Samstag, 22. März 2014

Berlusconi erneut in Mafia-Geschäfte verwickelt


Die "Dame in Weiß" wird sie genannt. Federica Gagliardi, 31, blond und sportlich, kleidet sich nicht nur gern in Weiß, sondern führt auch ab und an weißen Stoff im Gepäck. Gagliardi wurde bei ihrer Ankunft aus Caracas in Venezuela am Flughafen Fiumicino in Rom von der italienischen Finanzpolizei gestoppt. Satte 24 Kilogramm trug sie mit sich im Koffer. "Man hat mich reingelegt", sagte Gagliardi zuerst. Dann brach sie in Tränen aus und wurde ins Gefängnis in Civitavecchia gebracht. Seitdem schweigt sie.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Dame mit dem Diplomatenpass als Drogenkurier zwischen Südamerika und der Camorra, der Mafia Neapels, arbeitete. Sie soll häufig hin und her geflogen sein. Venezuela ist ein heißes Pflaster. Vor ein paar Monaten wurde in einem Bauch eines Air-France-Flugzeuges, das aus der Hauptstadt Caracas kam, 1,3 Tonnen Kokain gefunden. Marktwert: 240 Millionen Euro.

Federica Gagliardi


Die italienischen Behörden stellten nach der Festnahme Gagliardis ein Rechtshilfegesuch an Venezuela. Die Polizei landete kurz darauf den ersten Coup. Sieben Verdächtige wurden festgenommen. Sie sollen am Flughafen Caracas die Hintermänner für die krummen Schmuggelgeschäfte gewesen sein. Auch ein Polizist und ein Angehöriger des Militärs wurden festgesetzt. Die Ermittlungen legten nahe, dass zwischen Gagliardi und den Verhafteten eine Beziehung bestanden habe, teilte die Staatsanwaltschaft in Caracas mit.

Ex-Cavaliere Silvio Berlusconi


Vom wem kommt das Rauschgift in Gagliardis Koffer? Für wen war es bestimmt? Ganz Italien verfolgt atemlos jede Wendung wie in einem guten Krimi. Denn Gagliardi gehörte im Juni 2010 der Delegation an, die Italiens damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zum G-8-Gipfel in Kanada begleitete. Auch auf den Staatsreisen nach Panama und nach Brasilien nach dem Gipfel befand sie sich an der Seite des Premiers.

Die offizielle Erklärung: Gagliardi hatte Berlusconis Parteikollegin Renata Polverini beim Wahlkampf in der Region Latium unterstützt und sich als Belohnung einen Platz auf einer Auslandsreise gewünscht.


Federica Gagliardi


Die Ermittler gehen davon aus, dass die Dame mit dem Diplomatenpass als Drogenkurier zwischen Südamerika und der Camorra, der Mafia Neapels, arbeitete. Sie soll häufig hin und her geflogen sein. Venezuela ist ein heißes Pflaster. Vor ein paar Monaten wurde in einem Bauch eines Air-France-Flugzeuges, das aus der Hauptstadt Caracas kam, 1,3 Tonnen Kokain gefunden. Marktwert: 240 Millionen Euro. Die italienischen Behörden stellten nach der Festnahme Gagliardis ein Rechtshilfegesuch an Venezuela. Die Polizei landete kurz darauf den ersten Coup. Sieben Verdächtige wurden festgenommen. Sie sollen am Flughafen Caracas die Hintermänner für die krummen Schmuggelgeschäfte gewesen sein. Auch ein Polizist und ein Angehöriger des Militärs wurden festgesetzt. Die Ermittlungen legten nahe, dass zwischen Gagliardi und den Verhafteten eine Beziehung bestanden habe, teilte die Staatsanwaltschaft in Caracas mit.

Vom wem kommt das Rauschgift in Gagliardis Koffer? Für wen war es bestimmt? Ganz Italienverfolgt atemlos jede Wendung wie in einem guten Krimi. Denn Gagliardi gehörte im Juni 2010 der Delegation an, die Italiens damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zum G-8-Gipfel in Kanada begleitete. Auch auf den Staatsreisen nach Panama und nach Brasilien nach dem Gipfel befand sie sich an der Seite des Premiers. Die offizielle Erklärung: Gagliardi hatte Berlusconis Parteikollegin Renata Polverini beim Wahlkampf in der Region Latium unterstützt und sich als Belohnung einen Platz auf einer Auslandsreise gewünscht.

Für Berlusconi steht die Zukunft seiner bislang 20-jährigen politischen Karriere auf dem Spiel. Im August 2013 wurde der Ex-Premier rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Haft verurteilt. Das oberste Gericht Italiens hielt es für erwiesen an, dass Berlusconi durch den Einkauf von überteuerten Filmrechten für seinen Medienkonzern Mediaset schwarze Kassen im Ausland speiste. Wegen seines fortgeschrittenen Alters muss er zwar nicht ins Gefängnis. Im April wird aber entschieden, ob er unter Hausarrest gestellt wird oder Sozialdienst leisten muss. 

Teil der Strafe ist auch ein zweijähriges Verbot, für öffentliche Ämter zu kandidieren; es wurde diese Woche vom Kassationsgericht bestätigt. Eine Folge davon: Berlusconi darf nicht länger den Ehrentitel "Cavaliere" (Ritter) führen, den sich verdiente Unternehmer in Form eines Ordens an die Brust heftet dürfen. In einem Brief an die Organisation Federazione dei Cavalieri del lavoro, die den Titel verleiht, kam er der offiziellen Aberkennung zuvor und teilte seinen Verzicht mit. "Obwohl ich seit 50 Jahren Unternehmer bin, habe ich mich dazu entschieden, einen Schritt zurück zu machen, bevor die Öffentlichkeit mich in Zweifel zieht", schrieb Berlusconi.

Viel schmerzhafter noch ist für Berlusconi, dass er nicht bei der Europawahl im Mai als Spitzenkandidat von Forza Italia antreten darf. Für die Partei ist das ein erhebliches Problem, denn keines ihrer Mitglieder hat die Zugkraft von Berlusconi. Es herrscht die Angst, dass Forza Italia an der Urne abgestraft wird und bei weniger als 20 Prozent landet. Verzweifelt sucht die Parteispitze nach einem Ersatz. Ein paar prominente Namen werden wohl auf die Liste gesetzt, darunter Raffaele Fitto, der ehemalige Präsident der Region Apulien, und Renato Brunetta, ehemals Minister und derzeit wirtschaftspolitischer Sprecher der Partei. Die Spitzenkandidatur ist aber noch wie vor offen.


Marina Berlusconi - Tochter der Cavaliere


Regelmäßig ins Spiel gebracht werden Berlusconis Kinder. Die älteste Tochter Marina, Präsidentin des Verlagshauses Mondadori, wird als potenzielle Nachfolgerin gehandelt. Bislang lehnte die öffentlichkeitsscheue Unternehmerin aber ein politisches Engagement ab. Schon eher die Bühne sucht Tochter Barbara, die beim Fußballverein AC Mailand im Vorstand sitzt und sich im vergangenen Jahr einen aufsehenerregenden Zwist mit dem AC-Mailand-Urgestein Adriano Galliani lieferte. Als dritte Alternative kommt Sohn Pier Silvio in Frage, der ein hohes Amt beim familieneigenen Fernsehunternehmen Mediaset bekleidet. Doch Berlusconi selbst ist unsicher, ob seine Kinder in die Politik einsteigen sollten. Schließlich fürchtet er, dass auch sie Ärger mit der Justiz bekommen könnten.


Piere Berlusconi


Barbara Berlusconi



Der Fall Gagliardi ist nun eine weitere Hiobsbotschaft für Berlusconi. Immerhin mag er sich damit trösten, dass viele bekannte Persönlichkeiten weit mehr vor möglichen Enthüllungen der Dame in Weiß zu zittern haben. Denn Gagliardi liebt das Spektakel, gehörte zum Jetset in Ibiza, Saint-Tropez und Formentera. Sie verkehrte mit Schauspielern, Showgirls, Sängern und Politikern. Spricht man heute diejenigen an, die früher mit Gagliardi zu sehen waren, lautet die lapidare Antwort: "Gagliardi? Kenne ich nicht."
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