Donnerstag, 26. März 2015

Leckere Pizza enttarnt italienischen Mafioso in Russland

Ein italienischer Mafioso hat sich nach Russland abgesetzt und ist dort Pizzabäcker geworden. Durch seine leckeren Spezialitäten wird er berühmt und anschließend verhaftet. Seine Kollegen wundern sich und hoffen auf eine baldige Rückkehr. Doch daraus wird wohl nichts.



Die Russen haben richtige italienische Mafiosi bisher nur im Kino erlebt. In der St. Petersburger Express Trattoria fielen die Kollegen aus allen Wolken, als bei ihnen die russische Kriminalpolizei erschien, um den italienischen Pizzabäcker Nicolo, der gern auf den russischen Kosenamen Kolja hörte, festzunehmen. Sie mussten sich sagen lassen, sie hätten ein Jahr lang mit einem echten Mitglied der Cosa Nostra Seite an Seite zusammen gearbeitet.


Der nette Mafioso

Ihr Kolja war kein schießwütiges Ungetüm aus dem Film, sondern ein bezaubernder, stets lächelnder, sehr männlicher Mann von 33 Jahren, der ein reizendes Italo-Russisch sprach. Als die Polizisten am Mittwoch kamen, servierte er ihnen seine Spezialität, die geschlossene Pizza Calzone. Sie sollen sie kosten, solange er sich umziehe, es sei ja gerade die Mittagszeit, meinte er. Auch trug er keine Rollkragenpullover, um, wie der Volksmund behauptet, das Gewinde vom Holzkopf zu verbergen. In Italiens Unterwelt hörte er nämlich auf den Spitznamen „Holzkopf“. Die Kollegen wollten es einfach nicht glauben und wünschten Kolja, er solle bald wieder frei und zu ihnen zurückkommen. Danach sieht es allerdings nicht aus.


Di Mauro versteckte sich seit März 2014

Im Juli 2013 nahmen die italienische Kriminalpolizei und Carabinieri 50 sogenannte Generäle der Mafia in Rom fest. Gleichzeitig wurden in Süditalien 65 Mitglieder der sizilianischen Familien Fasciani, Triassi und D`Agati dingfest gemacht. Sie sollen sich im Laufe von 20 Jahren das ganze Spiel- und Unterhaltungsgeschäft in Rom-Ostia mit nicht immer sauberen Mitteln geführt haben. Ende Januar 2015 verurteilte ein italienisches Gericht 14 von ihnen zu insgesamt 200 Jahren Gefängnis. 

Der Chef des Familienclans, Carmine Fasciani, wurde zu 28 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Seine Frau Silvia muss für 16 Jahre und 9 Monate hinter Gitter. Der Vertraute von Don Carmine, Nicolo di Mauro, wurde im März 2014 festgenommen. Da jedoch damals nichts Ernsthaftes gegen ihn vorlag, wurde er bis zum Prozessbeginn wieder auf freien Fuß gesetzt. Er setzte sich sofort nach Russland ab, das ihm am sichersten erschien.


Berufseifer wurde zum Verhängnis

Wie nun russische Zeitungen berichten, soll di Mauro eine förmliche Einladung von einer „juristischen Person“ in St. Petersburg erhalten haben. Er reiste legal nach Russland ein, erhielt anstandslos eine Arbeitsgenehmigung, mietete sich eine Wohnung und ließ sich ordnungsgemäß polizeilich anmelden. Obwohl er über Interpol zur Fahndung ausgeschrieben wurde, hatte er gute Chancen, weiter im Schatten zu bleiben. 

Er fiel nur auf, weil er seinen neuen Beruf viel zu ernst nahm. Seine leckeren Pizzen waren stadtweit berühmt. Die Spezialität Calzone gab es nur auf Voranmeldung. Zahlreiche Schüler wollten von ihm die Geheimnisse der Pizzaherstellung lernen. In der Presse erschienen seine Fotos, die auch beim russischen Interpolbüro registriert wurden.

In der Heimat wird di Mauro angelastet, „feindliche Übernahmen“ im Auftrag von Don Carmine organisiert zu haben. Er schuf Briefkastenfirmen und meldete auf sie Unternehmen um, die ihren legitimen Besitzern weggenommen wurden. Italien muss nun binnen 40 Tagen einen Auslieferungsantrag stellen. Bis dahin bleibt der nette Holzkopf im St. Petersburger Untersuchungsgefängnis Nummer 4.

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