Freitag, 10. Januar 2014

Unterwandert die Mafia die Energieversorgung der EU?

Seit den jüngsten WikiLeaks-Veröffentlichungen gibt es neue Hinweise: Die europäischen Gaslieferungen aus Russland könnten zum Teil in den Händen von Kriminellen mit Verbindungen zu Mafia-Gruppen liegen. Damit wäre schon eingetroffen, was die Europäische Polizeibehörde Europol in ihrer Studie „Organisierte Kriminalität und Energieversorgung“ für die kommenden Jahre befürchtet: Europas Energiesektor droht die Unterwanderung durch Verbrecherbanden.




„Es ist wie bei nahezu allen knappen Rohstoffen zu erwarten, dass die Organisierte Kriminalität hier aktiv wird, um Geschäfte zu machen“, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, DIW. „Im Energiebereich geht es schließlich um heiß begehrte Güter, die teurer und unsicherer werden.“

Besonders verwundbar sei der Energiesektor in Sachen Versorgungssicherheit und Preisstabilität, so Europol. Eine potenzielle Gefahr sei zum Beispiel die Infiltration von Energieversorgungsunternehmen dadurch, dass eine Gruppe der Organisierten Kriminalität (OK) in sie investiert. Damit könne sie dann Preise diktieren und zum Beispiel Öl- oder Gaslieferungen gefährden.

Energieexpertin Claudia Kemfert meint: „Die Politik bereitet sich nicht genügend auf mögliche Szenarien vor.“ Auch Europol rät zu Wachsamkeit. Immerhin, so die Studie, zeigten Geheimdienst-Informationen, dass „organisierte kriminelle Gruppen in die Energieversorgung der EU verstrickt“ sind. So wird zum  Beispiel ein ukrainisches Gashandelsunternehmen mit der russischen und der italienischen Mafia in Verbindung gebracht. In einem von Wikileaks veröffentlichten Dokument bringt ein US-Botschafter in Kiew das Gashandelsunternehmen RosUkrEnergo AG (RUE) in Zusammenhang mit einem der bekanntesten sizlianischen Mafia-Paten. Gerüchte darüber gab es schon seit Jahren.

In dem als „geheim“ eingestuften Dokument wird der Miteigentümer Dmitry Firtash damit zitiert, er habe „Verbindungen“ zu Semjon Mogilewitsch, einem der zehn „Most Wanted“ des FBI. Nur mit dessen Einwilligung sei es ihm überhaupt gelungen, Geschäfte einzufädeln. Firtash und Mogilewitsch ließen nach den WikiLeaks-Veröffentlichungen dementieren, Geschäftskontakte zu haben - wie RosUkrEnergo seit Jahren Gerüchte über Kontakte zur Mafia dementiert.





Was sich weit entfernt anhört, hat durchaus mit Deutschland zu tun: RosUkrEnergo wickelt einen großen Teil des Gashandels zwischen Russland und der Ukraine ab und ist für Teile des russischen Gasexports in die EU zuständig. Deutschland wiederum deckt rund ein Drittel seines Gasbedarfs mit Importen aus Russland. „Grundsätzlich ist zu empfehlen, nicht zu abhängig von einem Energieanbieter zu werden, sondern mehrere Bezugsquellen zu haben“, so die DIW-Energieexpertin Kemfert.

In Russland - das kabelten US-Diplomaten unter Bezug auf eine spanische Staatsanwaltschaft in die Heimat - übe die Mafia „gemeinsam mit ihren Freunden in der Politik“ eine „enorme Kontrolle“ über strategische Sektoren der globalen Wirtschaft aus. 

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Donnerstag, 9. Januar 2014

Freigabe von Marihuana in den USA - Legaler Rausch, weniger Kriminalität

Marihuana wird gesellschaftsfähig, im US-Bundesstaat Colorado kann man Cannabis seit Jahresbeginn legal kaufen. Daraus hat sich nicht nur eine florierende Industrie entwickelt - die Aufhebung des Verbots könnte auch einen nachhaltigen Effekt auf den Kampf gegen die Drogen-Mafia haben.


Pot beziehungsweise Gras wird längst nicht mehr in düsteren Kifferecken konsumiert. Es sind Lifestyle-Produkte für die so arrivierte wie modebewusste Generation Apple. Im Bild Kunden in einer Verkaufsstelle für Marihuana in Denver.


Ein paar Gramm süß-fruchtigen Bubba Kush gefällig? Oder doch lieber einen frischen Durban Poison? Dazu vielleicht einen Pfirsich-Drink aus dem Hause Dixie Elixirs & Edibles aus Denver mit dem anregenden Cannabis-Wirkstoff THC? Im US-Bundesstaat Colorado kann nun jeder frei wählen, womit er sich berauschen will. Seit Jahreswechsel kann man dort legal Marihuana- und Cannabis-Produkte kaufen, und wie das in Amerika so ist, hat sich daraus im Nu eine florierende Industrie entwickelt.
Sie hofft auf Milliardengewinne, zumal Pot beziehungsweise Gras längst nicht mehr in düsteren Kifferecken konsumiert wird. Es sind Lifestyle-Produkte für die so arrivierte wie modebewusste Generation Apple. Die Kunden lesen Connaisseur-Magazine, sie debattieren über Marihuana-Sorten und Lagen wie bei einer Weinverkostung.

Mit "Pot-Partys" ist der US-Bundesstaat Colorado in das neue Jahr gestartet. Seit 1. Januar sind Verkauf und Konsum von Marihuana offiziell erlaubt. Seither sind viele vom Rausch erfasst worden - entweder durch die Droge selbst oder durch ihren Verkauf.
Das Geschäft brummt: Schon um acht Uhr morgens stehen Kiffer Schlange vor dem "Cannabis-Club" in Breckenridge, Colorado. Nach der Neuregelung dürfen sich die Einwohner des Bundesstaates pro Kauf mit einer Unze (28 Gramm) Marihuana eindecken.
Kein Zweifel: Marihuana wird gesellschaftsfähig, und das kann eigentlich nicht überraschen. Tragen nicht heute schon gewaltige Mengen von Betablockern, Tranquilizern, Stimmungsaufhellern, Antidepressiva und anderen auf das Gemüt wirkenden Präparaten zum reibungslosen Funktionieren des gestressten Individuums in einer immer komplexeren Welt bei?

Uruguay - der Staat wird zum Dealer

Aus ähnlichen Gründen hat die Aufhebung von Prohibitionen vor allem im vom Drogenhandel geplagten Südteil des amerikanischen Kontinents Anhänger, nicht nur unter Kiffern und Koksern. Eine Reihe früherer und amtierender Präsidenten tritt aktiv für eine Liberalisierung ein.

348 Lizenzen zum Verkauf von Marihuana haben die Behörden amerikanischen Medienberichten zufolge schon vergeben. Der Bundesstaat Washington will dem Beispiel von Colorado bald folgen, bereits 3746 Anträge liegen dort vor. Das Lizenzsystem orientiert sich an den Regeln für den Verkauf von Alkohol.

Es war der Staatschef des kleinen Uruguay, der den Worten kürzlich als Erster Taten folgen ließ. José Mujica ist ein kauziger Ex-Guerillero, der gerne mit Konventionen bricht. Er wohnt in einer Gartenlaube, verzichtet auf den Großteil seines Salärs, fährt einen alten Käfer und fliegt Holzklasse. Uruguay ist der erste Gesamtstaat der Welt, in dem Marihuana von Mitte 2014 an nicht nur freigegeben wird. Es soll sogar unter behördlicher Kontrolle angebaut werden - der Staat wird zum Dealer.
Das könnte sich für Uruguay auch wirtschaftlich auszahlen: Pharmafirmen haben Interesse angemeldet, denn der therapeutische Einsatz von Cannabisprodukten ist weltweit auf dem Vormarsch. Mujicas Uruguay brachte dieser Schachzug die Ernennung zum "Land des Jahres" durch den britischen Economist ein - ein nicht unter Hippieverdacht stehendes Wirtschaftsmagazin.

Bei der Ernte werden die einzelnen Teile der Pflanze voneinander getrennt und gesammelt. Vor allem die Knospen sind wertvoll und werden direkt an die Verkaufsstellen geliefert.

Mujicas Entscheidung folgte einer Einsicht, die nicht nur in Südamerika politischer Konsens ist: dass der "Krieg gegen die Drogen", den US-Präsident Richard Nixon einst ausrief, gescheitert ist. Ganze Armeen wurden in Gang gesetzt, um Marihuana und Koka zu vernichten, Tausende Menschen wurden getötet, ganze Landstriche durch Gift verseucht - trotzdem weitet sich der Drogenhandel stetig aus, weil mit der Illegalität einfach unglaublich viel Geld zu verdienen ist.

Das sah vielerorts dann so aus.

Fiele diese weg, würde die Mafia zusammenbrechen, argumentieren die Befürworter der Legalisierungs-Bewegung - allerdings natürlich nur, wenn die Verbote wirklich flächendeckend aufgehoben würden. All die Milliarden, die im Krieg gegen die Drogen verpulvert werden, könnte man dann sinnvoller in Prävention und Aufklärung über verantwortungsvollen Umgang mit Drogen stecken. Denn eines ist klar: Eine Gesellschaft ohne Drogen hat es in der Geschichte der Welt noch nie gegeben
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Mittwoch, 8. Januar 2014

Super-Boss der Camorra jetzt verurteilt

Im Mai des vergangenen Jahres ist in Italien der Polizei ein berüchtigter Camorraboss ins Netz gegangen. Der seit Jahren flüchtige Luigi De Cristofaro war unweit von Neapel verhaftet worden. Er galt als einer der skrupellosesten und gefährlichsten Bosse in Süditalien.

Super-Boss der Mafia Luigi de Christofaro


Der 52-Jährige war Mitglied des mächtigen Clans "Polverino". Er wurde damals in einem Versteck in einer Luxusvilla entdeckt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Der Boss, dem unter anderem Drogen- und Waffenhandel vorgeworfen wurde, wickelte die kriminellen Geschäfte des Clans in Süditalien und in Spanien ab. Dem Clan waren zuletzt Immobilien, Grundstücke und Unternehmensbeteiligungen im Wert von einer Milliarde Euro beschlagnahmt worden. Nun wurde er zu 16 Jahren verschärfter Haft verurteilt und sitzt nun in Aquila ein.



Die 'Ndrangheta..."wir pudern eure Nasen und bauen eure Straßen!"



Die 'Ndràngheta, in seinen Anfängen Mano Nera ("schwarze Hand") ge­nannt, wird heute auch Picciotteria und (wie die sizilianische MafiaOno­ra­ta società (eh­rens­werte Gesellschaft) genannt. Sie ist die Vereinigung der kala­bre­si­schen Mafia, eine der gefährlichsten kriminellen Organisationen Italiens. Ihr Betätigungsfeld hat sich längst ausgeweitet von den schwer zu­gäng­lichen Berg­regionen Kalabriens nach Deutschland, Frankreich und Bel­gien bis hin in die USA. Als Spezialgebiet der 'Ndrángheta nennen Fahnder immer häufiger den Kokainhandel. Mit geschätzten 84 Mrd. Dollar Jahres­um­satz (2011) gilt die 'Ndrángheta heute als mächtigste kriminelle Vereinigung Europas.





Sprachliches: Der Apostroph am Anfang des Wortes steht für die Auslassung des Anfangs­vokals (was im Kalabresischen häufig ist). In diesem Fall des Buchstabens "A". Das Wort 'Ndrángheta (Betonung auf "a") könnte aus der Zu­sammensetz­ung zweier griechischer Wörter, andròs (Mann) und agathòs (Schönheit, Per­fek­tion) entstanden sein. Diese Abstammung aus dem Grie­chischen wird dadurch erklärt, dass in manchen Teilen Süditaliens noch grie­chische Dialekte ge­sprochen wurden.

Die Wurzeln der Organisation reichen weit zurück. Im 19. Jahrhundert ent­stand sie aus Briganten und Rebellen in den Städten Platì und San Luca. Ab 1950 verbreitete sie sich in der ganzen Region Kalabrien auch dank der Schwäche des Staates und der Begünstigung von korrupten Politikern.


ein aufschlussreiches Video. Wer ist die 'Ndrangehta....?


In den 1960er Jahren gewannen drei "cosche" (Familien) an Bedeutung: die Piromalli in der Ebene von 
Gioia Tauro, die Tripodo in Reggio Calabria und die Macrì in der Locride. Während dieser Zeit wurde die 'Ndrangheta auch "ano­ni­ma sequestri" ("Kidnapping-AG") genannt, weil sie sich durch Entführungen Geld besorgten. Im Jahr 1977 entführten kalabrische Ganoven allein in Mai­land 33 Menschen, um Millionen zu erpressen. Bereits damals hatte sich die 'Ndrangheta in Norditalien eingenistet. In den 1970er und 1980er Jahren fan­den zwei Mafia­krie­ge statt, in denen die jüngeren Generationen gegen die alteingesessenen Bosse der "onorata società" um die Macht kämpften. 

Nach Erkenntnissen europäischer Drogenermittler stellt die 'Ndrángheta die bedeutendsten Gruppen im europäischen Kokain-Handel, noch vor den ko­lum­bianischen Drogenkartellen. Die Dominanz der ’Ndrángheta ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es ihr gelang, Teile des Geschäfts an sich zu reißen, als die sizilianische Cosa Nostra in den 1990ern unter Druck geriet. Die erträglichsten Geldquellen der 'Ndrangheta sind, nach dem Dro­gen­han­del, der Waffenhandel, die Geldwäsche und Er­pressungen. Mittelpunkt der Or­ga­nisation ist nach wie vor Kalabrien mit den Provinzen Reggio Calabria und Crotone.

Nach inoffiziellen Angaben italienischer Ermittler stehen etwa 7.000 Mann im Dienst der 'Ndrángheta, unterteilt in etwa 90 "cosche" (Familienclans). Das Wort "cosca" stammt aus dem sizilianischen Dialekt und kennzeichnet das durch die äußeren Blätter geschütze Innere der Artischocke. Eine gute Meta­pher also für eine Geheimgesellschaft. Synonym für "cosca" ist auch das kala­bre­si­sche Wort "'Ndrina". 

Im Gegensatz zur sizilianischen Mafia spielt bei der 'Ndrangheta-Mit­glied­schaft weit stärker die Blutsverwandtschaft eine Rolle. Dieser ist auch ein größerer Zusammenhalt zu verdanken: Bis­lang gab es nur 157 Kron­zeu­gen, die aus der 'Ndrangheta ausgestiegen sind. 

Wie stark die ´Ndrángheta immer noch in Kalabrien ist, be­weisen jüngste Zahlen, nach denen 70 Prozent aller Unternehmer in Kalabrien den so­ge­nann­ten "pizzo", das Schutzgeld, zahlen. Die restlichen 30 Pro­zent der Unter­neh­men und Geschäfte sollen sich demnach direkt in der Hand der 'Ndrangheta befinden. 
So wie die Kleinstadt Corleone auf Sizilien als Hochburg der Mafia gilt, so gibt es in Kalabrien ein Ort, das als Hochburg der ’Ndrángheta gilt: Plati am Fuß des Aspromonte-Gebirgs. In den Hauswänden sieht man die Löcher von Pis­tolenkugeln. Der Berg unter Platì durchlöchert wie ein Schwei­zer Käse. Man findet dort ein Labyrinth aus Höhlen und Gängen, Fluchtwege, durch die unter­getauchte Bosse unauffällig verschwinden konnten. 
Trotzdem versucht der italienische Staat immer wieder Herr der Lage zu wer­den.

Beispielsweise stürmten 2009 insgesamt über 1.000 Carabinieri das Dorf mit nur 2.800 Einwohnern, wobei 131 Verdächtige festgenommen wur­den. Am 17. Juli 2010 konnte der aktuelle Boss der ’Ndrángheta, Giuseppe Bel­loc­co, im Rahmen einer großangelegten Aktion gefasst werden. Anfang Juni 2011 verbuchte die Polizei erneut Erfolge im Kampf gegen die 'Ndrangheta und seine wirtschaftlichen Verquickungen im Norden Italiens. Bei einer Razzia in meh­reren Städten, unter denen MailandModena und Turin, wurden 142 Personen festgenommen. 

Ein Zehn-Punkte-Programm der Regierung soll die Wirtschaftskraft der kriminellen Organisationen angreifen. Ein neue Behörde soll das bei der Mafia konfis­zierte Vermögen verwalten und es sollen Möglichkeiten ge­schaf­fen werden, um die Vergabe von öffentlichen Aufträgen besser zu kon­trol­lie­ren. Die Confindustria, der italienische Industrieverband, hat einen Anfang gemacht und be­schlossen, all jene Mitglieder auszuschließen, die Schutzgeld-Erpressungen nicht anzeigen oder wegen Mafia-Geschäften verurteilt wurden. 

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Koks in Bananenkisten und Drogen im Kulturverein...

In Berlin und Brandenburg haben Aldi-Mitarbeiter in Bananenkisten 140 Kilo Kokain gefunden. Allein 100 Kilo wurden in Köpenick sichergestellt. Dennoch war die Lieferung wohl nicht für Berlin bestimmt.





Ermittler von Polizei und Zoll haben den größten Drogenfund der vergangenen Jahre in Berlin sichergestellt. Zu Hilfe kam den Beamten dabei der sprichwörtliche "Kommissar Zufall". In mehreren Filialen des Lebensmitteldiscounters Aldi-Nord entdeckten Mitarbeiter beim Auspacken gerade angelieferter Bananenkisten zahlreiche Pakete mit Kokain, insgesamt 140 Kilo. Die gewaltige Drogenmenge stammt nach ersten Erkenntnissen aus Kolumbien. Wie sie zu Aldi gelangte, ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Fahnder sprachen am Dienstag von einer "offenbar fehlgeleiteten Lieferung".



so kommt das Koks nach Deutschland



In insgesamt fünf Filialen des Discounters seien die Drogen am Montagnachmittag entdeckt worden, sagte ein Polizeisprecher. Betroffen waren der Polizei zufolge vier Läden in Berlin, unter anderem in Reinickendorf und Köpenick sowie ein Geschäft in Velten (Oberhavel). Details nannten Polizei und Zoll nicht. Nach Informationen dieser Zeitung sollen allerdings allein in zwei Filialen in Köpenick 60 und 40 Kilogramm sicherstellt worden sein. Der Gesamtwert der beschlagnahmten Ware liegt nach Angaben von Andreas Beyer vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg bei etwa sechs Millionen Euro.


gesamter Drogenfund in Berlin / Aldi


Polizei und Zoll präsentierten den Riesenfund am Dienstagmittag der Presse. Die Konzernleitung von Aldi-Nord wollte sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht zu dem Fall äußern. Die Beamten der gemeinsamen Ermittlungsgruppe EG Rauschgift des Berliner Landeskriminalamtes und des Zollfandungsamtes haben inzwischen den Weg der Ware vom Herkunftsland bis in die Aldi-Filialen zurückverfolgt.

Nach derzeitigem, noch nicht offiziellen Ermittlungsstand sind die Drogen in Containern auf einem sogenannten Bananendampfer nach Hamburg gelangt. Dort lagerten die Container bis zum Weitertransport per Lkw nach Berlin auf dem Fruchthof im Hafen.

Drogentransport per Schiff ist gängige Praxis


Der Drogentransport per Schiff ist nach Angaben eines Ermittlers eine durchaus gängige Praxis. "Im Herkunftsland werden die Drogen unter der offiziellen Ware versteckt und die Liegezeit nach der Ankunft der Container in Europa nutzen hiesige Abnehmer oder Zwischenhändler, um sie wieder in ihren Besitz zu bringen. Entweder durch Komplizen, die Zugang zu den Container haben, oder man knackt die Transportbehältnisse einfach", beschreibt ein Ermittler das Vorgehen.


Fahndung nach Kokain in Hamburg / nach wilder Verfolgungsjagd...


Im aktuellen Fall sei es den Drogenschmugglern offenbar nicht gelungen, im Hamburger Hafen an die Container zu gelangen, zeigten sich Kripo-Ermittler und Zollfahnder am Dienstag überzeugt. So gelangten die Bananenkisten mit ihrem brisanten Inhalt unangetastet nach Berlin, ins Zentrallager von Aldi und schließlich in die Filialen.

Kokain könnte auch für Berliner Szene bestimmt gewesen sein


Unklar ist derzeit noch der endgültige Bestimmungsort der heißen Fracht. "Die Drogen könnten natürlich für die Szene der Hauptstadt bestimmt gewesen sein. Aber 140 Kilogramm in nur einer Lieferung sind sehr viel, daher spricht vieles dafür, dass Berlin nur als Umschlagplatz vorgesehen war", sagte ein Ermittler. Ob das Kokain an andere Orte in Deutschland weitergeleitet werden sollte, oder für den osteuropäischen Markt bestimmt war, auch das ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen.

Knapp 2500 Verfahren wegen Drogenhandels haben die Behörden in Berlin im vergangenen Jahr eingeleitet. Die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik sagen jedoch wenig über den tatsächlichen Umfang des Kokainhandels in Berlin aus. LKA-Ermittler und Zollfahnder gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn der Handel mit dem weißen Pulver blüht weitgehend im Verborgenen. 


riesiger Drogenfund in Charlottenburg


Kokain gilt nach wie vor als Partydroge der Schönen und Reichen. "Die Kokainkonsumenten treiben sich nicht an U-Bahnhöfen oder in Parks herum", sagt ein Zollfahnder. Die Dealerbanden tragen den Wünschen ihrer gehobenen Kundschaft in jeder Hinsicht Rechnung. So flog Ende 2009 in Charlottenburg eine Bande von libanesischen Kokainhändlern auf, die für ihre zahlungskräftige Kundschaft einen bequemen Bestell- und Lieferservice organisiert hatte.

Großfamilien kontrollieren Kokainhandel in Berlin


"Die Lieferung erfolgt in der Regel frei Haus, konsumiert wird ebenfalls im privaten Umfeld, häufig auf Partys. In diese abgeschottete Szene einzudringen, ist ausgesprochen schwer", beschreibt ein Ermittler die Probleme bei der Bekämpfung gerade des Kokainhandels. Weitere Umschlagplätze sind diverse Bars und Restaurants in der Stadt, allesamt Lokale der gehobenen Kategorie.




Den Kokainhandel in Berlin beherrschen etliche nahöstliche Großfamilien sowie Mafiagruppen aus Ost- und Südeuropa. Auch Rockerbanden mischen kräftig mit. Die zumeist aus Südamerika stammende Ware kommt auf dem See- oder Luftweg ins Land. Für den Transport auf dem Luftweg heuern die Dealer Kuriere an, die das Rauschgift gegen Honorar von einigen Tausend Euro schmuggeln.



Ganz großer Bahnhof auf der Anschlussstelle Billstedt: 15 Beamte stoppten den mutmaßlichen Koks-Dealer.



Der Transport auf dem Seeweg erfolgt zumeist in Containern, deren Zielorte Überseehäfen wie Hamburg  Bremerhaven oder Antwerpen sind. Von dort geht es dann auf dem Landweg weiter. Besonders beliebt ist seit geraumer Zeit auch der Transport mit gecharterten Hochseeyachten. Den wohl spektakulärsten Fall in der Region Berlin gab es 2011. Da flog eine sechsköpfige Bande, die das Kokain min einer Segelyacht nach Hamburg brachten. Bei der Durchsuchung des Schiffes im niedersächsischen Cuxhaven wurden 17 Kilogramm Kokain sichergestellt, bestimmt für die Schickeria-Szene in der Hauptstadt.




Dienstag, 7. Januar 2014

140 Kilo Koks bei Aldi in Bananenkisten

Das Kokain soll in Bananenkisten versteckt gewesen sein: Einem Medienbericht zufolge könnte ein großangelegter Drogenschmuggel in Berlin aufgeflogen sein. In mehreren Aldi-Filialen fand die Polizei Kokain, insgesamt angeblich mehr als 140 Kilogramm.




In Geschäften einer Supermarkt-Kette in Berlin ist Kokain entdeckt worden. Einem Bericht zufolge sollen die Drogen in mehreren Berliner Filialen der Discounter Kette Aldi-Nord gefunden worden sein. Informationen der "B.Z." zufolge soll es sich bei dem Fund um mehr als 140 Kilogramm Kokain handeln.
Ein Sprecher der Berliner Polizei bestätigte am Dienstag einen Kokainfund bei einem Discounter. Eine Menge nannte er aber nicht. "B.Z.de" zufolge soll das Rauschgift in Bananenkisten versteckt gewesen sein. Das Landeskriminalamt untersuche, wer hinter dem Kokain-Schmuggel stecke.

Das Rauschgift verbarg sich in sieben Bananenkisten, die mit einer Lieferung aus Kolumbien über den Hamburger Hafen nach Berlin kamen. Dort gelangten die Kartons mit Kokain in vier Filialen in Berlin und eine im brandenburgischen Velten. Es sei aber kein Kunde mit der illegalen Droge in Kontakt gekommen.
Es handele sich um einen „absoluten Zufallsfund“, sagte der Dezernatsleiter des Landeskriminalamts, Olaf Schremm. „Wir gehen von einem logistischen Fehler der Täter aus.“




Wer die Schmuggler sind und für wen die Ware bestimmt war, ist unbekannt. Dass das Rauschgift bis Berlin kam, sei aber nicht ihr Plan gewesen, zeigte sich Zollfahnder Andreas Beyer überzeugt: Eine Möglichkeit sei, dass es den Tätern nicht gelang, den Stoff rechtzeitig aus dem Container zu holen.

Die Route von Südamerika zum Hamburger Hafen gilt als gängige Schmuggelroute. Das Landgericht der Hansestadt verhandelt derzeit gegen einen Mann, der 500 Kilo in einem Container mit Holzbriketts von Paraguay nach Deutschland geschmuggelt haben soll. Erst vergangene Woche entdeckte der Zoll zehn Kilo des Rauschgifts auf einem Frachter aus Südamerika. Ein noch größerer Fund liegt in der Hauptstadt fast eineinhalb Jahrzehnte zurück: 1999 wurde laut Polizei ein Großfund von 330 Kilogramm Kokain beschlagnahmt.


Die nun in Berlin aufgetauchte Schmuggelware war Teil einer Großlieferung mit etwa 1150 Bananenkisten, die von Hamburg per Lastwagen zunächst zum zentralen Obst- und Gemüsemarkt im Berliner Stadtteil Moabit gelangten, wie die Ermittler erklärten. Mitarbeiter des Discounters seien in insgesamt sieben Kisten fündig geworden. Die Behörden hätten daraufhin alle Kisten der Lieferung untersucht, aber kein weiteres Kokain gefunden.

Die Fahnder lobten das „umsichtige und äußerst kooperative Verhalten“ der Aldi-Beschäftigten. Sie hatten die Polizei über den Notruf 110 herbeigerufen. Zahlreiche Spuren und Ermittlungsansätze hätten so gesichert werden können. Aldi Nord in Essen wollte am Dienstag keine Stellungnahme abgeben und begründete dies mit den laufenden polizeilichen Ermittlungen.


Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra

DI 7.1., 14:15 Uhr, Sky Action sehenswert!


Mit einem Netz aus Gewalt bestimmt die Mafia in den riesigen Wohnblocks am Stadtrand von Neapel das Leben. Geldkurier Don Ciro gerät zwischen die blutigen Fronten eines Clan-Kriegs, die zwei Kids Marco und Ciro (Marco Macor, Ciro Petrone) legen sich mit der Organisation an und Roberto lernt, wie man mit rücksichtsloser Giftmüllentsorgung reich werden kann.
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Tödliche Schüsse in Frankfurt - Rätselraten um "Hinrichtung"

Im Fall des erschossenen Geschäftsmannes in Frankfurt-Sachsenhausen hat die Polizei noch keine heiße Spur. Viele Fragen sind offen. Medien spekulieren derweil über Verbindungen zur Mafia.







Auch drei Tage nach dem Mord an Oliver F. im Eingang eines Geschäftshauses in Frankfurt-Sachsenhausen sind nur wenige gesicherte Fakten bekannt. Wie die Obduktion am Wochenende ergab, waren mehrere Schüsse in den Kopf ursächlich für den Tod des 50-jährigen Geschäftsmannes. Darüber hinaus hüllen sich Polizei und Staatsanwaltschaft in Schweigen. Auch am Montag gab es noch keine neue Stellungnahme der Behörden. Offiziell wird "in alle Richtungen" ermittelt.

Die Zurückhaltung der Ermittler könnte damit zusammenhängen, dass die Tat an eine Hinrichtung erinnert. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hatte der Schütze die Pistole im Genick des Opfers angesetzt. Die Schüsse seien mit hoher Präzision abgefeuert worden.

Bislang hat sich bei der Polizei allerdings noch kein Zeuge gemeldet, der die Schüsse gehört haben will. Das könnte dafür sprechen, dass bei der Tat ein Schalldämpfer zum Einsatz kam - das wäre ein weiteres Indiz für einen professionellen Täter.


Verwickelt in "ausländische mafiöse Strukturen"?


Derweil spekulieren Medien über mögliche Hintergründe der Tat. Der 50-Jährige war Gründer und Teilhaber des Sportwetten-Anbieters "HappyBet", einem der größten Unternehmen dieser Art in Deutschland. Auch das will die Polizei bisher nicht offiziell bestätigen. Sie räumt lediglich ein, dass der Tote eine Verbindung zu einer solchen Firma gehabt habe und dort "nicht nur Kunde" gewesen sei.

Es wird auch über mögliche Kontakte zu den Hells Angels spekuliert. Laut der FAZ gibt es Gerüchte, wonach das Opfer in "ausländische mafiöse Strukturen" hineingeraten sei. Es soll zudem Pläne gegeben haben, in den osteuropäischen Markt einzusteigen.

Die Polizei hat seit dem Wochenende eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Zur Aufklärung des Falles hat die Staatsanwaltschaft 5.000 Euro Belohnung ausgesetzt. F. war am Freitagmorgen im Stadtteil Sachsenhausen getötet worden. Eine Frau hatte den 50-Jährigen in einer Blutlache liegend im Windfang eines Büro- und Ärztehauses entdeckt. In dem Gebäude sind die Verwaltung und das Deutschland-Büro von HappyBet untergebracht. Der Geschäftssitz befindet sich wie bei vielen Wettfirmen auf der Mittelmeerinsel Malta.

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Montag, 6. Januar 2014

Die Abfall-Sauerei der Mafia wird immer größer

Die Region um Neapel hat einen neuen Namen: Kampanien heisst jetzt «Terra dei fuochi» (Feuerland). Der Name leitet sich von den Hunderten von brennenden Deponien ab, wo die sogenannte Öko-Mafia riesige Mengen von Haushalt-, Industrie- und Sonderabfall illegal ablagert und anzündet. Die Müllwirtschaft wird dort von einigen Camorra-Clans beherrscht, ihr Geschäftsmodell beruht darauf, dass sie Abfall gegen Bezahlung abführen und ihn dann nicht entsorgen, sondern irgendwo in der Landschaft vom Lastwagen kippen. Gerade wurden illegale Deponien auch in der Toscana festgestellt. Offenbar ist neben der Camorra auch ein chinesisches Syndikat am Geschäft beteiligt.


Den Schaden hat die Natur, den Schaden haben aber auch Bauern und Konsumenten. In den Deponien wurden Giftstoffe wie Arsen festgestellt; mit dem Grundwasser und dem Rauch der Feuer werden sie über das Land verteilt. Nun drohen die vielgerühmten Spezialitäten aus Kampanien wegen verseuchter Böden in Verruf zu geraten – die Kunden wollen keinen mit Gift versetzten Mozzarella, auch wenn er mit einer klingenden Ursprungsbezeichnung geschmückt ist. Wenig hilfreich ist, wenn zudem Mozzarella mit gefälschter Ursprungsbezeichnung auf mafiosen Kanälen in den Handel gelangt – dabei ist vielleicht die falsch etikettierte Ware von anderswo gesünder als die richtige.


Der Umweltverband Legambiente fordert, dass die illegalen Deponien erfasst und saniert werden, und zwar auf Kosten der Verantwortlichen. Die Regierung versucht mit einem zahnlosen Abfallgesetz abzuwiegeln. Die Umweltschützer lassen nicht locker, sie lancieren eine kulinarische Kampagne: «Terra dei cuochi» (Land der Köche) heisst ihr Rezeptbuch gegen die Mafia; darin präsentieren namhafte Köche regionale Köstlichkeiten. Gewidmet ist das Buch Angelo Vassallo, Bürgermeister von Pollica, Vorkämpfer für den Umweltschutz und die mediterrane Küche. Er wurde 2010 umgebracht, wahrscheinlich von der Camorra, weil er ihre Kreise gestört hatte. Die Mörder wurden bisher nicht gefunden.

Sonntag, 5. Januar 2014

Camorra in Berlin

Es geht um das große Geschäft - zu holen im Rotlichtmilieu, Drogenhandel oder beim Schutzgeld. Kriminelle Großfamilien machen Polizei und Justiz in der Hauptstadt seit langem zu schaffen. Die sichtbaren Zeichen dieser abgeschottet lebenden Clans sind bedrohlich: Männer pöbeln dreist und offen im Gericht, in manchen Vierteln der Hauptstadt wird die Polizei umringt oder abgedrängt.

Es wird viel über kriminelle sizilianische Clans in Berlin debattiert. Die zentrale Frage ist: Wie können die Parallelstrukturen bekämpft werden?


Mafiöse Strukturen und Selbstjustiz

Innensenator Frank Henkel (CDU) will «alle Register ziehen» - gemeinsam mit Justiz, Gewerbeaufsicht, Ausländerbehörde und Steuerfahndung. Er spricht von mafiösen Strukturen und dunklen Wirtschaftsimperien. «Sie sind in nahezu allen Bereichen tätig, die Geld bringen.» Auch in Niedersachsen sprechen Ermittler von einem flächendeckenden Problem mit Familienclans, die Streitigkeiten intern mit sogenannten Friedensrichtern regeln.




Das Auftreten einzelner Clanmitglieder zeige, dass sie den Staat nicht respektierten. «Sie haben ihre eigenen Parallelstrukturen. Das können wir uns nicht gefallen lassen», zeigt sich der CDU-Senator Henkel entschlossen.

Auch einige arabischstämmige Großfamilien sind gerichtsbekannt. Raub, gefährliche Körperverletzung, Eingriff in den Straßenverkehr, Bedrohung sind nur einige der Delikte. Zu den Prozessen bringen die Angeklagten oft Unterstützer mit. Zuletzt wurden zwei Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt. Einer soll sein Auto als Waffe eingesetzt haben. Doch das sind nicht die großen Fälle.


Stadt will sich gegen Clans neu organisieren

Als im Vorjahr einem solchen Trupp eine TV-Kamera nicht passte, flog ein mit Wasser gefüllter Papierkorb durch den Gerichtsflur. «Hast Du Kinder?» wurde der Reporter mit drohendem Unterton gefragt. Von mehreren Gerichts-Wachtmeistern schritt nur einer ein. Die Konsequenz im Gericht: Die Papierkörbe wurden fest montiert.

Die Bekämpfung der kriminellen Rockerszene - die in ähnlichen Bereichen agiere - sei erfolgreich, weil viele Ermittler konzentriert wurden. «Auch die Clans sollten sich darauf einstellen, dass wir sie im Blick haben und unsere Maßnahmen jederzeit anpassen können», sagt der Innensenator.

Polizisten haben schon erlebt, dass sie bei Einsätzen abgedrängt wurden. Innerhalb weniger Minuten wurden sie von dutzenden jungen Männern umringt, die ihre Kumpel dann «raushauen» und die Festnahme verhindern. «Wir haben nicht überall 30 oder 40 Polizisten, die schnell mal zu einer solchen eskalierenden Situation fahren können», sagt Polizeipräsident Klaus Kandt. Das Unvorhergesehene macht es schwierig. «Da, wo wir planen, sind wir immer stärker.»


Sechs Großfamilien in Berlin polizeibekannt

 

Grünen-Abgeordneter Benedikt Lux bringt es auf den Punkt: «Je größer die Gruppe und je verschworener die Angehörigen, desto schwieriger ist polizeiliches Eingreifen.» Eine Bedrohung des friedlichen Klimas in der Stadt könne aber nicht geduldet werden. Nach seiner Einschätzung geht es um sechs Großfamilien der Camorra mit Schwerpunkten in Wedding, Moabit, Neukölln-Nord, Kreuzberg Süd-Ost und Schöneberg-Nord.




Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sagt, den Provokationen dieser Großfamilien müsse entgegen gesteuert werden. Ein Patentrezept gebe es nicht. Mit Polizei und Staatsanwaltschaft werde an Verbesserungen gearbeitet. Strategien würden jedoch nicht öffentlich erklärt. «Denn die Familien hören aufmerksam mit.»



Der Berliner Landeschef des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Michael Böhl, forderte in der Berliner Zeitung eine spezielle Ermittlungsgruppe. Sie sollte Delikte organisierter Kriminalität wie Rotlichtstraftaten oder Steuerhinterziehung gebündelt verfolgen.


Clans leben nach eigenen Gesetzen

 

Die Staatsanwaltschaft nennt als Ermittlungskriterien für organisierte Kriminalität allgemein: Verdacht auf Agieren im Rotlichtmilieu, Aufbau hierarchischer Strukturen, unklare Vermögenswerte, Verbindungen zu Politik und Prominenz und Verdacht auf Verbreiten eines Klimas der Angst.


Einige Clans, die es auf Hunderte Ermittlungsverfahren brächten, lebten ausschließlich nach ihren Gesetzen, die männlichen Mitglieder seien massiv gewaltbereit. «Wer die eigenen Leute an die Deutschen verrät, riskiert sein Leben», schrieb die Richterin.

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Samstag, 4. Januar 2014

Schutzgeld - Ein Insider packt aus

Köln –  Schutzgeld – 
Ermittler schätzen, jeder zweite Gastronom und Clubbesitzer zahlt und schweigt. Denn wer redet oder sich wehrt, der riskiert sein Leben. Ein Insider schildert: So funktioniert das miese Geschäft mit der Angst.



Mehmet T. war jahrelang als Geldeintreiber in Köln unterwegs.

Mehmet T. (34, Name geändert) war jahrelang Türsteher und Geldeintreiber in Köln. Zig mal vorbestraft. Er kennt Kalk und die Leute, die mit Erpressung ihren Lebensunterhalt verdienen – und deren Fehde jetzt ein Todesopfer forderte.




Ein Todesopfer im Schutzgeld-Milieu: Auf der Johann-Mayer-Straße in Kalk wurde ein 42-Jähriger von einem Kontrahenten erschossen.


„Wenn einer nicht zahlen wollte, habe ich eben nachgeholfen. Ein Baseballschläger wirkte da oft Wunder“, sagt Mehmet. Und weiter: „Es gibt in Kalk und Vingst zwei Gruppen, die das Schutzgeld- und Erpressergeschäft dominieren. Auf der einen Seite die türkischstämmigen Jungs aus Vingst, die seit etwa 20 Jahren im Business sind. Auf der anderen Seite die Italiener aus Kalk, die sich seit zwei Jahren einen Namen gemacht haben. Hin und wieder gibt es Splittergruppen, aber die halten sich nicht.“

Die Arbeitsweise ist stets gleich: Ein Schläger wird vorgeschickt, provoziert, bedroht das Opfer, schlägt zu. Einen Tag später kommt der eigentliche Erpresser zum „Neukunden“, bietet Schutz an. Er kenne den Täter, könne ihn zurückhalten. Allerdings kostet der Service. Was das Opfer nicht weiß: Schläger und Erpresser machen gemeinsame Sache.

Eine weitere Masche wird in Diskotheken und Bars abgezogen. Eine hübsche Frau wird auf das neue Opfer angesetzt, flirtet es an. Geht der Mann darauf ein, schnappt die Falle zu. Man verabredet sich für den nächsten Tag in der Öffentlichkeit, plötzlich steht der „Freund“ der jungen Dame vor dem Opfer und flippt aus. Drohen, schlagen, abziehen! Der Rest läuft wie bei der Masche mit dem Schläger. Mehmet hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen. „Irgendwann willst du einfach nicht mehr. Ich werde jetzt aus Kalk wegziehen.“


Mafia kassiert 2,40 € pro Pizza

Organisiertes Verbrechen und Bandenkriminalität – bei der Kölner Polizei sind die Beamten des Kommissariats 21 für Schutzgelderpressung zuständig.

Sprecher Andre Faßbender dazu: „Die Täter leben vor allem davon, dass die Opfer sich nicht trauen, zur Polizei zu gehen.“

Neben Drohungen wie „Denk an deine Kinder!“ oder „Wir zünden deinen Laden an!“ werden Opfer mit perfiden Methoden mürbe gemacht: eine Patronenhülse liegt im Briefkasten, lockere Radmuttern am Auto, eine tote Katze per Post.

Wer sind die Täter? Ein Ermittler, der anonym bleiben muss: „Wir haben es in Köln meist mit italienischen und türkischen Tätern zu tun, die ihre Landsleute abkassieren. Eine andere Form ist, dass Geschäftsleute gezwungen werden, ihre Waren von einem bestimmten Anbieter zu überhöhten Preisen zu beziehen.“
Bis zu 40 Prozent des Umsatzes müssen Geschäftsinhaber an die Kriminellen abgeben. Das bedeutet: Von einer Pizza, die sechs Euro kostet, kassiert die Schutzgeld-Mafia 2,40 Euro.

Hinzu kommen noch Organisationen wie Hells Angels oder Bandidos, die den Disco-Besitzern ihren „Schutz“ gegen Geld „anbieten“.

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Freitag, 3. Januar 2014

Großrazzien gegen italienische Mafia in Italien

Bei der "Operation Neues Morgengrauen" in Rom und dem Vorort Ostia seien 51 Menschen im Visier gewesen, teilte Polizeisprecher Mario Viola mit. Sechs von ihnen seien bereits in Gewahrsam gewesen, 45 wurden festgenommen. Der Einsatz richtete sich gegen zwei große Mafia-Clans aus Rom und Sizilien, die Familien Fasciani und Triassi, wie Einsatzleiter Renato Cortese erläuterte. Diese hätten sich in einer Art "pax mafiosa" ihre Einflussgebiete untereinander aufgeteilt, in denen sie jeweils ungestört ihren verbotenen Geschäften nachgingen.
Die Vorwürfe reichen von Drogenhandel und Wuchergeschäften über Schutzgelderpressung bis zum Manipulieren von Spielautomaten. Rund 500 Polizeibeamte waren demnach im Einsatz, darunter Wasserschutzpolizei, Hundestaffeln sowie ein Helikopter. Die Ermittlungen reichten bis nach Spanien: auf der Insel Teneriffa wurde einer der Köpfe der Triassi-Familie gefasst, zwei weitere mutmaßliche Mafiosi wurden in Barcelona festgenommen.


Die Razzia im Süden richteten sich der Polizei zufolge gegen Angehörige des 'Ndrangheta-Clans, insgesamt wurden dort Haftbefehle gegen 65 Verdächtige ausgestellt. Die Ermittler seien gegen "Unternehmer, Politiker und Anwälte", aber auch gegen Ärzte und Mitarbeiter der Gefängnisverwaltung vorgegangen, sagte Viola.
Die 'Ndrangheta gilt als gefährlichste der vier großen Mafia-Organisationen und hat ihre Aktivitäten von Kalabrien aus nach Norditalien ausgeweitet. Sie wird aber auch mit Verbrechen in West- und Nordeuropa und sogar Amerika und Australien in Verbindung gebracht. Die anderen Zweige sind die Cosa Nostra (Sizilien), die Camorra (Neapel) und die Sacra Corona Unita (Apulien).
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