Mittwoch, 18. Februar 2015

Steuerbetrug um 80 Millionen Euro

80 Millionen Steuerschuld und berechtigte Todesangst vor der Mafia: Der Kriminal-Thriller des ehemaligen Promi-Juweliers Ernst Klimitsch wird Finanz und Staatsanwaltschaft noch Monate beschäftigen.




Der Wiener Goldschmied Ernst Klimitsch, 53, war seit Mitte Juli vor der Finanzpolizei und seinen östlichen Mafia-Geschäftspartnern auf der Flucht. Er soll über Jahre mehrere Tonnen Bruchgold vom Balkan nach Österreich geschmuggelt haben. Ein internationaler Haftbefehl war ausgeschrieben. Einfuhr und Einschmelzen des Edelmetalls wurden über sein eigenes Firmengeflecht abgewickelt. Bei diesen Millionendeals führte Klimitsch keinen Cent Mehrwertsteuer ab. Und er betrog auch die Mafia-Paten um Millionen. Morddrohungen gegen Klimitsch und seine Familie waren die Folge.

Er tauchte in Frankreich, Italien und der Schweiz unter. Am 1. Oktober stellte sich der Schmuckdesigner mit seinem Anwalt Wolfgang Bernt (Foto) bei den Finanzbehörden. „Er ist froh, dass er sich gestellt hat und in U-Haft ist. Mein Mandant ist voll geständig. Über seine Geschäftspartner aber wird er weiterhin schweigen. Das ist seine Lebensversicherung.“

Nicht ganz so schweigsam sind die Ermittler der Finanz. Am Montag wurde erstmals das Ausmaß des Steuerbetruges bekannt. Alleine an Umsatzsteuer dürften der Republik durch die illegalen Goldimporte 40 Millionen Euro verloren gegangen sein. „Rechnet man noch die hinterzogenen Kapitalertrags- und Einkommenssteuern hinzu, landen wir bei rund 60 Millionen Euro“, vermutet ein Ermittler.

Seit Oktober machen die Fahnder der Finanz Jagd auf das Vermögen des Ex-Society-Juweliers. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte dem KURIER: „Bis dato wurden 13 Haus- und Firmendurchsuchungen durchgeführt. Auch zwölf Kontoöffnungen wurden verfügt.“


Kunst für Millionen

Klimitsch gibt sich in der U-Haft durchaus kooperativ. Denn wie Insider bestätigen, konnten bei den diversen Durchsuchungen Kunstwerke in Millionenhöhe sichergestellt werden. Es soll sich dabei um Gemälde und Porzellan-Exponate handeln. Um den Wert zu eruieren, sind jetzt Sachverständige an der Arbeit. Der Steuerflüchtling soll zusätzlich mit exklusiven Gemälden gehandelt und einige Bilder an Wiener Kunsthändler verkauft haben. Ermittlungen gehen in diese Richtung.

Sollte der Juwelier die ausstehenden Steuern nicht bezahlen können, wird sein Vermögen von der Republik Österreich gepfändet. Anwalt, Wolfgang Bernt rechnet nicht vor März 2013 mit dem Prozessbeginn. Dem Juwelier der Reichen und Schönen drohen zehn Jahre Haft.