Donnerstag, 5. November 2015

Mafia - Flüchtlinge - profitabler als Drogenhandel

Die Affäre, die seit dem vergangenen Dezember zur Festnahme Dutzender Unternehmer und Stadtpolitiker geführt hatte, hat die Gemeinde Rom zutiefst erschüttert und hatte zuletzt zum Ende der Amtszeit von Bürgermeister Ignazio Marino geführt.





Am Ende eines Schnellverfahrens wurde ein Mitarbeiter des skandalumwitterten Unternehmers Salvatore Buzzi, Drahtzieher der Affäre, zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Unternehmer Salvatore Buzzi


Er wird beschuldigt, eine mafiöse Organisation gefördert zu haben, die mit öffentlichen Geldern lukrierte. Zu vier Jahren Haft wurde auch eine Beamtin der Gemeinde Rom verurteilt. Außerdem wurden zwei Vertrauensmännern des ehemaligen neofaschistischen Extremisten Massimo Carminati verurteilt, der ebenfalls als Drahtzieher der Affäre gilt.

Vor Gericht müssen sich zurzeit auch der ehemalige Generaldirektor der städtischen Müllabfuhrgesellschaft, Giovanni Fiscon, sowie vier weitere Personen verantworten.


Gemeinde Rom als Nebenkläger

Am Prozess nimmt die Gemeinde Rom als Nebenkläger teil. Bei der Affäre geht es unter anderem um Korruption und Manipulation bei Auftragsvergaben sowie um Veruntreuung von öffentlichen Geldern. Der Skandal um die „Mafia Capitale“ geht vor allem auf die Zeit zurück, als der rechtsgerichtete Politiker Gianni Alemanno als Bürgermeister von Rom (2008-2013) im Amt war.

Das Hauptverfahren in Zusammenhang mit dem Skandal beginnt am kommenden Donnerstag. 46 Angeklagte müssen sich verantworten. Vor Gericht in Rom steht der 57-jährige Carminati, der sich selbst „Re di Roma“, König von Rom, nannte. Er wurde im vergangenen Dezember verhaftet. Vor Gericht stehen unter anderem auch der Unternehmer Buzzi und der frühere Rechtsterrorist Riccardo Brugia.


Flüchtlinge lukrativer als Drogenhandel

Die Mafia hat ein neues hochrentables Geschäftsfeld - Flüchtlinge! Doch nun wird es eng für einige Minister, Staatssekretäre und Justizbeamte... Sie wurden verhaftet und nun droht ein Justizskandal erster Güte, vor dem sogar der Ministerpräsident Italiens Matteo Renzi zittern muss.

Trotz Hochsicherheitsaula dürfen die Hauptangeklagten, Bandenchef Massimo Carminati und sein Kompagnon, der Unternehmer Salvatore Buzzi, sowie Carminatis rechte Hand, Riccardo Brugia, nicht persönlich vor die Richter treten. Zu hoch sei das Sicherheitsrisiko, urteilte die Gerichtspräsidentin Rosanna Ianniello. Gefahr droht nicht so sehr vonseiten der Angeklagten – in Italien sitzen besonders gefährliche Verbrecher bei brisanten Prozessen in vergitterten Käfigen –, sondern durch mögliche Aggressionen gegen sie. Es drohen Gewalt durch wütend aufmarschierende Bürger und Chaos durch Hunderte Journalisten aus aller Welt. Zu viele Risiken.

Chef der Stadtreinigung, Franco Panzironi


Carminati, früherer Rechtsterrorist und nach einer Schießerei einäugig, "il Guercio" genannt, und Buzzi, ein Mörder, der es nach dem Absitzen seiner Strafe mit Kooperativen für soziale Dienstleistungen zu Reichtum gebracht hatte, waren die Köpfe einer gigantischen kriminellen Organisation. Sie hat über alle Schichten der Gesellschaft hinweg und parteiübergreifend die Stadtverwaltung samt ihren Kassen jahrelang beraubt, unterwandert und geplündert.

Während sich die Bande das Geld aus den Stadtkassen aufteilte, verkam Rom zusehends. Oft versuchten Journalisten und Ermittler, den Grund für unerklärliche Zustände zu finden, aber sie kratzten nur an der Oberfläche einer Welt, von der sie nichts ahnten. Warum war die Stadt so schmutzig? Weil auch der Chef der Stadtreinigung, Franco Panzironi, zu der Bande gehörte. Auch er sitzt jetzt auf der Anklagebank. Warum gab es Chaos in den Aufnahmestationen für Einwanderer? Weil das Geld für diese Einrichtungen von Salvatore Buzzi, dessen Unternehmen mit dem Betreiben dieser Einrichtungen von der Stadt beauftragt war, unter seinen Kumpanen aufgeteilt wurde. Bandenchef Buzzi sagte einmal: "Flüchtlinge bringen mehr ein als der Drogenhandel."




Die Wahrheit über Flüchtlingsströme

Damit hat er Recht, denn derzeit zahlt die italienische Regierung für Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen an „private Unternehmer“ täglich 76 Euro. Nach Schätzungen der Einwanderungsbehörde sind seit Januar 2015 ca. 270.000 Flüchtlinge angelandet und untergebracht – was immer das heißen mag.



Inzwischen steht fest, dass der Carminati-Clan und einige hohe Beamte wie Richter, Staatssekretäre und sogar Minister etwa 60 Euro je Flüchtling und Tag für sich persönlich „abgeschöpft“ haben. Rechnet man den Tagessatz hoch, belaufen sich die Einnahmen der Mafia pro Monat auf etwa 500 Millionen Euro.


Buzzi und Carminati nannten ihre Bande "die Zwischenwelt". Deren Tentakel reichten sowohl ganz nach oben in die Regierung als auch ganz nach unten, in die Welt der kleinen Gauner. Salvatore Buzzi will 282 Zeugen zu seiner Verteidigung auffahren, Minister, Staatssekretäre, Richter. Italien steht ein Justizspektakel bevor.
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