Montag, 13. Oktober 2014

Mafia überschwemmt Deutschland mit gefälschten Medikamenten

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben im September eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die wirksame Maßnahmen gegen manipulierte Medikamente erarbeiten soll. Die Funde hochwertiger Medikamente, die nur Bruchteile der wichtigen Wirkstoffe enthalten, mehren sich. In Italien soll die Mafia das große Geschäft machen.




Gesundheitsbehörden des Bundes und der Länder sind alarmiert, weil sich der illegale Import von gefälschten hochwertigen ­Arzneimitteln nach Deutschland ausweitet. Neben nachgewiesenen Fälschungen aus Italien stehen jetzt Medikamente aus Rumänien unter Verdacht. Auch in NRW sind manipulierte Produkte beschlagnahmt worden, bestätigt das Gesundheitsministerium.

Bei den Arzneien gegen Krebs und andere schwere Krankheiten mindern Täter die Wirksamkeit durch „Strecken“ der Wirkstoffe und ­verteilen sie gewinnbringend auf mehrere Dosen. Auch Verunreinigungen wurden schon festgestellt.

Nach Angaben des Paul Ehrlich-Bundesinstituts wurden Chargen von 45 Medikamenten rumänischer Herkunft zurückgezogen, eine Lieferung des Krebsmittels Avastin wurde erst vor wenigen Tagen entdeckt und gesperrt. Betroffen sind laut der römischen Arzneiaufsicht AIFA bisher auch 80 Produkte von rund 40 Herstellern in Italien.


Fälschungen für den deutschen Markt

Die Fälschungen sind offenbar ­gezielt für den deutschen Markt ­bestimmt. Christoph Meinerz vom NRW-Gesundheitsministerium: „Auch in Nordrhein-Westfalen sind illegale Medikamente aufgetaucht. Wir nehmen das sehr ernst“.

Seit September arbeitet das Ministerium in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die man wegen der Welle der Arzneimittelfälschungen eingesetzt habe, sagte Meinerz dieser Redaktion. „Unsere Behörden über­wachen Pharmahändler, haben Rückrufe veranlasst, das Inverkehrbringen untersagt und verdächtige Arzneimittel gesperrt“.

Allerdings ­lägen in NRW bisher keine Hinweise darauf vor, dass Patienten zu Schaden gekommen seien. Das festzustellen ist schwierig. Ob ein Krebsmedikament ausreichend wirkt, stellt sich erst nach längerer Zeit heraus.


Lkw-Transporte in Italien ausgeraubt

Eine Sprecherin der zentral ermittelnden Staatsanwaltschaft in Halle/Saale sagte dieser Redaktion: „Der Import geht mit Sicherheit auf Mafia-Tätigkeit zurück“. In Italien waren die später manipulierten Medikamente im Original aus Krankenhäusern und überfallenen Lkw in großem Stil geraubt worden.


Die illegalen Produkte werden über den so genannten „Parallel­import“ eingeschleust, über den sich Kliniken und Apotheken außerhalb der normalen Hersteller-Vertriebswege die Arzneien preiswerter ­besorgen. Apotheken sind sogar verpflichtet, auf diese Weise einen Anteil einzukaufen.

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