Donnerstag, 19. März 2015

Weltausstellung Mailand - Korruption, Mafia und Skandale

Vor einigen Monaten wurde der große Schmiergeldskandal, die so genannte "Expo-Betrugskuppel", aufgedeckt wurde. Der Mailänder Wirtschaftsjournalist Vito Mattarella:

"Hier gab es Leute, die ganz bestimmte Bauarbeiten, vor allem die der nationalen Pavillons, in eine ganz bestimmte Richtung lenken wollten. 13 Milliarden Euro: das sind die Gesamtausgaben der Expo, und davon wollen viele korrupte Elemente viel abhaben."



Anscheinend kassierten verantwortliche Expo-Manager, einige wurden bereits verhaftet, Dutzende von Millionen Euro von Bauunternehmern, die sich auf diese Weise die besonders lukrativen Aufträge sicherten. Dass die Verhafteten beste Beziehungen zur alten politischen Elite haben, vor allem zur Entourage von Silvio Berlusconi, wundert in Italien niemanden. Der Name des Medienzaren fällt bei den aktuellen Ermittlungen immer wieder. Ermittelt wird noch nicht gegen ihn.

Erneut wird gegen Mafiaclans ermittelt. Die kalabresische `Ndrangheta scheint den Ermittlern zufolge ganz groß im Expo-Geschäft mitzuwirken, berichtet David Gentili, Präsident der Mailänder Antimafiakommission. Gentili war der erste, der schon vor Monaten darauf hinwies, dass vor allem der Bau der nationalen Pavillons zum Big Business der Bosse geworden ist:

"In der Provinz Mailand kontrolliert die 'Ndrangheta die Bauindustrie. Betroffen sind die 53 Länder, die eigene Pavillons errichten. Jedes Land investiert etwa 30 bis 60 Millionen Euro. Niemand kontrolliert, an was für Unternehmen diese Bauaufträge gingen. Etwa zwei Milliarden Euro öffentlicher Gelder entziehen sich so der Anti-Mafia-Kontrolle."

Die Ermittler der Polizei vermuten, dass auch lokale Politiker von der Vergabe von Bauaufträgen an mafiöse Unternehmen wussten.

Die schiere Größe des Weltausstellungsprojekts und die große Eile, um rechtzeitig fertig zu werden, scheinen eine Gesamtkontrolle der Situation unmöglich zu machen. Überprüft werden müssten zirka 160 Bauunternehmen. Dass nicht wenige von ihnen mit der Mafia unter einer Decke stecken oder ihr gehören, scheint niemanden besonders zu interessieren.

Um die möglichst pünktliche Fertigstellung nicht zu gefährden wurden sogar Ende 2013 die eigentlich vorgeschriebenen, staatlichen Kontrollen für öffentliche Bauaufträge gelockert. Der organisierten Kriminalität wurde es so leicht gemacht bei der Expo ganz groß abzusahnen.


In wenigen Wochen soll die Weltausstellung Expo 2015 vor den Toren Mailands eröffnen. Sorgen bereitet nicht nur der Zeitplan.
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