen anderen Zeugen, den es bei dem Gedanken, dass alte Freunde von Bulger Rakes wie in klassischer Mafia-Manier mundtot gemacht haben, schüttelte. "Das erinnert mich sofort wieder an die 80er-Jahre", sagt Davis außerhalb des Bundesgerichts in Boston. Damals sei das auch so gewesen. Wer auspacken wollte, sei verschwunden oder ermordet worden. Unter den Opfern der Mafia ist auch Davis Schwester Debra. Sie soll von Bulger mit dessen eigenen Händen erdrosselt worden sein.
 
 
'Stippo' hatte keine Angst vor Bulger

Der 59 Jahre alte Rakes, der von Bulger mit vorgehaltener Waffe 1984 zum Verkauf seines Alkoholgeschäfts gezwungen worden sein soll, war am Mittwochnachmittag von einem Jogger in Lincoln im US-Bundesstaat Massachusetts und 30 Autominuten westlich von Boston, auf einer Straße tot aufgefunden worden. Wie der "Boston Globe" berichtet, soll die "Leiche dort abgelegt" worden sei. Mysteriös ist auch, dass Rakes Brieftasche und dessen Auto verschwunden sind.
"Ich bin der Typ, der ein Alkoholgeschäft aufgebaut hat und von Bulger bedroht wurde", hatte Rakes vor Beginn der Verhandlungen in einem Interview gesagt. "Ich bin gespannt auf den Prozess und kann es gar nicht erwarten, auch selbst auszusagen."
Bisher, so heißt es aus Ermittlungskreisen der Polizei, gebe es aber keine "klaren Hinweise auf Gewaltanwendung". Laut einem Bericht des TV-Senders ABC wollen die Behörden auch einen Selbstmord nicht ausschließen. Eine Theorie, die Rakes Ex-Frau Julie Dammers und dessen Freund Steven Davis für ausgeschlossen halten.
"Ich kann ihnen versichern, dass mein Ex-Mann keinen Selbstmord begehen würde", sagte Dammers in einem Interview mit dem "Boston Globe". "Ich bin überrascht und total geschockt."
Auch Davis hält die Theorie für Unsinn. "Sich selbst umzubringen, würde er niemals tun." Rakes habe den Prozess von Anfang an im Gerichtssaal mitverfolgt und wollte unbedingt in den Zeugenstand treten. "Er wusste, dass er auf den weiteren Prozessverlauf großen Einfluss haben werde", sagte Davis. "'Stippo' hatte keine Angst vor Bulger."
 
"Rein kriminelle Beziehungen"

Nach dem Tod von Rakes, setzt die Staatsanwaltschaft jetzt vor allem auf Bulgers früheren Komplizen Stephen "The Rifleman" Flemmi, der lange Zeit als rechte Hand des Mafia-Killers galt. "Der Gewehrmann", der am Tag nach Rakes plötzlichen Tod im Zeugenstand aussagte, erklärte, dass seine Beziehung zu Bulger "rein kriminell" gewesen sei. Er habe 15 Jahre ganz eng mit ihm zusammengearbeitet und sei selbst mit ihm in den Urlaub gefahren.
 
 
The Rifleman" Flemmi
 
Flemmi wurde 2004 selbst wegen zehn Morden zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Der 79-Jährige hatte zuvor mit der Staatsanwaltschaft einen Deal gemacht. Er legte ein Geständnis ab und bot sich als Kronzeuge gegen Bulger an. Die Anklage verzichtete im Gegenzug auf die Todesstrafe.
 
Von ihrem Kronzeugen Flemmi verspricht sich die Staatsanwaltschaft vor allem auch weitere Informationen von Bulgers Beziehungen zum FBI. Der Mafioso soll zwischen 1975 und 1990 als Informant für die Bundespolizei gearbeitet haben. Auch der jetzt tot aufgefundene Rakes hatte das immer vermutet, weil ihm die Polizei Hilfe wegen der Erpressungen verweigert hatte. Im Jahre 2002 hatte Rakes aus diesem Grund die US-Regierung angezeigt. Die Klage wurde jedoch abgewiesen.
"Ich habe persönlich gehört wie Bulger mehr als 100 Telefonate mit dem FBI geführt hat", sagte Flemmi. "Er und der Agent John Connolly hatten eine enge Geschäftsbeziehung zueinander."
 
Verbrecher blieb trotz Fahndung unbehelligt

Bulgers Anwälte dagegen bestreiten das und nennen Flemmi als Zeugen "nicht glaubhaft". Und dass obwohl die Bundespolizei selbst zugeben musste, das Agent Connolly Bulger nicht nur engagiert, sondern auch dessen Flucht arrangiert hatte. Der Mafia-Killer lebte fast 16 Jahre zusammen mit seiner Frau – sie wurde wegen Fluchthilfe bereits zu acht Jahren Gefängnis verurteilt – unbehelligt in Santa Monica, in Kalifornien.
 
Dort wurde das Bulger-Ehepaar 2011 verhaftet und nach Boston für ihren Prozess überstellt. Bei der Festnahme wurden nicht nur ein Arsenal an Waffen sichergestellt, sondern auch 800.000 Dollar in bar, die die Bulgers in den Wänden ihrer Wohnung in Santa Monica versteckt hatten.
 
Agent Connolly wurde nach zwei Prozessen 2002 und 2005 wegen Mordes zu 50 Jahren Haft verurteilt. James "Whitey" Bulger droht in Boston bei einer Verurteilung eine lebenslange Gefängnisstrafe.
 
 
 
FBI Agent Connolly

Freitag, 19. Juli 2013

Zeuge in Mafia-Prozess tot aufgefunden

Im Prozess gegen den Bostoner Ex-Mafiaboss James Bulger, genannt "Whitey", ist ein Zeuge tot aufgefunden worden. Die Todesursache wird zur Zeit untersucht. Der 83-jährige Bulger war 2011 festgenommen worden, ihm werden unter anderem 19 Morde vorgeworfen.

James "Whitey" Bulger war viele Jahre der mächtigste Gangsterboss in Boston. 2011 wurde er festgenommen.

 
Boston - Noch einmal kehrte der Schrecken nach Boston zurück, den James Bulger, genannt "Whitey", und seine Bande dort in den siebziger und achtziger Jahren verbreiteten: Der frühere Inhaber eines Alkohol-Geschäfts, Stephen Rakes, wollte gegen den Ex-Mafiaboss aussagen - und wurde am Mittwoch tot aufgefunden.
Rakes stand auf der Zeugenliste, war jedoch bislang nicht im Prozess aufgetreten. Bulger soll ihn angeblich 1984 erpresst haben. Laut der Staatsanwaltschaft hat der frühere Mafiaboss den Ladeninhaber Rakes und seine damalige Frau mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, ihm sein Geschäft zu verkaufen.

Mit diesen Bildern suchte das FBI nach James "Whitey" Bulger. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte er in den achtziger Jahren illegales Glücksspiel und Drogenhandel in Boston.

Rakes' Ex-Frau Julie Dammers Rakes sei über die Todesnachricht "überrascht und schockiert" gewesen, teilte einer ihrer Anwälte mit. Dieser zog jedoch auch in Zweifel, dass der Tod des 59-Jährigen irgendetwas mit dem Prozess gegen Bulger zu tun habe. Der Leichnam Rakes' wird zur Zeit von der Gerichtsmedizin untersucht. Es seien keine offensichtlichen Zeichen von Gewalteinwirkung erkennbar, teilte die lokale Bezirksstaatsanwaltschaft mit.

In diesem Haus in Santa Monica in Kalifornien fassten Polizisten schließlich Bulger und seine Geliebte. Sie ließen sich widerstandslos festnehmen.

Im Prozess gegen Bulger sagen eine Reihe von Erpressungsopfern aus, die jahrzehntelang unter der Gewaltherrschaft Bulgers und seiner "Winter Hill"-Gang litten. Allerdings setzt die Staatsanwaltschaft vor allem auf Bulgers frühere Komplizen wie den Auftragskiller Johnny Martorano oder Stephen Flemmi, angeblich lange Zeit die rechte Hand des Mafiabosses.

In Bulgers Wohnung in Santa Monica in Kalifornien fanden Ermittler Pistolen, ein Sturmgewehr, eine Shotgun - insgesamt sollen es etwa 30 Waffen gewesen sein.


Flemmi, genannt "Rifleman", erschien am Donnerstag erstmals vor Gericht. Er sitzt selbst seit 2004 in Haft und hat schon zehn Morde zugegeben. Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft ersparte ihm die Todesstrafe - dafür soll er nun gegen seinen früheren Komplizen aussagen. Außerdem verspricht sich die Staatsanwaltschaft von seiner Aussage Informationen über die Verquickungen Bulgers mit dem FBI.

Die Behörde hatte bereits eingeräumt, dass Bulger zwischen 1975 und 1990 als Informant der Ermittlungsbehörden gearbeitet haben soll. Der frühere Agent John Connolly, der Bulger persönlich engagiert haben will, wurde 2002 und 2005 unter anderem wegen Mordes zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt. Er hatte Bulger demnach bei vielen Taten geholfen und seine Flucht gedeckt. Bulger war 1995 untergetaucht und hatte bis 2011 unbehelligt als Pensionär in Südkalifornien gelebt.

In der Wand hatte Bulger zudem mehr als 800.000 Dollar versteckt.


Gegen die mangelnde Unterstützung durch die US-Behörden hatte sich auch der frühere Ladenbesitzer Rakes aufgelehnt. Er verklagte 2002 die amerikanische Regierung, sie habe ihn nicht ausreichend vor Bulgers Gang beschützt. Die Klage wurde damals von einem Bundesrichter abgewiesen. Den Prozess gegen Bulger hatte er laut dem Anwalt seiner Ex-Frau intensiv verfolgt - er wollte demnach unbedingt gegen den Mafiaboss aussagen. Das müssen nun andere für ihn tun.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Wenn ich auspacke, müssen die Priester den Petersdom verkaufen.....

Geheime Konten, Geldwäsche für die Mafia, Korruption und ein vergifteter Espresso. Die Geschichte der Vatikanbank reicht bis ins 19.Jahrhundert zurück. Für Skandale und Kriminalfälle sorgten die »Banker Gottes« seit jeher. Wer zu viel wusste, lebte mitunter kürzer als gedacht.

Petrus hatte kein Konto auf der Bank!“, ließ Papst Franziskus die Gläubigen und Ungläubigen vor wenigen Tagen wissen. Es war an der Zeit, ein wenig auf Distanz zum schnöden Mammon zu gehen. Denn Franziskus selbst hat, wie all seine Vorgänger seit 126 Jahren, nicht nur ein Bankkonto. Er hat sogar eine eigene Bank. Und eine skandalumwitterte noch dazu.





Geheime Konten, illegale Parteienfinanzierung, Geldwäsche, Mafia und Korruption. Das Institut für religiöse Werke (IOR), besser bekannt unter dem Namen Vatikanbank, ist seit seiner Gründung eine Legende. Verborgen hinter den teils neun Meter dicken Mauern des Turms Nikolaus V. im Vatikan gilt die Bank als eines der undurchsichtigsten und gefährlichsten Finanzinstitute der Welt.

Wer zu viel über das Innenleben des IOR wusste, lebte in den vergangenen Jahrzehnten oft recht unsicher.

Seinen größten Skandal erlebte die Vatikanbank in den 1980er-Jahren. Damals wurde bekannt, dass die beiden italienischen Bankiers Roberto Calvi und Michele Sindona jahrelang Mafiagelder über Konten des IOR gewaschen hatten, das nicht unter der Kontrolle der italienischen Bankaufsicht steht. Als Komplize hatten sich die beiden niemand Geringeren als Erzbischof Paul Marcinkus, den damaligen Chef der Vatikanbank selbst, geangelt.

Als Roberto Calvis Institut, die Banco Ambrosiano, Anfang der Achtziger in finanzielle Schwierigkeiten geriet, ging dieser in die Offensive: „Wenn ich auspacke, müssen die Priester den Petersdom verkaufen“, drohte er damals unverhohlen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Wenig später fand man den „Banker Gottes“ von einer Brücke baumelnd in London. Noch am selben Tag nahm sich seine Sekretärin in Mailand das Leben. Sein Komplize Michele Sindona wurde 1986 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch er drohte damit, auszupacken.

48 Stunden nach dem Richterspruch starb Sindona im Gefängnis an einem mit Zyankali vergifteten Espresso. Vatikanbank-Chef Paul Marcinkus blieb unterdessen verschont. Er flüchtete sich hinter die vatikanischen Mauern, wo Johannes PaulII. seine Auslieferung an die italienische Justiz jahrelang verhinderte. Später konnte sich der Geistliche, dem auch eine Reihe anderer dubioser Geschäfte nachgesagt wurden, unbehelligt in die USA absetzen.

Papst mistet aus. Die Wurzeln der Vatikanbank reichen bis ins 19.Jahrhundert zurück. 1887 gründete Papst LeoXIII. die „Kommission für fromme Zwecke“. Erst 1942 wurde sie als Istituto per le Opere di Religione zu einem eigenständigen Geldhaus mit der Aufgabe, die Vermögensverwaltung für Kleriker, Klöster, Diözesen und Orden weltweit zu übernehmen. Gerade einmal 19.000 Menschen besitzen ein Konto bei der Vatikanbank, die zuletzt 86,6 Millionen Euro Gewinn in die Taschen des Vatikan gespült hat. Mehr als 2.700 Konten werden Superbossen der Mafia und der 'Ndranghtea zugeschrieben. Angeblich sollen dort Milliardenvermögen gebunkert sein.

Heute steht das Institut wieder in den Schlagzeilen. Seit 2010 ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäsche. Anders als in den 1980er-Jahren begann der Papst diesmal tatsächlich, in „seiner“ Bank auszumisten. Vor wenigen Tagen trat die Spitze der Vatikanbank geschlossen zurück. Mit René Brülhart (siehe Interview) wurde ein Außenstehender zum Finanzaufseher des Vatikans berufen. Er soll den jahrzehntealten Sumpf trockenlegen.

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Ex-Polizeichef in Mafia-Prozess freigesprochen

Mario Mori, Ex-Kommandant der Carabinieri-Sondereinheit ROS, ist von einem Gericht in Palermo vom Vorwurf freigesprochen worden, die Festnahme der langjährigen Nummer eins der Mafia, Bernardo Provenzano, im Jahr 1995 verhindert zu haben.


Mario Mori, Ex-Kommandant der Carabinieri-Sondereinheit ROS

Provenzano, ehemaliger Chef der Cosa Nostra, war im April 2006 in seinem sizilianischen Heimatdorf Corleone verhaftet worden.

Die Polizei hatte ihn 43 Jahre lang gesucht.

Fünf Jahre lang hat der Prozess gegen Mori gedauert, über 100 Gerichtsverhandlungen fanden in Palermo statt.

Mori hatte vor Gericht zugeben, er habe als ROS-Chef öfter den mit der Mafia verstrickten Ex-Bürgermeister von Palermo, Vito Ciancimino, getroffen, er dementierte jedoch Vorwürfe, nach denen es Verhandlungen zwischen den Carabinieri und der Mafia gegeben habe, um weitere Attentate der Cosa Nostra gegen Staatsanwälte und Richter zu verhindern.

Ciancimino, der zur Zeit des Baubooms in den 60er Jahren Bürgermeister von Palermo war und Mafia-Firmen Milliardenaufträge zugeschanzt haben soll, war 1991 wegen Amtsmissbrauchs und Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er starb im Jahr 2002.

Mori bestritt vor Gericht außerdem, dass es ein Dokument gegeben habe, auf dem der Mafia-Boss Salvatore „Toto“ Riina die Forderungen der Cosa Nostra-Paten an den Staat niedergeschrieben habe.
Er war bereits 2006 vom Vorwurf der Verschleppung von Anti-Mafia-Ermittlungen freigesprochen worden.

Ihm und einem Mitarbeiter wurde zur Last gelegt, in seiner Zeit bei der Anti-Mafia-Einheit in Palermo nach der Festnahme Riinas im Jänner 1993 die Durchsuchung von dessen Luxusvilla auf Sizilien verzögert zu haben.

Die Villa, in der Riina acht Jahre lang mit seiner Familie gelebt hatte, war erst 18 Tage nach seiner Festnahme durchsucht worden.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Blutiger Camorra-Konflikt in Neapel

Im Norden Neapels ringen Banden um die Vorherrschaft im Drogengeschäft. Das kostete seit 2012 alleine in den Wohnblocks von Scampia 45 Menschen das Leben.

Häuser der Schlümpfe heißen diese heruntergekommenen Wohnblocks in Scampia, einem Vorort von Neapel. Der nette Namen bezieht sich auf die einst blaue Farbe der Gebäude. Heute tobt hier ein Drogenkrieg
   

Im Norden Neapels spielt sich einer der brutalsten Camorra-Konflikte seit Jahren ab. Am Sonntagmorgen ermordeten Killer in Scampia den 42 Jahre alten Raffaele Abete, Bruder eines inhaftierten Clanchefs. Mit drei Schüssen in den Schädel streckten ihn die Mörder vor der "Caffetteria Zeus" nieder. Von den Tätern fehlt jede Spur, doch ihr Motiv ist für die Ermittler eindeutig: Dem Mann wurde zum Verhängnis, der Bruder des Camorra-Bosses Arcangelo Abete zu sein. "Krieg in Scampia", schreibt die Zeitung "La Repubblica".
    
Harmlosere Namen sind für diese Schauplätze des Schreckens kaum denkbar: Wegen ihrer einst blauen Farbe nennen sich die heruntergekommenen Wohnblöcke "Case dei Puffi", Häuser der Schlümpfe. Und die riesigen Hochhausruinen, in denen immer noch Tausende Familien leben, heißen "Le Vele", die Segel.

Jetzt spielt sich am Rand dieser tristen Gebäude ein heftiger Camorra-Konflikt ab. Etwa 80 Clans gibt es in Neapel, unter einigen von ihnen ist ein blutiger Streit um die Vorherrschaft im "größten Drogensupermarkt Europas" neu entbrannt. So nennen Insider den trostlosen Distrikt im Norden der Stadt. In und um Neapel sind die heruntergekommenen Betonburgen von Scampia berüchtigt, auch im Film "Gomorra" sind sie zu sehen. Drogensüchtige und Dealer versorgen sich hier mit Stoff. Bis zu 500 Kriminelle teilen sich das Geschäft mit Kokain, Heroin, Tabletten und Haschisch. Die Drogen gelangen über Spanien hierher. Auf bis zu 100 Millionen Euro schätzen Staatsanwälte den illegalen Jahresumsatz.

Dieser enorme Profit ist der Grund für den neuen Konflikt, in dem sich in erster Linie die Clanfamilien Abete-Abbinante-Notturno und Menetta-Magnetti-Petriccione bekriegen. Die Tötung Abetes sei die Rache für einen anderen Mord gewesen, behauptet die Polizei. Am 23. August starb Gaetano Marino im Kugelhagel, als er an der Strandpromenade von Terracina, einer Kleinstadt zwischen Neapel und Rom, in sein Auto einsteigen wollte. Die Exekution erfolgte mitten am Tag, Touristen liefen auf der Straße. Auch Marino ist der Bruder eines gefürchteten Bosses im Norden Neapels, Gennaro Marino.

Seit 2011 sind laut Polizei 35 der insgesamt 67 Morde in Neapel auf die Auseinandersetzung in Scampia zurückzuführen. Seit März 2012 forderte der Konflikt sieben Tote. Polizei und Carabinieri sind seit dem Mord an Marino auf 200 Mann verstärkt worden, das jüngste Attentat konnten sie dennoch nicht verhindern. Immerhin ist der Drogenhandel nun erschwert. Innenministerin Anna Maria Cancellieri sagte: "Offensichtlich hat dieser Aufwand nicht genügt, wir werden mehr tun müssen." Nun wird über einen Einsatz des Militärs spekuliert.

Die tief verwurzelten Probleme des Viertels werden jedoch auch Soldaten nicht aus der Welt schaffen können. Der heutige Konflikt ist die Fortsetzung der "Fehde von Secondigliano", bei der zwischen 2004 und 2005 mehr als 89 Menschen ums Leben kamen. Eine Gruppe, die sogenannten Abspalter hatte sich damals gewaltsam vom Di-Lauro-Clan getrennt. Sie kontrollierten seither die Drogenumschlagplätze in Scampia, vor allem in den "Case dei Puffi" und den "Vele", die seit Jahren de facto rechtsfreier Raum sind. Wie in einer Burg haben die Clans Wachposten an jeder Ecke postiert, die das Territorium kontrollieren. Nun ist innerhalb der Abspalter ein neuer Machtkampf entbrannt.

Der Verfall in Scampia begann 1980 nach einem schweren Erdbeben in Kampanien. Tausende Obdachlose fanden in den Wohnblöcken Unterschlupf. Nie wurde eine entsprechende Infrastruktur geschaffen, auch Arbeit gibt es für die heute 80 000 Bewohner kaum, die Rede ist von bis zu 75 Prozent Arbeitslosigkeit. Nur ein Fünftel der in den "Vele" lebenden Familien hat einen regulären Mietvertrag. Die anderen leben in besetzten Wohnungen, viele haben sich eigenhändig an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen. Die Camorra, die die soziale Misslage für sich nutzt, kontrolliert auch den illegalen Wohnungsmarkt. Don Fulvio D’Angelo war hier jahrelang Seelsorger. Der Priester sagt: "In vielen Jahren habe ich nicht die Spur einer Idee gesehen, wie diese Gegend wirtschaftlich und sozial gefördert werden kann."    

Geldwäsche im großen Stil - Mala Vita

der Roman MALA VITA beschreibt die Geldwäsche im großen Stil. Claudio M. Mancini hat im Milieu recherchiert und einen packenden Plot geschrieben, der die Leser tief in die Strukturen und Machenschaften der sizilianischen Mafia Eintauchen lässt. Riesige Geldströme versickern auf karibischen Inseln und werden auf wundersame schneeweiß.....

ein Roman mit hoher Aktualität



Nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders kommt Schriftsteller Roberto Cardone einem großangelegten Finanzbetrug der Ehrenwerten Gesellschaft auf die Spur. Enrico, ein angesehener Rechtsanwalt, war offensichtlich in äußerst zwielichtige Geschäfte verwickelt. Jetzt muss Roberto um sein eigenes Leben fürchten. Denn 382 Millionen Dollar »Erbschaft« sind schließlich keine Kleinigkeit ...

http://www.amazon.de/Mala-Vita-Ein-Mafia-Roman-ebook/dp/B004X2X792/ref=pd_sim_kinc_1

Pizzeria mit Koks - Geldwäsche mit Charme und Nudeln

Die sizilianische Cosa Nostra, die Camorra aus Neapel - einschlägige italienische Mafia-Syndikate, haben ihre Ableger auf dem gesamten Globus, auch in Deutschland, und besonders in Bayern. Eine in der Öffentlichkeit weniger bekannte Gruppierung ist die 'Ndrangheta. Doch gerade diese kalabrische Spielart der Organisierten Kriminalität ist die aktivste hierzulande.

Sie operiert mit Drogen- und Waffenhandel, Geldfälschung, Geldwäsche. Es ist noch nicht lange her, da wurde in Sonthofen im Allgäu eine 'Ndrangheta-Gruppe ausgehoben. Eine Pizzeria als Relaisstation für europaweiten Kokainhandel - der Fall Sonthofen ist typisch für die Arbeitsweise der 'Ndrangheta. Und es war nicht irgendwer, der sich im Allgäu niedergelassen hatte: Nach Angaben der Kemptener Ermittler agierten dort Angehörige der Clans aus dem berühmt-berüchtigten San Luca, die auch für das Mafia-Massaker 2007 in Duisburg mit sechs Leichen verantwortlich waren.




Mafia in Großstädten und auf dem Land

Dass eben diese Clans viele Stützpunkte in Deutschland haben, geht auch aus Erkenntnissen des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. In Bayern dienen demnach nicht nur das Allgäu, sondern auch München, Nürnberg und sogar kleinere Orte in Unterfranken oder Oberbayern als Aktions- oder Rückzugsraum.

Wie viele 'Ndrangheta-Mitglieder sich insgesamt in Deutschland aufhalten, weiß auch das BKA nicht. Fast 100 wurden in den vergangenen zwölf Jahren festgenommen. Eine der spektakulärsten Fahndungserfolge gelang bayerischen Ermittlern am 29. März 2010 unter dem Operations-Code "'Ndrangheta in Oberbayern. Erstaunlich dabei, dass das BKA neue Zahlen betreffend mauert, obwohl bekannt ist, dass sich die 'Ndrangheta in der Zwischenzeit weiter ausgebreitet hat.


Razzia mit 400 Beamten - und mehrere Prozesse

Binnen weniger Stunden durchsuchten mehr als 400 Beamte gleichzeitig insgesamt 71 italienische Restaurants und Bistros in München und in diversen Städten von Erding bis Augsburg. Bei der Razzia wurden elf Personen festgenommen. Wie schon in Sonthofen fand man bei der "NiO"-Aktion Kokain - und auch in diesem Fall führten Spuren bis nach San Luca. Die Staatsanwaltschaft München I erhob Anklagen, erste Urteile sind schon gefallen.

Mit Kokain verdient die 'Ndrangheta Milliarden. Doch wohin mit dem kriminellen Geld? Vergraben kann es die Mafia nicht, daher wäscht sie einen Gutteil davon. Pizzerien eignen sich für die dunklen Geschäfte der 'Ndrangheta besonders gut.

Im Juli 2010 warnte das Bundeskriminalamt (BKA) vor zunehmender Kriminalität italienischer Banden in Deutschland. Mehrere Hundert mutmaßliche Mafia-Mitglieder leben demnach dauerhaft hier, mehr als die Hälfte sollen dem Syndikat mit dem sperrigen Namen 'Ndrangheta angehören. "Bezogen auf das Investitionsverhalten und die Geldflüsse der Clans werden die Hinweise immer deutlicher, dass in Deutschland Investitionen in großer Höhe vorgenommen werden, hauptsächlich im Gastronomie- und Hotelgewerbe", hieß es weiter aus BKA-Quellen. "Investitionen in großer Höhe" - das bedeutet im Klartext: Da ist Geldwäsche im Spiel. Aufgrund der für sie vorteilhafteren Gesetzeslage wählen Mafiosi dazu lieber ein Land wie Deutschland als Italien.


Geldwäsche in großem Stil

Das Geld wird gewaschen, weil es kriminell erworben wurde. Die Mafia verfügt über horrende Summen. Laut Francesco Forgione, dem Ex-Vorsitzenden des Mafia-Ausschusses im italienischen Parlament, machen 'Ndrangheta, Camorra und Cosa Nostra zusammen einen Jahresumsatz zwischen 120 und 180 Milliarden Euro (Angaben von 2009). Alleine in Deutschland macht diese kriminelle Organisation geschätzte 5 Milliarden Euro per annum.

Einer der lukrativsten Zweige der Schattenwirtschaft ist der Handel mit Rauschgift, vor allem mit Kokain. Darauf hat sich besonders die 'Ndrangheta spezialisiert, die diesen internationalen Markt inzwischen weitgehend kontrolliert.

Clans der Organisation beziehen den Stoff im Wesentlichen über Seerouten von südamerikanischen Drogenkartellen. Rotterdam, Hamburg und Antwerpen sind die drei wichtigsten europäischen Häfen, wo das weiße Pulver ankommt.


Goldgrube Kokain

Mit Kokain erzielt die Mafia riesige Gewinnspannen, zumal sie nach Angaben von Mario Huber, Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität am Landeskriminalamt in München, mittlerweile Zwischenhändler auf dem Weg des Stoffes von Kolumbien oder Peru nach Europa ausgeschaltet hat. Für ein Gramm Kokain zahlt die 'Ndrangheta 2,50 Euro an südamerikanische Drogenbarone. Im Verkauf kostet das Gramm 60 Euro.

Zusätzlichen "Mehrwert" schafft man durch Qualitätsverminderung: Ein Kilo Kokain wird in eigenen Laboren auf zwei gestreckt.

So verdient die 'Ndrangheta schätzungsweise jährlich mehr als 30 Milliarden Euro allein durch illegalen Rauschgift-Handel. Die Organisation sei eine "Holding des Drogenmarktes", sagt Forgione - und "Deutschland ein Zentrum des Kokainhandels".


Gutbürgerliche Kunden

Auch wenn die 'Ndrangheta ursprünglich aus Kalabrien kommt, sitzen ihre Bosse längst auch anderswo, vor allem in Mailand. Diese verstehen sich heutzutage weniger als allmächtige "Paten" denn als Geschäftsleute, die in Büros mit schicken Designer-Möbeln residieren - wie ein Gutteil ihrer Kunden: In der 1,3-Millionen-Metropole Mailand leben italienischen Experten zufolge etwa 130.000 regelmäßige Konsumenten der Modedroge Kokain.

Dessen leistungssteigernde Wirkung schätzen längst nicht nur mehr unter Ausdauerdruck stehende Partylöwen, sondern auch gestresste Rechtsanwälte, Ärzte oder Hochleistungssportler. Kokain muss man sich leisten können, es ist kein Stoff für Junkies und Aussteiger.


Pizzeria mit Drogen-Lager

Zwar ist Mailand laut Forgione die europäische Kokain-Hauptstadt, doch ähnliches Klientel, und nicht zu wenig davon, wartet auch in Amsterdam, Zürich, Berlin, Frankfurt oder München auf Nachschub.


37 Kilo Kokain - im Dezember 2012 entdeckt
und sichergestellt von der bayerischen Polizei


Die 'Ndrangheta-Bosse lassen den verdünnten Stoff dementsprechend in ihre "Filialen" transportieren - meist italienische Restaurants, die zur Tarnung Pizza, Pasta und Pannacotta anbieten, aber in Wirklichkeit Umschlagplätze für europaweiten Kokainhandel sind. Der ahnungslose Gast speist in südländischem Ambiente - und hat keinen blassen Schimmer, dass im Keller oder im Hinterzimmer kiloweise Drogen lagern, die nur darauf warten, an ihre Endverbraucher verkauft zu werden. Aber die Pizzeria hat - siehe oben - ja noch eine weitere Funktion: Geldwäsche.

Dienstag, 16. Juli 2013

Mexiko – Italien: Hunde nach Kokaintransport geschlachtet

Ein riesiges Netzwerk von Drogenschmuggler, die mithilfe von Hunden Kokain in großen Mengen von Mexiko nach Italien transportierten, war vor 2 Monaten aufgeflogen. Jetzt wurden weitere 49 Personen festgenommen!
 
Südamerikanische Drogenbanden mit Sitz in Mailand haben Hunde zum Kokaintransport aus Mexiko nach Italien eingesetzt. Die italienische Polizei gab am Montag bekannt, dass 48 der Tiere getötet wurden. Laut einem Sprecher der Polizei in Mailand wurden bei einer Razzia 49 Personen festgenommen. Ich habe im Juni darüber berichtet.
 
 
 
 
Demnach wurden die Hunde gezwungen, vor ihrer Reise mit dem Flugzeug in Kunststoffverpackungen eingewickelte Drogen zu schlucken. Die Pakete wurden mit schwarzem Klebeband umwickelt, um Sicherheitskontrollen an Flughäfen zu vermeiden. Nach der Ankunft am Zielort schlachteten die Drogenhändler die Tiere.
 
 

Drogenring fliegt auf - Modell schluckte 98 Kokain-Kapseln / VIDEO

Es ist ein großer Erfolg für die Ermittler. Dank eines Fotomodells mit einem Kilo Kokain im Magen können sie die Hintermänner des Drogenschmuggels aufspüren. Sie beschlagnahmen kiloweise Kokain und Marihuana und führen Dutzende Haftbefehle mit sich.

Ein Fotomodell mit einem Kilo Kokain im Magen hat sizilianische Fahnder in langwierigen Ermittlungen zu einemverzweigten der Mafia geführt. Sie rückten in mehreren Städten von Ragusa im Süden bis nach Bologna im Norden mit mehr als 40 Haftbefehlen an. Beschlagnahmt wurden etwa 14 Kilogramm Kokain und 28 Kilogramm Marihuana, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.
Die Spur der Drogen hatte bis in die Niederlandegeführt. Dort war das Fotomodell aus der Dominikanischen Republik aufgebrochen, nachdem es insgesamt 98 Kapseln mit dem Kokain geschluckt hatte.

Unter Hauptverdacht stehen führende Köpfe zweier Mafia-Gruppen aus Catania, des "Pillera-Puntina" und des "Laudani-Clans". Der Drogenhandel lief größtenteils über Verbindungen von Sizilien nach Kampanien. Eine logistische Basis befand sich in Bologna, wo das aus den Niederlanden geschmuggelte Marihuana gelagert wurde. Es wurde per Zug oder Mietwagen nach Catania gebracht.

Außerdem sollen die Mafia-Clans auch andere Drogenkuriere in der Dominikanischen Republikangeheuert haben. Ein Netz von in Catania lebenden Südamerikanern sei für deren Empfang und die Abwicklung des Geschäfts zuständig gewesen. Enge Geschäftsverbindungen bestanden auch zu den Mexikanischen Drogenkartellen. und zum gerade verhafteten Drogenboss Treviño Morales.


Drogenboss Treviño Morales gefasst

MEXIKO-STADT - Der Fang gelang gestern nahe der US-Grenze: Miguel Ángel Treviño Morales, einer der von den mexikanischen und amerikanischen Behörden am meisten gesuchten Männer, wurde von der mexikanischen Marine festgenommen.


Miguel Ángel Treviño Morales
Der Chef des Drogenkartells «Los Zetas» in Mexiko, der auch als «El Z-40» bekannte Treviño Morales, wurde am frühen Montagmorgen im Nordosten Mexikos nahe der US-Grenze gestellt. Das sagte ein Sprecher des Sicherheitskabinetts, Eduardo Sánchez, an einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Zusammen mit dem 40-jährigen Drogenboss seien in der Stadt Anahuac im Bundesstaat Tamaulipas zwei andere Bandenmitglieder festgenommen worden. Auf die Ergreifung von Treviño Morales hatten Mexiko und die USA bis zu fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Die Festnahme Treviño Morales' ist ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen in Mexiko. Die Verhaftung steht im engen Zusammenhang mit dem kürzlich in Bolivien gefassten Mafia-Boss aus Caltanisetta/Sizilien

Acht Waffen, 500 Schuss Munition, zwei Mio. Dollar

Bei der Operation auf einer Landstraße um 3.45 Uhr am Montagmorgen seien keine Schüsse gefallen, sagte die Polizei. Treviño war in einem Pritschenwagen unterwegs, als er geschnappt wurde. Begleitet wurde er von einem Leibwächter und einem Mann, der wohl der Finanzmanager des Kartells war. Im Wagen wurden acht Waffen gefunden, 500 Schuss Munition - und zwei Millionen Dollar in bar.

Die Gründergeneration der Bande besteht ausnahmslos aus desertierten Soldaten einer Eliteeinheit, spezialisiert auf Aufstandsbekämpfung und Drogenfahndung. Sie zeichnen sich durch hohe Disziplin, enorme Brutalität und große Kenntnisse in Geheimdiensttätigkeiten aus, schreibt «spiegel.de».
Die US-Anti-Drogen-Behörde DEA bezeichnete die Zetas einst als die «raffinierteste, technisch am weitesten fortgeschrittene und gewalttätigste Organisation», die im Ringen um Rauschgift, Routen und Reviere in Mexiko mitmischt.

Treviño Morales: Opfer bei lebendigem Leib verbrannt

Treviño Morales wird unter anderem der organisierten Kriminalität, des Totschlags, des Drogenhandels und der Geldwäsche beschuldigt. Die Festnahme ist der erste große Erfolg gegen die organisierte Kriminalität in den sieben Monaten Amtszeit von Präsident Enrique Peña Nieto.
Treviño stamme aus einer Familie mit 13 Geschwistern, von denen mindestens sechs im Business mitmischen. Er war besonders skrupellos und sadistisch, schreibt «spiegel.de». Er soll seine Opfer gerne zerstückelt oder bei lebendigem Leib verbrannt haben. Und wie aller großen Drogen-Bosse liebte er Raubtiere, die er sich aus Afrika kommen ließ.

Die in den 1990er Jahren als bewaffneter Arm des berüchtigten Golfkartells gegründeten «Los Zetas» sind nicht nur im Drogenhandel aktiv, sie erpressen auch Migranten auf deren Weg in die USA. Außerdem verlangen sie Schutzgelder von Kasinos, Restaurants, Hotels und Nachtbars.

Unfassbare Grausamkeiten

«Los Zetas» gelten als eine der blutrünstigen kriminellen Organisationen. Das Drogenkartell zeichnet sich durch unvorstellbare Grausamkeiten aus. 2010 schlachteten sie 72 papierlose Migranten ab, ruft «cbsnews.com» in Erinnerung. Berüchtigt wurde die Tat als als Massaker von San Fernando. Im Mai dieses Jahrs deponierten sie 49 verstümmelte Körper auf dem Marktplatz einer Stadt in Nordmexiko.
Mittlerweile hat die Bande ihren Einfluss über den gesamten Osten Mexikos bis nach Guatemala und in andere Länder Mittelamerikas ausgedehnt.

Seit der frühere Präsident Felipe Calderón bei seinem Amtsantritt im Dezember 2006 die Armee gegen die Drogenbanden einsetzte, wurden mehr als 60'000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg getötet.

Camorra-Bosse Loconsolo und Vargas in Santo Domingo verhaftet

Neapel – Er war unter den hundert meistgesuchten Verbrechern Italiens: Pasquale Vargas vom Camorra-Clan der Familie Casalesi konnte endlich dingfest gemacht werden. Der als äußerst gefährlich eingestufte Vargas gilt als eiskalter Killer. Ihm werden auch Erpressungen zur Last gelegt.


Pasquale Vargas
 
Auch das Mafia-Mitglied Saverio Loconsolo, 31,  wurde heute in Santo Domingo gefasst.

Saverio Loconsolo

Seit 2005 sind Vargas die Ermittler auf den Fersen. Pasquale Vargas ist im Rahmen des 'Spartacus'-Prozesses, bei dem über hundert Mafiosi angeklagt worden sind, zu 12 Jahren Haft verurteilt worden. Der jetzt in Giugliano verhaftete Vargas wird von den Mafiajägern als rechte Hand des Camorra-Bosses Francesco Bidognetti angesehen. Er sei weiteres das Verbindungsglied zwischen Michele Zagaria und anderen Clanmitgliedern. Zusammen mit Vargas wurde ebenfalls dessen Begleiterin festgenommen.

Samstag, 13. Juli 2013

Clan-Chef der kalabrischen 'Ndrangheta verhaftet

Er wurde schon verurteilt, da war er noch auf der Flucht. Jetzt haben italienische Sonderermittler den kalabrischen Mafia-Boss Pietro Labate gefasst. Er muss wegen Erpressung und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung 20 Jahre ins Gefängnis. 


Pietro Labate


Ein gefährlicher Mafia-Boss der kalabrischen 'Ndrangheta ist nach mehr als zweijähriger Flucht von italienischen Sondereinheiten gefasst worden. Mafia-Jäger aus Reggio Calabria nahmen den 62 Jahre alten Pietro Labate am Samstag fest, wie die Nachrichtenagentur Ansa und die italienische Zeitung la Repubblica berichten.

Der Boss des gleichnamigen Clans war vor einem Jahr in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung und Erpressung verurteilt worden. Die Behörden setzten ihn danach auf die Liste der gefährlichsten  Kriminellen des Landes. Labate versuchte vergeblich, sich seiner Festnahme zu entziehen.

Eine ganze Stadt in der Hand der Mafia

In Süditalien gelang ein spektakulärer Schlag gegen die organisierte Kriminalität. Doch die Politik zeigt nicht viel Engagement.

Müllabfuhr, Parkhäuser, eine Kompostierungsanlage, die Badestrände, Werbung auf öffentlichen Plätzen – in der 11.000 Einwohner großen Küstenstadt Scalea im süditalienischen Kalabrien scheint sich nahezu alles, was Geld einbringt, in den Händen von Mario Stummo und Pietro Valente zu befinden. Das Problem: Beide sollen der 'Ndrangheta angehören. Die kriminelle Vereinigung ist Kalabriens Pendant zur sizilianischen Mafia und zur neapolitanischen Camorra. Aufgedeckt hat die Herrschaft der 'Ndrangheta über Scalea die Anti-Mafia-Einheit in Catanzaro.



Scalea, Kleinstadt in der Hand der Mafia

Auf ihren Wink hin nahm die Polizei am Freitag in einem breit angelegten Schlag gegen das organisierte Verbrechen in fünf Provinzen insgesamt 38 Personen fest. Sie beschlagnahmte Güter im Wert von 60 Millionen Euro. Konfisziert wurden 22 Unternehmen, 81 Immobilien, mehrere Geschäfte, 50 Hektar Land, 33 Luxusautos von Jaguar, BMW und Mercedes sowie zwei Yachten. Die Ermittler sprechen von Entführung, Waffenbesitz, Korruption und Bilanzfälschung.



Scaleas Badestrände


Zu den Festgenommenen zählen auch der Bürgermeister Scaleas, Pasquale Basile, und fünf seiner Kabinettskollegen. Die Clans um Stummo und Valente sollen Basile im Jahr 2010 ins Amt gehoben haben. Im Gegenzug für die Wahlkampfhilfe habe ihnen Basile die lukrativen öffentlichen Aufträge und Konzessionen der Stadt zugeschanzt, vermuten die Ermittler. In der Kanzlei eines Anwalts soll die Regierung mit Stummo sowie Valente die Geschäfte organisiert haben. Zusammen sollen sie Ausschreibungen so ausgestaltet haben, dass letztlich die 'Ndrangheta den Zuschlag bekam.
 
 
Pasquale Basile, Bürgermeister von Scalea - verhaftet
 
 
Der Fall Scalea unterstreicht einmal mehr die Macht der organisierten Kriminalität in Italien. Trotz spektakulärer Ermittlungserfolge gelingt es der Regierung, der Justiz und der Polizei nicht, die 'Ndrangheta, die Mafia oder die Camorra zu bändigen. Die Clans sind tief in der Gesellschaft verankert und unterhalten enge Beziehungen zu den politischen Entscheidungsträgern. Sie gelangen so an öffentliche Aufträge, Konzessionen und Grundstücke. Das eröffnet ihnen nicht nur Chancen, die Gewinne zu vermehren. Sie können so auch leichter die Gelder aus dem Handel mit Kokain, Schutzgelderpressung und dem Verkauf gefälschter Markenprodukte wieder in den Wirtschaftskreislauf schleusen.
 
Die 'Ndrangheta, die Mafia und die Camorra sind längt nicht mehr nur in Italien aktiv. Sie expandieren zunehmend ins Ausland und engagieren sich dort über verschachtelte Strukturen in der Realwirtschaft. Europas Polizeibehörde Europol schlägt deshalb Alarm und spricht mit Blick auf die italienischen Clans von einer "heimtückischen Bedrohung" für Europa. "Die Aktivitäten mögen im Vergleich zu anderen kriminellen Gruppierungen weniger sichtbar sein. Aber das Bild an Informationen, das sich auf Basis unseres Netzwerks an Kontakten in Europa ergibt, ist klar", schreibt Europol in einem aktuellen Lagebericht und mahnt eine bessere internationale Zusammenarbeit an
.
Italiens Regierung fällt bisher nicht mit ambitionierten Vorstößen zur Verbrechensbekämpfung auf. Das Thema Anti-Mafia-Kampf scheint nicht auf der Prioritätenliste von Enrico Letta, 46, zu stehen. Der Premier, der seit Ende April einer großen Koalition aus Sozialdemokraten und Silvio Berlusconis Popolo della Libertà vorsteht, ernannte Mitte Juni eine Arbeitsgruppe, die Gesetzesvorschläge gegen Geldwäsche unterbreiten soll. Ihr gehören Experten der Staatsanwaltschaft Reggio Calabria, des obersten Gerichtshofs und der italienischen Notenbank an. Das prominent besetzte Gremium machte bislang allerdings nur wenig von sich reden.
 
Dabei wäre der Zeitpunkt für ein Anti-Mafia-Paket der Regierung genau richtig. Das Land wirbt intensiv für die Expo 2015 in Mailand. Staatspräsident Giorgio Napolitano und Premier Letta betonten in den vergangenen Wochen, wie wichtig die Weltausstellung für das Ansehen des Landes in aller Welt sei. Die Expo ist jedoch mit Gefahren verbunden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die organisierte Kriminalität mitmischt und um Aufträge buhlt. Allen voran die 'Ndrangheta hat in der Lombardei inzwischen großen Einfluss.
 
Sollte die Regierung in Rom glaubwürdig gegen die organisierte Kriminalität vorgehen, würden sich internationale Investoren vielleicht wieder stärker in Italien engagieren. Ausländische Direktinvestitionen sind rar in Italien. Von einer Investitionswelle würde auch der wirtschaftlich schwache Süden profitieren. Potenzial bietet der Verkehr: Mithilfe von Autobahnen, Häfen und Bahnstrecken könnte sich der Süden zu einem Warenumschlagplatz für ganz Europa wandeln. Die Regierung bewegt sich immerhin. Auf der Kabinettssitzung am Freitag einigte sie sich auf das Programm Destinazione Italia, mit dem Auslandsinvestitionen angelockt werden sollen.
 
Details sollen im September folgen. Italien steckt in einer schweren Rezession. Im vergangenen Jahr brach das Bruttoinlandsprodukt um 2,4 Prozent ein, im Süden sogar um 2,8 Prozent. In Regionen wie Apulien, Kalabrien und Sizilien sind viele alte Fabriken beheimatet, die im globalen Wettbewerb wegen hoher Energie- und Transportkosten nicht mehr profitabel sind. Sie werden reihenweise dichtgemacht. Der Autohersteller Fiat schloss beispielsweise das Werk Termini Imerese auf Sizilien.

Freitag, 12. Juli 2013

Die Landkarte der Mafia

Erklärung der Karte:

Grafik links oben
Il portafoglio degli investimenti delle criminalita organizzata  =  Das Anlageportfolio des organisierten Verbrechens

Grafik links unten
Aziende mafiose nelle province italiane  =  Mafiafirmen in den italienischen Provinzen

kleine Grafik rechte Seite:
stime dei ricavi del mercato della droga per regione  =  Schätzungen des Drogenumsatzes nach Region.

kleine Grafik ganz rechts:
stime dei ricavi mercato contraffazione  =  Schätzungen Umsatz Markenfälschungen


Klick auf die Karte vergrößert

Mittwoch, 10. Juli 2013

Schlag gegen italienische 'Ndrangheta in Hessen

In Hessen und Rheinland-Pfalz ist Ermittlern ein Schlag gegen den kalabrischen Zweig der Mafia, die 'Ndrangheta, gelungen. Nach Angaben des hessischen Landeskriminalamtes wurden am Mittwoch 17 Wohnungen oder Geschäftsräume in beiden Ländern durchsucht, insgesamt 5 Menschen wurden festgenommen. "Darüber hinaus wurden Kokain, Bargeld, Schusswaffen und Munition sowie diverse Fälschungsutensilien sichergestellt", teilten LKA und die Staatsanwaltschaft Hanau mit. "Wir sind zufrieden", sagte ein Sprecher des LKA. "Auch die 'Ndrangheta darf in Hessen nicht unterschätzt werden."





Neben Vorwürfen zum internationalen Waffen- und Rauschgifthandel sollen Betreiber italienischer Lokale im Rhein-Main-Gebiet erpresst worden sein, außerdem sollen die Süditaliener betrogen und Steuern hinterzogen haben. Gegen drei Verdächtige im Alter von 28, 42 und 55 Jahren lagen bereits Haftbefehle vor. Außerdem wurden ein 43-jähriger Italiener und ein 22 Jahre alter Mann aus Marokko vorläufig festgenommen, da in ihren Wohnungen Kokain und bei dem Italiener darüber hinaus eine geladene Pistole gefunden wurden.

Die Männer zwischen 28 und 55 Jahren sollen mafiatypisch vor allem als Schutzgelderpresser für Angst und Schrecken gesorgt haben. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet wurden italienische Gastwirte von ihnen unter Druck gesetzt.

Die 'Ndrangheta gilt mit einem geschätzten "Jahresumsatz" von rund 40 Milliarden Euro als eine der mächtigsten Mafiaorganisationen Europas. Als Einnahmequellen gelten Kokain- und Waffenhandel, Geldwäsche und Erpressungen. Das Wort 'Ndrangheta leitet sich angeblich vom griechischen "andragathos" ab, was "tapferer Mann" bedeutet. Die traditionell mächtigsten Familien stammen aus der Hochburg San Luca.

Mafia-Boss Nicola Lo Faro überführt

Das mobile Einsatzkommando von Catania hat die Täter gefasst, die für den Mord an fünf Menschen verantwortlich waren. Eine Kamera hat zufällig den Clanchef der Cursotis aufgenommen, kurz bevor er seine Opfer auf der Straße hat ermorden lassen. Kurz darauf wurde der Boss Nicola Lo Faro (siehe Foto) selbst von einem Killer des gegnerischen Clans tödlich aus einer Feuersalve getroffen. Alle Täter wurden nach langwierigen Beweisaufnahmen verhaftet.

Mafia-Boss Nicola Lo Faro kurz vor seiner Ermordung


Der Beginn der Ermittlungen konnten durch die Bilder der fest installierten Video-Kamera aufgenommen werden. Die Details der Tat werden von der Staatsanwaltschaft Vincenzo D'Agata in kürze veröffentlicht.

Dienstag, 9. Juli 2013

Ein Bauernopfer für die Mafia

Der Angeklagte ist ein kleiner Fisch mit einem großen Bauch: Fast eineinhalb Kilo Kokain finden Polizisten im Magen von Egbo C. Während seine Hintermänner, Mafiosi eines Drogenkartells, das große Geld machen, wandert er für lange Zeit ins Gefängnis.

Frankfurt –  

Er hoffte auf das Geschäft seines Lebens, aber wenn seine Version der Geschichte stimmt, dann ist Egbo C. kein besonders cleverer Unternehmer. Zusammengesunken sitzt er da, Ende 20, kräftiger Körper, den Kopf hat er in den Armen vergraben wie ein Kind. Die linke Hand hängt schwer herunter, mit der rechten umklammert er still einen Rosenkranz. Maria, steh mir bei.

Fast 1,5 Kilo Kokain wollte Egbo C. in die Schweiz schmuggeln, gepresst in Dutzenden von Kapseln, die seinen Bauch aufblähten wie den einer Schwangeren. Eine ungewöhnlich große Menge; Wenn eine der Kapseln geplatzt wäre, peng, dann wäre es das wohl gewesen mit seinem Leben.

Zunächst Kleiderhändler
 
In Nigeria will C. zunächst als Kleiderhändler Fuß fassen, unterhält ein kleines Geschäft mit seinem Bruder. Es gibt Monate, da habe er nur hundert Euro verdient, sagt er. Richtig arm ist er in Nigeria damit nicht, aber vom Reichsein auch ziemlich weit entfernt. Die Kleider für sein Geschäft kauft er erst im Land selbst, später reist er nach Deutschland, Italien und Frankreich. Dort organisiert er Container mit Second-Hand-Kleidern: alter Stoff von Europäern für Afrikaner.
 
Es dauert nicht lange und Drogenhändler bekommen Wind davon, dass C. oft nach Italien reist. Sie machen ihm ein Angebot, C. ist gerade knapp bei Kasse und lässt sich überreden. Diesmal erhält er ganze besondere Ware, frischen Stoff von freundlichen Italienern für Deutsche, Kokain mit einem Reinheitsgehalt von fast 90 Prozent.
 
Zuerst wollen die Plastikpäckchen einfach nicht durch den Hals passen. Er quält sich deshalb zur Übung mit Karotten-Stücken, sagt er, am Ende geht es auch mit den Päckchen. Eins nach dem anderen würgt er die Droge herunter, durch den Rachen, die Speisröhre bis in den Magen. Der verkraftet viel: 84 Päckchen passen hinein, erst beim letzten muss er sich erbrechen.


Der Angeklagte schmuggelte fast eineinhalb Kilo Koks im Magen
 
 
In Neapel steigt er in den Flieger, über Frankfurt soll er weiter nach Basel. Dort wollen ihn die Auftraggeber kontaktieren, bei erfolgreicher Übergabe soll er 4.000 Euro erhalten - ein lächerlicher Preis für eine Droge, die auf der Straße für mehr als 100 Euro pro Gramm verkauft wird. Der waghalsige Plan endet am Frankfurter Flughafen; C. schlägt auf einen schnellen Drogentest an, wird geröntgt, alles fliegt auf.

"Ein armer Kerl", sagt der Staatsanwalt.
 
Es ist ein Fall wie so viele, so routinemäßig, dass der Gerichtsdiener schon nach wenigen Minuten einschläft. "Jede Woche gibt es drei solche Verhandlungen", sagt ein Zuschauer im Gericht. Woche für Woche sperrt der Staat Leute weg mit dem Effekt, dass erstens die Steuerzahler die jahrelange Haft finanzieren müssen und zweitens der Preis der Drogen steigt. So machen die Hintermänner noch mehr Gewinn.
 
Den Drogenmarkt wirksam zu kontrollieren, das schafft wohl kein Staat der Welt, jedenfalls nicht mit rechtsstaatlichen Methoden. Polemisch gesagt: Der Kampf der Fahnder ist wie der Versuch von Fischern, mit ein paar alten Netzen den Indischen Ozean leer zu fischen. Ab und zu bleibt etwas hängen, aber der Großteil kommt durch.
 
Glücklich wirkt während der Verhandlung keiner so richtig, der Staatsanwalt am wenigsten. In der Verhandlungspause ringt er nach Worten. "Ein armer Kerl", sagt er, so weit weg von der Heimat, so allein. Er wirkt dabei wie einer, der sich dafür entschuldigen muss, gerade einen Apfeldieb ins Gefängnis gebracht zu haben. Sicher bleiben die Richter unter seiner Forderung nach vier Jahren Haft, sagt er.

Das letzte Wort hat der Angeklagte. "Ich bin ein Dummkopf", sagt er. Aus seinen Fehlern habe er gelernt.

Am Ende einigen sich die Richter auf drei Jahre und zehn Monate Gefängnis. Den Großteil des mitgeführten Geldes (2500 Euro) darf der Verurteilte behalten, auch wenn nicht ganz klar ist, für welche Art von Stoff er dieses Geld von "Geschäftspartnern" erhalten hat. In seinem Schlussplädoyer bringt der Verteidiger die Sache auf den Punkt. "Laut Gesetz ist mein Mandant kriminell", sagt er. "Ein schlechter Mensch ist er deshalb nicht."

Montag, 8. Juli 2013

Das dritte Mal Knast für Kokain-König Pannunzi

Einer der weltweit größten Drogenschmuggler ist gefasst: Roberto Pannunzi schickte jeden Monat zwei Tonnen Kokain aus Kolumbien nach Europa. Nun wird der Mann mit besten Verbindungen zur Mafia Italiens Justiz überstellt - aus deren Haft konnte er allerdings schon zweimal fliehen.

gab es zunächst unterschiedliche Beschreibungen: Man habe den "Pablo Escobars Italiens" gefasst, gab das kolumbianische Verteidigungsministerium bekannt. Die italienische "Repubblica" sprach vom "meistgesuchten Mann Europas". Und ein süditalienischer Staatsanwalt, der den Drogenboss seit Jahren jagt, sagte: "Er ist der größte Kokainimporteur der Welt."
 
  
Roberto Pannunzi, genannt "Bebè" und 65 Jahre alt, wurde nach drei Jahren auf der Flucht am Samstag im kolumbianischen Bogotá festgenommen. Die dortige Militärpolizei und die US-Antidrogenbehörde DEA fassten den italienischen Mafioso in einem Einkaufszentrum. Er hatte einen venezolanischen Pass mit dem Namen Silvano Martino bei sich.

 Staatsanwalt Nicola Gratteri aus der süditalienischen Reggio Calabria, der Pannunzi mit vier Haftbefehlen jagt, zeigte sich zufrieden: Man habe die Auslieferung aus Kolumbien erreicht. Umgehend sei Pannunzi in eine Maschine nach Rom gesetzt worden.

Italien bekommt also einen seiner meistgesuchten Verbrecher zurück - und muss aufpassen, dass der nicht ein drittes Mal aus der Haft entwischt. Für den Drogenhandel nach Europa ist die Festnahme des "Königs des Drogenschmuggels" (ebenfalls "Repubblica") ein Einschnitt.


Geschäfte mit verfeindeten Mafiaclans

Saviano bezeichnet Pannunzi als "den Broker für Kokain", der das Geld der Clans gesammelt haben und dafür Stoff beschafft haben soll. Pannunzi, in Rom geboren, aber mit kalabrischen Wurzeln, wird zur 'Ndrangheta gezählt, die als mächtigste Mafiaorganisation in Europa gilt und enge Verbindungen zu den kolumbianischen Drogenkartellen unterhält. Ob er Teil des Führungsstruktur der 'Ndrangheta ist, ist umstritten. Für Ermittler ist jedoch klar, dass er enge Verbindungen zum Clan von Mafiaboss Giuseppe Morabito unterhält, bis zu seiner Festnahme 2004 einer der meistgesuchten Männer Italiens.

Doch anders als manche Konkurrenten schaffte Pannunzi es, mit mehreren verfeindeten Mafiaclans Geschäfte zu machen. So konnte er jeden Monat rund zwei Tonnen Kokain bringen, und wenn es sein musste, auch mal mehr. Pannunzi wurde im Milieu für die Qualität seines Stoffes geschätzt.
Wie viel Geld er damit machte? Mafia-Gegner Saviano hat Pannunzi nach dessen Festnahme so beschrieben: Er zählte sein Geld nicht, er wog es.

Seine Karriere im Mafiageschäft begann vor über 30 Jahren, als er bei den Drogengeschäften des sizilianischen Obermafiosos Gaetano Badalamenti mitmischte. Später soll er an einer Heroinraffinerie in Palermo beteiligt gewesen sein, bevor er dann Anfang der Neunziger die Geschäfte in Kolumbien regelte.


Fahnder entdecken neue Drogenroute

In Kolumbien nannte man den stets gut gekleideten Pannunzi den "Signore". Seinen Sohn Alessandro verheiratete er mit der Tochter eines der Bosse des berüchtigten Medellín-Kartells. 1994 wurde er erstmals in Medellín festgenommen. Damals bot er den Polizeikräften eine Million Dollar an, wenn sie ihn laufenließen. Sie lehnten ab.

In Italien wurde er zu langen Haftstrafen verurteilt, konnte 1999 aber fliehen, als er sich in einer Römer Klinik aufhielt. 2004 fasste man ihn dann in einem Apartment bei Madrid. 2010 konnte er erneut fliehen - wieder hielt er sich wegen Herzproblemen in einer Klinik auf. Nun erhalten Italiens Strafverfolger ihre dritte Chance

Samstag, 6. Juli 2013

Cesare Carluccio / Kampf der großen Mafiabosse um die Vormachtstellung

Don Cesare Carluccio, Oberhaupt der fünf einflussreichsten Mafiafamilien und mächtigster Mann Siziliens, muss wegen einer dringenden Angelegenheit nach Palermo. Ein recht unpassender Zeitpunkt, denn Carluccio ist dabei, die schöne Pupella in der Kathedrale von Palermo vor den Traualtar zu führen. Doch Business geht vor … und endet blutig!




Authentisch, mitreißend und mit hochdramatischem Ende....

Deutschland - Schlaraffenland für die Mafia

Die Mafia weitet in Deutschland ihren Einfluss auf Wirtschaft und Politik aus. Das geht nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aus einem geheimen Bericht des Bundeskriminalamtes hervor. Vor allem in Stuttgart sind die Clans bestens verdrahtet.


Bosse der 'Ndrangheta in Stuttgart
 

Brennt der heilige Bartholomäus im hintersten Winkel Kalabriens, geht ein neues Licht auf im organisierten Verbrechen. Die Alten in der 'ndrangheta legen Wert auf Tradition. Neuen Mitgliedern ritzen sie ein Kreuz auf den Daumen. Danach verbrennt der Clanchef ein Heiligenbildchen und streut die Asche auf den wunden Daumen, der wiederum von allen Anwesenden mit dem Schwur geküsst wird, die geheime Gesellschaft niemals zu verraten.

einer der seltenen Aufzeichnungen über das Aufmahme- Ritual der 'ndrangheta


Was nach einem folkloristischen Ritual anachronistischer Figuren aussieht, ist Teil der Erfolgsgeschichte eines hochmodernen Syndikats, das seine Arme in Deutschland wie eine Krake durch immer neue Türen schiebt. Das geht aus einem als geheim eingestuften Bericht („VS - nur für den internen Dienstgebrauch“) des Bundeskriminalamts hervor, der dieser Zeitung vorliegt. In der 236 Seiten umfassenden Analyse warnt das BKA vor der 'ndrangheta in Deutschland, die ihren Einfluss in Wirtschaft und Politik ausgedehnt habe. Die Rede ist von einem deutlichen „Qualitätssprung“.


Killer der Mafia halten sich gern in Deutschland auf

Zu den Stärken der Organisation gehört die innere Solidarität ihrer Clans, in denen Ämter und Ränge ebenso streng festgelegt sind wie die Aufteilung der Gewinne und des Einkommens. Insgesamt soll es in der Region Kalabrien mehr als 230 Familienverbünde mit rund 8.000 Mitgliedern geben, die weitreichende Kontakte zu in Deutschland lebenden Italienern pflegen. So fließen erkleckliche Gewinne aus kriminellen Geschäften von Deutschland nach Italien in die Kassen von Clans, die laut dem BKA-Bericht einen bestimmten Prozentsatz davon an das Mutterhaus in San Luca abgeben.

Das BKA berichtet in dem internen Papier von 41 international und 46 national gesuchten 'ndrangheta-Leuten, die in der Zeit zwischen 1997 und 2011 in der Bundesrepublik aufgespürt worden seien. „Dabei stellte sich heraus, dass sich Führungspersönlichkeiten einzelner Clans und auch Killer der Mafia in Deutschland aufhalten“, heißt es in dem Geheimdossier. Spätestens das Attentat von Duisburg, bei dem am 15. August 2007 zu vorgerückter Stunde sechs Italiener aus Kalabrien in der Innenstadt vor der Pizzeria Da Bruno mit Kopfschüssen hingerichtet worden sind, macht nach Ansicht des BKA deutlich, „über welches Machtpotential die 'ndrangheta in Deutschland verfügt“.


Stuttgart ist seit Jahrzehnten eine Hochburg der Mafia

Dabei war dieses Massaker eher untypisch für die Organisation, die ansonsten eher im Stillen wirkt und lieber durch Vordertüren geht statt durch Hinterausgänge. Als besonders gutes Pflaster erweist sich dabei offenbar die Gegend um das prosperierende Stuttgart. Dort werde die Mafia gefährlich unterschätzt. Stuttgart ist seit Jahrzehnten eine Hochburg der Mafia in Deutschland, speziell zweier Clans der kalabrischen 'ndrangheta, die auch die umliegenden Orte wie Waiblingen, Ludwigsburg, Esslingen und Fellbach als ihr ur-eigenes Terrain betrachten. Die Mafia kam im Gefolge der italienischen Gastarbeiter und ist inzwischen bis in höchste Gesellschaftsspitzen vorgedrungen. Heute macht sie in Stuttgart ihre Geschäfte in der Bauindustrie, im Immobilienhandel, in der Gastronomie.

Italienische Ermittler bestätigen diesen Befund. „Im süddeutschen Raum ist die Region Stuttgart in fester Hand kalabrischer Gruppierungen von Cirò, insbesondere des Clans von Farao“, sagt Roberto Scarpinato, leitender Oberstaatsanwalt der Abteilung Mafia-Bekämpfung in Palermo. Im vertraulichen BKA-Bericht sind für ganz Deutschland mehr als 750 mutmaßliche Gewährsmänner aufgelistet, die im Verdacht stehen, für die 'ndrangheta zu arbeiten. Auffällig viele von ihnen wohnen in der Region Stuttgart.


Oettinger in pikantem Untersuchungsausschuss im Landtag

Einer der im Bericht genannten Namen ist den Beamten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität bestens bekannt. Es handelt sich um einen italienischen Promi-Wirt aus Stuttgart-Weilimdorf, der 1993 in die Schlagzeilen geriet, weil man ihn der Geldwäsche im großen Stil bezichtigte. Der Fall bekam dadurch besondere Brisanz, dass der Wirt häufiger einen Gast hatte, den er gern als „mein Minister“ bezeichnet hat. Gemeint ist der damalige CDU-Fraktionschef im Landtag und heutige EU-Kommissar Günther Oettinger, der gern und oft seinen Feierabend im Weilimdorfer Restaurant ausklingen ließ. Da Fahnder das Telefon des Lokals über Monate abhörten, wurde auf diese Weise so manches auf Tonbändern konserviert, was der italophile Christliche Demokrat zu vorgerückter Stunde über politische Freunde und Feinde zu erzählen wusste. Die Sache mündete in einen für Oettinger pikanten Untersuchungsausschuss im baden-württembergischen Landtag.


Günther Oettinger

Schon damals wurde im Auftrag des baden-württembergischen Justizministeriums ein Geheimdossier zur lokalen Mafiaszene angefertigt. Darin beschrieben die Ermittler, wie Jugoslawen und Italiener um die Vorherrschaft in der Stuttgarter Zockerszene streiten. Ein Jugoslawe kam dabei ums Leben. Die Polizei konnte drei Täter ermitteln, die später zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Auffällig war für die Beamten, dass alle Täter und sonstigen Verdächtigen aus Cirò stammten, jenem 5000 Einwohner zählenden Städtchen aus dem kalabrischen Hinterland.


„Stamm-Kunde Oettinger sagt Ade“

Trotz dieser Erkenntnisse blieb die kriminelle Parallelwelt weitgehend unbehelligt. Zwar wurde der überwachte Pizzabäcker später wegen Steuerhinterziehung zu 21 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und Rückzahlung der Steuerschuld von 1,3 Millionen Mark verurteilt und aufgrund einer internationalen Ausschreibung italienischer Behörden wegen Mitgliedschaft „in einer kriminellen Vereinigung nach Art der Mafia“ in Deutschland festgenommen. In seiner Heimat kam der ausgelieferte Wirt jedoch bald wieder frei, was er gebührend im Weilimdorfer Ristorante feierte. Seine landsmannschaftliche Karriere hat dies eher beflügelt. Das BKA geht in seiner Analyse davon aus, dass der Gastwirt durch seinen Freispruch intern aufgestiegen sei. Er soll eine „gehobene Stellung innerhalb des Clans Greco und auch des Clans Farao“ haben und für die „finanziellen Aspekte“ verantwortlich sein.

Gleich hinter ihm ist in der BKA-Verschlusssache ein mutmaßlicher Vertrauter aufgeführt, der ebenfalls als Gastronom in Stuttgart angesiedelt ist. Es handelt sich dabei um einen bisher kriminalpolizeilich unbescholtenen Mann, der in jüngster Zeit zweimal in Erscheinung trat. Am 30. Dezember 2009 zeigte ihn die „Bild“-Zeitung groß auf einem Foto neben dem damaligen Ministerpräsidenten Oettinger, der vor seinem Wechsel als EU-Kommissar nach Brüssel stand. „Stamm-Kunde Oettinger sagt Ade“, titelte das Blatt in dicken Lettern und zitierte den Wirt namentlich mit den Worten: „Schade, ein Freund geht.“


Das Wort „Mafia“ wurde nicht ein einziges Mal verwendet

In der vergangenen Woche hat den „Freund“ des damaligen Ministerpräsidenten ein weiteres Mal das Licht der Öffentlichkeit gestreift, und zwar in einer heiklen Angelegenheit. Sein Name tauchte bei einer Verhandlung im Stuttgarter Landgericht auf. Dort befasst sich die Justiz zurzeit mit dem versuchten Mord an dem Stuttgarter Herrenausstatter Felix W. Der Modemacher mit exquisiten Geschäften in Stuttgart, Zürich und München, der auch als Projektentwickler von Immobilien auftritt, war im November 2009 von Maskierten überfallen und mit zwei Schüssen niedergestreckt worden. Der Mann überlebte diesen Anschlag nur mit Glück. Vier Italiener müssen sich dafür jetzt vor dem Landgericht verantworten.

Wie sich bei den umfangreichen Ermittlungen der Stuttgarter Kriminalpolizei herausstellte, waren zwei der Tatverdächtigen ausgerechnet bei jenem italienischen Gastronomen beschäftigt, der sich öffentlichkeitswirksam als „Freund“ des Ministerpräsidenten bezeichnet hat. Die beiden Italiener arbeiteten für den Capo am Umbau eines Restaurants. Die polizeiliche Vernehmung des Gastwirts wurde vor Gericht in Abwesenheit des Wirts zwar kurz erörtert, allerdings ohne auf mögliche Hintergründe einzugehen. Das Wort „Mafia“ tauchte bei dieser Gelegenheit kein einziges Mal auf. Dabei hatte die Stuttgarter Kriminalpolizei, die den mutmaßlichen Tätern vor allem durch überwachte Handys auf die Spur kam, genau darauf abgezielt.


Gut organisierten Machenschaften italienischer Clans werden mindestens fahrlässig unterschätzt

„Die Gesamtumstände deuten darauf hin, dass im Hintergrund mafiöse Strukturen für die Tat mitverantwortlich waren“, heißt es im Ermittlungsbericht. Zwei der vier Beschuldigten könnten „Pentolante“ sein - tatkräftige Männer, die im Auftrag anreisen, ein Problem zu lösen. Weil sich die vier Angeklagten bei den Vernehmungen bemühten, ihre Komplizen nicht zu belasten, geht die Polizei laut dem Ermittlungsbericht davon aus, „dass sie sich an das Gesetz des Schweigens halten“.

Ein interessanter Lesestoff, könnte man meinen. Doch über die Mafia redet keiner bei der öffentlichen Aufarbeitung des Mordversuchs vor den Schranken der Justiz. Für Petra Reski, die gerade ein neues Buch mit dem Titel „Von Kamen nach Corleone - Die Mafia in Deutschland“ veröffentlicht hat, passt das ins Bild. Die Journalistin beklagt, dass die gut organisierten Machenschaften italienischer Clans in Deutschland totgeschwiegen oder mindestens fahrlässig unterschätzt werden. Ein ganzes Kapitel ihres neuen Buchs hat sie Stuttgart gewidmet. Wie selbstverständlich sich die kalabrischen Mafiosi dort bewegen, lege nicht zuletzt die Wahlfälschungsaffäre um den römischen Senator Nicola di Girolamo nahe, der zwischenzeitlich als mutmaßlicher Protagonist eines gigantischen Geldwäscheskandals der 'ndrangheta in Italien festgenommen worden ist.


An die Organisation kamen die deutschen Fahnder nicht heran

Besonders gute Drähte hatte der Senator nach Stuttgart. Der politisch unbekannte Di Girolamo, der meist in Brüssel residierte, hatte im Jahr 2008 bei der Parlamentswahl als Auslandsitaliener kandidiert und auf Anhieb mehr als 25 000 Stimmen eingefahren. Die meisten waren nach Ansicht römischer Fahnder von der 'ndrangheta gekauft - besonders viele davon in der Region Stuttgart. Die Sammelstelle für die gefälschten italienischen Wählerstimmen befand sich nach Erkenntnissen der italienischen Staatsanwälte in einem Inter- Mailand-Fanclub bei Stuttgart.

Die 'ndrangheta treibt ihre Wurzeln in Deutschland aus, ohne dabei entschieden gestört zu werden. „Bezogen auf das Investitionsverhalten und die Geldflüsse der Clans werden die Hinweise immer deutlicher, dass in Deutschland Investitionen in großer Höhe vorgenommen werden, hauptsächlich im Gastronomie- und Hotelgewerbe“, heißt es im BKA-Bericht. Gemessen an der Dimension bleibt die Polizei diesem Treiben in der 'ndrangheta-Hochburg Stuttgart gegenüber auffällig gelassen. Bislang gelang es den deutschen Fahndern meist nur, einzelnen Mafiosi konkrete Delikte nachzuweisen. An die Organisation dahinter kamen sie nicht heran.


„Sei still. Kein Wort über Große, und Mächtige!“

Für Manfred Klumpp, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, ist das kaum verwunderlich. „Statt Mafia heißt das große polizeiliche Thema derzeit in Baden-Württemberg Stuttgart 21“, sagt er gallig und ergänzt: „In Sachen Mafia verfügt die baden-württembergische Polizei bisher nur über stumpfe Schwerter!“ Anders als in Italien sei die Zugehörigkeit zur Mafia in Deutschland kein Delikt. „Wer uns den Zugriff auf Telefon- und Internet-Verbindungsdaten verbietet, wie jüngst das Bundesverfassungsgericht, erstickt erfolgreiche Mafia-Ermittlungen schon im Keim. Auch bei Geldwäscheverdacht sind wir machtlos, solange es nicht wie in Italien die sogenannte Beweislastumkehr gibt“, sagt Klumpp. „Man muss sich schon die Frage stellen, ob diese stumpfen Schwerter vielleicht nicht doch auch politisch gewollt sind, wenn dazu noch immer mehr Personal bei der Polizei abgebaut wird.“

Stumpfe Schwerter? Politisch gewollt? Während sich die Mafia kommod in Deutschland einrichtet, schneiden deutsche Fahnder in Italien aufschlussreiche Telefongespräche mit - und schweigen. Bei den Ermittlungen zum Mordversuch an Felix W. hörten Beamte ein Gespräch zwischen der Ehefrau eines soeben in Brescia festgenommenen Tatverdächtigen und dem Bruder eines zuvor in Deutschland verhafteten Italieners ab. Dabei wurde die Dame eindringlich ermahnt: „Sei still. Kein Wort um jenen Großen, Mächtigen!“ Wer dieser Mann ist, bleibt wohl im Dunkeln wie das Geschäft der 'ndrangheta in Deutschland.