Samstag, 22. August 2015

Kirche nach Mafia-Begräbnis in der Kritik

Nach der pompösen Bestattung eines Mitglieds des römischen Mafia-Clans Casamonica erntet die katholische Kirche weiter Kritik.



Der Mafia-Kritiker Roberto Saviano, Autor von "Gomorrha", erinnerte daran, die Pfarrei Don Bosco in Rom habe 2006 dem Sterbehilfe-Aktivisten Piergiorgio Welby eine Trauerfeier verweigert, "weil er entschieden hatte, sein Leiden freiwillig zu beenden. Die gleiche Kirche gab gestern der Beerdigung von Clanchef Vittorio Casamonica Raum, dessen Sarg von einer Band begleitet wurde, die Musik aus 'Der Pate' spielte", schrieb Saviano am Freitag auf Facebook. Dafür erntete er binnen einer halben Stunde zehntausend "Gefällt mir"-Klicks.


Sarkasmus und Gegenwehr

Mit Sarkasmus reagierte auch der Parteisekretär der rechten Lega Nord, Matteo Salvini. Er verwies auf Attacken der Italienischen Bischofskonferenz gegen die Lega Nord wegen deren Ausländerpolitik. Offenbar mache eine Steuerabgabe eines Mafiabosses für die Kirche in Höhe von 8.000 Euro "mehr Appetit", kommentierte Salvini auf Facebook.



Unterdessen verteidigte sich der Priester der Don-Bosco-Gemeinde, der am Donnerstag die Beerdigungsfeier abgehalten hatte. Er würde dies genauso wieder tun, dies sei sein Beruf, zitierte der Sender Rai News Gemeindepfarrer Giancarlo Manieri. Rückendeckung erhielt der Kirchenmann vom sizilianischen Erzbischof Michele Pennisi. Den Priester treffe keine Schuld, stattdessen hätten die kommunalen Institutionen die pompöse Feier verhindern müssen, sagte der Erzbischof von Monreale der Zeitung "La Repubblica"


Sarg in riesiger Kutsche transportiert

Die Beerdigung Casamonicas war am Donnerstag im Osten Roms zu einem pompösen Schauspiel geraten. Der Sarg des mit 65 Jahren verstorbenen Clanchef wurde in einer sechsspännigen, schwarzen Kutsche transportiert, deren Dach ein Kreuz schmückte. Eine Musikkapelle spielte eine Melodie aus dem Hollywood-Mafiafilm "Der Pate"; von einem Helikopter regneten Rosenblätter auf die Menge herab. Auf einem Plakat wurde der Mafia-Boss als "König von Rom" geehrt. Weiter hieß es: "Rom hast du erobert, jetzt wirst du das Paradies erobern."

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