Donnerstag, 21. Mai 2015

Die Mafia ohne Bargeld?

Dänemark möchte offenbar Vorreiter sein. Restaurants, Tankstellen und Geschäfte müssen kein Bargeld mehr als Zahlungsmittel akzeptieren. Die dänische Notenbank hat angekündigt, 2016 den Druck von Banknoten einzustellen, weil sie keine entsprechende Nachfrage mehr erwartet.



In Deutschland hat Peter Bofinger, ein Wirtschaftsweiser und anerkannter Volkswirtschaftsprofessor, die Bezahlung mit Bargeld ebenfalls für einen Anachronismus erklärt und die Abschaffung des Bargelds in der EU, der Schweiz und den USA empfohlen.

Droht nun wirklich das Ende Bargelds, wie dies in den sozialen Medien panisch prophezeit wird? "Bargeld wird es immer geben, solange es Geld gibt", sagt Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank und Sprecher der Banken in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Die Bedeutung von Bargeld werde zwar abnehmen, ein Verschwinden hält er aber für äußerst unwahrscheinlich.

Auch der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider bewertet die Wahrscheinlichkeit, dass Bargeld verschwindet, mit "höchstens zehn bis 20 Prozent. Abgesehen davon wäre die Abschaffung des Bargelds ein ganz großer Topfen."

Bargeld sei ein letzter Rest an Privatheit, die dem schon fast gläsernen Bürger geblieben ist. "Wenn ich als Fritz Schneider zwei Hemden oder eine Falsche Wein kaufe, geht das niemanden etwas an. Zahlt man mit Karte, wird das aber fein säuberlich aufgelistet", sagt Schneider.


Bankräuber ohne Bargeld

Befürworter einer "Cashless Society" führen neben der Bequemlichkeit des bargeldlosen Zahlungsverkehrs auch die Sicherheit an. Legendär ist der Fall eines Bankräubers, der angeblich ob fehlender Bargeldbestände wieder unverrichteter Dinge abziehen musste. Dazu würden der Pfusch und die organisierte Kriminalität massiv eingeschränkt, wenn nichts mehr bar bezahlt werden darf.

Das wiederum hält Pfusch-Experte Schneider für völlig überbewertet. "Ohne Bargeld würden Transaktionskosten vielleicht etwas erhöht. Aber zu glauben, dass deshalb nicht mehr gepfuscht wird, ist eine Illusion. Ebenso wie die Annahme, dass die Mafia mit Geldkoffern durch die Gegend läuft", sagt Schneider. Vielmehr würde im Pfusch auf Tauschhandel ausgewichen. Oder jemand bestelle mit seiner Kreditkarte entsprechende Waren für den Pfuscher.

Im Bereich der organisierten Kriminalität würden die großen Geldströme schon jetzt elektronisch und gefinkelter verlaufen, als sich das manche ausmalen würden.

Auch in der Praxis müssten bestimmte Dinge funktionieren. "Oder soll der Eisverkäufer für eine Tüte um 1,10 Euro Kreditkarte akzeptieren, die Transaktion speichern und einen Kassenbon aushändigen", stellt Schneider eine rhetorische Frage.


Verlust der Anonymität

 

Während in Skandinavien etwa jede zweite Zahlung mit Karte erfolgt, sind es in Österreich nur elf Prozent. Und auch wenn die Verwendung von berührungsloser Zahlung mit Karte sowie die Verwendung der Kreditkarte zu nehmen, können sich 82 Prozent der Österreicher keine bargeldlose Gesellschaft vorstellen. Die meisten befürchten eine Zunahme der digitalen Kriminalität und den Verlust der Anonymität, so wie auch Schneider dies im OÖ-Nachrichten-Gespräch ausführt.

Entsprechend auch die Reaktion der Politik. Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer hat im ÖVP-Parteiprogramm das Bekenntnis zum Bargeld verankern lassen und sieht auch keinen Grund, daran zu rütteln. "Den Ansprüchen einer Demokratie und eines Rechtsstaats westlicher Prägung und dem Schutz der Privatsphäre wird eine bargeldlose Gesellschaft nicht gerecht", sagt Mahrer.

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