Mittwoch, 17. Juni 2015

Rom in den Klauen der Mafia


Von Paul Krainer

Mafia und Politik haben sich auf Kosten der italienischen Hauptstadt jahrelang bereichert. Wird Roms Stadtregierung demnächst zwangsweise aufgelöst?





Starke tausend Seiten soll der Bericht umfassen. Zwischen zwei Verhaftungswellen – die erste im Dezember 2014, die zweite nun exakt sechs Monate später – haben ihn drei Spezialisten des Innenministeriums erstellt. Nun ist das Werk fertig, bis Oktober muss die Regierung entscheiden. Leitfrage: Ist Rom tatsächlich derart von der Mafia durchseucht, sind dort fortgesetzt so viele amtliche Gesetzesbrüche begangen worden, dass Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung entlassen werden müssen und Italiens Hauptstadt einen Regierungskommissar als Zwangsverwalter braucht?

„Es geht nicht mehr anders“, sagten in den vergangenen Wochen die einen Verfassungsjuristen; die anderen entgegneten: „Ihr könnt doch nicht ein Antimafia-Gesetz, das für sizilianische und kalabrische Bergdörfer entworfen worden ist, auf eine 2,8-Millionen-Stadt anwenden, noch dazu auf eine, die sich um Olympia 2024 bewirbt und die fürs Heilige Jahr von Dezember an Millionen von Besuchern erwartet. Wie sieht das denn aus?”

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Doch die Lage ist desaströs. Auf die gut 40 Verhaftungen vor einem halben Jahr folgten jetzt 44 weitere. Alles Kommunalpolitiker sowie politisch verstrickte Unternehmer. Und hatten die Antimafia-Fahnder im Dezember zunächst das vordem undurchdringliche, rechte oder rechtsextreme Unterholz des früheren Bürgermeisters Gianni Alemanno (2008-13) gelichtet, so trafen sie nun die derzeit regierenden Sozialdemokraten.

Mirko Coratti zum Beispiel, der gewesene Präsident des Gemeinderats, sitzt in Untersuchungshaft, genauso wie der Assessor für Wohnungsbau, Daniele Ozzimo, und – noch schlimmer für die Partei von Ministerpräsident Matteo Renzi: Aufgedeckt ist ein recht halbseidenes Geflecht von persönlichen Interessen, von Bestechung, Selbstbedienung, Wahlbetrug und von Hörigkeit gegenüber den beiden Bossen, die bis zu ihrer Verhaftung vor sechs Monaten die Ewige Stadt regierten. „Wir sollten vielleicht“, gibt ein altgedienter städtischer Sozialdemokrat sogar schon zu bedenken, „bei den Bürgern um Entschuldigung bitten.“


Funktionsträger standen auf der Gehaltsliste der Mafia

Herausgekommen ist, dass öffentliche Funktionsträger, Amtsleiter, Politiker, Gemeinderäte wie Coratti regelrecht auf der Gehaltsliste der Mafia standen. Bezahlt wurden zwischen 1000 und 20.000 Euro (!) monatlich. “Man muss die Kuh füttern, bevor man sie melken kann”, sagte Salvatore Buzzi am Telefon. Buzzi hat beides ausführlich getan über Jahre hinweg. Er war der “Linke” in der Hauptstadt-Mafia; der zweite war der im rechtsextremen, rechtsterroristischen Milieu Roms groß gewordene Massimo Carminati. “Rot“ und „Schwarz“ nach italienischer Farbenlehre  ergänzten sich in der “Mafia Capitale” so perfekt, dass sie über alle politischen Wechselfälle hinweg ihre Geschäfte machen konnten, „mit den klassischen Mafia-Mitteln Einschüchterung, Gewalt und Korruption“, wie die Ermittler sagen.



„Es geht nicht mehr anders“, sagten in den vergangenen Wochen die einen Verfassungsjuristen; die anderen entgegneten: „Ihr könnt doch nicht ein Antimafia-Gesetz, das für sizilianische und kalabrische Bergdörfer entworfen worden ist, auf eine 2,8-Millionen-Stadt anwenden, noch dazu auf eine, die sich um Olympia 2024 bewirbt und die fürs Heilige Jahr von Dezember an Millionen von Besuchern erwartet. Wie sieht das denn aus?”

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Doch die Lage ist desaströs. Auf die gut 40 Verhaftungen vor einem halben Jahr folgten jetzt 44 weitere. Alles Kommunalpolitiker sowie politisch verstrickte Unternehmer. Und hatten die Antimafia-Fahnder im Dezember zunächst das vordem undurchdringliche, rechte oder rechtsextreme Unterholz des früheren Bürgermeisters Gianni Alemanno (2008-13) gelichtet, so trafen sie nun die derzeit regierenden Sozialdemokraten.

 „Geholfen hat ihnen, dass es in der römischen Gesellschaft keine Antikörper gegen die Mafia gibt“, ergänzt der Journalist Lirio Abbate. Er hat schon ein Jahr vor den ersten Verhaftungen die wahren “Könige Roms” beschrieben, und – wie er sagt – im Prinzip nur eines erreicht: „Als die Leute aus meinem Dossier erfahren haben, was dieser einäugige Carminati so alles hinkriegt, da haben sie keine Distanz genommen, im Gegenteil. Da sind noch viel mehr Römer zu ihm gepilgert, um ihre Probleme mit Bürokratie, Verwaltung, Geschäft lösen zu lassen.“

War Carminati (57) der politische Troubleshooter und – den Ermittlern zufolge – derjenige, dessen Name allein genügte, um Römer in Ehrfurcht oder Angst erstarren zu lassen, so leitete Buzzi (59) das Wirtschaftsimperium der „Mafia Capitale”. 1980 wegen Mordes verurteilt, dann zum Modell-Häftling avanciert, der auch politische Initiativen für einen alternativen Strafvollzug und für Resozialisierung lancierte, hatte sich Buzzi schon aus dem Knast in der linken Hälfte der italienischen Politik dermaßen gut vernetzt, dass ihm nach seiner – natürlich vorzeitigen – Entlassung alle Türen offen standen.

Buzzi gründete, häufig mit ehemaligen Strafgefangenen, zahlreiche Kooperativen, die der Stadt Rom beim Bewältigen aller möglichen Notlagen halfen: vom Schneeräumen über die Müllentsorgung bis zur Unterbringung von Asylbewerbern. Ein Imperium von 1200 Angestellten und 60 Millionen Euro Jahresumsatz kam da schließlich zustande – allerdings an der Legalität vorbei und gegen Provision.

Aufträge gingen ohne Ausschreibung oder Kostenprüfung raus
Durch sein Bündnis mit Carminati und durch konsequente, ebenso monetäre wie mafiöse „Beziehungspflege” erhielt Buzzi einen öffentlichen Auftrag nach dem anderen, alles ohne  Ausschreibung und Kostenprüfung.

Großaufträge wurden in so kleine Pakete zerteilt, dass die Machenschaften nicht aufflogen, und wenn es dazu – oder für die angeblich „rein Notlagen bedingte“ Sonderfinanzierung von Arbeiten – eines speziellen Gemeinderatsbeschlusses bedurfte, über das offizielle Stadtbudget hinaus, dann wusste Buzzi, dass er nur mal kurz ein paar Leute anrufen musste. Journalist Abbate hat nachgerechnet: „Alle diese Aufträge hätten den Steuerzahler im Normalfall 40-50 Millionen Euro gekostet; Buzzi hat 150 Millionen Euro erhalten.“

Doch jetzt scheint es selbst Marino an den Kragen zu gehen. Regierungschef Renzi, bei den Regionalwahlen allzu düpiert, will wieder einmal „Zeichen der Erneuerung“ setzen, wo immer das auf Applaus stößt. Wenigstens das Heilige Jahr als römischen Groß-Event will er offenbar der  Verwaltung Marinos entziehen und in die „sauberen“ Hände von Franco Gabrielli legen. Der 55jährige hat einschlägige Erfahrung: zuvor Leiter des Inlandsgeheimdienstes, wurde Gabrielli Chef beim nationalen Katastrophenschutz, als nach dem Erdbeben von L’Aquila 2009 just diese für Aufarbeitung und Wiederaufbau entscheidende Behörde in einem Korruptionsskandal unterzugehen drohte. Auch für die Bergung der „Costa Concordia“ war Gabrielli als oberster Staatsfunktionär zuständig. Passt doch alles wunderbar für die Ewige Stadt dieser Tage...

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Giftmüll Auf Mailänder Expo-Gelände

Auf dem Expo-Gelände in Mailand wurde Giftabfall verscharrt. Der Mafia-Experte Nando dalla Chiesa erklärt, wie so etwas möglich ist.




NZZ: Warum ist es so schwer, die Korruption in Italien zu bekämpfen?

Nando dalla Chiesa: Sie sitzt fest in den Köpfen der Menschen. In der italienischen Mentalität muss sich etwas ändern. Überall wird korrumpiert. In Mailand wurde zum Beispiel eine private Jugendherberge geschlossen, weil der Besitzer versäumte, den zuständigen städtischen Beamten zu schmieren. Mit dem Bestechungsgeld für ein Spital in Pavia hätten 2000 Studenten Stipendien erhalten können.


Mit neuen Gesetzen will der Regierungschef Renzi Korruption bekämpfen. Wird ihm das gelingen?

In einem korrupten Land werden Politiker immer Gründe finden, um Gesetze zu stoppen, die Unternehmer daran hindern, mit Bestechungsgeld Vergünstigungen zu erhalten. Solange ich Parlamentsabgeordneter war, wurde kein einziges Antikorruptionsgesetz verabschiedet. Damals liefen die landesweiten Ermittlungen «Mani Pulite». Dennoch gab es keine Umkehr. Das ist schon bitter.


Lesen Sie dazu den brandneuen Mafiaroman...


Warum versagten die Kontrollen bei der Expo Mailand? Was wurde versäumt?

Schon im Vorfeld der Weltausstellung haben meiner Ansicht nach korrupte Politiker der Region, die inzwischen jedoch abgewählt wurden, die Voraussetzungen dafür geschaffen. Zu Beginn der Bauarbeiten auf dem Messegelände waren während der ersten Monate die elektronischen Kontrollen an den Zufahrten ausser Betrieb. So konnten Lastwagen durchfahren, ohne dass ihre Fracht kontrolliert wurde. Giftabfälle konnten vergraben werden. Bei nächtlichen Kontrollen wurden Arbeiter enttarnt, die für die kalabrische Mafia arbeiteten. Sie trugen Arbeitsanzüge, die den Namen der Firma trugen, die ganz offiziell den Bauauftrag gewonnen hatte. Solche Tricks klingen lächerlich. Wenn aber der Wille für effiziente Kontrollen fehlt, werden solche illegale Geschäfte nicht entdeckt.


Konnten inzwischen die Lücken bei den Kontrollen geschlossen werden?

Wahrscheinlich wird man bis zum Ende der Expo im Oktober auf die Mafia stossen. Meiner Ansicht nach ist der Catering-Service jetzt ein heikler Bereich. Bisher wurden an die 70 Firmen wegen Unterwanderung durch die Mafia abgewiesen. Das ist nicht wenig.


Warum gibt es keine Bewegung gegen Korruption? Auf Sizilien wurde die Cosa Nostra durch Proteste doch geschwächt.

Bombenattentate hinterlassen Spuren, sie rütteln auf. Korruption macht keinen Lärm, man sieht sie nicht. Das ist einer der Gründe, warum sie so schwer zu bekämpfen ist.
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Bestechung – strategische Waffe der Mafia


Italien gilt als das korrupteste Land Europas. Das organisierte Verbrechen arbeitet heute vorzugsweise mit Bestechung statt mit Gewalt.




Ein Kilometer der Hochgeschwindigkeitsstrecke Mailand–Turin verschlingt 74 Millionen Euro. In keinem anderen Land Europas ist Infrastruktur so teuer wie in Italien. In Spanien kostet die Strecke Madrid–Valladolid gut 30 Millionen Euro pro Kilometer. In Frankreich genügen auf der Strecke Lyon–Paris weniger als 2 Millionen Euro pro Kilometer. 

Die Erhebung der amerikanischen Reason Foundation bestätigt, was die Italiener längst wissen: Ihr Land ist durch und durch korrupt. Bei jedem dritten öffentlichen Bauauftrag gehe es nicht mit rechten Dingen zu, heißt es im jüngsten Jahresbericht der Finanzpolizei Guardia di Finanza. Korruption macht Italien arm. Jedes Jahr werden nach offiziellen Schätzungen rund 60 Milliarden Euro dem Staat und der Privatwirtschaft geraubt. 

Bestechung und Bestechlichkeit sind für Raffaele Cantone, den Chef der vor einem Jahr geschaffenen nationalen Antikorruptionsbehörde, das schlimmste aller italienischen Übel. Korruption, sagt er, sei das Virus, das die ganze Gesellschaft verseucht habe. Italien sei das korrupteste Land Europas, behaupten auch Vertreter von Transparency International. Es ist demnach noch korrupter als Bulgarien und Griechenland, die lange Zeit die Rangliste anführten.


Geld und Gefälligkeiten

Schmiergeld floss beim Bau des Hochwasserschutzes «Mose» für Venedig und bei den Vorbereitungen für die Expo in Mailand. Von einer «Cupola», ähnlich strukturiert wie die sizilianische Mafia, sprach die Staatsanwaltschaft, als sie im letzten Jahr einen Bestechungsring in Rom auffliegen ließ. Dieser hatte sogar aus Sozialhilfe für Gefängnisinsassen und Einwanderer Profit geschlagen.

Kürzlich musste Verkehrsminister Maurizio Lupi zurücktreten, weil er falsche Freunde hatte, die wegen Korruptionsverdacht verhaftet wurden. Die beiden Festgenommenen hatten dem Sohn des Ministers einen Posten besorgt und ihn mit teuren Geschenken verwöhnt. Der Minister war deshalb für Ministerpräsident Matteo Renzi nicht mehr tragbar. Wegen unlauterer Geschäfte wurde vor kurzem auch der Bürgermeister von Ischia festgenommen. Er hatte beim Bau von Gasleitungen auf der Ferieninsel eine Firma begünstigt, die ihm 300 000 Euro in bar zuschob, seiner Familie eine Ferienreise nach Tunesien schenkte und seinem Bruder eine feste Stelle besorgte.

Aber auch im kleineren Rahmen wird überall bestochen. So wunderte sich eine junge Wirtin in einem kleinen Ferienort am Comersee, warum nie Gäste einer nahe gelegenen Ferienanlage bei ihr essen. Sie hatte versäumt, wie ihr später ein Freund erklärte, an der Rezeption einen Briefumschlag mit Geld für den Portier zu hinterlegen.

«Für Italiener ist Korruption eine ganz natürliche Sache», sagt der Mailänder Soziologe und Politologe Nando dalla Chiesa. Vor ein paar Jahren gründete er die Beobachtungsstelle Organisiertes Verbrechen, die vor allem die Machenschaften der ursprünglich kalabrischen 'Ndrangheta im Norden Italiens untersucht. «Die Mafia gedeiht mit der Korruption, und Korruption gedeiht durch die Mafia», sagt der 65-jährige Universitätsprofessor, der an der Università degli Studi in Mailand im Fachbereich Soziologie des organisierten Verbrechens unterrichtet. Er war zudem Parlamentsabgeordneter und ist Autor mehrerer Bücher über Mafia und Korruption. Sein Vater, der Polizeigeneral Carlo Alberto dalla Chiesa, wurde 1982 von der Mafia in Sizilien umgebracht.

Jahrzehntelang terrorisierte die Mafia Italien. Als 1992 Mafia-Killer die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Emanuele Borsellino mit Sprengstoff in die Luft jagten, war ganz Italien schockiert. Der Gesetzgeber erließ strengere Gesetze, und die Bevölkerung fing an, sich gegen die Gewalt der Mafia zu wehren. Diese wurde dadurch nicht ausgerottet, aber geschwächt. Sie änderte ihre Methoden. Die Mafia machte, um sich auszubreiten, Korruption zur «strategischen Waffe», wie es im jüngsten Bericht der nationalen Antimafia-Kommission heißt Das Kalkül war einfach. «Mit Morden riskiert die Mafia hohe Gefängnisstrafen, Korruption birgt jedoch keine große Gefahr», sagt dalla Chiesa.

Der Gesetzgeber tat in den vergangenen 20 Jahren viel, um gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen. «Korruption und Wirtschaftskriminalität wurden aber ausgeblendet», kritisiert der Staatsanwalt Franco Roberti. Dabei drangen Mitglieder des organisierten Verbrechens inzwischen bis in die Spitze italienischer Wirtschaftsunternehmen vor, vor allem im Norden Italiens. So konnten sie den Wiederaufbau nach den Erdbeben in der Emilia Romagna und den Abruzzen ebenso kontrollieren wie die Baustellen für die Expo.


Schutz für Verbrecher

Anders als die meisten Italiener haben Mafiabosse keine Liquiditätsprobleme. Sie seien offenbar die Einzigen, die noch Geld zum Investieren hätten, sagen Staatsanwälte. Aus Ermittlungsakten geht hervor, dass es keine Ausnahme mehr ist, wenn sich Wirtschaftsmanager, Verwaltungsdirektoren, Politiker und auch Mitglieder der Sicherheitskräfte in Gesellschaft von Clan-Mitgliedern befinden und sich mit Geld und Gefälligkeiten korrumpieren lassen. «Bestechung schafft stille Komplizenschaft, die anders als Bomben keinen öffentlichen Protest hervorruft», sagt der Soziologe dalla Chiesa.

Mit strengeren Gesetzen will die Regierung Renzi der Korruption nun Einhalt gebieten. Im Parlament wird allerdings um jedes Komma gerungen, wenn etwa die Verjährungsfrist bei Fällen von Bestechung um ein gutes Jahr auf acht Jahre und neun Monate verlängert werden soll. Ob das abschreckt? In Italien fehlt es bei vielen immer noch am politischen Willen, gegen Bestechung vorzugehen.

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Dienstag, 16. Juni 2015

Erneut große Mafia-Güter von der Polizei beschlagnahmt

Die Finanzpolizei ist heute erneut gegen Salvatore Buzzi vorgegangen. Er gilt, zusammen mit Mafia-Boss Massimo Carminati, als Drahtzieher der organisierten Kriminalität der Hauptstadt.



  
Die Finanzpolizei Roms hat heute Güter der Immobilienfirma Sarim Immobiliare im Wert von 16 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Firma war unter anderem im Besitz von Salvatore Buzzi und von zwei Unternehmen, die ihm und dem Mafia-Boss Massimo Carminati angehörten: Das 29 Giugno Coop.Sociale Onlus und das Formula Sociale a.r.l. Onlus. Die Sarim Immobilare besaß eine Immobilie mit 3000 Quadratmeter Fläche in dem Umland Roms. Hier wurden Flüchtlinge, Frauen und Minderjährige aufgenommen.


 Salvatore Buzzi


Bereits im Dezember 2014 hatten Ermittler den Skandal um die Mafia Capitale, die Hauptstadtmafia, aufgedeckt. Im Rahmen der Operation Mondo di mezzo, hatte die Polizei Dutzende Verdächtigte festgenommen. Dabei war eine enge Verbindung zwischen der Mafia, Politikern, Verwaltern und Unternehmern ans Licht gekommen. Die Ermittlungen drehten sich vor allem um den römischen Mafiaboss Massimo Carminati, der sich selbst “König von Rom” nannte. Der ehemalige neofaschistische Terrorist sitzt seitdem im Gefängnis.

Carminatis Partner war Salvatore Buzzi, ein Unternehmer mit einer Vergangenheit als Häftling. Bis 1991 hatte Buzzi im Knast gesessen und gründete bereits während der Gefangenschaft eine Genossenschaft zur Resozialisierung von Straftätern. Buzzi hatte ein Genossenschaftsimperium aufgebaut und verdiente Geld unter anderem mit Roma- und Flüchtlingscamps.

Montag, 15. Juni 2015

41 Tonnen Marihuana beschlagnahmt

Der mexikanischen Polizei ist ein Schlag gegen die Rauschgiftmafia gelungen. 



In Tijuana im Nordwesten Mexikos an der Grenze zu den USA beschlagnahmten die Beamten 41,6 Tonnen Marihuana, wie lokale Medien berichten. Das Rauschgift lagerte im Keller eines Hauses und wurde in unmittelbarer Nähe am Rande einer Landstraße vernichtet. General Gabriel Garcia Rincón sprach von einem erfolgreichen Schlag gegen die organisierte Kriminalität. Es handele sich um die größte in diesem Jahr sichergestellte Marihuanamenge im Bundesstaat Baja California.

Sonntag, 14. Juni 2015

Operation weiße Weste

Eine ARTE-Dokumentation von Anna Ringle

Ein Hafen im Süden Italiens. Drogenhunde schnuppern an Transportern. Hier wurden Zollbeamte schon häufig fündig. Denn der Containerhafen, so bezeichnet es die TV-Dokumentation „Operation weiße Weste“, ist ein Drogenumschlagplatz der ’Ndrangheta. Sie gehört zu den mächtigsten Mafiaorganisationen Europas. Arte strahlt den Film an diesem Dienstag (20.15 Uhr) als Teil eines Themenabends über den internationalen Drogenschmuggel aus.




Der Zoll liefert beeindruckende Zahlen: 5,5 Tonnen Kokain seien seit Ende 2011 am Hafen Gioia Tauro gefunden worden. Angestellte des Hafens seien schon verhaftet worden, weil sie Teil des Mafia-Netzwerks seien.

Beamte bauen Drogenpakete auf Tischen zu großen Türmen auf. Sie fanden auch immer wieder gefälschte Siegel an den Containern. Das spreche dafür, dass die Container auf dem Weg zu dem Hafen geöffnet und die Drogen dort verstaut würden.

In Kalabrien ist die ’Ndrangheta in lokale Clans unterteilt. So kontrollieren sie seit Jahrzehnten weite Teile der Region, wie aus der Doku hervorgeht. Der geschätzte Jahresumsatz der Mafia-Organisation liege bei mehr als 50 Milliarden Euro. Ausschnitte aus Polizeivideos zeigen ein herrschaftliches Mafia-Haus mit integriertem Fluchtweg, andere Sequenzen ein Aufnahmeritual in den Mafia-Clan.
„Wenn ich das Haus verlassen will, muss ich die Polizei rufen“
Schnell wird in der rund 50 Minuten langen Doku deutlich: Wer sich mit der Mafia anlegt, dessen Leben ist danach ein anderes.

Ein Journalist beschreibt, dass sich seit seinen Recherchen alles verändert habe. „Wenn ich das Haus verlassen will, muss ich die Polizei rufen, die mit einem gepanzerten Fahrzeug kommt“, sagt er.
Ein italienischer Oberstaatsanwalt betont: „Mir wurden auch abgehörte Gespräche vorgespielt, in denen es darum ging, wie ich umgebracht werden sollte.“ Er vermeide es, sich an öffentlichen Orten aufzuhalten. „Ich war seit fast 30 Jahren nicht im Kino.“

Das Geld aus dem Drogengeschäft nutzt die ’Ndrangheta laut Staatsanwalt unter anderem dafür, um Immobilien in anderen Ländern zu kaufen. Es gehe dabei auch um Prestige und Machtdemonstration. Die Mafia-Struktur sei geprägt durch familiäre Bindungen. Dadurch sei auch sichergestellt, dass so gut wie niemand mit der Justiz kooperiere.


„Viele Leute tragen Angst in sich“

Regisseur Edgar Wolf sagte zu den Dreharbeiten in Italien: „Es ist spürbar, dass viele Leute eine Angst in sich tragen.“ Es habe lange gedauert, bis das Team Vertrauen schaffen konnte. Die Doku zeigt zugleich, dass es immer wieder Erfolge im Kampf gegen die ’Ndrangheta gibt. Ein Beispiel: Ein vom Staat konfisziertes Mafia-Gelände wird jetzt von einer Kooperative bewirtschaftet.

Im Anschluss sendet Arte zwei weitere Dokumentationen. „Im Visier der Kartelle“ beschäftigt sich mit dem Drogenkrieg im Westafrika. Ermittler sprechen davon, dass die Region eine Transitzone für Drogenbanden sei: Aus Lateinamerika gelange Kokain über Afrika nach Europa. Um 22.10 Uhr geht es in einer weiteren Doku („Drogen: Amerikas längster Krieg“) um den Kampf gegen den Drogenhandel in den USA.

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Freitag, 12. Juni 2015

Wie schaffen es Mafiosi, unterzutauchen?



Immer mal wieder geht den Strafverfolgungsbehörden ein Mitglied eines italienischen Verbrechenssyndikats ins Netz, das sich seit vielen Jahren auf der Flucht befindet. Eigentlich alle von ihnen gehören zu einer der drei großen Organisationen: der ehemals dominanten Cosa Nostra, der aufstrebenden 'Ndrangheta und der verlässlichen Camorra.


 Bostoner Gangster James „Whitey" Bulger


Und sie tauchen überall auf der Welt auf: auf abgelegenen Bauernhöfen in Italien (wo ein Boss der Cosa Nostra sich 43 Jahre lang verstecken konnte, bis er 2006 gefasst wurde), in anständigen englische Vororten oder in Recife, Brasilien, wo die dortige Polizei letzten Monat den jüngsten großen Fang gemacht hat: einen Camorra-Boss, der es geschafft hatte, mit neuem Gesicht und neuem Namen eine neue Familie zu gründen—und das für 28 Jahre.

Wenn du öfters von solchen Langzeit-Flüchtigen liest, dann bekommst du schnell den Eindruck, dass es eigentlich keine große Sache sein kann, so lange unter dem Radar zu bleiben.

Für fast alle anderen Verbrecher sind aber selbst zehn Jahre auf der Flucht etwas unglaublich Außergewöhnliches. Als es US-Beamten 2011 endlich gelang, den berühmt-berüchtigten Bostoner Gangster James „Whitey" Bulger zu verhaften—der Vorlage für Jack Nicholsons Rolle in Departed – Unter Feinden—galt es als großes Wunder, dass er es geschafft hatte, 16 Jahre lang unentdeckt zu bleiben. Diese 16 Jahre waren aber letztendlich auch nur ein Bruchteil von dem, was der eine oder andere flüchtige Mafioso schafft...

Natürlich schafft es nicht jeder Mafioso, sich über so einen langen Zeitraum dem langen Arm des Gesetzes zu entziehen. Letztes Jahr wurden in Italien über hundert Mitglieder der 'Ndrangheta festgenommen. Und nicht jeder Mafioso versucht sich seiner Strafe zu entziehen, indem er flieht und eine neue Identität annimmt. 2011 wurde ein Mitglied der 'Ndrangheta festgenommen, das in einem luxuriös ausgestatteten Bunker auf einem Schrottplatz versucht hatte auszuharren, bis der Trubel um ihn wider abgeflaut war.


Nichtsdestotrotz fragt man sich allein bei der schieren Zahl von Mafiosi, die es schaffen so lange auf der Flucht zu bleiben, ob diese nicht einfach besser im Verstecken sind als andere Kriminelle—und wenn ja, warum?

Um herauszufinden, warum wir so viele Geschichten über Mafiosi hören, die seit Jahrzehnten auf der Flucht sind, habe ich mich mit Howard Blum in Verbindung gesetzt. Blum ist ein ehemaliger Investigativ-Journalist der New York Times und Autor des Buches Gangland: how the FBI Broke the Mob, in dem es vor allem um John Gotti, einem Mitglied der amerikanisch-italienischen Gambino-Mafia und seine Flucht vor dem Gesetz geht. Um auch noch etwas über flüchtige Kriminelle zu erfahren, die nicht zur Mafia gehören, habe ich Richard Lehr kontaktiert


Ist die italienische Mafia besser als andere kriminelle Vereinigungen darin, Menschen über so lange Zeit im Untergrund verschwinden zu lassen oder außerhalb des Landes zu befördern? 

Richard Lehr: Sie verfügt in der Tat über eine Organisationsstruktur, die viele andere Kriminelle nicht haben. Viele flüchtige Normalverbrecher sind auf sich allein gestellt. Das war auch der Fall bei Whitey Bulger. Die Mafia verfügt aber definitiv über eine gute internationale Vernetzung. Wenn also jemand fliehen muss, kann er in irgendeinem fremden Dorf auftauchen und dort ein neues Leben anfangen.

William Blum: Ich glaube nicht, dass es einen bestimmten Teil in diesen Organisationen gibt, der nur darauf ausgelegt ist, Leute verschwinden zu lassen. Es gibt zwei Dinge: Einmal ist da der gesunde Menschenverstand. Natürlich änderst du dein Aussehen und hältst dich von den Leuten fern, mit denen du früher immer zusammen warst. Zum anderen wirst du es, falls dich doch jemand ausfindig machen sollte, mit Einschüchterungen versuchen. Du arbeitest mit Furcht.


Warum ist es so schwer für normale Verbrecher, alle Verbindungen zu kappen und einfach abzuhauen? 

William Blum: Ich würde sagen, dass das eine bestimmte psychische Stärke ist, über die manche Menschen verfügen. Die können ihre Vergangenheit einfach hinter sich lassen. Die können jegliche Verbindungen zu ihrer Familie einfach so kappen. Sie könne auch alle Verbindungen zum Mob trennen und isoliert leben. Wenn du es schaffst, das Gangsterleben an den Nagel zu hängen, hast du auch eine wesentlich bessere Chance, mit deiner neuen Identität durchzukommen.

Lehr: Das ist eine der schwersten Hürden für jeden, der auf der Flucht ist. Und es ist schon wirklich beachtlich, wenn es irgendjemand geschafft hat, 20 oder 30 Jahre so zu leben. Vor allem wenn du bedenkst, dass die früher alle mal hohe Positionen hatten.

Wenn du auf der Flucht bist, musst du nicht nur deine ganzen Verbindungen kappen, du musst auch noch einen Weg finden, um [dein Ego] runterzukriegen—oder andere Mittel und Wege zu finden, deine egomanische Ader zu befriedigen. Würdest du eine Untersuchung machen, kämst du wahrscheinlich zu dem Ergebnis, dass viele dieser Leute ziemlich schnell gefasst werden. Sie wissen eben nicht genau, was sie tun. Die wissen nicht, was sie machen sollen, wenn sie nicht mehr an der Straßenecke in ihrer alten Nachbarschaft stehen. Sie rufen also ihre alten Freunde an und bitten die um Hilfe. Und dann haben sie die US Marshals an der Backe. Es braucht schon eine Menge Disziplin unterschiedlichster Art, um so etwas durchzuziehen.


Warum ist die Mafia so erfolgreich darin, Leute hervorzubringen, die es wirklich schaffen, all ihre Verbindungen zu kappen und dann Jahre oder sogar Jahrzehnte im Untergrund zu leben? 

Blum: Ich würde sagen, dass die Organisationsstruktur eine Rolle dabei spielt. Es ist die Mafia und du hast eine bestimmte Position in der Mafia. Es ist deine Identität als Mafioso, die dich zum Teil der Gruppe macht. Du bist ein Soldat. Du bist ein Capo. Du bist jemand in dem Regime. Sobald du dich selbst von dieser Gruppe trennst, sobald du nicht mehr diese Identität hast, definierst du dich neu. Und du lebst dann diese neue Definition von dir.

Du bist vielleicht noch immer ein harter Hund, aber eben nicht mehr der harte Hund der Mafia. Du hast keine anderen Mafiosi mehr, die dir den Rücken stärken. Du lebst also vorsichtiger und bescheidener.


Wie schaffen es Mafiosi, so weit zu fliehen und dann ohne ihre Gangs zu überleben? 

Blum: Leute, die Zugriff auf irgendwelche Geldmittel haben, kommen weiter und können länger im Versteck überleben.

Lehr: Whitey wusste, dass er wahrscheinlich eines Tages untertauchen muss. Also versteckte er Geld in Schließfächern. Wenn du es schlau angehst, planst du für solche Eventualitäten vor. In der Mafia können sie dir, wenn du einen Weg findest und noch angesehen bist, aushelfen und dir alles besorgen, was du brauchst.

Von den nicht-Mafiosi haben das aber nicht viele. Die sind auf sich allein gestellt. Und es ist riskant und dumm, seine alten Nachbarn anzurufen und zu sagen, „Hey, ich brauch etwas Unterstützung."


Wie außergewöhnlich ist es für den Durchschnittsverbrecher, über Jahrzehnte dem Gesetz zu entfliehen? 

Lehr: Ich habe keine Zahlen oder Daten, aber aus meiner Erfahrung mit den US Marshals, deren Job es ist, Flüchtige zu finden, würde ich sagen, dass [Bulger] zu einer absoluten Minderheit von Leuten gehört, die es schaffen so lange auf freiem Fuß zu bleiben, ohne irgendwelchen Mist zu bauen.


Wie viele seit langer Zeit gesuchte Verbrecher und Mafiosi sind momentan auf der Flucht? 

Blum: Ich glaube, es sind ziemlich viele. Je länger du von Zuhause weg bist, desto besser kommst du damit durch—wenn du dein altes Leben nicht zu sehr vermisst. Letztendlich können viele von ihnen aber einfach nicht ändern, wer sie sind.

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Sonntag, 7. Juni 2015

Mafia Capitale verdient an Flüchtlingen 500 Millionen

Die Liste der Verhafteten liest sich wie das "Who's who" der Römer Lokalpolitik der vergangenen Jahre: Hinter Gitter oder in Hausarrest wanderten am Donnerstag ehemalige Fraktionschefs, leitende Beamte und Unternehmer.




Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung mafiösen Typs sowie diverse Korruptionstatbestände und Geldwäsche vor. Die Römer Mafia soll sich vorab bei der Betreuung von Flüchtlingen unrechtmäßig bereichert und dafür gesorgt haben, dass die öffentlichen Vergaben für die Betreibung von Flüchtlingsunterkünfte an die richtigen Personen und Genossenschaften gingen. Mitgemischt hat das Kartell aber auch im sozialen Wohnbau und bei der Pflege der städtischen Grünflächen.

Der Kopf der Bande, der ehemalige Rechtsterrorist Massimo Carminati, war schon im Dezember verhaftet worden – zusammen mit drei Dutzend Komplizen, die sich ebenfalls im Dunstkreis der Römer Lokalpolitik bewegten. Der heute 56-Jährige war einst führendes Mitglied der neofaschistischen Nuclei Armati Rivoluzionari (Bewaffnete revolutionäre Zellen, NAR), die für 30 politische Morde verantwortlich gemacht werden. Später wechselte er zur "Magliana-Bande", einem berüchtigten Römer Verbrecherkartell, das enge Kontakte zur Camorra und der Cosa Nostra unterhielt. Carminati wird von der Halbwelt der Ewigen Stadt ehrfürchtig "König von Rom" genannt.


Skandal erfasst Regierung

Auf der Gehaltsliste des Rechtsextremisten Carminati befanden sich Lokalpolitiker jeder Couleur, auch mehrere stadtbekannte Mitglieder des Partito Democratico (PD) von Regierungschef Matteo Renzi. Der ehemalige Stabschef des früheren PD-Bürgermeisters Walter Veltroni hat laut den Ermittlern vom Carminati-Syndikat ein fixes Monatsgehalt von zunächst 10.000 Euro bezogen, das später auf 20.000 Euro erhöht wurde, nachdem er 2014 dafür gesorgt hatte, dass ein neues Flüchtlingsheim von der "Mafia Capitale" betrieben werden konnte. Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass auch gegen den Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Giuseppe Castiglione von Renzis Koalitionspartner NCD, ermittelt wird: Der Skandal hat die Regierung erfasst.

Im Visier der Römer Staatsanwälte befindet sich auch die Führungsriege der katholischen Genossenschaft "La Cascina" mit Sitz in Rom. Sie betreibt im Auftrag des Staats im ganzen Land Flüchtlingseinrichtungen, unter anderem das Erstaufnahmezentrum im sizilianischen Mineo, mit 4.000 Bewohnern das größte Flüchtlingslager Europas.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwälte ist "La Cascina" von der Römer Mafia unterwandert; der Auftrag zum Betrieb des Zentrums in Mineo soll durch ein kräftiges Schmiergeld erkauft worden sein. Der Antikorruptionsbeauftragte der Regierung, Raffaele Cantone, erwägt nun die Entsendung eines Staatskommissärs nach Sizilien, zumal in Mineo schon die Bauausschreibung nicht lupenrein erfolgt war.


25.000 neue Asylanträge im Jahr 2015

Dass sich die Römer Mafia auf das Geschäftsfeld der Flüchtlingsbetreuung konzentriert hat, ist kein Zufall: Wegen des starken Anstiegs der Zahl der Bootsflüchtlinge fließen Unmengen öffentlicher Gelder. Allein seit Anfang des Jahres wurden in Italien 25.000 neue Asylansuchen gestellt; insgesamt werden mehr als 80.000 Flüchtlinge betreut. Die Betreuung der Immigranten ließ sich der Staat im vergangenen Jahr 630 Millionen Euro kosten, in diesem Jahr wird die Summe laut Schätzungen des Innenministeriums auf 800 Millionen Euro steigen.


Private Betreiber von Flüchtlingszentren wie "La Cascina" erhalten pro Flüchtling und Tag einen bestimmten Betrag, rund 35 Euro. Die Drahtzieher geben jedoch nur zwischen 10 und 15 Euro weiter; je weniger sich diese Institutionen die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung kosten lassen, desto höher ihr Gewinn. Ein fataler Fehlanreiz, der einen maßgeblichen Grund darstellt für die oft unsäglichen Zustände in den italienischen Flüchtlingsunterkünften. Der Gewinn ist einfach errechnet: 

 20 Euro je Asylant * 85.000 Flüchtlinge * 365 Tage...!!! 

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