Donnerstag, 20. März 2014

die spektakulärsten Mafia-Verhaftungen in zehn Jahren

Anfang des Jahres 2008 wurde der christdemokratische Präsident der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro, wegen Begünstigung der Cosa Nostra in erster Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Am 7. Februar 2008 wurde in einer gemeinsamen Aktion der italienischen und amerikanischen Behörden ein sich neu formender Drogenhandelsring zerschlagen und 77 Personen wurden festgenommen. 13 weitere Personen sind flüchtig. Die Festgenommenen gehörten auf US-Seite zur Gambino-Familie. Auf Sizilien wurden etwa 35 Angehörige der Familien von Passo Di Rigano, Boccadifalco, Cruillas und Toretta festgenommen, unter denen sich auch einige der aus dem Exil zurückgekehrten Inzerillos befanden. Die Gruppen versuchten offenbar, die alte Pizza-Connection wiederzubeleben.


Salvatore Cuffaro


Am 11. Juli 2008 nahmen die Behörden in Monreale Salvatore Parisi fest, einen der führenden Männer der Familie von Porta Nuova. Am 16. Dezember 2008 gelang der italienischen Polizei ein weiterer Schlag gegen die Cosa Nostra. Nach Angaben der Carabinieri wurden bei mehreren großen Razzien in Palermo, anderen sizilianischen Städten und der Toskana insgesamt 89 Verdächtige festgenommen. Diese planten offenbar, die Cosa Nostra strategisch neu auszurichten und die Kommission neu aufzubauen. Die Spaltung der Cosa Nostra in eine moderate Fraktion, repräsentiert von Provenzano, und die Fraktion der Hardliner um Riina und Bagarella, die sich bereits Anfang der 1990er Jahre angedeutet hatte, wurde erneut offenkundig.



Der Passo Di Rigano-Clan


Unter den Festgenommenen befand sich der Boss der Familie von Villagrazia, Benedetto Capizzi. Capizzi sollte als neuer Sekretär der Kommission nominiert werden.


Mafia-Boss Villagrazia

Festgenommen werden konnte auch der Boss der Familie von Porta Nuova, Gaetano Lo Presti, der ebenfalls in der neuen Kommission eine Führungsrolle für sich beanspruchte. Lo Presti erhängte sich nur wenige Stunden später in seiner Zelle, als ihm klar wurde, dass bereits seit Monaten seine Telefongespräche abgehört worden waren. Bei diesen Gesprächen hatte Lo Presti offen zu erkennen gegeben, dass er die Unterstützung des inhaftierten Salvatore Riina und dessen zweiten Sohnes Giuseppe Salvatore Riina (oder kurz Salvo) genieße, der wie sein älterer Bruder Giovanni ebenfalls einer der aufstrebenden Männer in der Cosa Nostra ist. Deutlich wurde auch, dass es keinen einzelnen Anführer mehr geben würde; zudem war Matteo Messina Denaro der Zugriff auf die Führungsposition verwehrt worden.


Benedetto Capizzi

Am 15. November 2009 wurde Domenico Raccuglia, der unter anderem an der Entführung und Ermordung des 12-jährigen Giuseppe Di Matteo beteiligt war und von den Behörden bis dato als die Nummer zwei der Mafia angesehen wurde, auf Sizilien verhaftet. Am 5. Dezember 2009 wurden Gianni Nicchi in Palermo und Gaetano Fidanzati in Mailand festgenommen. Im Juni 2010 wurde mit Giuseppe Falsone ein weiterer hochrangiger Boss in Marseille verhaftet. Falsone galt als Capo Provincia der Provinz Agrigento, seit er von Bernardo Provenzano 2002 für dieses Amt nominiert worden war.


Domenico Raccuglia

Nach knapp 20 Jahren ist es der Polizei am 26. Oktober 2011 gelungen, den flüchtigen Giovanni Arena in der sizilianischen Stadt Catania zu verhaften. Der 56-Jährige war seit 1993 flüchtig, teilte die Polizei mit. In Abwesenheit war er wegen eines 1989 begangenen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Damals hatte er einen Gegner eines rivalisierenden Clans getötet. Er war wegen Mafia-Zugehörigkeit sowie wegen Drogen- und Waffenhandel international gesucht worden.