Freitag, 29. Mai 2015

'Ndrangheta: 45 Personen verurteilt, 25 freigesprochen

Erpressung, Wucher, Drogen- und Waffenhandel: 'Ndrangheta, die Mafia-Vereinigung der süditalienischen Region Kalabrien, ist auch im Piemont sehr aktiv.




In Turin ist am Donnerstag ein großer Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta, der Mafia in der süditalienischen Region Kalabrien, zu Ende gegangen. Das Turiner Berufungsgericht verurteilte zweitinstanzlich 45 Personen, 25 wurden freigesprochen.

Zwölf Jahre Haft wurden über den 'Ndrangheta-Boss Salvatore Giorgio Demasi verhängt, der enge Beziehungen zu Politikern gepflegt und mit Wählerstimmen gehandelt haben soll. In erster Instanz war er zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Die Verurteilten können noch beim Kassationsgericht, der letzten und dritten Instanz im italienischen Strafsystem, Einspruch gegen die Strafe einreichen.




Die meisten Angeklagten waren im Zuge der größten Untersuchung von Mafia-Verstrickungen im Großraum Turin der vergangenen 15 Jahre ausgeforscht worden. Als Nebenkläger nahmen die Gemeinde Turin und die Region Piemont teil.


Auch Bürgermeister angeklagt

Angeklagt waren auch einige Bürgermeister piemontesischer Gemeinden, denen Mafia-Verstrickungen vorgeworfen wurden. Infolge der Ermittlungen wurden die Gemeinderäte wegen krimineller Unterwanderung aufgelöst. Die meisten Angeklagten waren im Juni 2011 bei einer groß angelegten Razzia wegen Erpressung, Wucher sowie Drogen- und Waffenhandels festgenommen worden.

Immobilien, Wohnungen und Grundstücke, zehn Unternehmen und 200 Bankkonten im Wert von über 70 Millionen Euro wurden im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmt. Die Anti-Mafia-Behörde DIA koordinierte die Ermittlungen.

Die 'Ndrangheta ist laut den Staatsanwälten im Großraum von Turin gut verankert. Sie soll unter anderem Kaufleute und Bauunternehmen erpresst haben. 150 Personen waren 2011 im Rahmen der Razzia verhaftet worden. Etwa die Hälfte wurde bereits in einem Prozess verurteilt, der am 2. Oktober 2012 zu Ende gegangen ist.
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