Mittwoch, 11. Februar 2015

Mafia-Gelder bei britischer Großbank HSBC

Die britische Großbank HSBC hat offenbar jahrelang wissentlich Konten von Kriminellen verwaltet. Tausende Dokumente enthüllen Details der Bankgeschäfte, bei denen es darum ging, Geldanlagen in der Schweiz zu verschleiern. Die Vorwürfe wiegen schwer: Beihilfe zu Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung und Drogenhandel. Es wurden unter anderem Gelder aus dem Handel mit Waffen, Drogen und Blutdiamanten verwaltet.





Herausgekommen ist alles durch ein Leak aus dem Jahr 2008. Damals setzte sich der frühere HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani mit den Daten von rund 130.000 Kunden nach Frankreich ab und übergab sie den dortigen Steuerbehörden. Die „Swiss-Leaks-Datei“ bezieht sich auf die Jahre 1988 bis 2007 und stammt aus der Genfer Filiale. Zunächst erhielt die französische Zeitung „Le Monde“ auf bislang unbekannte Weise Zugriff auf die Daten. Anschließend wurden sie von insgesamt 45 Medienpartnern des Recherchenetzwerks „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) ausgewertet. An der Ausarbeitung der 59.058 Datensätze beteiligen sich 140 Journalisten aus zwölf Ländern, darunter auch Deutschland.

Die Ergebnisse sind brisant: Sie betreffen Kundendaten aus mehr als 200 Ländern mit Einlagen von insgesamt über 75 Milliarden Euro im Jahr 2007. Offenbar konnten internationale Kunden auch problemlos Milliarden an Schwarzgeld anlegen. Auch Prominente tauchen in den geleakten Daten auf: Neben dem jordanischen und marokkanischen König oder der deutschen Industriellenfamilie Flick sind dies unter anderem der britische Sänger Phil Collins, der US-Schauspieler Christian Slater, der spanische Formel-1-Fahrer Fernando Alonso, der russische Oligarch Gennadi Timtschenko, der italienische Sportmanager Flavio Briatore, die chinesische Multimillionärin Li Xiaolin oder der syrische Immobilientycoon Rami Makhlouf.


 Sportmanager Flavio Briatore


Die HSBC betont, sie die Konten von Steuersündern geschlossen und den Skandal aufgearbeitet. Mancher hat da allerdings erhebliche Zweifel. „Bei der HSBC kapieren es die Leute immer noch nicht“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den ehemaligen Leiter der Abteilung Finanzkriminalität des FBI Dennis Lormel. „Die sind mehr außer Kontrolle als unter Kontrolle.“

Besonders unangenehm sind die Enthüllungen für die britische Regierung. In London sind nach derzeitigem Kenntnisstand keinerlei Maßnahmen gegen die HSBC oder ihre Mitarbeiter ergriffen worden, nachdem erste Vorwürfe bekannt wurden. 2010 wurde der damals zurückgetretene langjährige Bankchef Stephen Green unter Premierminister David Cameron sogar zum Lord ernannt und als Handelsminister in die Regierung berufen. „Entweder wusste Green von nichts und hat quasi hinter dem Steuer geschlafen“, kritisierte nun Labour-Oppositionssprecherin Margaret Hodge nach Angaben des britischen „Guardian“. Oder aber er habe davon gewusst „und war direkt in die fragwürdigen Steuermethoden involviert“. Das herauszufinden, wird nun Aufgabe der britischen Behörden sein.

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