Sonntag, 13. Oktober 2013

Mafiöse Machenschaften mit Hundewelpen

Betrüger locken mit herzigen Hundebildern. Doch oft sind die Tiere krank – und müssen eingeschläfert werden.




Ursula B.* (43) aus Zürich sucht einen Hund: «Ein kleines, herziges Tierchen zum Gernhaben.» Im Internet, auf ­einer Seite mit ­Gratisinseraten, findet sie «Gina», eine Französische Bulldogge, nur wenige Wochen alt. Das Hündchen habe alle Impfungen, eine Tierarztprüfung und ein Gesundheitszertifikat, steht in der Annonce. Die Verkäufer schicken Ursula B. eine Schweizer Handynummer. «Alles hörte sich gut an», sagt Ursula B.

Plötzlich fordern die Hundehändler von ihr, 300 Euro zu überweisen – sonst könnten sie «Gina» nicht in die Schweiz bringen. Da wird sie stutzig. Verzweifelt geht Ursula B. zur Polizei. Dort erfährt sie: Sie ist Opfer der Hundemafia geworden.


«Es gibt einen traurigen Schwarzmarkt»

Mit gefälschten Inseraten im Internet locken skrupellose Betrüger Schweizer Hundefreunde. Viele zahlen, ohne zu überlegen – den Hund bekommen sie fast nie. Manche Händler liefern die Welpen zwar. Doch die sind meist krank und unter schrecklichen Bedingungen in Osteuropa aufgewachsen. «Es gibt einen traurigen Schwarzmarkt», sagt Corinne Abplanalp von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. «Oftmals verbringen die Hundebabys die ersten Wochen ohne menschlichen Kontakt, eingepfercht in Boxen.»

Um die Hundemafia in die Schranken zu weisen, hat die Schweiz den sogenannten Hausierhandel verboten. Seit 1. Mai ist das Gesetz in Kraft. Doch der Handel blüht weiter: «Pro Woche werden noch immer rund 400 Hunde in die Schweiz importiert», sagt Julika Fitzi, Präsidentin der Schweizer Tierärzte.

Die Veterinärämter werden oft erst eingeschaltet, wenn die Käufer kranke Hunde zum Tierarzt bringen. «In einigen Fällen wird das Tier ins Herkunftsland zurückgebracht», sagt Rolf Hanimann, Kantonstierarzt in Graubünden. Oft bleibt aber nur ein Ausweg: Die Welpen müssen eingeschläfert werden, weil sie aus Ländern kommen, in denen ein Tollwutrisiko besteht.


«Die Kosten können in die Tausende gehen»

«Wir müssen im Kanton Graubünden pro Monat etwa ein Tier euthanasieren», sagt Tierarzt Hanimann. Heisst: einschläfern. Im Kanton Zürich sind es rund zehn Tiere pro Jahr.
Die Hunde, die überleben, müssen sich einer Rosskur unterziehen: Sie bekommen Medikamente, ­einen Chip und alle nötigen Dokumente. «Die Kosten können in die Tausende gehen», sagt Rudolf Thoma, stellvertretender Kantonstierarzt aus Zürich.

Das weiß A. G., die anonym bleiben will. Sie kaufte für wenige Hundert Franken im Internet einen Chihuahua aus Osteuropa. Schnell merkte sie: Der Hund ist krank. «Ich habe bisher mehr als 5000 Franken für den Tierarzt gezahlt», sagt sie. Auch Ursula B. ist auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Sie sucht zwar weiter einen Hund – dieses Mal aber in der Schweiz.  «Aus dem Internet bestelle ich ihn sicher nicht mehr.»

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