Donnerstag, 14. Januar 2016

Ältester Mafioso der Welt feiert rauschendes Fest

Der Pate Procopio Di Maggio feierte seinen 100. Geburtstag trotz behördlichem Verbot mit einem riesigen Feuerwerk. Der Bürgermeister von Cinisi ist empört — und machtlos.







Malerba non muore mai sagt ein sizilianisches Sprichwort. Übersetzt heißt das etwa «Unkraut vergeht nicht.» Der Satz trifft auf Procopio Di Maggio genau zu. Der einstige Boss der kriminellen Organisation Cosa Nostra wurde vergangene Woche stolze 100 Jahre alt — und ließ sich gebührend feiern.

Doch die pompöse Geburtstagsparty «des ältesten Mafioso der Welt», wie «La Reppublica» schreibt, wird in seinem Heimatdorf Cinisi bei Palermo als reine Provokation verstanden. Zu Recht: In einem Video, das seine Freunde auf Facebook veröffentlichten, zeigt sich Di Maggio lächelnd zwischen Ballons und mit Champagnerglas hinter einem Kuchen in der Form der Zahl 100. Für das Fest wurden Angehörige aus den USA eingeflogen und am Abend sogar ein spektakuläres Feuerwerk gezündet — obwohl das von der Gemeinde ausdrücklich verboten war.


Ein Zeichen der Arroganz

«Ich werde Maßnahmen ergreifen», droht Cinisis Bürgermeister Giangiacomo Palazzolo. «Heute ist Procopio Di Maggio harmlos, aber es bestehen keine Zweifel, dass er und sein Sohn Teil der Mafia sind. Unser Dorf ist das aber nicht.» Was er genau unternehmen kann, ist aber unklar. Mafiaexperte Corrado de Rosa stimmt dem Bürgermeister zu: «Mit der rauschenden Party wollen sie beweisen, dass sie sich nicht vom Staat einschüchtern lassen.» Das Feuerwerk sei ein Zeichen ihrer Arroganz, so De Rosa.

Als ein Journalist der «Repubblica» den Mafiaboss wenige Tage nach dem Fest besuchte, meinte dieser nur: «Mafia? Welche Mafia?» Dann knallte er die Tür zu. Dabei gehörte Di Maggio zuletzt zur Cupola um die berüchtigten Totò Riina alias «Die Bestie» und Bernardo Provenzano. Im Gegensatz zu den gefallenen Paten geniesst Di Maggio seine letzten Lebensjahre als freier Mann. Nur in den 1990er-Jahren wurde er wegen seiner Verbindungen zur Cosa Nostra zu sieben Jahren Haft verurteilt — in 20 Mordanklagen wurde er dagegen freigesprochen.


Ein Leben lang bei der Mafia

Seine Karriere begann er an der Hand eines lokalen Gangsters aus Cinisi, Tano Badalamenti, der im Jahr 1978 den brutalen Mord am Mafia-Kritiker Giuseppe Impastato anordnete. Impastato wurde entführt, an Bahngleise gebunden und in die Luft gesprengt.

Zu Beginn der 80er-Jahre wechselte Di Maggio zur Organisation von Totò Riina und bekam den Posten von Badalamenti. Er brachte seine beiden Söhne ins Geschäft ein, doch diese waren nicht so erfolgreich wie der Vater: Einer von ihnen sitzt derzeit eine zehnjährige Gefängnisstrafe ab, während der andere vor 16 Jahren ermordet und ins Meer geworfen wurde.

«Ich habe neun Leben wie die Katzen», pflegt Di Maggio zu sagen. Zwei davon hat er schon verbraucht: Er entkam zwei Mordanschlägen 1981 und 1983. Im Alter von 100 Jahren hat er demnach also noch immer sieben Leben zu verpulvern.