Dienstag, 17. März 2015

Touristen haben Angst vor Mafia-Restaurants

In Rom gibt es viele Restaurants. Zu viele. Doch nach der Schließung zweier Lokale, die in Mafia-Geschäfte verwickelt gewesen sein sollen, sorgen sich ausländische Besucher.

Das deutsche Ehepaar kann sich nicht entscheiden. Nicht weit vom Pantheon, auf den Gassen im Herzen der Altstadt von Rom, ist es schwer, ein Restaurant für den Abend zu finden. Dabei gibt es zu viele; und sie sehen fast alle gleich aus. Manche haben Kellner, die ihre Gäste ansprechen und so anlocken wollen – aber ist das wirklich eine Empfehlung? “Und dann las ich jetzt auch noch in der Zeitung, dass zwei der bekanntesten Touristenrestaurants hier geschlossen wurden, weil sie der Mafia gehörten“, gibt der Ehemann zu bedenken. Aber wie findet man heraus, ob ein Restaurant den Besuch verdient oder der Mafia gehört?




Erst dieser Tage wurden in der Tat zwei Restaurants im Herzen von Rom geschlossen. Ihr Inhaber Salvatore Lania wurde wegen Betrugs festgenommen, weil er die beiden Lokale und zwei angrenzende Souvenirläden nicht unter seinem eigenen Namen angemeldet hatte; vielmehr sollten dort offenbar Strohmänner von ihm das Geld waschen, das er mit seinen „Geschäften“ bei der kalabrischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta von Rauschgift bis Menschenhandel „erwirtschaftet“ hatte. Aber kann man das von draußen als Tourist erkennen?

Der Gastwirt, für dessen Lokal sich das Ehepaar letztlich entscheidet, behauptet, er habe immer schon gewusst, dass es in diesen beiden Lokalen nicht mit rechten Dingen zugehe. „Die waren nicht mit dem Herzen dabei; die waren keine Gastwirte; und haben sich darum auch nicht besonders um ihre Besucher bemüht, und wenn ihre Trattoria leer war, war es ihnen auch egal.“ Aber das heiße nicht, dass leere Lokale der Mafia gehören, wendet er unverzüglich ein: „Wenn Deutsche Abendbrot essen, dann sind alle Lokale leer, in denen Römer essen; denn die kommen alle erst gegen 21 Uhr.“ Überdies gehörten doch auch viele Pizzerien in Deutschland der Mafia; könne man das dort immer sehen?


An der Sprache ist noch kein Abendessen gescheitert


Tatsächlich ist es wohl das Beste, nach einem Lokal Ausschau zu halten, in dem auch die Einheimischen Abendbrot essen. Diese Restaurants liegen in der Regel nicht an den Ameisenstraßen der Touristen wie die beiden Lokale der Mafia, sondern befinden sich meist in Seitenstraßen. In der Regel haben sie alle ihre kleinen Spezialitäten: ein besonders Nudelgericht, toskanisches Schwein oder frischen Fisch. Der Tourist sollte übrigens niemals nur wegen eines Abendessens ins Zentrum der Stadt fahren. Oft ist die kleine Pizzeria in der Nachbarschaft beim Hotel preisgünstiger und genauso gut. 

Aber es gebe noch andere Hinweise auf gute Restaurants, sagt der Gastwirt. „Ich biete meinen Gästen zum Beispiel immer frisches Gemüse; frische Antipasti und wenn gerade die Zeit der Steinpilze oder Trüffel ist, dann stell ich davon zuweilen schon einmal Körbe ans Fenster oder vor die Tür“, sagt er. „Wir Italiener wollen vorher sehen, was wir hinterher essen.“
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