Mittwoch, 27. März 2013

Finanzberater der Mafia in Mailand liquidiert

Wie jede Abend verließ der Finanzberater Diego Predi die Tiefgarage, wo er sein Auto abgestellt hatte. Er trat auf die Straße, als ihm mehrere Kugeln seinen Schädel zerfetzten.




Sein Begleiter, der wenige Sekunden später zu Hilfe eilen wollte, wurde mit einer Salve aus einer Maschinenpistole ebenfalls exekutiert.




Laut den Carabinieri wurden die beiden Männer schon seit Tagen von mehreren Mafiosi rund um die Uhr observiert. Offenkundig kannten sie das Bewegungsprofil ihrer Opfer sehr genau. "Predi hat mehrere Millionen Euro an der Börse verloren" - so der Oberstaatsanwalt. Mafiagelder, wie sich herausstellte. Die beiden Täter warteten auf ihr schweren Mototrädern unweit der Tiefgarage und flohen nach ihrer Tat in Richtung San Siro.

"Die Mafia verzeiht solche Fehler nicht", führte der Oberstaatsanwalt weiter aus. Aus Kreisen der Finanzwelt hieß es, dass der Investmentbanker mehrere Mafia-Clans als Anlageberater "unterstützt" hat. Das Opfer hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Dienstag, 26. März 2013

P3 - eine Geheimloge greift nach der Macht

Im Skandal um die italienische Geheimloge P3 ist erneut ein Mitglied der Regierung Berlusconi ins Visier der Ermittler geraten. Gegen Justiz-Staatssekretär Giacomo Caliendo könnten die Staatsanwälte in Rom bereits am Montag einen Ermittlungsbescheid erlassen. Der ehemalige Richter aus Neapel soll im September an einem Abendessen der Geheimloge in der Wohnung des PDL-Koordinators Denis Verdini teilgenommen haben, bei dem auch Senator Marcello Dell'Utri (gestern zu 7 Jahren Haft verurteilt - siehe nächsten Bericht) und weitere Verdächtige zugegen waren. Zahlreiche Telefonmitschnitte sollen den Verdacht erhärten. Abhörprotokolle bringen Unglaubliches ans Licht: Ein Geheimbund korrupter Politiker, Richter und Unternehmer wollte Italien bis in die höchsten Ebenen unterwandern.

Die jüngste Affäre um einen korrupten Geheimbund hat in Italien Wirbel in Politik und Justiz ausgelöst. Mehrere Männer, die Regierungschef Silvio Berlusconi nahestehen, sind unter Verdacht, der Geheimloge mit dem Namen "P3" anzugehören.

Ausgangspunkt der umfangreichen Ermittlungen waren mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau eines Windparks auf Sardinien. Dell’Utri wie auch der Koordinator der Berlusconi-Partei Partito della liberta (PdL, Volk der Freiheit), Denis Verdini, sollen laut den Richtern eine kriminelle Organisation aufgebaut haben, die die öffentlichen Institutionen unterwandern wollte, um politische Beschlüsse, Prozesse und die Wahl prominenter politischer Persönlichkeiten zu beeinflussen.

Gerade zurückgetreten ist in dem Zusammenhang der Wirtschaftsstaatssekretär Nicola Cosentino. Italiens oberster Mafia-Ermittler, Piero Grasso, sagte der Zeitung La Repubblica: "Die Korruption scheint heute dem Erhalt eines kriminellen Netzes zu dienen, in dem es einen derart komplizierten Austausch von Gegenleistungen gibt, dass er nicht in unsere juristischen Modelle passt."

Die Schlüsselfigur der Geheimloge, der sardische Geschäftsmann Flavio Carboni, soll versucht haben, mit einem Schmiergeld von 30.000 Euro einen Auftrag der Eisenbahn in Mailand zu erhalten.





Überdies soll er seinem Vermittler Beraterverträge für 900.000 Euro versprochen haben. Premier Silvio Berlusconi bezeichnete die Ermittlungen als "Manöver linker Medien und Staatsanwälte, um einen Umsturz herbeizuführen". Die Regierung werde sich "dadurch nicht irritieren lassen".  Was aus den 15.000 Seiten Abhörprotokollen der Carabinieri bekannt wurde, weist auf weit mehr als Bestechung hin.

Es sieht so aus, als habe ein Kreis von Politikern, Unternehmern mit Mafia-Verbindungen und hohen Richtern versucht, Einfluss zu nehmen auf Regionalwahlen, Richterbesetzungen und sogar das Verfassungsgericht.

Geheimlogen haben Tradition
Die Staatsanwaltschaft in Rom ermittelt wegen "Bildung einer geheimen Vereinigung mit dem Ziel, Verfassungsorgane zu beeinflussen". Dieses Delikt war formuliert worden zum Verbot der berüchtigten Geheimloge Propaganda Due (P2) - daher der Begriff P3 für die neue Affäre. P2 hatte vor allem in den siebziger Jahren in Italien Politik, Militär, Geheimdienste und Banken unterwandert und mit der Mafia kooperiert.

Unter denen, die jetzt direkt oder als Helfer zu P3 gehören sollen, sind außer Ex-Staatssekretär Cosentino der nationale Koordinator der Regierungspartei PDL, Denis Verdini, und der wegen Mafia-Beihilfe zweimal zu Haft verurteilte PDL-Senator Marcello Dell'Utri. Justizstaatssekretär Giacomo Caliendo soll mit dem Kreis ebenso kooperiert haben wie der oberste Richter-Kontrolleur im Justizministerium, Arcibaldo Miller. Alle bestreiten die Vorwürfe.

Ebenso unter Verdacht steht der Unternehmer Flavio Carboni, bei dem die Ermittlungen ihren Anfang nahmen. Er sitzt trotz seiner 78 Jahre und einer Herzerkrankung in U-Haft. Bereits gut zwei Dutzend Ermittlungsverfahren oder Anklagen hat er hinter sich.
Verurteilt wurde er nur wegen seiner Rolle beim Zusammenbruch der Bank Ambrosiana, die Geldwäsche für P2 betrieb. Zudem stand er wegen Beteiligung am Mord an Ambrosiana-Chefs Roberto Calvi vor Gericht.

Berlusconi-Vertrauter wegen Mafia-Verbindungen verurteilt

Sieben Jahre Haft für den früheren italienischen Senator dell'Utri. Laut Gericht fungierte er als Mittelsmann zwischen Cosa Nostra und Exregierungschef Berlusconi.





Der frühere italienische Senator Marcello dell'Utri ist wegen seiner Kontakte zur Mafia ein weiteres Mal verurteilt worden: Der langjährige Weggefährte und enge Vertraute von Exregierungschef Silvio Berlusconi habe als Vermittler zwischen der sizilianischen Cosa Nostra und Berlusconi gedient. In den 1970er Jahren soll Berlusconi – damals noch Unternehmer – umfangreiche Schutzgelder an die Mafia gezahlt haben, um seine Familie zu schützen, hieß es in der Begründung am Berufungsgericht in Palermo. Dell'Utri wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Dell'Utri hatte mehr als 30 Jahre lang die Werbesparte Publitalia von Berlusconis Unternehmensgruppe Fininvest geführt, später wurde er als Vertreter von Berlusconis Partei in den Senat gewählt. In den vergangenen zehn Jahren soll Berlusconi dell'Utri mehr als 40 Millionen Euro überwiesen haben. Die sizilianische Justiz geht davon aus, dass es sich um Schweigegeld handeln könnte, damit Berlusconis mutmaßliche Kontakte zur Mafia geheim blieben.
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2004 war dell'Utri wegen seiner Verbindungen zur sizilianischen Mafia schon einmal zu neun Jahren Haft verurteilt worden, 2010 wurde die Strafe auf sieben Jahre reduziert. Das Urteil wurde später vom Obersten Berufungsgericht des Landes wegen fehlender Beweise für einen Teil des fraglichen Zeitraumes aufgehoben. Gleichwohl sahen es die Richter als erwiesen an, dass dell'Utri als Verbindungsmann zwischen Berlusconi und der Mafia fungiert hatte.

Die Anwälte dell'Utris wollen nun erneut vor den Obersten Gerichtshof ziehen. Es könnte sein, dass die mutmaßlichen Straftaten vor einem Urteil verjähren. Auch droht dell'Utri keine Gefängnisstrafe: Berlusconi hatte im Jahr 2005 ein Gesetz durchgesetzt, das regelt, dass Verurteilte ab dem 70. Lebensjahr nicht mehr ins Gefängnis müssen, sondern Hausarrest bekommen. Dell'Utri ist 71 Jahre alt.

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Montag, 25. März 2013

GEHEIM-VIDEO / Gigantische Waffenlieferung an die Mafia

Die DIA (Direzione Investigativa Antimafia) in Rom hat einen dicken Fisch an Land gezogen. Beobachtet wurde mittels geheimer Videoaufnahmen ein neues Bündnis der Camorra in Neapel und der Mafia im Palermo. Zugegriffen hat die Sondereinheit, als mehrere Tiefkühltransporter aus Bosnien und Serbien Kriegswaffen aus alten Beständen an das Kartell des Casalesi-Clans auslieferte.




Die LKW fuhren mehrere Abladestellen in Neapel an. "Mit dem Arsenal hätte man eine kleine Armee ausstatten können", so der Generalstaatsanwalt. Der Wert der Waffen belief sich auf 90 Millionen Euro.

Der Clan wurde beobachtet, als sie die Waffen in eine Wohnung brachten und überprüften, bevor 120 Tonnen Maschinengewehre, MP's, Raketenwerfer, Handgrantaten und Handfeuerwaffen die eigentlichen Bestimmungsorte erreichten. Dann schnappte die Falle zu und es wurden 41 Männer verhaftet. Der eigentliche Coordinator, Boss und Drahtzieher blieb im "Dunkeln"!

Sonntag, 24. März 2013

VIDEO - Groß-Razzia in Neapels gefährlichstem Pflaster

Neapel - Die Polizei hat in Neapel Scampia, dem berüchtigsten und gefährlichsten Drogenplatz Europas eine Großrazzia durchgeführt. Beteiligt waren ein Batalion des Militärs, eine schnelle Eingreiftruppe der Anti-Mafia-Behörde, Feuerwehr, Hundestaffel 
und Drogenspezialisten. Mittels geheimer Videoüberwachung konnten die Einsatzkräfte ihr Vorgehen genau planen und durchführen. Gesichert wurde die große Aktion durch mehrere Polizeihubschrauber und schwer bewaffnete Sondereinheiten.



Wie gefährlich der Einsatz war, zeigen die Videoaufnahmen.

VIDEO - Die neuen Mafia-Bosse strangulieren Palermo

Palermo (TMNews) - Die drei gefährlichsten Bosse der Mafia nähern sich einem bekannten Restaurant in der Nähe von Palermo. Im Zentrum des Mafiaviertels "Zen" gingen sie langsam Arm in Arm spazieren. Sie sind die neuen Aufsteiger der Mafia in Palermo, die auf dem Weg zum Gipfeltreffen sind: Giuseppe Caporrimo, Gaspare Li Causi und Alfredo Remo.




Trotz schwerer Schläge von Seiten der Justiz haben sie eine neue Cupola etabliert, um die die Stadt in ihre Hände zu bekommen. Es ist ihnen innerhalb kürzester Zeit gelungen, drei verschiedene Operationen der Polizei zu unterlaufen und die Finanzpolizei ins Leere laufen zu lassen. Zwar konnten Carabinieri 36 Personen der Bande festnehmen, aber eine Wirkung zeigte der Schlag der Polizei nicht. Im Gegenteil. 

Drei Bosse haben eine intelligente Strategie für ihre Geschäfte installiert, die von Erpressung, über Schutzgeld bis hin zum Drogenhandel gehen und eine einträgliche Basis für Bestechung bilden. Nunzia Graviano ist laut Anti-Mafia-Behörde die sogenannte "Schatzmeisterin" und verwaltet innerhalb der Mafia atemberaubende Gewinne. Sie ist die Schwester des derzeitigen Capo dei Capi Brancaccio, der seit Jahren im Gefängnis sitzt und vor dort alle Anweisungen gibt und den Erfolg überwacht. Die Erben des Corleone-Chef flohen während der Massaker in den 80er Jahren. Laut Anti-Mafia-Behörde steht ein MAfia-Krieg unmittelbar bevor.

AUTOBAHN A22: Camorra mischt mit

Bussolengo - Laut einem Bericht der Tageszeitung „Il Trentino“ führt die Polizei eine Reihe von Kontrollen in Zusammenhang mit einer Ausschreibung der Brennerautobahngesellschaft durch. Der Grund ist eine mutmaßliche Infiltration durch die Camorra.





Beim Wettbewerb geht es um die Errichtung einer Reihe von Lärmschutzwänden in der Gemeinde Bussolengo. Als Sieger ging im vergangenen Dezember die Gesellschaft Ptam aus Castellammare di Stabia hervor – mit einem sagenhaften Abschlag von 40 Prozent bei einem Investitionsvolumen von etwa 14 Millionen Euro.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Unternehmen sehr enge Kontakte zur Camorra pflegt. Gegen die Gesellschaft laufen mehrere Ermittlungen in ganz Italien.

Die Arbeiten für das Projekt wurden von der Brennerautobahn mit rund insgesamt 22 Millionen Millionen beziffert. Die Gesellschaft wollte den Auftrag um etwa 6 Millionen übernehmen. Durch den hohen Abschlag schöpften die Ermittler Verdacht. Außerdem tauchten zwei Zeugen auf, die Interna der Polizei in Form von Dokumenten übergaben.

Die Firma soll eng mit dem Clan D’Alessandro verstrickt sein, der in Castellammare di Stabia aktiv ist. Den Ermittler gelang es, den Aufbau der Gesellschaft nachzuvollziehen – und damit auch die mutmaßlichen Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Die Gesellschaft wurde außerdem vom Staatsrates sanktioniert.

Die A22 hat den Zuschlag nach der Ausschreibung ausgesetzt.

Freitag, 22. März 2013

VIDEO / Camorra erschießt zwei Albaner



Doppelmord in Castelvolturno. Fünf maskierte Männer die dem Camorra Kartell der Casalesi zugerechnet werden, erschießen auf offener Straße zwei Albaner. Siebetrieben ohne Erlaubnis der Camorra Drogenhandel in der Stadt. Bereits drei Wochen zuvor wurde weitere zwei Albaner von der Camorra erschossen und vor dem Haus ihrer Familien abgelegt.


In dem kleinen süditalienischen Städtchen herrscht der Ausnahmezustand: Schwerbewaffnete Soldaten patrouilieren durch die Straßen von Castelvolturno. Grund ist eine Häufung von Mafia-Morden. Zahlreiche Mitglieder des örtlichen Casalesi-Clans wurden verhaftet. Doch auch die massive Präsenz des Staates reicht kaum, um die Camorra zurückzudrängen.

Auch du solltest die Augen aufmachen!




oder verdammt gute Bücher lesen!


Donnerstag, 21. März 2013

Vier Unterbosse des Mafia-Clans "Parese" in Palermo festgenommen

PALERMO - Die Polizei hat eine Serie von Verhaftungen wegen Herstellung von Kokain und Drogenhandels in der Provinz Palermo durchgeführt. Pietro Impellizzeri, 56 Jahre hat man in Alcamo festgesetzt. In Borgetto endete Claudio Candela, 30 Jahre, in Handschellen. In einem unterirdischen Bunker unter seinem Haus wurde "fabrikmäßig Kokain verschnitten. Außerdem wurden 1,3 Millionen Euro beschlagnahmt.




In Palermo fasste die Polizei den 52-jährigen Salvatore Abbate, der ein Großlager von 120 kg reinstes Marihuana zur Verteilung deponiert hatte. Dort fand man auch ein außergewöhnlich großes Waffenlager. Der 38-jährige Palermo Pietro Cimino hatte in seinem uneinsehbaren Garten hinter seinem Haus ein Gewächshaus mit annähernd 500 Cannabis-Pflanzen. Auch er wurde verhaftet. Alle Festgenommenen befinden sich im Gefängnis "Ucciardone" Palermo.

Mittwoch, 20. März 2013

Drogen-Mafia / Kokain in Hundemägen geschmuggelt

LIVORNO - Die italienische Polizei hat 75 Drogendealer verhaftet. Sie sollen Kokain aus Lateinamerika in den Mägen von Hunden geschmuggelt haben. Um wieder an die Drogen zu kommen, schlitzten sie den Tieren die Bäuche auf.




An der Via Vecchio Lazzaretto in Collinaia bei Livorno in Italien liegen zwei Hundeleichen. Ein Pitbull-Weibchen und eine Bordeaux Dogge. Ihre Schnauzen sind mit Scotch zugebunden, die Bäuche der Länge nach aufgeschnitten. In den Eingeweiden finden Polizeibeamte schwarze Plastikreste.





Auch in Pisa werden tote Hunde gefunden. Auch sie mit aufgeschlitzem Unterleib. Die schlimm zugerichteten Tiere sind nicht Opfer eines irren Sadisten. Sie sind Drogen-Kuriere der kolumbianischen und mexikanischen Drogenmafia. Und sie sind keine Einzelfälle.

Mindestens 48 grosse Hunde, darunter auch Bernhardiner und Rottweiler, wurden für den Schmuggel nach Italien so brutal missbraucht, erklärt die Polizei heute am 19.ten März auf ihrer Pressekonferenz in Mailand.


Röntgenbild eines Rottweilers

Die perfide Masche der Drogenmafia: Vor der Reise nach Italien wird den Hunden Kokain in Magen und Darm gestopft. Am Ziel angekommen, müssen sie sterben. Nur einer überlebt. Die Bordeaux Dogge wurde in Pisa von Fahndern gerettet. Sie hatte fünf grosse Päckchen im Bauch mit anderhalb Kilo reinem Kokain. Marktwert: eine halbe Million Franken.




Die Polizei ist den kaltherzigen Drogendealern seit Jahren auf der Spur. Sie hören Telefonate ab, lauschen über Wanzen. Heute morgen schlug sie zu: In den Provinzen von Bergamo, Brescia, Lodi, Pavia, Piacenza, Novara und Varese sowie in Rom wurden Wohnungen durchwühlt, insgesamt 75 Verdächtige verhaftet. 18 von ihnen sind minderjährig. Alle gehören der gefährlichen Mafia an, die Jugendliche für den Drogenschmuggel rekrutieren.

Mörderische Gesellschaften

 
Eine Geschichte der Mafia Süditaliens

 
Die verschiedenen Mafiaorganisationen des italienischen Südens schreiben seit nunmehr 150 Jahren eine ungebrochene Erfolgsgeschichte. Wie sind diese Verbrecherkartelle entstanden und was macht sie so erfolgreich?
 
Drei edele Ritter - der verlogene Gründungsmythos
 
 
Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino
(beide durch Anschläge der Mafia getötet) 
 
Es gibt eine Legende, wie die Mafia in Italien entstanden sei. Demnach wurden die Geheimorganisationen schon 1492 von drei edlen spanischen Rittern gegründet. Diese hätten 29 Jahre auf einer Insel vor Sizilien gelebt und die Regeln beraten, nach denen die ehrenwerte Gesellschaft leben sollte. Dann trennten sich die Drei. Einer ging nach Kalabrien und gründete die ‘Ndrangheta, einer nach Neapel und gründete die Camorra, einer blieb auf Sizilien und nannte seine Organisation Cosa Nostra.

Doch diese Erzählung ist historisch widerlegt. Immerhin wohnen zwei kleine Körnchen Wahrheit in ihr: Zum einen wollten sich die drei großen Mafiaorganisationen einen verbindenden Stammbaum geben, auf eine gemeinsame Kultur aufmerksam machen, die sie historisch eigentlich nicht hätten. Zum anderen waren die drei süditalienischen Regionen Sizilien, Kalabrien und Kampanien tatsächlich über vierhundert Jahre lang von der spanischen Krone beherrscht und wurden wie eine Kolonie des spanischen Königreichs verwaltet. Doch die Mafia ist sehr viel jünger als diese Legende es weismachen will.

Die Spanier legten den Grundstein für die "Gabella"
 
 
am 23.05.1992 wurde der Richter Falcone durch eine gewaltige Sprengfalle
der Mafia ermordet.

Als sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Mafia tatsächlich entwickelte, gehörte Süditalien noch zum spanischen Zweig der Bourbonen: Seit 1816 wurde das Gebiet "Königreich beider Sizilien" genannt. Die spanische Krone stütze ihre Macht auf denjenigen, der ihr die größten Gefälligkeiten erwies. Sektierer und Ketzer wurden von der spanischen Inquisition grausam verfolgt und mit drakonischen Strafen bedacht.

Die adeligen Großgrundbesitzer waren die Eigentümer der großen Ländereien. Sie lebten in Palermo oder in Neapel, in unmittelbarer Nähe zum Königshof, weit weg von ihren Gutshöfen. Die Gutsverwalter, die sogenannten "Gabelloto" übernehmen auf den Landsitzen stellvertretend die Kontrolle. Diese Männer aus dem Volk treiben im Namen des Landbesitzers die "Gabella", die Steuern ein. Es war die erste Form von Schutzgeldzahlung. Die Gabelloti sorgten als Wächter und Aufseher für Sicherheit. Im Lauf der Zeit wurden sie immer mächtiger, eigneten sich Polizeiaufgaben an und stellten ihre eigenen Schutztruppen. Ihre Macht sicherten sie durch Androhung von Gewalt. Die Gabelloti bildeten den Kern, aus dem die Mafia entstand. Diese Rolle der stellvertretenden Ordnungsmacht übertrugen ihr später auch die wechselnden Machthaber des italienischen Nationalstaats. Mit fatalen Folgen bis heute.

 
Kalter Krieg: USA festigten die Macht der Mafia
 
 
Verhaftung eines Mafioso
 
 
Im Jahr 1860 bringt der Freiheitskämpfer Garibaldi mit rund Tausend schlecht bewaffneten Männern das spanisch-bourbonische Königreich beider Sizilien zu Fall. Ohne die Mafia wäre es ihm nicht gelungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der 150 jährigen Geschichte der Mafia ist die Strategie der USA nach 1943: Nach der Eroberung Italiens durch die Alliierten ging es den USA nicht alleine um den Sturz des Faschismus. Man wollte auch den zunehmenden Einfluss der Sowjetunion auf Europa zurückdrängen.

Die Akten des des CIA-Vorläufers OSS belegen: Die Amerikaner waren sehr daran interessiert, dass in den von ihnen befreiten Gebieten antikommunistische Kräfte die Oberhand behielten. Im bettelarmen Italien bildete sich nach dem Zweiten Weltkrieg die stärkste kommunistische Partei Westeuropas. Eine dauerhafte sozialistische Regierung in Italien hätte der NATO große Schwierigkeiten bereitet. Zu Zeiten des Kalten Krieges waren dann auch tatsächlich die Katholische Kirche, die Christdemokratische Partei und die süditalienische Mafia die Pfeiler des antikommunistischen Bollwerks in Italien.


Die unheimliche Macht der Mafia
 
 
 

Gerlandino Messina, der Boss der Bosse in Agrigento
bei seiner Verhaftung 2010.


Heute sind die Mafiaorganisationen entgegen aller Beteuerungen auf dem Vormarsch. Ihr Jahresumsatz 2013 wird inzwischen auf 200 Milliarden Euro geschätzt, mit steigender Tendenz. In Italien sind sie längst zu einer gefährlichen Bedrohung der demokratischen Grundordnung geworden, ein Drittel des Landes wird von ihnen beherrscht. Laut Vincenzo Macrì, einem Generalstaatsanwalt der Nationalen Anti-Mafia-Behörde, sind sie so mächtig geworden, dass keine Regierung in Italien ohne sie eine grundsätzliche politische oder wirtschaftliche Entscheidung treffen kann.

Sie sollen rund 10.000 schwer bewaffnete Männer unter ihrem Kommando haben, die Kontrolle über Süditalien, sie sitzen in süditalienischen Kommunal-, Regional-Regierungen und in den Ministerien von Rom, an der Börse in Mailand, Frankfurt, London und New York. Sie haben ganze Wirtschafts-Branchen, die Umschlagplätze von großen Warenströmen sowie Gastronomie und Tourismus im Würgegriff und sie fordern den Staat immer wieder mit Bombenattentaten und Waffengewalt heraus.


Die Mafia als prägender Teil der Kultur Italiens?


Die Verhaftung von Francesco Casillo in Neapel. Die Mafia hat
Europa längst im Würgegriff, ohne dass nationale Behörden
oder Interpol etwas dagegen tun konnten.

Die zweiteilige Dokumentation von Bernhard Pfletschinger, die man im Rahmen des Thementages am Sonntag, 24. März 2013 um 17.30 und 18.15 Uhr sehen kann, geht der Frage nach dem unaufhaltsamen Aufstieg und ihre fast grenzenlose Macht der Mafia nach.

Im ersten Teil der Dokumentation reist mein Freund und Autor durch den Süden Italiens - vor allem auf der Suche nach den Ursachen für die ungeheure Wirtschaftsmacht der Mafia. Er zeichnet die Gründungsmythen und die tatsächliche Entstehungsgeschichte der Mafia-Gruppen auf Sizilien nach und zeigt ihre gesellschaftlichen und kulturellen Wurzeln auf, ihre stete Nähe zur jeweils herrschenden Macht, ihren Schutz durch die Kirche und ihre souveräne Missachtung jeder Art von Gesetz.   Der zweite Teil der Dokumentation behandelt den kaum vorstellbaren politischen Einfluss der Mafia in Italien im 20. Jahrhundert. Ausgehend von den spektakulären Morden an den Anti-Mafia-Aufklärern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino zeigt der Autor die verhängnisvolle Vernetzung der Mafia mit einzelnen prominenten Politikern, mit Parteien und Behörden auf. Er schildert die vielfältigen Versuche, die Mafia einzudämmen, und die Wirkungslosigkeit vieler Anstrengungen. Die Mafia, so einer der prominentesten Mafia-Verfolger von heute, ist längst einer der entscheidenden Machtfaktoren in der Politik und prägender Teil der politischen und gesellschaftlichen Kultur Italiens geworden.

Alleine in Neapel wurden in einem Jahr mehr als 130 Personen
von der Mafia ermordet, so, wie in diesem Beispiel Raffaele Ciotola
und seiner Frau Maria Abba.

Dienstag, 19. März 2013

Die Mafia mordet in Messina / Mafia-Krieg steht kurz bevor!

Ein Mitglied des Brancaccio-Clans wurde heute in den frühen Morgenstunden von zwei Killern der Mafia in seinem Auto vor einer Metzgerei erschossen.




Der Mord ist sehr, sehr beunruhigend", sagte der stellvertretende Staatsanwalt von Palermo, Vittorio Teresi. "Es ist zu früh zu sagen, dass eine neue Mafia-Fehde ausgebrochen ist - sagt er- aber  die Signale sind eindeutig. Um den Toten handelt es sich um den Big-Boss Francesco Nangano. Der gleiche Richter, der zur Zeit die heikelsten Mafia-Verbrechen untersucht, erklärte, dass der Befehl an die Killer, Nangano in seinem eigenen Hoheitsgebiet zu erschießen, sei ein klares Signal. "Wir wissen noch nicht, was sich da entwickelt, aber wir befürchten das Schlimmste"!

Nangano wurde wegen zahlreicher Verbrechen mehrmahls verurteilt, aber nur einmal kurzzeitig festgesetzt. Nach einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes, wurde er später vom Obersten Gerichtshof freigesprochen, hatte aber in der Zwischenzeit vier Jahre und zehn Monate im Gefängnis verbracht. Diese "ungerechte Inhaftierung" wurde im Jahr 2007 mit 270.000 € kompensiert. "Ein Wahnsinn", wie Richter Teresi sagte. Ganz offenkundig wurde auf politischer Ebene Druck erheblichen ausgeübt, den "wichtigen" Mafia-Boss freizulassen.

Das Problem ist nun gelöst, sagte Richter Vittorio Teresi, aber ein Krieg unter den Mafia-Clans steht kurz bevor.

Die Mafia hat wieder zugeschlagen

erneut hat heute Nacht die Mafia zugeschlagen. In der Provinz Enna haben drei schwer bewaffnete Mafiosi einen Bauern hingerichtet, der bei der Polizei aussagen wollte. er hatte sich geweigert, Schutzgeld zu bezahlen. Nun befürchtet die Polizei, dass auch die Familie des Opfers ins Schussfeld geraten ist.

Der 41jährige Vincenzo di Calogero wurde mit drei Schüssen in den Kopf und in die Brust getroffen. Die Polizei ermittelt.

Montag, 18. März 2013

Gefährlicher Killer der 'Ndrangheta heute Nacht verhaftet

Heute Morgen um 3°° Uhr wurde in Gioia Tauro einer der gefährlichsten Killer der 'Ndrangheta vom mobilen Einsatzkommando in Reggio Calabria verhaftet. Der 29 jährige Francesco Lannazzo war vor einem Jahr aus dem Gefängnis ausgebrochen, in welchem er eine 18jährige Haft wehen mehrfachen Mordes hätte verbüßen sollen. Der Verhaftete wurde in einem unterirdischen Bunker unter den Kellräumen aufgebracht, die mit einer automatischen Betonplatte verschlossen war.



Lannazzo wurde zufällig von einer Kamera in der Innenstadt erfasst und erkannt. Er flüchtete sofort.

Wie die Carabinieri mitteilten, war Lannazzo erneut als Auftragskiller der 'Ndrangheta tätig und hatte einige Tage zuvor zwei Bauunternehmer und einen ihrer Mitarbeiter liquidiert. Bei der Durchsuchung seines Hauses wurde ein großes Waffenlager und mehrere Millionen Euro BArgeld gefunden. 

Wo es Pizza gibt, ist die Mafia zuhause!

Die ersten Mitglieder der kalabrischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta wanderten nach Informationen aus Sicherheitskreisen in den 1980er Jahren nach Frankfurt ein, inzwischen sind im Rhein-Main-Gebiet schon Mafiosi der zweiten und dritten Generation aktiv.




Wo es Pizza gibt, ist auch die Mafia zu Hause. Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Hochburg der kalabrischen Mafia. Das las man im Jahr 2007 von einem früheren Auftragskiller und Kronzeugen der italienischen Polizei. Unauffälligkeit ist ihr Markenzeichen. Die 'Ndrangheta nimmt für sich in Anspruch, Herrscher Kalabriens zu sein und ist bis heute zum Teil - mächtiger als der italienische Staat. Dazu gehört, dass man nicht allzu protzig auftritt, um seinen Machtanspruch nicht zu gefährden. Diese Unauffälligkeit haben sie in Deutschland beibehalten, daran hat sich nichts geändert.

Die ‘Ndrangheta gilt als aufstrebende Organisation und hat der sizilianischen Cosa Nostra in den 90ern den Rang abgelaufen. Allerdings arbeiten die Mafia-Gruppen hierzulande viel stärker zusammen als in ihrer italienischen Heimat.
Drogen- und Waffenhandel, Geldwäsche und Erpressung sind auch in Deutschland die maßgeblichen Betätigungsfelder der ‘Ndrangheta. Von den 14 deutschen Ermittlungsverfahren, die in den Jahren 2007 bis 2011 gegen die italienische Organisierte Kriminalität (IOK) geführt wurden, betrafen zwölf die kalabrische Mafia. 14 weitere Verfahren wiesen enge Verbindungen zur ‘Ndrangheta auf.

Frankfurt ist für die Mafia besonders interessant, weil hier viele Italiener leben und die Stadt obendrein ein wichtiger Wirtschaftsstandort und Verkehrsknotenpunkt ist. Die große Zahl von Gewerbebetrieben kommt der ‘Ndrangheta ebenfalls zupass, weil die zur Geldwäsche gegründeten Firmen - zum Beispiel im Bausektor - in der Masse nicht auffallen. Geldwäsche spielt wegen der mit schätzungsweise 44 Milliarden Euro astronomisch hohen Einnahmen eine große Rolle bei der ‘Ndrangheta.

2011 nahmen Fahnder bei einer internationalen Razzia gegen die ‘Ndrangheta einen 45 Jahre alten Mafioso fest. Der mit europäischem Haftbefehl gesuchte Italiener koordinierte die deutschen Machenschaften der ‘Ndrangheta. Weltweit wurden bei der Aktion 35 Menschen festgenommen, fünf davon in Baden-Württemberg. Sie standen im Verdacht, illegal erworbenes Geld in Bauunternehmen und Geschäften gewaschen zu haben.

Als besonders dramatisches Problem sehen die Sicherheitsbehörden die ‘Ndrangheta übrigens nicht an. 2011 machten die Italiener laut BKA "nur" 4,7 Prozent der Tatverdächtigen in Deutschland aus - und Mafia-Verbindungen hatten bei Weitem nicht alle von ihnen.

Mafia zapft deutsche Polizisten an...

An diesem exemplarischen Beispiel zeige ich die Vorgehensweise der 'Ndranghta in Deutschland auf.

Franfurt / Main. Am 9. September 2009 um genau 22.47 Uhr hatte es die italienische Mafia geschafft. Sie hatte einen Frankfurter Polizisten dazu gebracht, im polizeilichen Auskunftssystem einen Mann aus ihren Reihen zu überprüfen. Der Beamte ahnte nicht, dass es sich bei dem Überprüften um einen Mafioso und Drogenschmuggler handelte. Deshalb gab er weiter, dass der Mann "soweit okay" sei und nicht von der Polizei gesucht werde.

Wegen seiner Auskunft muss sich der Polizist bald vor dem Frankfurter Amtsgericht verantworten. Die Anklage lautet auf Verletzung des Dienstgeheimnisses (Az: 3460 Js 216065/10 PZ). Wie ist es der Mafia gelungen, einen Polizisten für ihre Zwecke einzuspannen? Mit vertraulichen Unterlagen kann ich das dreiste Vorgehen der Mafiosi acuh dokumentieren.

Dreh- und Angelpunkt des Krimis, der bis in die süditalienische Region Kalabrien führt, ist eine einfache Pizzeria in Frankfurt. Der Polizist Dietmar K. (53), der 2009 als Objektschützer eingesetzt ist, geht in dem Lokal ein und aus. Manchmal holt er dort Pizza für sich und seine Kollegen, manchmal schaut er aber auch privat vorbei.
Die Pizzeria mit kleinem Gastraum wirkt unscheinbar, der einzige Hingucker ist ein Holzofen, der wie ein italienisches Dorfhaus aussieht. Hinter der Theke rollt Vincenzo Laratta (49) den Teig, streut Zutaten darauf und backt. Der Pizzabäcker und der Polizist lernen sich mit der Zeit immer besser kennen, plaudern über Gott und die Welt und nennen sich irgendwann nur noch bei ihren Vornamen.

 

Familiäre Atmosphäre


Später wird der Polizist aussagen, dass es in der Pizzeria "ziemlich familiär" zugegangen sei. "Ich konnte mir keinen Zusammenhang mit der Mafia vorstellen." Damit lag er offenbar falsch: Zu den Stammgästen zählt 2009 auch Paolo Bruno, der in Corigliano Calabro geboren wurde. Die 40.000-Einwohner-Stadt in den sonnigen Hügeln Kalabriens gilt als Hochburg der Mafia. Bruno stand schon mehrfach vor Gericht, unter anderem wegen Diebstahls und versuchten Betrugs. Auch im Gefängnis saß der 43-Jährige schon. Und seine Kontakte in die alte Heimat sind ausgezeichnet...
Die kalabrische ‘Ndrangheta gilt als mächtigste Mafia-Organisation Europas.

Sicherheitsexperten schätzen, dass sie mit Drogen- und Waffenhandel, Geldwäsche und Erpressung jährlich 44 Milliarden Euro einnimmt. Dass die ‘Ndrangheta ihren krummen Geschäften auch in Deutschland nachgeht, ist der Öffentlichkeit spätestens seit den Duisburger Mafia-Morden 2007 klar: Vor einer Pizzeria wurden damals sechs Menschen erschossen. Sowohl die Täter als auch die Opfer gehörten der ‘Ndrangheta an.

BKA-Chef Jörg Ziercke betonte jüngst, dass Deutschland nicht nur Rückzugs-, sondern auch Aktionsraum der italienischen Mafia sei. Sonja Alfano, Chefin der Anti-Mafia-Kommission der EU, warnte in einem "Spiegel"-Interview, die ‘Ndrangheta habe sich unbehelligt in der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft eingenistet. Der Fall des Polizisten zeigt, dass ihr langer Arm bereits in die deutschen Sicherheitsbehörden hineinreicht.

Die Ausgangssituation ist einfach: Im Sommer 2009 will die ‘Ndrangheta wissen, ob die Luft für das nächste Drogengeschäft ihres Mitglieds Carlo Lorenzi rein ist oder ob der Italiener bei der Einreise nach Deutschland mit einer Festnahme rechnen muss. Die Mafia weiß, dass die Info irgendwo im Polizeisystem Polas/Inpol schlummert. Sie braucht nur einen Beamten, der sie abfragt und weitergibt.




Und da fällt Paolo Bruno, dem Pizzeria-Stammkunden mit gutem Draht nach Kalabrien, der Polizist ein, der neuerdings bei Wirt Vincenzo ein und aus geht. Mit seinem Doppelkinn und dem Dreitagebart wirkt der Beamte ziemlich harmlos und gemütlich. Wie jemand, den man um eine Auskunft bitten könnte, falls man mal eine braucht - oder falls alte Freunde aus der Heimat eine brauchen.

 

Geschickte Anfrage


Bruno bittet den Polizisten nicht selbst um die Datenabfrage. Das überlässt er dem Pizzabäcker, der "den Dietmar" weitaus besser kennt. Von der Mafia habe Vincenzo Laratta nichts gesagt, wird der Beamte später zu Protokoll geben. Stattdessen soll der Wirt behauptet haben, "dass seine Nichte, Cousine oder sonst jemand" einen neuen Freund habe, der gesucht werden könnte und "nicht so ganz astrein" sei. Die Lügengeschichte tischt der Pizzabäcker wohl auf, um seine Anfrage harmlos erscheinen zu lassen. Er muss schließlich damit rechnen, dass Carlo Lorenzi, dem die Überprüfung gilt, tatsächlich zur Fahndung ausgeschrieben ist.

Der Polizist fällt jedenfalls auf die Story herein. Als er nach zwei Objektschutz-Einsätzen ins Präsidium zurückgekehrt ist, setzt er sich an einen PC und gibt den auf einem gelben Klebezettel notierten Namen ins Auskunftssystem ein. Kurz darauf übermittelt er dem Wirt die Information, dass Carlo Lorenzi "negativ" ist, also nicht von der Polizei gesucht wird - eine Straftat, die nicht nur für ihn selbst ein juristisches Nachspiel hat. Denn auch Pizzabäcker Laratta und sein Stammkunde Bruno müssen vor Gericht. Wegen Anstiftung zum Geheimnisverrat.

 

Erfolgreiche Kooperation


Dass die Männer überführt werden können, ist das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen den italienischen und deutschen Strafverfolgern. Am 9. September - kurz vor der Abfrage im Polizeisystem - zeichnet eine italienische Anti-Mafia-Spezialeinheit ein Telefonat zwischen Paolo Bruno (in Frankfurt) und Carlo Lorenzi (in Italien) auf. Darin fragt Lorenzi, ob "der von der Polizei" inzwischen Bescheid wisse. Bruno stellt die gewünschte Auskunft für "heute Abend gegen 23Uhr" in Aussicht. Das passt perfekt zum Zeitpunkt der Datenabfrage, die der Polizist - wir erinnern uns - um genau 22.47 Uhr macht.

Am Ende des Gesprächs kündigt Lorenzi einen Anruf am nächsten Tag an. Auch das Telefonat am 10. September wird mitgeschnitten. Jetzt kann Bruno liefern: "Er hat geguckt", heißt es im Aufzeichnungsprotokoll. "Er hat gesagt, es gibt nichts. Alte Sachen ja, aber es gibt nichts Neues, sagen wir; dass sie dich nicht festhalten oder festnehmen können." Die Situation sei "100-prozentig" ruhig. Die italienischen Behörden geben die Gesprächsprotokolle an die Deutschen weiter, die schnell herausbekommen, wer Lorenzi überprüfte.

Die Staatsanwaltschaft hält in ihrer Anklageschrift fest, dass der Polizist mit der Weitergabe der Informationen über Carlo Lorenzi "wichtige öffentliche Interessen gefährdet" habe. Das ist verständlich, weil Lorenzi alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist. Beim Bundeskriminalamt wird er als Mitglied des ‘Ndrangheta-Clans von Rossano Calabro geführt. Die Anti-Mafia-Einheit ermittelte wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer Mafia-Vereinigung gegen ihn; außerdem wegen Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz und persönlicher Begünstigung.

 

Redseliger Kronzeuge


Ein Kronzeuge hat Lorenzi als Mensch beschrieben, der sich vor allem mit Betrug, Auto- und Drogenhandel beschäftige. Er pflege Kontakte zur Camorra, der neapolitanischen Mafia, mit der er bei der Einfuhr von Rauschgift und Nobelkarossen zusammenarbeite. Lorenzi habe in Fahrzeugen verstecktes Kokain aus Deutschland, Bologna und Neapel importiert - diese und andere krumme Geschäfte führten ihn am Ende in italienische Haft.

Die Frankfurter Strafverfolger ermitteln lange. Am 23. August 2011 durchsuchen sie im Morgengrauen die Wohnungen von Laratta und Bruno. Richtig fündig werden die Beamten nur bei dem Pizzeria-Stammkunden: Sie stellen dort sieben Plömbchen mit einer betäubungsmittelverdächtigen Substanz, einen gefälschten Blankopass und einen verfälschten Ausweis sicher. Letzterer gehört einem mutmaßlichen Mafioso, der nach einem Einbruch hinter Gittern landete. Der Mann wurde ebenso in Corigliano Calabro geboren wie Bruno.

Am 8. September filzen die Strafverfolger außerdem die Wohnung des Polizisten im Westerwald. Hinweise auf ‘Ndrangheta-Verbindungen finden sie nicht. Alles sieht danach aus, dass der Polizist von der ‘Ndrangheta benutzt, angezapft wurde. Experten berichten, dass Mafiosi immer wieder versuchen, nützliche Behördenkontakte zu knüpfen. Dass sie dabei ihre Zugehörigkeit zu ‘Ndrangheta, Camorra und Co. verschweigen, ist klar.

Pizzabäcker Laratta streitet auf Nachfrage ab, etwas mit der ‘Ndrangheta zu tun zu haben: "Ich komme nicht aus Kalabrien und kenne die Leute nicht", beteuert er. Auch von einem Überprüfungsauftrag an den Polizisten, der früher Kunde gewesen sei, wisse er nichts. "Hier in der Pizzeria werden viele gelbe Zettel geschrieben, vielleicht habe ich jemandem Zettel und Stift geliehen, der dann den Namen notiert hat." Mit Paolo Bruno sei er zwar früher befreundet gewesen, das sei aber schon länger vorbei.

Bruno räumt zwar ein, Carlo Lorenzi "von früher, aus der Heimat" zu kennen, dass dieser Mitglied der ‘Ndrangheta sein soll, sei ihm aber nicht bekannt. "Carlo hat mit Autos gehandelt und ist in Italien im Gefängnis gelandet, darüber habe ich etwas im Internet gesehen." Er, Bruno, habe aber keinen Polizisten gebeten, Infos über Carlo einzuholen. "Ich weiß gar nicht, wie die Polizei auf so etwas kommt."

Schweigender Polizist


Polizist Dietmar K. möchte sich gegenüber der Presse nicht äußern. Und auch sein Rechtsanwalt Dr.Andreas Hohnel zieht es vor, vor der Hauptverhandlung keinen Kommentar abzugeben. Wann diese beginnt, kann das Amtsgericht noch nicht sagen. Fest steht, dass die Mafiosi der ‘Ndrangheta in Frankfurt äußerst aktiv sind. Wahrscheinlich haben sie schon die nächsten Polizisten an der Angel.

Sonntag, 17. März 2013

Früherer Mafia-Jäger neuer Senatspräsident

Italiens früherer Top-Mafiajäger Piero Grasso (68) ist zum neuen Präsidenten des Senats in Rom gewählt worden.

Der Kandidat des Mitte-Links-Lagers setzte sich gegen den Kontrahenten von Mitte-Rechts durch, berichtete das italienische Fernsehen am Samstag.
Der Anti-Mafia-Staatsanwalt hatte erst Ende 2012 angekündigt, sich von seinem Amt freistellen zu lassen und bei den Wahlen im Februar für die Mitte-Links-Partei PD anzutreten.



Piero Grasso

Der Jurist war seit 2005 Italiens oberster Mafiajäger und durch Fernsehauftritte und als Autor mehrerer Bücher über organisierte Kriminalität auch international bekanntgeworden. Das lässt zwar hoffen, dass nunmehr noch härter gegen Mafiosi durchgegriffen wird, doch die Skepsis ist groß, zumal Belusconi noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat..

Samstag, 16. März 2013

Wie arbeitet die 'Ndrangheta / VIDEO in DEUTSCH

Das Netzwerk der Paten Neues zu deutschen Mafia-Stützpunkten
Die kalabrische Ndrangheta gilt als die gefährlichste aller italienischen Mafiabanden. Neue bislang völlig unbekannte Dokumente, die report MÜNCHEN exklusiv vorliegen, enthüllen wo sich ganz konkret in Deutschland Operationsbasen dieser Mafiaorganisation befinden.




VIDEO / Mafia-Clan zur Strecke gebracht

Mit der geheimen Ermittlungsgruppe "Medusa" haben Staatspolizei, Carabinieri und Guardia di Finanza 34 Mafiosi des Clans von Giampa festgenommen. Die Vorwürfe reichen von Erpressung, Wucher, über Korruption, Besitz von Waffen bis hin zu Raub, Mord und Exekutionen in 22 Fällen. 


il Professore Francesco Giampà


Die Ermittler sind sicher, dass ihnen ein schwerer Schlag gegen die gefürchtete 'Ndrangheta gelungen ist. Auch der Kopf des Clans wurde dabei festgesetzt. Mit über 300 Beamten der Anti-Mafia-Einheit wurde die Cupola (Chef-Etage des Mafiaclans) mit 5 Entscheidern beobachtet und infiltriert, darunter waren auch drei Frauen auf der Befehlsebene der kriminellen Organisation. Der Boss der Bosse Francesco Giampà, genannt der Professor, führte und überwachte den Clan, der aus fünf operativen Einheiten bestand.

     - Erpressung
     - Drogen
     - Prostitution
     - Waffenhandel
     - Killerkommando





Drei Frauen innerhalb der "Famiglia" spielten tragende Rollen, hielten auch zu in Gefängnissen einsitzenden Mafiosi enge Kontakte, nahmen von dort Befehle und Anweisungen entgegen und führten diese mit äußerster Brutalität und Kaltblütigkeit aus.

Unter den Festgenommenen befand sich auch ein Polizist, der von dem Mafia-Clan erpresst wurde, die Operationen der Anti-Mafia-Einheit zu verraten.