Montag, 20. Juni 2016

Im Würgegriff der Korruption

Die Ewige Stadt wird von einem umfangreichen Korruptionsnetz im Würgegriff gehalten, das Ende 2014 ans Licht kam. Das mafiöse Netzwerk aus Kriminellen, Unternehmern, Beamten und Politikern, auch "Mafia Capitale" genannt, soll die Verwaltung von Rom unterwandert und Geld in Millionenhöhe unterschlagen haben. Das Netzwerk dealte mit öffentlichen Ausschreibungen statt mit Drogen. Derzeit wird Dutzenden von Verdächtigen der Prozess gemacht.
Rom wird derzeit vom bisherigen Mailänder Präfekten Francesco Paolo Tronca geleitet, nachdem der Bürgermeister Ignazio Marino Ende vergangenen Jahres zurückgetreten war. Der Politiker der Demokratischen Partei war über einen Spesenskandal gestolpert, außerdem war ihm vorgeworfen worden, dem Amt nicht gewachsen zu sein. Eigentlich wäre in Rom erst im übernächsten Jahr gewählt worden.
Kein leichter Job, den sich Virginia Raggi da aufhalsen will. Doch die 37-Jährige ist guter Dinge: "An Entschlossenheit hat es mir noch nie gefehlt." Dem "Mafia Capitale"-System will sie ein Ende bereiten. Das Gesetz müsse richtig angewandt, Angebote müssten geprüft und öffentliche Ausschreibungen nach Leistung vergeben werden, sagt sie.
Raggi ist vor allem davon überzeugt, dass die Römer nach jahrelangen Fehlleistungen der großen Parteien bereit für sie und die Fünf-Sterne-Bewegung sind. "Es ist Zeit, sie alle nach Hause zu schicken", sagt sie über die etablierten Politiker. Ihr Einzug ins römische Rathaus könnte auch der von Beppe Grillo einst als Protestbewegung ins Leben gerufenen Partei Fünf Sterne Aufschwung verleihen. Der Starkomiker hegt große Hoffnungen für seine populistische Partei bei der Parlamentswahl im Sommer .