Samstag, 26. Juli 2014

Die dunkle Macht von Mafia, Ndrangheta und Camorra

Sodom und Gomorrha

Gleich zweimal reist Papst Franziskus in den kommenden Tagen nach Süditalien. Dorthin, wo Mafia, Ndrangheta und Camorra ihre Wurzeln haben. Verschworene Gemeinschaften, die sich seit jeher mit der Nähe zu Glaube und Kirche rühmen.




Schon Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2010 bei seinem Besuch in Siziliens Hauptstadt Palermo und ein Jahr später in Kalabrien eindringlich vor der Macht der organisierten Kriminalität gewarnt.

Auch Johannes Paul II. (1978-2005) rief 2001 die Bevölkerung Siziliens auf, sich von der Mafia zu befreien. Aber keiner von ihnen fand so klare Worte gegen die Verbrechersyndikate wie Franziskus. Wer der Mafia angehöre, stehe außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, betonte er im Juni. Erstmals bezeichnete damit ein katholisches Kirchenoberhaupt Mafiosi als exkommuniziert.

Schwere Geschütze gegen verschworene Gemeinschaften, die sich seit jeher mit der Nähe zu Glaube und Kirche rühmen, wie zuletzt eine Marienfeier im Städtchen Oppido Mamertina zeigte. Demonstrativ hielt die Prozession vor dem Haus eines inhaftierten Clan-Chefs an. Die Verflechtungen der ehrenwerten Gesellschaft mit der Kirche sorgen mitunter auch für skurrile Momente. Der Top-Mafioso Bernardo Provenzano etwa, der über vier Jahrzehnte im Untergrund lebte, soll nur ein einziges Buch besessen haben: die Bibel, in einer Ausgabe der Vatikanischen Verlagsanstalt.
"Bibeltreue" Verbrecher.

Offenbar beeinflusste die Lektüre das Auftreten Provenzanos. Der langjährige Kopf der sizilianischen Mafia zeichnete seine schriftlichen Anweisungen gelegentlich mit einem "Der ich geboren bin zu dienen" ab. Gern und oft ließ er zudem Zitate aus dem Alten und dem Neuen Testament einfließen. Im Frühjahr 2006 wurde er unweit seines Geburtsortes Corleone gefasst. In dem Versteck des damals 73-Jährigen fanden die Ermittler besagte Bibel - und Unmengen jener "pizzini" genannten Kassiber, mit denen Provenzano die Geschicke der kriminellen Organisation lenkte und mehr als fünf Millionen Euro in bar.


Der Top-Mafioso Bernardo Provenzano


Die Zettelwirtschaft des alten Mannes sollte freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen kaltblütigen Killer handelte. Seinen Spitznamen "Binnu 'u tratturi" ("Binnu der Traktor") hatte er sich in den Augen von Freund und Feind redlich verdient. Er habe "geschossen wie ein Gott", aber besitze nur "das Gehirn eines Huhns", hieß es halb spöttisch, halb ehrfurchtsvoll in der Unterwelt. Zu erfahren ist das in dem Buch "M wie Mafia" des italienischen Schriftstellers Andrea Camilleri. Im Stil eines Lexikons und auf Basis der Notizzettel Provenzanos entwirft der erfolgreiche Krimiautor ein Psychogramm der Cosa Nostra, wie die Mafia auf Sizilien genannt wird.


Armut ist Nährboden für kriminelle Machenschaften

Derartige Veröffentlichungen finden sich seit einigen Jahren immer wieder in den Bestsellerlisten auch in Deutschland. Ein bekanntes Beispiel ist die Geschichte der sizilianischen Mafia des englischen Historikers John Dickie. Natürlich gehören dazu auch die Bücher des italienischen Journalisten Roberto Saviano. Der Autor, der wegen seiner Veröffentlichungen seit 2006 unter Polizeischutz leben muss, äußerte sich in der "Süddeutschen Zeitung" lobend über die Haltung von Papst Franziskus, mahnte aber zugleich an, auch jene Teile der katholischen Kirche zu isolieren, die immer noch wie verschweißt mit der Mafia-Kultur seien.

Dass freilich dieser Aspekt nur ein Teil des Problems ist, zeigen nicht zuletzt die Schilderungen von Aussteigern wie Giuseppina Vitale. Zusammen mit der Journalistin Camilla Costanzo schilderte sie 2010 in "Ich war eine Mafia-Chefin", wie ihr Clan mit der Mafia in Kontakt kam und in der Hierarchie immer weiter nach oben kletterte.


Die archaischen Strukturen im bäuerlichen Hinterland Siziliens, das inkonsequente Handeln der Behörden und das Fehlen jeglicher Perspektiven für die Jugend bilden den Nährboden für kriminelle Machenschaften, an die sich oft eine schnelle "Karriere" anschließt. So kamen auch die Vitales schon bald in direkten Kontakt mit Bernardo Provenzano. Ein bizarres Zusammentreffen blieb Guiseppina Vitale in besonderer Erinnerung: Um vor seinen Verfolgern unerkannt zu bleiben, hatte sich der bibelkundige "Boss der Bosse" als Bischof verkleidet.
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Freitag, 25. Juli 2014

Geldwäsche-Vergehen kräftig gestiegen

Die Zahl der Mitteilungen wegen möglicher Geldwäsche ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 3810 gestiegen.




Das berichtet die WirtschaftsWoche unter Berufung auf das Bundesfinanzministerium. Dabei wurden in 3242 Fällen Strafverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeleitet, womit die Zahl von 2012 sogar um 24 Prozent übertroffen wurde.

Das Geld, das gewaschen werden soll, stammt in der Regel aus dem Drogenhandel, der organisierten Kriminalität und aus dem Terrorismus. Nach Angaben aus der Finanzverwaltung kommen die Fahnder den Kriminellen jetzt besser auf die Spur, weil Finanzinstitute durch die Geldwäschenovelle von 2012 verstärkt verdächtige Kontobewegungen melden müssen.

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Lotterie-Betrüger in U-Haft

Eine Bande soll mit einer Abzock-Methode Millionen ergaunert haben. Die Masche der Täter lief nach Angaben der Ermittler immer ähnlich ab. Jetzt sind die Verantwortlichen festgenommen worden.




Mehrere hunderttausend Verbraucher sollen mit betrügerischen Lotterieabonnements abgezockt worden sein - jetzt suchen die Fahnder nach weiteren Verdächtigen. Die beiden mutmaßlichen Betrüger, die bereits in U-Haft sitzen, hätten ein internationales Netz von Mitarbeitern gehabt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld am Donnerstag.

Die Bande soll mit einer Abzock-Methode mehr als 360 000 Menschen in Deutschland reingelegt und einen Gewinn in Höhe von mindestens 36,5 Millionen Euro gemacht haben. Sie soll zwischen 2009 und 2012 ihren Opfern Abonnements in Höhe von monatlich 29,90 Euro für Lotterien und Auslosungen angedreht haben, die nie stattfanden.

Nach Angaben der Krefelder Ermittler sitzt ein in Deutschland festgenommener Verdächtiger bereits seit einigen Monaten in Untersuchungshaft. Vor einigen Tagen habe die griechische Polizei einen zweiten Verdächtigen festgenommen. Das Auslieferungsverfahren nach Deutschland laufe. Die griechische Polizei hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie habe zwei Verdächtige im Alter von 36 und 44 Jahren festgenommen.

Die Abzock-Masche lief laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld immer ähnlich ab. Call-Center-Mitarbeiter überredeten die Angerufenen sich für einen möglichst hohen Gewinn in zahlreiche Listen einzutragen. Die Kosten für die Geschädigten lagen laut Staatsanwaltschaft pro Monat bei 80 bis 90 Euro.

Oder die Betrüger riefen an und gaben vor, dass bereits ein Abonnement bestehe. Wenn die Kunden das verneinten, verwiesen die Täter der Staatsanwaltschaft zufolge auf angebliche Dokumente. Gleichzeitig boten sie laut Ermittlern an, das Abo auslaufen zu lassen. Für einen gewissen Zeitraum müsse aber noch Geld eingezogen werden. Viele Daten würden auch bei Adresshändlern gekauft.
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Papst besucht erneut Camorra-Hochburg

Papst Franziskus wird in den kommenden Tagen zweimal nach Caserta reisen, die als Hochburg der Camorra, dem neapolitanischen Arm der Mafia, gilt.




Am Samstag wird der Papst zum Gedenktag der Heiligen Anna eine Messe vor dem Schloss von Caserta feiern.

Franziskus wird um 16 Uhr in der süditalienischen Stadt ankommen und sich nach den offiziellen Begrüßungen mit den Priestern des Bistums treffen. Um 18 Uhr wird er dann auf dem Platz vor dem Königspalast die Messe zelebrieren und danach in den Vatikan zurückkehren.

Am Montag wird der Papst privat den protestantischen Pastor Giovanni Traettino und seine Gemeinschaft besuchen. Dieser Besuch ist für den Vormittag geplant. Der Papst wird per Hubschrauber nach Caserta fliegen.


"Terra dei fuochi"

Die Provinz von Caserta ist in Italien auch als „Feuerland“ (Terra dei Fuochi) bekannt. Der Name leitet sich von den Hunderten von brennenden Mülldeponien ab, wo die sogenannte Öko-Mafia riesige Mengen von Haushalts- und Industriemüll sowie Sonderabfall illegal ablagert und anzündet.


Das Geschäft mit der Müllentsorgung wird dort von einigen Camorra-Clans beherrscht. Der Papst hatte im Juni die Mafia-Hochburg Kalabrien und die süditalienische Region Molise besucht.
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Donnerstag, 24. Juli 2014

erstmals Haft für Welpen-Händler

Da machte Richter Stefan Romstorfer mit seinen Schöffen am Donnerstag Nägel mit Köpfen und statuierte ein Exempel: Erstmals schickte er zwei jener skrupellosen Hundehändler hinter Gitter, die mit dem Leid von Welpen miese Geschäfte machen und gutgläubige Tierfreunde übers Ohr hauen: Wegen schweren Betrugs und Tierquälerei muss ein Pärchen (beide 31) aus Wien-Donaustadt ins Gefängnis. Das Urteil: zwei Jahre Haft, davon acht Monate unbedingt.




Tierschützer, die gemeinsam mit der Polizei den Welpenhändlern den Kampf angesagt und den Fall aufgedeckt hatten, nahmen das Urteil begeistert auf.


Angeklagte handelten auch während Verfahren


Die bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten waren mit einer versteckten Kamera durch Mitarbeiter von Vier Pfoten bei einem Testkauf überführt worden, 13 zum Teil todkranke Rassehund-Welpen in der Slowakei gekauft und übers Internet für 190 bis 450 Euro weiter verhökert zu haben. Die Tiere starben oder mussten eingeschläfert werden.


Das Urteil gegen das Pärchen, das sogar während des Verfahrens weitergehandelt hatte, ist nicht rechtskräftig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Baumafia - Groß-Razzia in Frankfurt und Berlin

Bei einer Razzia gegen Schwarzarbeit und organisierte Kriminalität auf dem Bau sind in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet zwei Dutzend Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht worden.




Um 4 Uhr krachten die Rammen gegen die Türen. Bundesweiter Großeinsatz des Zolls gegen Hintermänner der Schwarzarbeiter-Mafia. Die Beamten beschlagnahmten Waffen und Beute im Wert von mehreren Millionen Euro. Vier Gangster wurden verhaftet. In Frankfurt stürmten schwer bewaffnete Elite-Beamte des Zoll-Spezialkommandos ZUZ („Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll") und mehrere SEKs Wohnungen, ein Sport-Café und eine Baufirma. Insgesamt wurden in Hessen 55 Objekte durchsucht.

Die mutmaßlichen Drahtzieher eines Schwarzarbeiter-Netzwerkes seien verhaftet worden, teilten die Staatsanwaltschaft Marburg und die Sonderkommission „ADRIA“ des Zolls am Mittwoch mit. Dabei ist der Arbeitsname ADRIA der Polizei nicht zufällig gewählt. Sizilianische Hintermänner haben den groß angelegten Betrugsring gesteuert.




In Groß-Gerau griff ein Verdächtiger zur Waffe. Doch bevor er abdrücken konnte, überwältigten ihn die vermummten Spezialkräfte. In seiner Wohnung fanden sie neben Waffen auch über 500 000 Euro in bar. Das Geld wurde mit einem Panzerwagen zur Bundesbank gebracht. In einem Sport-Café wurde der mutmaßliche Kopf der Bande festgenommen.

Die Bande soll seit einigen Jahren als sogenannte Nachunternehmer Bauaufträge in Hessen mit Schwarzarbeitern ausgeführt haben. Sozialkassen und dem Fiskus sollen auf diesem Weg Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Höhe von bislang rund sechs Millionen Euro vorenthalten worden sein. Fingierte Zahlungen von Scheinfirmen sollten die Schwarzarbeit verdecken.

„Solche organisierten Strukturen der Schwarzarbeit beschäftigen die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls zunehmend“, sagte Michael Bender, Pressesprecher des Hauptzollamtes Gießen.

Die Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu sagte: „Vier Hautbeschuldigte - drei Italiener mit serbischen Pässen im Alter von 34, 42 und 43 Jahre sowie ein 46-Jähriger Deutscher palästinensischer Herkunft - wurden mit Beginn des zentral gesteuerten Zugriffs durch mehrere Teams von Spezialeinsatzkräften verhaftet. Sie werden dem Haftrichter vorgeführt."




Bereits vor zwei Jahren war der Finanzkontrolle eine Baufirma aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf aufgefallen, die mehrere Bauarbeiter nicht zur Sozialversicherung angemeldet hatte. Die Ermittler folgten der Spur und deckten laut Mitteilung die Machenschaften eines Familienclans ebenso auf wie ein Netzwerk von mindestens sechs Scheinfirmen.
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Kirche und Mafia: Kniefall vor den Verbrechern

Papst Franziskus will die Mafia aus seiner Kirche jagen, doch so einfach ist das nicht. In Süditalien werden Mafiosi und ihre kirchlichen Helfer weiter öffentlich verehrt - wer darüber berichtet, riskiert sein Leben.




Don Nuccio Cannizzarro ist ein treuer Pfarrer, er steht nicht nur treu zu Gott, sondern offenbar auch zu irdischen Mächten. Er war angeklagt in Reggio Calabria, der Hauptstadt Kalabriens, weil er laut Anklage eng mit der Mafia kooperiert haben soll. Außerdem hat der Priester in einem abgehörten Telefongespräch zugegeben, vor Gericht zugunsten eines Mafiabosses gelogen zu haben. Dennoch wurde Don Nuccio vorige Woche von einem Richter freigesprochen: Die Kooperation mit der Mafia war nicht zu beweisen, die Falschaussage verjährt.

Don Nuccio Cannizzarro


Was dann folgte, kann als Verhöhnung der päpstlichen Ideale bezeichnet werden: Die Gemeinde feierte ihren Pfarrer nach dem Freispruch mit Feuerwerk und Autokorso.

Mitte Juni hatte Franziskus so deutlich Klartext gesprochen wie kein Papst vor ihm. Die Mafia sei "die Bewunderung des Bösen, die Missachtung des Gemeinwohls", sagte er in der Ebene von Sibari, in Kalabrien, der Heimat der 'Ndrangheta-Clans. Gegen die Mafia müsse "angekämpft werden". Damit nicht genug: Mafiosi, sprach das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, "sind exkommuniziert".


Obolus vom Mafiapaten

Schon zwei Wochen später zeigte sich in Oppido Mamertina, wie es um den päpstlichen Einfluss in dieser Sache bestellt ist: Nicht weit entfernt vom Schauplatz der päpstlichen Anti-Mafia-Rede hielt eine kirchliche Prozession samt mitgeführter Madonna genau vor dem Haus des lokalen 'Ndrangheta-Bosses Giuseppe Mazzagatti. Die Männer, die die riesige Statue trugen, neigten diese leicht nach vorne - ein "Kniefall" der Muttergottes zu Ehren des wegen Mordes verurteilten, aber aus Altersgründen zu Hausarrest begnadigten Clanchefs.

Der Carabinieri-Chef verließ unter Protest die Prozession, der Pfarrer und der halbe Gemeinderat blieben. Ein Journalist schrieb über das Ereignis, landesweite Aufregung war die Folge. War das denn nicht das Gegenteil dessen, was der Papst kurz zuvor von seiner Kirche gefordert hatte? Und der Priester scherte sich gar nicht darum?



Ein paar Tage später und ein paar Dörfer weiter, in San Procopio und Scido, immer noch Kalabrien, eine andere Prozession, ein anderer 'Ndrangheta-Boss - ansonsten das gleiche Bild: Die Prozession stoppt zu Ehren des 70-jährigen Nicola Alvaro vor dessen Haus. Die Gattin des Mafia-Paten kommt heraus, berichtet die Lokalzeitung "Quotidiano della Calabria", entrichtet ihren Obolus, und die kirchliche Karawane zieht zufrieden weiter.


Kirche und Mafia - eine alte Liebe

Und der Papst? Lässt er sich das alles gefallen? Er mag sich grämen. Aber so einfach, wie er vielleicht dachte, wird es nicht sein, die Mafia aus der Kirche zu vertreiben. In vielen süditalienischen Gemeinden kontrollieren die Gangster-Clans alles, auch die Kirche. Und viele Priester finden das völlig okay. Denn die meisten Mafiosi sind treue Söhne von "Mutter Kirche".



Am Sonntag gehen sie brav zur Messe, sitzen ganz vorne, beten und spenden reichlich, wie es sich für gute Christenmenschen gehört. Und so sehen sich die meisten Mitglieder der Mafia auch, ob aus der sizilianischen Cosa Nostra oder der 'Ndrangheta in Kalabrien: als brave, gute Katholiken. "Wir sind Christen", sagte einst der Mafiaboss Leonardo Messina, "deshalb töten wir nicht am Freitag."

Die Mafia, so der kalabrische Staatsanwalt Federico Cafiero de Raho, sei gesellschaftlich überall präsent und bestimme "jegliche Aktivitäten in ihrem Gebiet, auch die religiösen". Sie leitete somit natürlich auch "mehr oder weniger direkt kirchliche Prozessionen und Feste".

Das zeigt sich an vielen Orten. In Vibo Valentia, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Kalabrien, haben die für Sicherheit und Ordnung zuständigen Behörden jetzt die geplante Prozession der Heiligen Madonna del Carmine abgesagt. Ein anderes Mittel sahen sie nicht, um zu verhindern, dass auch diese Muttergottes-Figur vor dem Haus des örtlichen Mafia-Chefs ihren "Kniefall" leisten muss. Denn zumindest ein Teil der Madonna-Träger gehört zur 'Nrangheta.




Und in Oppido Mamertina, dort wo der Madonnen-Missbrauch zugunsten des Clanchefs Mazzagatti landesweit für Aufsehen sorgte, hat der Bischof jetzt alle weiteren Prozessionen in seiner Diözese gestrichen. Lieber absagen, was nicht zu steuern ist, so die Devise. Tatsächlich ist es eine Kapitulation, ein Kniefall vor der Mafia.


Neue Papst-Reise ins Mafia-Gebiet

Dass die 'Ndrangheta nun ihrerseits drastisch reagieren will, erfuhr die Anti-Mafia-Einheit der italienischen Polizei in einem abgehörten Telefongespräch zweier Clanmitglieder. Die sprachen über Michele Albanese, den Reporter der Regionalzeitung "Quotidiano del Sud", der als Augenzeuge über den Marien-Kniefall in Oppido Mamertina berichtet hatte. Was die Polizisten dabei hörten, ließ keinen Zweifel offen: Die Gangster planten einen Anschlag auf den Journalisten. Seitdem steht er unter Polizeischutz, darf das Haus nur verlassen, wenn ein gepanzertes Fahrzeug vor der Tür auf ihn wartet.


Und der Papst? Der reist Ende dieser Woche gleich zweimal in ein anderes berüchtigtes süditalienisches Mafia-Gebiet, nach Caserta, in Kampanien. Dort regiert die Camorra, und sie ist nicht weniger zimperlich als die kriminellen Gesinnungsgenossen der Cosa Nostra und der 'Ndrangheta. Am Donnerstag will Franziskus dort zum Gedenktag der Heiligen Anna eine Messe lesen, zwei Tage später den protestantischen Pastor Giovanni Traettino besuchen. Gute Gelegenheiten, um zu erklären, wie er sich den weiteren Kampf gegen die Mafia-Infiltration in seiner Kirche vorstellt.

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Mafia bedroht Journalisten wegen Bericht über Marienprozession

Weil er aufdeckte, dass eine kirchliche Prozession mit Marienstatue einem Mafiaboss eine Ehrenbezeugung erwies, muss ein italienischer Journalist nun um sein Leben fürchten. Michele Albanese, Mitarbeiter der Tageszeitung «Quotidiano del Sud» wurde unter Polizeischutz gestellt und erhielt ein gepanzertes Fahrzeug, wie die italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» (19. Juli) berichtete.




 


Anlass für die Maßnahme war dem Bericht zufolge ein abgehörtes Gespräch von Angehörigen der kalabrischen Mafia, der Nrdangheta, gewesen. Darin hätten diese über einen Anschlag auf Albanese beraten. Albanese kündigte unterdessen an, dass er seine journalistische Arbeit wie bisher fortsetzen wolle.


Michele Albanese


Der Fall der Marien-Prozession im süditalienischen Oppido Mamertina hatte landesweit grosses Aufsehen hervorgerufen. Die kirchliche Prozession mit einer Marienstatue hatte am 2. Juli vor dem Haus des inhaftierten Clan-Chefs Giuseppe Mazzagatti angehalten. Die Träger der Statue neigten diese in Richtung des Anwesens. Albanese berichtete als erster über diesen Vorfall. Zwei Wochen zuvor hatte Papst Franziskus bei einem Besuch in Kalabrien zum Kampf gegen die Ndrangheta aufgerufen und erklärt, dass Mafiosi exkommuniziert seien, weil sie nicht in Gemeinschaft mit Gott stünden.





Kirchliche Untersuchung gegen Pfarrer

 


Die italienische Bischofskonferenz hatte sich empört über den Vorfall geäußert. Die Verantwortlichen hätten die Bedeutung der Prozession entstellt, um jemanden zu ehren, der Böses getan habe, sagte ihr Generalsekretär, Bischof Nunzio Galantino. Gegen den örtlichen Pfarrer, der an der Prozession teilnahm, leitete der Ortsbischof eine Untersuchung ein. Don Benedetto ist nach Medienberichten ein Cousin des zu lebenslanger Haft verurteilten Mafiabosses. Der Bürgermeister von Oppido Mamertina widersprach Medienberichten von einer Ehrbezeugung für einen verurteilten Verbrecher.
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Mittwoch, 23. Juli 2014

Fünfzehn Mitglieder der Mafia verhaftet



Die Staatspolizei von Reggio Calabria hat heute morgen 15 Mitglieder des mächtigen Clans der 'Ndrangheta verhaftet De Gallico zählt zu den brutalsten und einflussreichsten Clans rund um Gioia Tauro






Man wirft dieser kriminellen Vereinigung Geldwäsche und Vertrieb von gefälschten Markenprodukten, Waffenhandel und Drogenschmuggel vorgeworfen. . Gleichzeitig wurde das komplette Eigentum und die Bankkonten konfisziert. Die Behörden beschlagnahmten einen geschätzten Gesamtwert von etwa 7 Millionen....

„brisantes Telefongespräch um Mafia, Geld und Berlusconi“

Der ehemalige Direktor des Mediaset-Senders Retequattro, Emilio Fede, rückt ungewollt ins Rampenlicht, so „Südtirolnews“.


Emilio Fede


Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa hat sein Fitnesstrainer Gaetano Ferri ein äußerst brisantes Telefongespräch aufgezeichnet und es den Richtern in Monza weitergeleitet.

Die Aufzeichnung ist allerdings von schlechter Qualität. Inhaltlich geht es um Mafia, Geld und Berlusconi. Demnach hat der ehemalige Premier Silvio Berlusconi mit Marcello Dell’Utri unter einer Decke gesteckt. Nur Dell’Utri weiß „Bescheid“. Er hat das Geld investiert. So lauten Ausschnitte des Gesprächs, das mitgeschnitten wurde. Wie berichtet, ist Dell’Utri erst kürzlich wegen Mafia-Verstrickungen rechtskräftig verurteilt worden.

Laut dem Gespräch gibt es wohl 70 Konten im Ausland, die alle auf Dell’Utri zurück zu führen sind, soll Fede erklärt haben.

Das abgehörte Gespräch wurde unterdessen zu den Akten im Prozess über die Verhandlungen zwischen Staat und Mafiagelegt. Laut Ansa soll der Fitnesstrainer auf digitalem Weg lediglich die Störgeräusche entfernt haben.

Fede ist jedoch der Ansicht, dass auch der Inhalt manipuliert worden ist. Er hat Anzeige wegen falscher Anschuldigungen und schwerer Bedrohung erstattet.


Im Gespräch geht es unter anderem auch um einen Mafia-Boss, der im Gefängnis gestorben ist. Fede bezeichnet diesen angeblich als „Held“, weil er gestorben ist, um nicht auspacken zu müssen.
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Dienstag, 22. Juli 2014

Schlag gegen die Camorra: 26 Mafiosi verhaftet

Bei zwei Razzien in der süditalienischen Region Kampanien sind 26 prominente Mitglieder der Camorra festgenommen worden. 17 der festgenommenen Mafiosi gehörten dem einflussreichen Camorra-Clan «Moccia» an.






Dieser weitete in den vergangenen Jahren seine kriminellen Geschäfte in der Region aus. Die Männer werden für mehrere Morde im Rahmen interner Fehden und für die Erpressung von Kaufleuten und Unternehmern verantwortlich gemacht, wie die Polizei am Montag mitteilte.


Im Rahmen der zweiten Razzia wurden 21 Wohnungen, Garagen und Geschäfte im Wert von über 16 Millionen Euro konfisziert. Einigen Festgenommenen wird unter anderem Geldwäsche vorgeworfen. Der Clan soll beträchtliche Geldsummen in illegale Baugeschäfte investiert haben.