Dienstag, 1. September 2015

Die Mafia kontrolliert komplett die Flüchtlinge

Niemand profitiert mehr vom Elend der Flüchtlinge als die italienische Mafia. Sie hat den maroden Sozialstaat längst ersetzt – und kontrolliert die Auffanglager, die sie auch zur Rekrutierung nutzt.




Doch anders als die Mafia im diskreten Sizilien pflegt Roms gar nicht so geheime Unterwelt einen eher öffentlichen Stil. Der Clan der Casamonica stellt die schrillen Videos seiner Partys selbst auf Youtube, denn man ist stolz auf den – nicht immer stilvoll präsentierten – Reichtum. Bei den letzten Bürgermeisterwahlen zeigten sich Kandidaten aller Parteien bei prunkvollen Abendessen von Clanchefs.




Trotz zahlreicher Festnahmen floriert das Gewerbe von Drogenhandel, Wucher, Schuldeneintreibung, illegalem Baugeschäft und Erschleichung öffentlicher Großaufträge. Der auch auf Deutsch vorliegende Krimi „SUBARRA“, geschrieben vom Richter Giancarlo De Cataldo und vom Investigativjournalisten Carlo Bonini, beschreibt minutiös, wie sich die Clans die Territorien abgesteckt haben und bestens mit der Politik, der Polizei und der katholischen Kirche kooperieren.


Roms wahre Herrscher

Die Clans sind die wahren Herrscher von Rom. Sie haben auch das Geschäft mit Flüchtlingslagern in großem Stil zu unterminieren. Inzwischen wird die Hilfsindustrie in Italien fast komplett von der Mafia kontrolliert, die Kriminellen kassieren überhöhte Unterbringungspauschalen, servieren Müll statt Essen und bauen mit Pappe statt Beton.

Die derzeitige Flüchtlingsflut spült immer neue Vermögen in ihre Kassen.
Gerade bei uns nördlich der Alpen herrscht noch das Missverständnis, organisierte Kriminalität sei das Geschäft einer kleinen Gangsterbande, welche die übergroße Mehrheit terrorisiert. In Süditalien, und jetzt immer mehr auch in der Kapitale, führen die Bosse in grellem Licht vor, dass sie sich als mächtige Dienstleister verstehen.


Eine gutgeölte Parallelgesellschaft

Sie beherrschen ganze Vorstadtviertel, wo sie mit Gewalt und dem Segen gewogener Priester und Politiker ihr eigenes Bankwesen, ihre Justiz, ihre Sozialhilfe, die Versorgung mit Drogen, die Müllabfuhr und die Bebauung organisieren – eine neofeudale Gesellschaft. Mafia ist zwischen Rom und Agrigent kein Fall für Krimileser, sondern eine gutgeölte Parallelgesellschaft, die oft genug den ineffizienten und maroden Staat ersetzt.

Die Trauermesse für Don Vittorio – kein Papstwort konnte sie verhindern – wurde denn auch immer wieder von Rufen unterbrochen, hier werde "der wahre König von Rom" begraben. Riesenplakate zeigten den rundlichen kahlen Mann, der gerne mit einem dicken Kruzifix um den Hals auftrat, thronend über Vatikan und Kolosseum. Während über Lampedusa immer neue Flüchtlinge in die Zeltlager der organisierten Kriminalität strömen und dort nach Bedarf zu Kurieren und Schergen ausgebildet werden, warnen die Ermittler, dass die italienische Mafia massiv in Deutschland Fuß fasst. Diese Entwicklung freilich kann Don Vittorio, der König von Rom, jetzt nicht mehr gestalten.

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