die Antimafia-Einheit in Neapel hat im Stadtteil Scampino ein Dealerversteck entdeckt und dort mit einer Mini-Videokamera den regen Drogenhandel gefilmt. Zum ersten Mal ist es der Polizei gelungen, hautnah den Handel zu verfolgen und sogar die Einnahmen auf Fim festzuhalten.
Mafia, Camorra, 'Ndrangheta. Paten organisieren in Europa, USA und Südamerika die "großen" Geschäfte. Sie sind gut vernetzt mit Politik, Wirtschaft und der Kirche. Als Autor schreibe ich seit 25 Jahren über das Phänomen der Cosa Nostra und deren Aktivitäten. Meinen Romanen liegen authentische Kriminalfälle zugrunde. Die wichtigsten Publikationen finden Sie unter "meine Romane" auf der Leiste oder unter: http://tinyurl.com/bgu5pbh
Dienstag, 19. Februar 2013
Polizei-Video / Drogen-Mafia in Neapel / Scampino
Drogengeschäfte im Lifestream
die Antimafia-Einheit in Neapel hat im Stadtteil Scampino ein Dealerversteck entdeckt und dort mit einer Mini-Videokamera den regen Drogenhandel gefilmt. Zum ersten Mal ist es der Polizei gelungen, hautnah den Handel zu verfolgen und sogar die Einnahmen auf Fim festzuhalten.
die Antimafia-Einheit in Neapel hat im Stadtteil Scampino ein Dealerversteck entdeckt und dort mit einer Mini-Videokamera den regen Drogenhandel gefilmt. Zum ersten Mal ist es der Polizei gelungen, hautnah den Handel zu verfolgen und sogar die Einnahmen auf Fim festzuhalten.
Montag, 18. Februar 2013
Wie die Mafia sich Siziliens Stimmen erkauft
In Italiens bettelarmem Süden hat die Mafia heute noch große politische Macht. Sie könnte bei der anstehenden Wahl 300.000 Stimmen kaufen. Häufig gibt es eine Stimme schon für wenige Euro.
Brancaccio liegt am östlichen Stadtrand von Palermo, grenzt an einem Ende an die Autobahn, am anderen ans Mittelmeer. Der lange Sandstrand ist mit Zäunen verrammelt. Da streunen Hunde, Kot verdreckt den Sand. In Holzbuden, die mal Badekabinen waren, hausen Arme und Clochards. Stinkende Rauchschwaden steigen aus ihren Töpfen auf offenen Feuern und steifer Scirocco-Wind treibt Mülltüten vor sich her, färbt das Meer grünbraun. Bladerunner unter südlicher Sonne.
Hinter der Küstenstraße voller Schlaglöcher dehnen sich verrottete antike Häuser und moderne Wohnsilos aus, wo Arbeiter, Handwerker, kleine Angestellte leben. Es gibt viele Arbeitslose und von jeher viel Mafia. Erst kürzlich starb ein Mafiaboss aus Brancaccio im Kugelhagel – typisch für das Ringen der Clans um Macht. 1993 hatten die Killer den Pfarrer von Brancaccio, Don Pino Puglisi, erschossen, der sich gegen die Macht der Mafiabosse aufgelehnt hatte. Er war Sohn eines Schusters. Bei solchen Leuten kassierten die Mafiosi Schutzgeld – eine Sondersteuer auf das, was ohnehin nie reichte. Im Gegenzug gab es Gefälligkeiten, im Viertel keine Verbrechen und im besten Fall eine Stelle für den Sohn.
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| Palermo - Quartiere Albergheria |
"Sie haben keine Bildung und keine Hoffnung"
"Im Brancaccio kannst du heute noch eine Wählerstimme für 20 Euro kaufen", sagt Rita Kellner, 54. Sie ist vor 25 Jahren aus Deutschland hergekommen, mit einem Sizilianer verheiratet, hat zwei Kinder.
Rita Kellner versucht , das schmale Beamtengehalt, das ihr Mann nach Hause bringt, mit Teilzeitjobs aufzubessern. "Aber den meisten Leuten hier geht es schlecht. Sie haben keine Bildung und schon gar keine Hoffnung, dass die Politiker, egal von welcher Partei, daran je etwas ändern werden," erklärt sie. Die Regierung ist weit weg im Brancaccio, der Staat ein Fremdwort.
Unten auf der Straße knattern Mopeds, auf denen gelangweilte Jugendliche Runden drehen. Mülltüten häufen sich auf der Straße. Viele Männer stehen vor der Bar an der Ecke. Ein echtes Einkommen hat hier fast niemand. Ein Supermarkt wirbt mit grellgelben Schilden "Alles für 50 Cent!" und Rita sagt "Mit 50 Euro können die Hausfrauen eine Woche lang ihre Familie ernähren." Am nächsten Wochenende wählen die Italiener ein neues Parlament, und das Thema Stimmenkauf der Mafia ist hochaktuell.
"Ein Mann teilte halbe Geldscheine aus"
Umso brutaler war auch die verbale Ohrfeige, die Italiens Regierungschef Mario Monti im laufenden Wahlkampf an Silvio Berlusconi austeilte: "Berlusconi betreibt Stimmenkauf". Das zielte auf die plumpen Wahlversprechungen wie Steuergeschenke, mit denen Berlusconi sich in den letzten Wahlkampfwochen die Wählergunst sichern wollte, aber es hatte auch einen hässlichen Unterton.
Stimmenkauf bei Wahlen ist in Italien traditionell ein Business der Mafia und vor allem im ärmeren Süden verbreitet. Er sichert Politikern fette Stimmenpakete. Die Mafia wird mit lohnenden Aufträgen bedient. Steuergelder, die eigentlich in soziale Einrichtungen, in Straßen, Krankenhäuser und Konjunkturhilfen fließen sollten, wurden so jahrzehntelang in die Taschen von Mafiaclans und korrupten Politikern umgeleitet.
Rita Kellner engagiert sich politisch seit Jahren gegen die Mafia. Einmal hat sie miterlebt, wie das System funktioniert. "Das war ein Schock", erinnert sie sich. "Ich habe es mit eigenen Augen gesehen: Ein Mann stand unten auf der Piazza hinter einem Müllcontainer und teilte Geld aus, halbe Geldscheine: die zweite Hälfte bekamen die Leute, wenn sie aus dem Wahllokal kamen, in der Tasche ein Handy mit einem Foto von ihrem Wahlzettel als Beweis."
Es wundert Rita nicht, dass Silvio Berlusconi am Samstag mit einer Wahlkampfkundgebung ein großes Theater in der Innenstadt von Palermo gefüllt hat. "Er spricht die Sprache der kleinen Leute". Und die standen bis hinaus auf die Straße. Eilig hatten Parteihelfer riesige Monitore auf die Piazza vor dem Theater aufgebaut, wo Neugierige draußen hören durften, was Berlusconi drinnen von der Bühne rief: Er wolle eine Brücke vom Festland bauen, Steuern zurückzahlen, und die Krise sei Schuld der Regierung Monti mit ihrem harten Sparkurs.
"Stimmenkauf erschlägt die Demokratie"
Sizilien kommt bei den jetzt anstehenden Wahlen, genau wie der Lombardei im Norden, eine Schlüsselrolle zu: In beiden Regionen könnte das Mitte-Links-Bündnis der Demokratischen Partei – das in Umfragen vorne liegt – die Mehrheit für die Zweite Kammer, den Senat, verfehlen. Während im Norden die Chancen für Lega und Volk der Freiheit von Berlusconi gut stehen, "ist Sizilien ein schwarzes Loch. Mit Umfragen erreicht man hier nur 40 Prozent", erklärt der römische Politikprofessor Roberto d'Alimonte. "Die Mafia könnte 300.000 Stimmen schieben", titelt die Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag – nicht zu unterschätzen bei einem Wahlvolk von 4,4 Millionen.
"Der Stimmenkauf erschlägt die Demokratie", warnte der italienische Journalist und Bestseller-Autor Roberto Saviano ("Gomorrha") aus Neapel vor wenigen Tagen in seiner Kolumne in der Tageszeitung "La Repubblica". "Es gibt den kriminellen Stimmenkauf und den Stimmenkauf zur Beschleunigung der Rechte. Viele Wähler lehnen das inzwischen grundsätzlich ab. Aber am Ende geben sie ihre Stimme dann doch diesen Politikern". Sie seien die Abkürzung zu den Gefallen, auf die die Bürger angewiesen sind, wo der Staat ihre Rechte verweigert.
Die Inselregion war viele Jahre der feste Sockel für Berlusconis politische Macht in ganz Italien. Bei den Parlamentswahlen 2001 gewann seine Partei in allen 61 Wahlkreisen der Insel. Er hatte das Erbe der Christdemokraten angetreten. Die hatten nicht nur jahrzehntelang mit der Mafia gemeinsame Sache gemacht, sondern teilweise auch Mafiosi in den eigenen Reihen: Vito Ciancimino, der in den 70er-Jahren Bürgermeister von Palermo war.
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| Berlusconi bei seiner Wahlkampftour 2013 |
Engagement vieler Bürger hat etwas verändert
Berlusconis Politiker, die nun in Rathäusern und Regionalregierung saßen, waren vordergründig vorzeigbarer. Aber 2012 mussten auch sie unter dem Druck von Monti-Regierung und Öffentlichkeit gehen: Der Gouverneur Siziliens, Salvo Lombardo, und der Bürgermeister der Metropole Palermo, Diego Cammarata, hatten die öffentlichen Kassen mit Klientelwirtschaft geleert. Lombardo war auch im Verdacht, die Mafia begünstigt zu haben.
Das Engagement vieler Bürger wie Rita oder Pfarrer wie Don Puglisi, der Mut von Politikern, Richtern, Polizei und Journalisten, hat trotzdem etwas geändert. "Die militärische Macht der Mafia ist nicht mehr so stark. Die Wähler sind kritischer", erklärt Enrico del Mercato, 49, Redaktionschef von "La Repubblica" in Palermo. In ganz Italien sorgte sein Buch "Der Ballast" über gigantischen Filz in der Regionalverwaltung Siziliens für Aufsehen.
"Heute verhindert unser Wahlsystem, zumindest bei Parlamentswahlen, dass ein ganz bestimmter Kandidat begünstigt werden kann. Die Kandidatenlisten sind starr, werden von der Parteispitze zentral erstellt," erklärt er. Eine Rolle spiele auch die Wirtschaftskrise im Süden. "In der Politik gibt es hier nichts mehr zu holen. Die Mafia geht dahin, wo sie die besten Geschäfte machen kann – jetzt in den Norden", sagt del Mercato.
Erst vor kurzem war aufgeflogen, dass in der Lombardei ein Minister der Regionalregierung mit Ablegern der kalabrischen N'drangheta Stimmenkauf betrieben haben soll. "Wahr ist aber auch, dass ein Konsens mit der Mafia nicht immer über ein Direktmandat läuft. Oft reichen allgemeine Interessenerklärungen. Berlusconi ist 1994 so angetreten: Er wetterte damals gegen die Macht der Staatsanwälte und das konnte der Mafia ja nur Recht sein." Jetzt verspricht er eine 5 Milliarden teure Brücke auf das Festland. Das sind Arbeitsplätze für viele und Millionen für die Bauunternehmen – viele von ihnen sind im Süden in der Hand der Mafia.
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| Protestmarsch in Mailand |
Wettlauf um die sauberste Kandidatenliste
Erstmals gab es im aktuellen Wahlkampf einen Wettlauf um die sauberste Kandidatenlisten: Alle Parteien – von der norditalienischen Lega bis zur Union der Christdemokraten im Süden – stellten ethische Regel-Kataloge auf und sortierten schwarze Schafe reihenweise aus. Auch Berlusconi musste sich unter dem Druck seines jungen Parteisekretärs Angelino Alfano entgültig von alten Freunden trennen: dem neapolitanischen Parlamentarier Nicola Cosentino, der verdächtigt wurde, regen Kontakt zur kampanischen Camorra zu haben, und von Senator Marcello dell'Utri, einem engen Vertrauten und langjährigen Manager Berlusconis. Dell'Utri stammt aus Palermo und war immer wieder in Prozesse um Beihilfe zu Mafia-Verbrechen verwickelt.
Ein schneller Rundgang durch die Institutionen in Palermo zeigt den Wandel: Im Regionalparlament sitzt heute – erstmals in über 60 Jahren Republik – ein Gouverneur der Linksdemokraten. Es ist Rosario Crocetta, 65, ehemals Bürgermeister der Stadt Gela im Süden der Insel, wo er jahrelang die Mafia erfolgreich bekämpft hat. Er strahlt und berichtet: "Ich habe heute 60 Angestellte in der Abteilung 'Ausbildung' entlassen". Das hat Symbolwert: Die Abteilung war berühmt dafür, dass Gelder aus Rom und Brüssel an außenstehende Beraterfirmen großzügig weitergereicht wurden – nur ausgebildet wurde fast nie jemand.
Crocetta will mit dem Filz aufräumen – viele trauen ihm das zu – aber er machte einen Rechenfehler: Für seine Mehrheit stützte er sich auf die Union der Christdemokraten, die UDC. Nur einen Tag nach der Wahl im Oktober musste deren Abgeordneter Pippo Sorbello von allen Parteiämtern zurücktreten, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt – Verdacht auf Stimmenkauf.
"Die Armut ist Palermos Tragödie"
Im nahen Rathaus ist Leoluca Orlando, 65, seit neun Monaten wieder im Amt des Bürgermeisters – zum vierten Mal. Von 1985 bis 2001 bekämpfte er das mafiöse politische System so nachhaltig, dass er dafür weltberühmt wurde. Probleme mit korrupten Stadträten aus den eigenen Reihen hat Orlando daher auch heute nicht. Nur kommt seine Kohärenz ihn teuer zu stehen: Heute darf er nur noch den riesigen Schuldenberg der Stadt hin und her schieben. Auf Unterstützung aus Rom muss einer, der so unbequem ist wie er, lange warten. "Die Armut ist Palermos Tragödie geworden", sagt er.
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| Leoluca Orlando ist wieder Bürgermeister von Palermo |
Eine Etage tiefer hat Giuseppe Zaffonte, 51, sein Büro. Er ist Haus- und Zeremonienmeister im Rathaus, ein lebendiges Symbol für Orlandos Politik. Beide lernten sich vor 25 Jahren im Wahlkampf kennen, da war der junge Giuseppe Analphabet, ein kleiner Gauner von der Peripherie, als Halbweise in der Satellitenstadtteil Zen aufgewachsen. "Orlando überzeugte mich, es anders zu versuchen", sagt er.
Er hat es geschafft, erkämpfte sich Abitur und Jurastudium in Abendkursen, machte im Rathaus Karriere von der Putzhilfe zum Hausmeister. Mit seiner Frau und vier Kindern lebt Zaffonte noch im Zen, wo er jetzt gegen den Einfluss der Mafia bei den Wahlen kämpft.
Auf dem Weg zum Lokaltermin kommen wir an einem Zeitungskiosk vorbei, dicke Lettern auf einem Lokalblatt fallen ins Auge. Sie sprechen von einem gewissen Roberto d'Ali, Senator in Rom und aktuelle Kandidat für Berlusconis Volk der Freiheit. D'Ali wird verdächtigt, beste Kontakte zu Matteo Messina Denaro zu pflegen.
Der ist der Boss der Bosse der sizilianischen Cosa Nostra, der seit 12 Jahren weltweit gesucht wird.
Sonntag, 17. Februar 2013
Vergeltung der Mafia
Gaetano Marino stirbt am 23. August unter den Augen entsetzter Strandbesucher im Kugelhagel. Zwei Wochen nach dem Mord an dem Drogenhändler folgt mutmaßlich der blutige Vergeltungsschlag einer verfeindeten Bande. Die Verbrechen zeigen: Der Krieg zwischen Neapels Camorra-Clans flammt wieder auf - und das Geschwür Mafia breitet sich aus.
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| erschossen auf offener Straße - Mafia-PAte Raffaele Abete |
Das weckt schlimme Erinnerungen an die blutige Zeit der 1990er und frühen 2000er Jahre, als in Kampaniens Metropole bei Konflikten zwischen Mafia-Gruppen Hunderte getötet wurden. Allein der "Fehde von Scampia", die sich zwischen 2004 und 2005 über Monate hinzog, fielen etwa 100 Menschen zum Opfer. Mit ihr sollen auch die jüngsten Morde zusammenhängen.
Damals spaltete sich vom Clan der Di Lauro die seither "Scissionisti" (Sezessionisten) genannte Gruppe ab. Es gab weitere Abspaltungen, und nun stehen sich komplizierte Konstellation von Ex-Verbündeten, alten und neuen Feinden gegenüber. Raffaele Abete hatte sein eigenes eindrucksvolles Vorstrafenregister, aber er war vor allem Bruder von Arcangelo Abete, einem der Gründer der Scissionisti, der derzeit in Haft sitzt.
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| Paolo Di Lauro |
Offene Rechnungen einer alten Fehde
Die Antwort auf den Mord im Sommeridyll erfolgte jetzt am Rande des neapolitanischen Viertels Scampia. Es zählt wie das Nachbarquartier Secondigliano zum sogenannten Dreieck des Todes.
Es geht bei den Morden vermutlich um offene Rechnungen der alten Fehde, aber vor allem um den Drogenmarkt von Secondigliano und Scampia. Auf 150 Millionen Euro im Jahr wird der Umsatz alleine in diesem Quartier geschätzt, Hunderte verdienen daran, auch Minderjährige und Kinder dealen. Die labyrinthartigen Gassen zwischen den Betonwohnklötzen bieten Dealern Unterschlupf, Fluchtwege und Lagerplätze.
Für Polizei, Carabinieri und Finanzpolizei sind sie ein schwer zu durchdringendes Dickicht, in dem das Gesetz des Schweigens herrscht. Doch zahlreiche Festnahmen haben es den Clans schwerer gemacht, Kokain, Heroin und andere Drogen zu vermarkten und verschärfen jetzt ihre Konkurrenz.
"Der Gegenangriff des Staats macht sich bemerkbar", sagt Neapels Polizeipräsident Luigi Merolla. In den vergangenen Tagen hat die Polizei Wohnblocks in Scampia und Secondigliano durchkämmt und dabei auch Kalaschnikows sichergestellt. Neapels Erzbischof Crescenzio Sepe nannte die Camorra jetzt einen "Tumor".
Und der Mord von Terracina zeigt: Das Geschwür breitet sich nach Norden aus.
Freitag, 15. Februar 2013
LKA-Papier: Mafiakrieg droht
von Jürgen Roth und Rainer Nübel
Jahrelang haben das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) und das Innenministerium in Stuttgart das Mafiaproblem im Land heruntergespielt. Jetzt zeigt ein internes LKA-Papier die krasse Realität: In ganz Baden-Württemberg leben zahlreiche Mitglieder und Kontaktleute vorrangig der gefährlichen kalabrischen 'Ndrangheta. Es drohen demnach sogar blutige Kriege zwischen einzelnen Clans – in Singen haben Ermittlungen 2007 einen Auftragsmord vereitelt.
Jetzt durchbricht das interne LKA-Papier die Omertà – und dokumentiert eine innenpolitisch brisante Situation: Laut diesem Lagebild haben mindestens elf verschiedene 'Ndrangheta-Clans Dependancen, Mitglieder und Kontaktleute in Baden-Württemberg. Von Stuttgart bis an den Bodensee, von Karlsruhe bis Ulm. Immer wieder werden in den LKA-Unterlagen die kriminellen Aktivitäten der verschiedenen kalabrischen Mafiagruppierungen aufgezählt: Drogenhandel, Waffenhandel, Schutzgelderpressung, Bestechung.
Die Geldwäsche wird nicht erwähnt
Was dabei auffällt: ein weiterer gravierender Deliktbereich, den das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem aktuellen 'Ndrangheta-Bericht zu denselben Clans aufführt, wird von den Stuttgarter Ermittlern merkwürdigerweise nicht genannt: Geldwäsche. Dabei ist gerade die 'Ndrangheta darin höchst aktiv. Jährlich macht die kalabrische Mafia-Organisation mit ihren kriminellen Geschäften weltweit einen geschätzten Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro. Keine Erwähnung findet in dem LKA-Dossier auch, dass die 'Ndrangheta enge Bündnisse mit türkischen und kolumbianischen Drogenkartellen eingegangen ist.
Mehrere Clans kämpfen um die Vorherrschaft
Die Gefahr, dass sich ein Mafiakrieg mitten in Baden-Württemberg abspielen könnte, gilt offenbar auch und besonders für den Raum Stuttgart. Dort hat sich seit mehr als zwanzig Jahren vorrangig der mächtige Farao-Clan aus dem Raum Crotone nördlich von Cantanzaro festgesetzt. Sein Boss, Giuseppe Farao, hatte sich wiederholt in Stuttgart aufgehalten, bis er Mitte der 90er-Jahre in Italien verhaftet und später wegen mehrfachen Mordes zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Diesem Clan soll laut dem aktuellen 'Ndrangheta-Bericht des Bundeskriminalamts nach wie vor ein kalabrischer Gastronom angehören, der in früheren Jahren vorrangig mit baden-württembergischen CDU-Politikern in regem Kontakt gestanden hatte und auf der Karriereleiter der 'Ndrangheta sogar aufgestiegen sein soll. Laut Erkenntnissen des BKA soll er zudem über Kontakte zur sizilianischen Cosa Nostra verfügen. Davon ist im Lagebericht des Stuttgarter Landeskriminalamts seltsamerweise keine Rede. Auch nicht davon, dass der Name dieses Mannes in italienischen Ermittlungsunterlagen zu einem 2008 von 'Ndrangheta-Leuten begangenen Wahlbetrug in Stuttgart aufgeführt wird.
Wohl aber schildern die LKA-Ermittler, dass Kalabrier aus der Provinz Crotone, die sich vor Jahrzehnten im Großraum Stuttgart angesiedelt haben und teilweise in der dritten Generation hier leben, über Kontakte zu Personen mit 'Ndrangheta-Bezügen verfügen. Neben dem Farao-Clan, der sich mit anderen Clans verbündet hat, dominiert in der Region Crotone eine zweite mafiöse Gruppe: der Clan Grande Aracri. Zwischen beiden Gruppen tobt inzwischen ein blutiger Kampf um die Vormachtstellung in Crotone, wie im Lagebild des Stuttgarter Landeskriminalamts geschildert wird: "So wurde am 28. 9. 2008 der Schwiegersohn des Giuseppe Farao in der Nähe von Mailand ermordet." Sein Leichnam sei auf dem Grab des im Juli 2008 erschossenen Chefs einer mit dem Farao-Clan verbündeten 'Ndrangheta-Gruppe abgelegt worden. "Vertreter der verfeindeten Clans", so das LKA, "wurden bisher im Großraum Stuttgart und im Regierungsbezirk Karlsruhe festgestellt."
"Behörden reden das Problem klein bis zu Unkenntlichkeit"
Eines zeigt der vertrauliche Bericht freilich eindeutig: Die bisherige Politik des Verharmlosens und des Wegredens des Mafiaproblems in Baden-Württemberg ist desavouiert. Und nicht mehr aufrechtzuerhalten. Wie bisher gemauert und abgewiegelt wurde, hat jetzt übrigens auch der "Spiegel"-Redakteur Andreas Ulrich in einem gerade erschienenen Buch über die 'Ndrangheta ("Metastasen") eindrucksvoll beschrieben: "Die deutschen Behörden hüten sich geradezu davor, gegen die italienische Mafia zu ermitteln. Sie reden das Phänomen klein bis zur Unkenntlichkeit." Und an anderer Stelle: "Auf Nachfragen reagiert das Landeskriminalamt in Stuttgart allerdings sehr zugeknöpft und versucht jeden Eindruck zu zerstreuen, es gebe in Baden-Württemberg ein Mafiaproblem."
Jahrelang haben das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) und das Innenministerium in Stuttgart das Mafiaproblem im Land heruntergespielt. Jetzt zeigt ein internes LKA-Papier die krasse Realität: In ganz Baden-Württemberg leben zahlreiche Mitglieder und Kontaktleute vorrangig der gefährlichen kalabrischen 'Ndrangheta. Es drohen demnach sogar blutige Kriege zwischen einzelnen Clans – in Singen haben Ermittlungen 2007 einen Auftragsmord vereitelt.
Jetzt durchbricht das interne LKA-Papier die Omertà – und dokumentiert eine innenpolitisch brisante Situation: Laut diesem Lagebild haben mindestens elf verschiedene 'Ndrangheta-Clans Dependancen, Mitglieder und Kontaktleute in Baden-Württemberg. Von Stuttgart bis an den Bodensee, von Karlsruhe bis Ulm. Immer wieder werden in den LKA-Unterlagen die kriminellen Aktivitäten der verschiedenen kalabrischen Mafiagruppierungen aufgezählt: Drogenhandel, Waffenhandel, Schutzgelderpressung, Bestechung.
Die Geldwäsche wird nicht erwähnt
Was dabei auffällt: ein weiterer gravierender Deliktbereich, den das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem aktuellen 'Ndrangheta-Bericht zu denselben Clans aufführt, wird von den Stuttgarter Ermittlern merkwürdigerweise nicht genannt: Geldwäsche. Dabei ist gerade die 'Ndrangheta darin höchst aktiv. Jährlich macht die kalabrische Mafia-Organisation mit ihren kriminellen Geschäften weltweit einen geschätzten Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro. Keine Erwähnung findet in dem LKA-Dossier auch, dass die 'Ndrangheta enge Bündnisse mit türkischen und kolumbianischen Drogenkartellen eingegangen ist.
Mehrere Clans kämpfen um die Vorherrschaft
Die Gefahr, dass sich ein Mafiakrieg mitten in Baden-Württemberg abspielen könnte, gilt offenbar auch und besonders für den Raum Stuttgart. Dort hat sich seit mehr als zwanzig Jahren vorrangig der mächtige Farao-Clan aus dem Raum Crotone nördlich von Cantanzaro festgesetzt. Sein Boss, Giuseppe Farao, hatte sich wiederholt in Stuttgart aufgehalten, bis er Mitte der 90er-Jahre in Italien verhaftet und später wegen mehrfachen Mordes zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Diesem Clan soll laut dem aktuellen 'Ndrangheta-Bericht des Bundeskriminalamts nach wie vor ein kalabrischer Gastronom angehören, der in früheren Jahren vorrangig mit baden-württembergischen CDU-Politikern in regem Kontakt gestanden hatte und auf der Karriereleiter der 'Ndrangheta sogar aufgestiegen sein soll. Laut Erkenntnissen des BKA soll er zudem über Kontakte zur sizilianischen Cosa Nostra verfügen. Davon ist im Lagebericht des Stuttgarter Landeskriminalamts seltsamerweise keine Rede. Auch nicht davon, dass der Name dieses Mannes in italienischen Ermittlungsunterlagen zu einem 2008 von 'Ndrangheta-Leuten begangenen Wahlbetrug in Stuttgart aufgeführt wird.
Wohl aber schildern die LKA-Ermittler, dass Kalabrier aus der Provinz Crotone, die sich vor Jahrzehnten im Großraum Stuttgart angesiedelt haben und teilweise in der dritten Generation hier leben, über Kontakte zu Personen mit 'Ndrangheta-Bezügen verfügen. Neben dem Farao-Clan, der sich mit anderen Clans verbündet hat, dominiert in der Region Crotone eine zweite mafiöse Gruppe: der Clan Grande Aracri. Zwischen beiden Gruppen tobt inzwischen ein blutiger Kampf um die Vormachtstellung in Crotone, wie im Lagebild des Stuttgarter Landeskriminalamts geschildert wird: "So wurde am 28. 9. 2008 der Schwiegersohn des Giuseppe Farao in der Nähe von Mailand ermordet." Sein Leichnam sei auf dem Grab des im Juli 2008 erschossenen Chefs einer mit dem Farao-Clan verbündeten 'Ndrangheta-Gruppe abgelegt worden. "Vertreter der verfeindeten Clans", so das LKA, "wurden bisher im Großraum Stuttgart und im Regierungsbezirk Karlsruhe festgestellt."
"Behörden reden das Problem klein bis zu Unkenntlichkeit"
Eines zeigt der vertrauliche Bericht freilich eindeutig: Die bisherige Politik des Verharmlosens und des Wegredens des Mafiaproblems in Baden-Württemberg ist desavouiert. Und nicht mehr aufrechtzuerhalten. Wie bisher gemauert und abgewiegelt wurde, hat jetzt übrigens auch der "Spiegel"-Redakteur Andreas Ulrich in einem gerade erschienenen Buch über die 'Ndrangheta ("Metastasen") eindrucksvoll beschrieben: "Die deutschen Behörden hüten sich geradezu davor, gegen die italienische Mafia zu ermitteln. Sie reden das Phänomen klein bis zur Unkenntlichkeit." Und an anderer Stelle: "Auf Nachfragen reagiert das Landeskriminalamt in Stuttgart allerdings sehr zugeknöpft und versucht jeden Eindruck zu zerstreuen, es gebe in Baden-Württemberg ein Mafiaproblem."
Donnerstag, 14. Februar 2013
Mafiosi bringen Schweizer Kraftwerkbetreiber in Bedrängnis
Die Mafia übernimmt Kraftwerk
Der Bündner Stromkonzern Repower hat am Mittwoch Vorwürfe über Absprachen mit der Mafia in Kalabrien zurückgewiesen. Der Konzern, der mehrheitlich dem Kanton Graubünden gehört, plant im süditalienischen Saline Joniche ein Kohlekraftwerk.
Im Rahmen der Operation «Ada» verhafteten sie nicht weniger als 65 Personen wegen mafiöser Verbindungen, darunter auch Gesualdo Costantino, den Bürgermeister des kalabresischen Dorfes Melito Porto Salvo. Sie sollen dem einflussreichen ’Ndrangheta-Clan «Iamonte» angehören.
Wie die zuständigen Staatsanwälte anlässlich einer Pressekonferenz sagten, hat der Clan seit längerem das geplante Kohlekraftwerk in Saline Joniche, einem Nachbardorf von Melito Porto Salvo, im Visier gehabt. «Die organisierte Kriminalität ist unausweichlich mit den Grossinvestitionen verbunden», sagt die Staatsanwaltschaft laut «Il Sole 24 Ore».
«Einflussreiche Freundschaft» mit Mafioso
Brisant: Hinter dem Projekt steckt der Stromkonzern Repower, bei dem der Kanton Graubünden Mehrheitsaktionär ist. Dessen Projektgesellschaft SEI, die personell eng mit Repower verflochten ist, hat mit Franco D’Aquaro einen Berater vor Ort, der laut den italienischen Behörden Kontakte mit der Mafia aufgenommen hat. Der «Corriere della Calabria» zitiert aus Telefongesprächen aus dem Jahr 2008, bei denen Mafiosi den Namen D’Aquaros genannt hätten. Zudem habe er auf die «einflussreiche Freundschaft» des nun inhaftierten Bürgermeisters von Melito Porto Salvo zählen können. D’Aquaro selbst wurde bei der gestrigen Aktion nicht verhaftet.
Das Grossprojekt von Repower in Süditalien steht nicht zum ersten Mal in der Kritik, seit Jahren kämpfen Interessengruppen gegen das geplante Kohlekraftwerk. Im Januar wurde der Konzern für den wenig schmeichelhaften «Public Eye Award» nominiert, bei dem Menschenrechtsverstösse und Umweltsünden angeprangert werden. Mafianähe wurde dem Konzern schon früher vorgeworfen. Das Bündner Stimmvolk muss sich zudem zur Initiative «Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft» äussern, die der Grosse Rat diese Woche zur Ablehnung empfohlen hat.
Staatsanwalt Gratteri bestätigt, dass die `Ndrangheta das Projekt in Saline Joniche unterstützt und als positive Entwicklung gelobt habe.
«Einflussreiche Freundschaft» mit Mafioso
Brisant: Hinter dem Projekt steckt der Stromkonzern Repower, bei dem der Kanton Graubünden Mehrheitsaktionär ist. Dessen Projektgesellschaft SEI, die personell eng mit Repower verflochten ist, hat mit Franco D’Aquaro einen Berater vor Ort, der laut den italienischen Behörden Kontakte mit der Mafia aufgenommen hat. Der «Corriere della Calabria» zitiert aus Telefongesprächen aus dem Jahr 2008, bei denen Mafiosi den Namen D’Aquaros genannt hätten. Zudem habe er auf die «einflussreiche Freundschaft» des nun inhaftierten Bürgermeisters von Melito Porto Salvo zählen können. D’Aquaro selbst wurde bei der gestrigen Aktion nicht verhaftet.
Das Grossprojekt von Repower in Süditalien steht nicht zum ersten Mal in der Kritik, seit Jahren kämpfen Interessengruppen gegen das geplante Kohlekraftwerk. Im Januar wurde der Konzern für den wenig schmeichelhaften «Public Eye Award» nominiert, bei dem Menschenrechtsverstösse und Umweltsünden angeprangert werden. Mafianähe wurde dem Konzern schon früher vorgeworfen. Das Bündner Stimmvolk muss sich zudem zur Initiative «Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft» äussern, die der Grosse Rat diese Woche zur Ablehnung empfohlen hat.
Staatsanwalt Gratteri bestätigt, dass die `Ndrangheta das Projekt in Saline Joniche unterstützt und als positive Entwicklung gelobt habe.
Mittwoch, 13. Februar 2013
Köln - Pate hat 30 Millionen Steuern hinterzogen
Es war eine Mega-Razzia - so die BILD-Zeitung. Nun ja, bei den Redakteuren der BILD gehören maßlose Übertreibungen zum Alltag. Aber immerhin, man hat endlich einmal mit einem großen Polizeiaufgebot einen Anfang in Deutschland gemacht und Mafiosi festgesetzt.
Vor drei Wochen nahmen 400 Polizisten in Köln, dem Rheinland und Ruhrgebiet elf Sizilianer hoch. Fast alle Männer stammen aus der Ortschaft Licata. Und alle gehörten der sizilianischen Mafia an.
Der Pate der Bande ist ein Italo-Kölner. Einst hütete er im heimischen Licata Schafe. 1990 kam er nach Köln. Hier stieg er vom Kolonnenschieber zum Mafioso auf. Sein Name: Gabriele S. (39).Jetzt sitzt der bullige Sizilianer (mit seinen drei Söhnen) in U-Haft. Laut Staatsanwaltschaft gilt S. als Kopf der „Licata-Connection“. Der Verdacht: Durch Strohmann-Baufirmen und Schwarzarbeit sollen S. und Komplizen Steuern und Sozialabgaben in Höhe von mindestens 30 Millionen Euro hinterzogen haben!
S. allein soll dabei 16 Scheinfirmen gegründet, von 2000 bis 2012 acht Millionen Euro abkassiert haben. Von seiner kleinen Kalker „Jolly Bar“ aus soll er aber auch andere krumme Geschäfte abgewickelt haben. Drogenhandel. Laut Staatsanwaltschaft soll er in 48 Fällen gewerbsmäßig mit Kokain gehandelt haben.
Zudem wird er verdächtigt, gefälschte italienische Führerscheine hergestellt und weiterverkauft zu haben. Der Rubel lief. Die Ermittler, die ihm seit Jahren auf den Fersen sind, zählen den Fuhrpark von Gabriele S. auf: Porsche Cayenne, Audi A8, VW Touareg, 5er BMW, Mercedes SL.
In Köln besitzt S. ein Zweifamilienhaus, mehrere Wohnungen, in Licata ein Landhaus (9 Zimmer) und eine Pizzeria. Es könnte lange dauern, bis er dort wieder einkehrt: Dem Bau-Mafia-Paten von Köln drohen 15 Jahre Haft.
Sonntag, 10. Februar 2013
Boss der brutalen 'Ndrangheta-Mafia festgenommen
Der 53-jährige Domenico Leotta befand sich seit einer Polizei-Razzia im Jahr 2010 auf der Flucht. Nun konnten die italienischen Fahnder das hochrangige Mitglied der kalabrischen 'Ndrangheta verhaften.
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2010: In der größten Anti-Mafia-Aktion seit Jahren gingen italienische Sondereinheiten im Dorf San Luca gegen die kalabrische 'Ndrangheta vor. Leotta konnte damals flüchten
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Die italienische Polizei hat einen Anführer der in Kalabrien ansässigen Mafia-Organisation 'Ndrangheta festgenommen. Der 53-jährige Domenico Leotta habe sich am Freitag widerstandslos abführen lassen, sagte Kalabriens Polizeichef Gennaro Semeraro dem Fernsehsender Sky TG24.
Leotta sei ein wichtiges Mitglied des mächtigen 'Ndrangheta-Clans Pesce, der in der Gegend von Gioia Tauro im Süden des Landes, aber auch in Norditalien aktiv sei. Leottas Festnahme waren laut Semeraro knapp einjährige Ermittlungen vorausgegangen.
2010 war Leotta bei einer Razzia gegen den Pesce-Clan mit 40 Festnahmen die Flucht gelungen. Nach Angaben von Giuseppina Pesce, Tochter des früheren Clan-Chefs, die mit der Justiz zusammenarbeitet, ist Leotta für einen Dreifach-Mord 1994 in Genua verantwortlich. Die 'Ndrangheta gehört zu den aktivsten und brutalsten Mafia-Organisationen Italiens.
Freitag, 8. Februar 2013
Cosa Nostra kehrt zum spektakulären Töten zurück
Die Mafia kehrt zum Töten nach alten Traditionen zurück. Palermo ist schockiert: Davide Romano, der Sohn eines Cosa Nostra Bosses wurde mit einer Schlinge im Hals tot im Kofferraum eines gestohlenen Autos gefunden.
Der beunruhigende Aspekt ist, der 34 Jahre alte Mann wurde nach der Methode "incaprettato" (Jargon der Mafia - mit einem Seil werden Hände und Füße hinter dem Rücken mit dem Hals verbunden, um so zu bewirken, dass der Tod durch Selbst-Strangulation eintritt). Der Junge hat nach Angaben der Polizei offenkundig zwei Tage die grausame Tortur überlebt, bis er dann mit einem einzigen Schuss getötet wurde.
Der beunruhigende Aspekt ist, der 34 Jahre alte Mann wurde nach der Methode "incaprettato" (Jargon der Mafia - mit einem Seil werden Hände und Füße hinter dem Rücken mit dem Hals verbunden, um so zu bewirken, dass der Tod durch Selbst-Strangulation eintritt). Der Junge hat nach Angaben der Polizei offenkundig zwei Tage die grausame Tortur überlebt, bis er dann mit einem einzigen Schuss getötet wurde.
Donnerstag, 7. Februar 2013
Palermo hat neuen Oberstaatsanwalt
Endlich..., es wurde auch Zeit!
Roberto Scarpinato, Mafia-Jäger der sizilianischen Stadt Caltanissetta, rückt zum neuen Oberstaatsanwalt in Palermo auf. Seine Aufgabe wird sein, in Sizilien aufzuräumen.
Scarpinato wurde vom Obersten Richterrat (CSM) ernannt. Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte den CSM kürzlich aufgerufen, den seit Monaten vakanten Posten so schnell wie möglich wiederzubesetzen.
Der 60-jährige Scarpinato hat die heikelsten Anti-Mafia-Ermittlungen der letzten Jahre geführt. Unter anderem befasste er sich mit den Ermordungen des Präsidenten der Region Sizilien Piersanti Mattarella, des regionalen Sekretärs der Kommunistischen Partei Pio Latorre, des Europaparlamentariers Salvo Lima und des Präfekten von Palermo, Carlo Alberto Dalla Chiesa. Der Oberstaatsanwalt gilt als gnadenloser Verfolger der Mafia.
Scarpinato hat auch den Mafia-Prozess gegen den siebenmaligen Premier Giulio Andreotti geführt.
Ich wünsche ihm alles Gute, viel Erfolg und vor allem Unversehrtheit bei seiner Arbeit. Gott schütze ihn!
Roberto Scarpinato, Mafia-Jäger der sizilianischen Stadt Caltanissetta, rückt zum neuen Oberstaatsanwalt in Palermo auf. Seine Aufgabe wird sein, in Sizilien aufzuräumen.
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| Roberto Scarpinato mit Leibwächter |
Der 60-jährige Scarpinato hat die heikelsten Anti-Mafia-Ermittlungen der letzten Jahre geführt. Unter anderem befasste er sich mit den Ermordungen des Präsidenten der Region Sizilien Piersanti Mattarella, des regionalen Sekretärs der Kommunistischen Partei Pio Latorre, des Europaparlamentariers Salvo Lima und des Präfekten von Palermo, Carlo Alberto Dalla Chiesa. Der Oberstaatsanwalt gilt als gnadenloser Verfolger der Mafia.
Scarpinato hat auch den Mafia-Prozess gegen den siebenmaligen Premier Giulio Andreotti geführt.
Ich wünsche ihm alles Gute, viel Erfolg und vor allem Unversehrtheit bei seiner Arbeit. Gott schütze ihn!
Doppelmord in Florenz
Im Zentrum der toskanischen Hauptstadt Florenz gab es einen Aufsehen erregenden Doppel-Mord. Die Opfer sind zwei Verkäufer, die im Zentrum der Altstadt mit Billigkopien von Markenprodukten gehandelt haben. Offensichtlich handelt es rivalisierende Mafia-Banden, die sich in der Nähe des Domes gegenseitig gnadenlos bekämpften. Inmitten des Touristengetümmels erschossen zwei Killer die Männer, die sich in seine Seitenstraße absetzten.
Bei der Verfolgung der Täter, entdeckte die Polizei die entkleidete Leiche einer Frau, bei der es sich um das Oberhaupt des gegnerischen Mafia-Clans handelt. Louisa Varella, 33, wurde laut Gerichtsmedizin stundenlang gefoltert und bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt.
Die Täter, vermutlich Auftragsmörder, befinden sich auf der Flucht.
Bei der Verfolgung der Täter, entdeckte die Polizei die entkleidete Leiche einer Frau, bei der es sich um das Oberhaupt des gegnerischen Mafia-Clans handelt. Louisa Varella, 33, wurde laut Gerichtsmedizin stundenlang gefoltert und bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt.
Die Täter, vermutlich Auftragsmörder, befinden sich auf der Flucht.
Mittwoch, 6. Februar 2013
Mafia bedroht Restaurierung von Pompeji
Verwicklungen mit der Mafia könnten die dringend notwendige Restaurierung der weltbekannten Ausgrabungsstätte Pompeji gefährden.
Die italienischen Behörden stoppten am Dienstag eines von drei EU-Projekten zur Restaurierung der Ausgrabungsstätte bei Neapel. Eine der Firmen, die an dem Projekt mitwirken sollte, wird verdächtigt, Verbindungen zur Mafia zu haben.
Vorstellung der Projekte war geplant
Die von der Europäischen Union finanzierten Projekte sollten am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Jetzt werden wir mit nur zwei der drei Projekte beginnen“, sagte ein Behörden-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.
Das Unesco-Welterbe soll mit Fördermitteln in Höhe von 105 Millionen Euro vor dem Verfall bewahrt werden. Ein Teil der millionenschweren Subventionen sind bereits in dunklen Kanälen verschwunden. In Pompeji verschwanden auch wertvolle Teile von Ausgrabungsresten. Die Stätte ist kulturell von großer Bedeutung und zieht Millionen von Touristen an.
Die Stadt war bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 verschüttet worden. Tausende Menschen wurden getötet, der Ort unter einer meterhohen Ascheschicht begraben und so für Jahrhunderte konserviert.
Die italienischen Behörden stoppten am Dienstag eines von drei EU-Projekten zur Restaurierung der Ausgrabungsstätte bei Neapel. Eine der Firmen, die an dem Projekt mitwirken sollte, wird verdächtigt, Verbindungen zur Mafia zu haben.
Vorstellung der Projekte war geplant
Die von der Europäischen Union finanzierten Projekte sollten am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Jetzt werden wir mit nur zwei der drei Projekte beginnen“, sagte ein Behörden-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.
Katastrophale Zustände
In Pompeji brachen in der Vergangenheit immer wieder Teile der Ausgrabungsreste ab, berichtet wurde von katastrophalen Zuständen. Zuletzt waren im September im sogenannten Peristyl der Villa dei Misteri ein Holzbalken weggebrochen und im November ist die Mauer einer anderen Villa nach heftigen Regenfällen zusammengestürzt.Das Unesco-Welterbe soll mit Fördermitteln in Höhe von 105 Millionen Euro vor dem Verfall bewahrt werden. Ein Teil der millionenschweren Subventionen sind bereits in dunklen Kanälen verschwunden. In Pompeji verschwanden auch wertvolle Teile von Ausgrabungsresten. Die Stätte ist kulturell von großer Bedeutung und zieht Millionen von Touristen an.
Die Stadt war bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 verschüttet worden. Tausende Menschen wurden getötet, der Ort unter einer meterhohen Ascheschicht begraben und so für Jahrhunderte konserviert.
Dienstag, 5. Februar 2013
Video: Strafkommando der Mafia
Unternehmer, Ladenbesitzer und Einzelhändler, die kein Schutzgeld bezahlten, leben brandgefährlich - und das meine ich wortwörtlich. Wer nicht zahlt, muss büßen! Im Video hat die neapolitanische Polizei zufällig mit ihren Standkameras ein Strafkommando der Mafia festgehalten. Sie sind schnell, effektiv und ohne jede Skrupel. Und sie wissen...., bis die Carabinieri vor Ort sind, dauert es lange! Sehr lange!
Fünf schwerbewaffnete Camorristi dringen in einen Bowlingclub mit angeschlossener Spielhalle ein. erschießen mehrere Angestellte und setzen die Bowlingbahn in Brand. Im Anschluss verlassen sie den Tatort ohne besondere Eile und verschwinden in den Häuserschluchten.
Mafiosi zu lebenslanger Haft verurteilt
Wegen dreizehnfachen Mordes hat ein Mailänder Gericht am Montagabend 15 Mafia-Mitglieder zu lebenslänglicher Haft verurteilt, zwei weitere müssen für 23 und 24 Jahre ins Gefängnis.
Mithilfe von Kronzeugen konnte die Anklage nachweisen, dass die Morde auf einen Streit zwischen zwei Clans der kalabrischen 'Ndrangheta zurückgingen, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am späten Montagabend berichtete.
Demnach wurde Carmelo Novello, der mutmaßliche 'Ndrangheta-Chef in der Lombardei, im Juli 2008 in einer Bar unweit von Mailand erschossen, weil er seinen Clan vom kalabrischen Mutterclan Galacce abspalten wollte. Sieben weitere Mitglieder seines Clans wurden im März und April 2009 ebenfalls in der norditalienischen Region getötet.
Die 'Ndrangheta hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zur stärksten und gefürchtetsten Mafiagruppe Italiens entwickelt. Sie hat ihren Ursprung in Kalabrien. Die drei anderen Mafiagruppen sind die Camorra in Neapel, die Cosa Nostra auf Sizilien und die kleinere Sacra Corona Unita aus Apulien.
Mithilfe von Kronzeugen konnte die Anklage nachweisen, dass die Morde auf einen Streit zwischen zwei Clans der kalabrischen 'Ndrangheta zurückgingen, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am späten Montagabend berichtete.
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| Carmelo Novello wurde in der Bar Bel Soggiorno erschossen |
Demnach wurde Carmelo Novello, der mutmaßliche 'Ndrangheta-Chef in der Lombardei, im Juli 2008 in einer Bar unweit von Mailand erschossen, weil er seinen Clan vom kalabrischen Mutterclan Galacce abspalten wollte. Sieben weitere Mitglieder seines Clans wurden im März und April 2009 ebenfalls in der norditalienischen Region getötet.
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| Hier wurde der Clanchef Carmelo Novello gefunden |
Die 'Ndrangheta hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zur stärksten und gefürchtetsten Mafiagruppe Italiens entwickelt. Sie hat ihren Ursprung in Kalabrien. Die drei anderen Mafiagruppen sind die Camorra in Neapel, die Cosa Nostra auf Sizilien und die kleinere Sacra Corona Unita aus Apulien.
Montag, 4. Februar 2013
Carabinieri heben Drogenhändlerring aus
In Rende in der Provinz Cosenza haben die Ordnungshüter einen Drogenhändlerring hochgehen lassen. Acht Personen wurden in Rende, Rom sowie Palermo in Gewahrsam genommen. Wie die Carabinieri mitteilen, verfügte das Netzwerk über gute Kontakte in der Provinz Reggio Calabria und Palermo. In verschiedenen Verstecken auf dem Land lagerten knapp 12 Tonnen hochreines Kokain, das offenkundig aus Mexiko nach Italien importiert und in Palermo verschnitten und portioniert wurden.
Angeblich hatten die Drogenhändler die Möglichkeit, in kürzester Zeit per Privatjet größere Mengen an Kokain zu beschaffen.
Sie sind wieder da / TEIL 2
Die Camorra ist in den USA wieder erstarkt und wie es scheint, leben die 30er und 40er Jahre wieder auf.
In New York verwalten noch immer die fünf großen Mafia-Familien – die Gambino, Colombo, Bonanno, Lucchese und Genovese – das Know-how der Organisierten Kriminalität, auch wenn heute so gut wie keiner mehr diese Namen trägt.
Währenddessen hat es die Camorra geschafft, abseits des Rampenlichts Wurzeln zu schlagen. Beginnend mit dem berühmtesten Gangster aller Zeiten, mit Alfonso Capone, genannt Al, gebürtig aus der Provinz Neapel, der davon träumte, dereinst in seine Heimat zurückzukehren und sie »samt und sonders aufzukaufen«, bis hin zu den vielen in den vergangenen Jahren aufgedeckten Geschäften fand stets ein reger Austausch zwischen der Camorra und den Vereinigten Staaten statt. So wurden Warenfälscherringe aufgedeckt, die von der Camorra kontrolliert werden: gefälschte Bosch-Schlagbohrer und Canon-Kameras, Lederbekleidung, aus dem Orient importiert oder in der Provinz Neapel hergestellt, die dann in den Läden zusammen mit den Originalen zum Verkauf angeboten werden.
In einem Erlass aus dem Jahr 2005 wiesen die Untersuchungsrichter der neapolitanischen DDA (Direzione Distrettuale Antimafia) nach, dass das Monopol für den Fälschermarkt in Europa, Amerika und Australien jahrelang in den Händen eines kriminellen Netzwerks lag, das unter anderem aus neapolitanischen Unternehmern bestand, die Geschäftsbeziehungen mit Camorra-Familien unterhielten.
In der Folge wurden nicht nur Angehörigen der Mafia-Clans Handschellen angelegt, sondern auch Inhabern von großen neapolitanischen Bekleidungsunternehmen. Paolo Ottaviano, der als Boss des Mazzarella-Clans gilt und 2008 verhaftet wurde, hatte im Auftrag des Clans den Handel mit gefälschter Ware kontrolliert. Laut Aussage einiger Mafia-Kronzeugen reiste er ständig zwischen Italien und den USA hin und her, um die Geschäfte des Clans abzuwickeln. Aus einer Ermittlung der DIA (Direzione Investigativa Antimafia) von Neapel und Padua vom April 2011 geht hervor, dass ein in Padua ansässiger Hersteller von Müllverbrennungsanlagen es zum Marktführer in vielen Teilen der Welt gebracht hat, unter anderem auch in New York, mit Firmensitz nahe der Wall Street, und zwar dank beträchtlicher Geldsummen, die ihm von Cipriano Chianese zugeflossen sind, dem Boss des Canalesi-Clans, auch bekannt als König des Mülls.
Dass die neapolitan mafia dabei war, wieder Terrain zu gewinnen, bemerkte die Filmindustrie noch vor der Polizei. Die Sopranos, berühmteste TV-Mafia-Familie, stammen dem Drehbuch zufolge aus Avellino, und obwohl sie inzwischen in jeder Hinsicht Amerikaner sind, unterhalten ihre Angehörigen stets noch Verbindungen zum »Mutterhaus«. In einer berühmten Folge begeben sich die Protagonisten von ihrem Wohnort New Jersey aus auf eine Geschäftsreise nach Neapel, um dort einen Handelsvertrag für gestohlene Autos abzuschließen. Und ebenfalls in Neapel macht Tony Soprano sich auf die Suche nach zuverlässigen Auftragskillern – ganz so, wie es in den siebziger Jahren Carmine »Lilo« Galante getan hatte.
All dem stehen die Millionen Italoamerikaner entgegen, die in den Staaten leben und darunter zu leiden haben, dass man sie für Mafiosi hält. Es ist ein Vorurteil, das auch deshalb Schaden anrichtet, weil es sowohl in den Vereinigten Staaten wie in Deutschland den intakten italienischen Gemeinschaften zu verdanken ist, dass die Mafia sich nicht weiter ausbreitete. Italiener haben der ganzen Welt vorgemacht, wie man die Mafia bekämpft: Es gilt, die Erinnerung an jene zu pflegen und hochzuhalten, die sich den Mafia-Vereinigungen widersetzt haben, und den Einsatz und Opfermut zu würdigen, den jene Unternehmer aufbringen mussten, die »sauber« blieben.
So versteckt die Einladung der US-Regierung zur Mitarbeit, so unverhüllt ist die Kritik an der italienischen Regierung. Sie kommt jedoch nicht unerwartet. Unser Land steht seit geraumer Zeit unter Beobachtung, jetzt wird abgerechnet. In den Vereinigten Staaten spricht man von der Camorra als einer Gefahr für die Demokratie, während man sie in Italien merkwürdigerweise für besiegt erklärt. Und die bloße Erwähnung der offensichtlichsten aller Wahrheiten, nämlich der Tatsache, dass die meisten Mafia-Geschäfte im Norden des Landes stattfinden, hat eine Welle von Ärger und Wut bei den regierenden Parteien ausgelöst, die gerne leugnen würden, dass die Mafia sich auch in jenen Regionen eingebürgert hat, aus denen sie ihre Wählerstimmen beziehen.
Denen, die meinen, über das Organisierte Verbrechen zu reden bedeute, Italien zu diffamieren, antworte ich, dass unser Land die ältesten Anti-Mafia-Organe der Welt besitzt und dass wir die Einladung der amerikanischen Regierung mit Begeisterung aufnehmen sollten; denn wir könnten zu einem wertvollen Verbündeten im Kampf gegen die kriminellen Organisationen werden.
Das Vorgehen der Amerikaner taugt als Schlag gegen die versteinerte Gleichgültigkeit der italienischen Öffentlichkeit, die es zuließ, dass Nicola Consentino ungestraft für das wichtige Amt des Vize-Wirtschaftsministers nominiert wurde, obwohl er derzeit wegen Beihilfe zu diversen Mafia-Verbrechen unter Anklage steht. In Neapel wurden Ermittlungen eingeleitet, von denen auch Mitglieder der Regierung und der Mehrheitsparteien betroffen sind, darunter sogar der Regionalpräsident von Neapel, Luigi Cesaro. Ebenfalls in Neapel überprüft die Staatsanwaltschaft einen Bericht, in dem ein Zusammenhang hergestellt wird zwischen Camorra, Unternehmen und korrupten Mitgliedern der Ordnungskräfte.
Wenn die italienische Regierung fortfährt mit ihren Bagatellisierungen und billigen Ausflüchten oder wenn sie, schlimmer noch, das aus Amerika kommende Alarmsignal ignoriert, liefert sie einen weiteren Beweis ihrer Schwäche und Unzuverlässigkeit, und zwar in einem extrem kritischen Moment.
Aus dem Italienischen von Sabina Kienlechner
In New York verwalten noch immer die fünf großen Mafia-Familien – die Gambino, Colombo, Bonanno, Lucchese und Genovese – das Know-how der Organisierten Kriminalität, auch wenn heute so gut wie keiner mehr diese Namen trägt.
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| Chef der Lucchese-Familie in New York |
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| Chef der Bonanno-Familie in Chicago |
In einem Erlass aus dem Jahr 2005 wiesen die Untersuchungsrichter der neapolitanischen DDA (Direzione Distrettuale Antimafia) nach, dass das Monopol für den Fälschermarkt in Europa, Amerika und Australien jahrelang in den Händen eines kriminellen Netzwerks lag, das unter anderem aus neapolitanischen Unternehmern bestand, die Geschäftsbeziehungen mit Camorra-Familien unterhielten.
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| Chef der Colombo-Familie in New York |
In der Folge wurden nicht nur Angehörigen der Mafia-Clans Handschellen angelegt, sondern auch Inhabern von großen neapolitanischen Bekleidungsunternehmen. Paolo Ottaviano, der als Boss des Mazzarella-Clans gilt und 2008 verhaftet wurde, hatte im Auftrag des Clans den Handel mit gefälschter Ware kontrolliert. Laut Aussage einiger Mafia-Kronzeugen reiste er ständig zwischen Italien und den USA hin und her, um die Geschäfte des Clans abzuwickeln. Aus einer Ermittlung der DIA (Direzione Investigativa Antimafia) von Neapel und Padua vom April 2011 geht hervor, dass ein in Padua ansässiger Hersteller von Müllverbrennungsanlagen es zum Marktführer in vielen Teilen der Welt gebracht hat, unter anderem auch in New York, mit Firmensitz nahe der Wall Street, und zwar dank beträchtlicher Geldsummen, die ihm von Cipriano Chianese zugeflossen sind, dem Boss des Canalesi-Clans, auch bekannt als König des Mülls.
Dass die neapolitan mafia dabei war, wieder Terrain zu gewinnen, bemerkte die Filmindustrie noch vor der Polizei. Die Sopranos, berühmteste TV-Mafia-Familie, stammen dem Drehbuch zufolge aus Avellino, und obwohl sie inzwischen in jeder Hinsicht Amerikaner sind, unterhalten ihre Angehörigen stets noch Verbindungen zum »Mutterhaus«. In einer berühmten Folge begeben sich die Protagonisten von ihrem Wohnort New Jersey aus auf eine Geschäftsreise nach Neapel, um dort einen Handelsvertrag für gestohlene Autos abzuschließen. Und ebenfalls in Neapel macht Tony Soprano sich auf die Suche nach zuverlässigen Auftragskillern – ganz so, wie es in den siebziger Jahren Carmine »Lilo« Galante getan hatte.
All dem stehen die Millionen Italoamerikaner entgegen, die in den Staaten leben und darunter zu leiden haben, dass man sie für Mafiosi hält. Es ist ein Vorurteil, das auch deshalb Schaden anrichtet, weil es sowohl in den Vereinigten Staaten wie in Deutschland den intakten italienischen Gemeinschaften zu verdanken ist, dass die Mafia sich nicht weiter ausbreitete. Italiener haben der ganzen Welt vorgemacht, wie man die Mafia bekämpft: Es gilt, die Erinnerung an jene zu pflegen und hochzuhalten, die sich den Mafia-Vereinigungen widersetzt haben, und den Einsatz und Opfermut zu würdigen, den jene Unternehmer aufbringen mussten, die »sauber« blieben.
Schluss mit den Ausflüchten, Italien muss das Alarmsignal hören!
Denen, die meinen, über das Organisierte Verbrechen zu reden bedeute, Italien zu diffamieren, antworte ich, dass unser Land die ältesten Anti-Mafia-Organe der Welt besitzt und dass wir die Einladung der amerikanischen Regierung mit Begeisterung aufnehmen sollten; denn wir könnten zu einem wertvollen Verbündeten im Kampf gegen die kriminellen Organisationen werden.
Das Vorgehen der Amerikaner taugt als Schlag gegen die versteinerte Gleichgültigkeit der italienischen Öffentlichkeit, die es zuließ, dass Nicola Consentino ungestraft für das wichtige Amt des Vize-Wirtschaftsministers nominiert wurde, obwohl er derzeit wegen Beihilfe zu diversen Mafia-Verbrechen unter Anklage steht. In Neapel wurden Ermittlungen eingeleitet, von denen auch Mitglieder der Regierung und der Mehrheitsparteien betroffen sind, darunter sogar der Regionalpräsident von Neapel, Luigi Cesaro. Ebenfalls in Neapel überprüft die Staatsanwaltschaft einen Bericht, in dem ein Zusammenhang hergestellt wird zwischen Camorra, Unternehmen und korrupten Mitgliedern der Ordnungskräfte.
Wenn die italienische Regierung fortfährt mit ihren Bagatellisierungen und billigen Ausflüchten oder wenn sie, schlimmer noch, das aus Amerika kommende Alarmsignal ignoriert, liefert sie einen weiteren Beweis ihrer Schwäche und Unzuverlässigkeit, und zwar in einem extrem kritischen Moment.
Aus dem Italienischen von Sabina Kienlechner
Sie sind wieder da...! TEIL 1
Die US-Regierung rüstet sich gegen die Camorra, denn sie bedroht das Land wie lange nicht mehr. Italien sollte sich dem Kampf anschließen.
Alles begann mit einer Mitteilung von Präsident Obama aus Anlass einer Pressekonferenz in Washington. Beigefügt war ihr eine detaillierte Beschreibung des Phänomens: Die kriminellen Netzwerke, so stand dort, sind im Begriff, ihre Operationen über die nationalen Grenzen hinweg auszuweiten, ihre Tätigkeitsbereiche zu diversifizieren und insgesamt komplexer und raffinierter zu werden. »Sie vereinigen sich mit korrupten Regierungselementen und nutzen deren Macht und Einfluss, um ihre kriminellen Machenschaften voranzutreiben.« Die US-Regierung betont, dass die Camorra sich umso tiefer ins Wirtschaftssystem eines Staates einnisten und ihn damit umso mehr gefährden kann, je enger sie sich mit der Regierung verbündet hat.
Schon im Januar dieses Jahres zeigte sich, was Washington über die italienischen Mafia-Vereinigungen denkt. WikiLeaks veröffentlichte damals die Depeschen des ehemaligen amerikanischen Konsuls von Neapel, J. Patrick Truhn, die dieser im Juni 2008 an seine Regierung gesandt hatte. Truhn berichtete darin von Lebensmitteln, die importiert und dann als italienische Produkte verkauft würden: moldawische Äpfel, mit Pestiziden vergiftet, marokkanisches Salz, von Kolibakterien durchsetzt.
Außerdem berichtete er, dass zwei Drittel der regionalen Brotfabriken von Mafia-Clans kontrolliert würden und dass das Brot mit toxischen Zusätzen versehen sei. Dass der Mozzarella in Caserta zuweilen aus bolivianischem Milchpulver hergestellt werde und dass in Kampanien illegale Abfälle aus ganz Italien vergraben würden. Mit Blick auf Kalabrien sprach der Konsul von einem Gebiet, das sich ganz »in der Hand von Erpressern und Drogenhändlern« befinde, mit einer Bevölkerung, »der jeglicher Optimismus abgeht und die ihre lokalen Politiker für unfähig und korrupt hält«.
Viele amerikanische Unternehmer weigerten sich, in Süditalien zu investieren, aus Angst vor der Mafia, schrieb der Konsul. Und er schloss mit den Worten: »Die von der Organisierten Kriminalität verursachten Kosten belasten letztendlich fast jeden italienischen Bürger, sei es auf direktem oder indirektem Weg. Wir müssen die neue italienische Regierung davon zu überzeugen suchen, dass das Organisierte Verbrechen für die amerikanische Regierung ein ernstes Problem darstellt und dass die absurd hohen Kosten dieses Verbrechens ein ausreichendes Argument dafür sind, sofort zu handeln.« Der Bericht des Konsuls ging an den zuständigen Staatssekretär, an die CIA, ans FBI, an die DEA und an 18 weitere amerikanische Regierungsstellen.
Auf die Enthüllung der Depesche reagierten die italienischen Politiker mit der Versicherung, es werde bereits alles Notwendige getan, um die Mafia zu bekämpfen, im Übrigen seien die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten hervorragend. Damit kamen sie durch, weil es sich damals »nur« um Berichte handelte, die von WikiLeaks veröffentlicht worden waren. Das geht jetzt nicht mehr. Diesmal handelt es sich um eine offizielle Stellungnahme der amerikanischen Regierung. Vor Kurzem hat sie einen Aktionsplan mit dem Titel Strategy to Combat Transnational Organized Crime entworfen. Er wurde, mitsamt dem Geleitwort Barack Obamas, in einer Pressekonferenz im Weißen Haus vorgestellt, an der unter anderem Justizminister Eric Holder, Heimatschutzministerin Janet Napolitano sowie Sicherheitsberater John Brennan teilnahmen.
Der Neuaufstieg der neapolitanischen Mafia ist im Fernsehen zu besichtigen...
In den sechziger und siebziger Jahren wurden die italoamerikanischen Vereinigungen wie große Schwestern der italienischen Gruppierungen betrachtet; in New York beherrschte die Mafia große Teile des Baugewerbes und der Müllentsorgung. Diese Macht verlor sie jedoch nach und nach, da die neuen Mafiosi-Generationen nicht mehr über die Erfahrung und das diplomatische Geschick ihrer Väter verfügten. Deshalb begann der Mafia-Boss Carmine »Lilo« Galante um die Mitte der siebziger Jahre, neue Mitglieder direkt in Sizilien zu rekrutieren: in der Hoffnung, sie seien verlässlicher, skrupelloser und weniger den Bequemlichkeiten und Extravaganzen der Neuen Welt verfallen. Wenn nun eine der New Yorker »Familien« irgendeine delikate Operation zu Ende bringen muss, lässt sie zu diesem Zweck »Vertrauenspersonal« aus Italien kommen.
Was übrig blieb von der alten italoamerikanischen Mafia, ist eine Art Unterwelt, die aber mehr ästhetischen als realen Charakter hat. In den USA nennt man sie »Guidos«: durchtrainierte, braun gebrannte Jungs mit protzigen goldenen Ringen und Ketten und gegeltem Haar, die ihre Gesichter beim Essen dicht über die Teller hängen und einen Slang reden, der sich nach italienischer Verballhornung anhört. Eine Mafia zum Vorzeigen: Es gibt sogar eine Reality-Show namens Mob Wives, die das Alltagsleben von vier italoamerikanischen Mafiosi-Frauen darstellt, deren Männer allesamt wegen Mafia-Verbrechen einsitzen.
Fortsetzung.... nächster Blog
Sonntag, 3. Februar 2013
Immer mehr Mafiosi in Norditalien
Landvermesser, Investmentbanker, Unternehmer, Notare oder Ärzte – viele einflussreiche Berufsgruppen stehen mittlerweile auf der Gehaltsliste der Mafia.
Die Hoffnung, dass es in Zukunft ein Italien ohne Mafia gibt, muss man leider aufgeben. Der Journalist Tiziano hat in jahrelangen Recherchen eine Fülle von Fakten zusammengetragen und diese jetzt im Buch «Mafia AG» veröffentlicht. Er stützt sich dabei auf gesicherte Quellen: auf Kronzeugenberichte, Gerichtsakten, Abschriften von Telefongesprächen und Verhören, die im Lauf von Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft dokumentiert sind.
Der Autor nennt enorm viele Akteure beim Namen, Täter und Opfer: Giovanni Tiziano ist selbst ein Geschädigter. Vor 25 Jahren ging die Küchenmöbelfabrik seines Grossvaters in Kalabrien in den Flammen der Mafia auf. Und ein Jahr später wurde sein Vater, ein Bankangestellter, auf offener Strasse umgebracht. Der Fall bis heute nicht aufgeklärt.
Tiziano skizziert die organisierte Kriminalität als Perpetuum Mobile: Die Mafia macht viel Geld, indem sie Fabriken Abfälle und Sondermüll abnimmt und dieses Material illegal ins Erdreich versenkt. Dann lässt sie den Skandal an die Oberfläche kommen und bietet der betroffenen Gemeinde an, das Gelände zu sanieren. Der Journalist verdeutlicht, wie Beamte, die sich nicht korrumpieren lassen, eingeschüchtert werden: Eines Abends finden sie ein genageltes Holzkreuz vor der Haustür oder einen blutigen Pferdekopf im Bett.
Ein weiter Typ Mafioso, so Giovanni Tiziano, sei in Norditalien gegenwärtig besonders ausgeprägt im Gesundheitswesen anzutreffen. Die Mafia verhilft aufstrebenden Privatkliniken zu den nötigen Krediten, vermittelt den richtigen Leuten Schönheitsoperationen zum Nulltarif - Organbeschaffung inclusive -, und ist behilflich, wenn Prestige-Posten zu vergeben sind. Sie lässt Zahnchirurgen praktizieren, die keinerlei Erfahrung oder Qualifikationen vorweisen können und lassen sie ohne Rücksicht auf Verluste hantieren. Hinterher wird abkassiert!
Der fiktive Patient bekam eine Invaliden-Rente und liess sich im Rollstuhl herumkutschieren: Doch eines Tages hat ihn die Polizei beim Autofahren mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt. Es stellte sich heraus, dass ein paar weisse Kittel ihre schützende Hand im Spiel gehabt hatten und im Gegenzug die hohle Hand für weisses Pulver, Kokain, gemacht hatten.
Die Hoffnung, dass es in Zukunft ein Italien ohne Mafia gibt, muss man leider aufgeben. Der Journalist Tiziano hat in jahrelangen Recherchen eine Fülle von Fakten zusammengetragen und diese jetzt im Buch «Mafia AG» veröffentlicht. Er stützt sich dabei auf gesicherte Quellen: auf Kronzeugenberichte, Gerichtsakten, Abschriften von Telefongesprächen und Verhören, die im Lauf von Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft dokumentiert sind.
Tiziano skizziert die organisierte Kriminalität als Perpetuum Mobile: Die Mafia macht viel Geld, indem sie Fabriken Abfälle und Sondermüll abnimmt und dieses Material illegal ins Erdreich versenkt. Dann lässt sie den Skandal an die Oberfläche kommen und bietet der betroffenen Gemeinde an, das Gelände zu sanieren. Der Journalist verdeutlicht, wie Beamte, die sich nicht korrumpieren lassen, eingeschüchtert werden: Eines Abends finden sie ein genageltes Holzkreuz vor der Haustür oder einen blutigen Pferdekopf im Bett.
Saubere Westen und schmutzige Hände
Die kalabresischen Mafiabosse, die im wirtschaftlichen Zentrum Italiens, in der Lombardei, Fuss gefasst haben, seien keine Schafhirten aus irgendeinem Provinznest, sondern moderne Geschäftsmänner, die die internationalen Absatzkanäle für Kokain kontrollieren. Sie bewegen sich unbewaffnet, ausgerüstet lediglich mit Notebook und Smartphone. Ihre Aggressivität zeigt sich dagegen im systematischen Aufkaufen von Immobilien, um die Gewinne aus ihrem Kerngeschäft, dem Kokainhandel, anzulegen und reinzuwaschen. Wie selbstverständlich brechen sie Widerstand oder Gegenwehr mit schwerbewaffneten Killern.Ein weiter Typ Mafioso, so Giovanni Tiziano, sei in Norditalien gegenwärtig besonders ausgeprägt im Gesundheitswesen anzutreffen. Die Mafia verhilft aufstrebenden Privatkliniken zu den nötigen Krediten, vermittelt den richtigen Leuten Schönheitsoperationen zum Nulltarif - Organbeschaffung inclusive -, und ist behilflich, wenn Prestige-Posten zu vergeben sind. Sie lässt Zahnchirurgen praktizieren, die keinerlei Erfahrung oder Qualifikationen vorweisen können und lassen sie ohne Rücksicht auf Verluste hantieren. Hinterher wird abkassiert!
Weisse Kittel und fiktive Patienten
Manch eine Privatklinik dient als Zufluchtsort für Mafiabosse, die so krankgeschrieben sind, dass ihnen die Haft erspart wird. Statt im Gefängnis sitzen sie jahrelang in einem Sanatorium, wo sie sich auch die eine oder andere Freiheit herausnehmen können: Damenbesuche oder eine Fahrt ins Blaue. Giovanni Tizian schildert den Fall eines Mafiosi, der wegen Mord verurteilt worden ist, aber nicht im Gefängnis, sondern in einer Rehabilitationsklinik logierte: Offiziell ist er zu hundert Prozent querschnittsgelähmt. Die entsprechenden Gutachten wurden von einem bekannten Mediziner aus Bologna unterzeichnet.Der fiktive Patient bekam eine Invaliden-Rente und liess sich im Rollstuhl herumkutschieren: Doch eines Tages hat ihn die Polizei beim Autofahren mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt. Es stellte sich heraus, dass ein paar weisse Kittel ihre schützende Hand im Spiel gehabt hatten und im Gegenzug die hohle Hand für weisses Pulver, Kokain, gemacht hatten.
Frauen-Power bei Mafia
Prostitution und Suchtgift: Immer mehr weibliche Führungspersonen in Camorra
In Kreisen der Camorra, dem neapolitanischen Arm der Mafia, nimmt Gleichberechtigung immer mehr zu. Nachdem Camorra-Paten festgenommen werden, oder die Flucht ergreifen, übernehmen immer häufiger Frauen die Führung der kriminellen Aktivitäten der Clans, berichtete der Präsident des Berufungsgerichts Neapels, Antonio Bonajuto.
Sie würden somit dem kriminellen Familienunternehmen Kontinuität sichern, sagte der Richter. Beeindruckend sei ihre Dreistigkeit bei der Abwicklung der Geschäfte. Viele "Camorra-Ladies" würden von verstorbenen Vätern oder Brüdern die Clans "erben", so der Richter. Sie seien unter anderem im internationalen Suchtgifthandel sowie bei der Kontrolle der Prostitution aktiv.
2012 sei in Neapel die Zahl der auf die Camorra zurückzuführenden Morde um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, berichtete Bonajuto. In Zahlen bedeuten die erwähnten 18 Prozent 178 Morde, die auf das Konto der Mafia-Ladies gehen. Auch die mit dem organisierten Verbrechen verbundenen Delikten mit Drogendeals und Prostitution seien um 55 Prozent gewachsen.
Samstag, 2. Februar 2013
Serbische Regierung pflegte Mafia-Kontakte
Rauschgift ist ein lukratives Geschäft. Eine Milliarde Euro soll die serbische Saric-Bande jährlich eingenommen haben. Das Koks wurde über sizilianische Mittelsmänner ins Land gebracht. Hatten sie Komplizen im Staatsapparat? Entsprechende Hinweise belasten die Regierung des EU-Beitrittskandidaten.
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| Der serbische Regierungschef Ivica Dacic mit Kontakten zur sizilianischen Mafia |
Die Kontakte von Spitzenpolitikern und führenden Polizeibeamten mit dem berüchtigten serbisch-montenegrinischen Mafiaboss Darko Saric, dem intime Beziehungen zu den sizilianischen Klans nachgesagt werden, erschüttern die serbische Regierung. Wegen Streits in der Koalition um diese Kontakte sei die turnusmäßige Kabinettssitzung in dieser Woche ausgefallen, berichteten die Zeitungen am Samstag übereinstimmend in Belgrad.
Die Zeitung „Informer“ berichtete über „die schockierende Entdeckung der Polizei“, dass auch der heutige Regierungschef Ivica Dacic einst als Innenminister Kontakte zu einem führenden Mitglied dieser einflussreichsten Drogenbande auf dem Balkan gepflegt habe. Dacic habe bei diesen Treffen Ende 2008 nicht gewusst, dass seine Gesprächspartner Top-Mitglieder der Organisierten Kriminalität seien, zitierte das Blatt Mitarbeiter des Regierungschefs.
Die Zeitung „Informer“ berichtete über „die schockierende Entdeckung der Polizei“, dass auch der heutige Regierungschef Ivica Dacic einst als Innenminister Kontakte zu einem führenden Mitglied dieser einflussreichsten Drogenbande auf dem Balkan gepflegt habe. Dacic habe bei diesen Treffen Ende 2008 nicht gewusst, dass seine Gesprächspartner Top-Mitglieder der Organisierten Kriminalität seien, zitierte das Blatt Mitarbeiter des Regierungschefs.
„Die Kontakte von Saric beuteln die Regierung“
Die Saric-Bande war im Oktober 2009 bei dem Versuch aufgeflogen, 2.700 Kilogramm Kokain mit Hilfe sizilianischer Importeure aus Südamerika nach Europa zu schmuggeln. Nach früheren Angaben des Justizministeriums erlöste die kriminelle Organisation jährlich eine Milliarde Euro.„Die Kontakte von Saric beuteln die Regierung“, titelte die angesehene Zeitung „Politika“. Die Spitzenpolitiker Serbiens und Montenegros hatten sich wiederholt gegenseitig beschuldigt, mit dem 43-jährigen Saric gemeinsame Sache zu machen.
Vor wenigen Tagen hatte auch der frühere Geheimdienstkoordinator Miodrag Rakic Kontakte von Saric zu höchsten staatlichen Stellen in Serbien bestätigt. Die Zeitungen hatten nach Einsicht in Polizeidokumente berichtet, mindestens ein serbischer Minister und die beiden höchsten Polizeibeamten hätten zwischen 2008 und 2010 regelmäßig mit der Saric-Bande verkehrt. Für diese Treffen gebe es Audio- und Videobeweise. Serbien hat seit März 2012 den EU-Kandidatenstatus.
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