Freitag, 17. Juni 2016

Pizzamord in Mannheim - Doch Mafia-Hintergrund

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mord an einem Mannheimer Pizzabäcker in Hessen ist deutschen Fahndern wohl ein Coup gelungen: Die spanische Polizei nahm am Montag in Saragossa auf Betreiben der Mannheimer Ermittler einen 43-Jährigen fest - ein DNA-Treffer hatte ihn überführt. Aber gab es noch Mittäter? Einiges spricht dafür. Die Ermittler selbst halten sich bedeckt. "Wir können aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen", erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft heute.



Der in Spanien festgenommene Verdächtige - er war damals 20 Jahre alt - soll den 41-jährigen Wirt am späten Abend des 2. Februar 1993 nahe der Pizzeria im Stadtteil Neckarstadt-West abgepasst und in ein Waldgebiet bei Langen verschleppt haben. Dort wurde der Wirt misshandelt und später mit einem Kopfschuss getötet. Ein Förster hatte die Leiche des Italieners gefunden. Es war ein "Mord nach Mafia-Art" hatte der "Mannheimer Morgen" am 5. Februar 1993 geschrieben.

Fest steht: Gesucht wurde damals nach mehreren Tätern. Die Polizei in Offenbach hatte nach der Tat eine Belohnung von 5000 Mark für Hinweise ausgesetzt, die auf die Spur der Mörder des Pizzabäckers führen sollten, der in Ludwigshafen gewohnt hatte. Demnach hatten die Täter das dunkelblaue Auto des Opfers offenbar im Mannheimer Stadtteil Neuostheim in Brand gesteckt. Die Festnahme in Spanien geschah aufgrund der Infos von Mannheimer Fahndern: "Die Deutschen haben den Mann nach und nach eingekreist", sagte heute eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur in Saragossa. Der Verdächtige sitze in Auslieferungshaft. Er ist demnach in Weinheim geboren, lebte 20 Jahre in Mannheim und siedelte dann nach Saragossa über.