Donnerstag, 6. März 2014

Schlag gegen die Mafia in Hamburg

Zoll-Coup im Kampf gegen die Pillen-Mafia: Hamburger Fahnder haben fünf Tonnen Apaan (Grundstoff zur Herstellung von Amphetamin) beim Überprüfen eines Seecontainers aus China beschlagnahmt. Wegen illegaler Einfuhr ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen fünf Verantwortliche einer Spedition.




Firmenräume auf der Veddel und Privatadressen im Hamburger Umland wurden bereits durchsucht, Unterlagen sichergestellt. Zu Amphetamin weiterverarbeitet hätte der Grundstoff einen Wert von 18 Millionen Euro.

„Da muss was faul sein“, dachte sich der Beamte im Zollamt Waltershof am 5. und 6. Februar und alarmierte die Zollfahnder: An beiden Tagen hatte die Spedition die heiße Ware zur Abfertigung angemeldet. Und zwar „unter Angabe einer falschen Warennummer“, wie Sprecher Niels Hennig sagt.


Die Spedition hatte die Ware unter falschen Angaben angemeldet

Die Ermittler überprüften daraufhin den Container und stießen auf Transport-Trommeln, in denen je rund 50 Kilogramm der Substanz steckten. Ein Test ergab: fünf Tonnen Apaan (Alpha-Phenylacetoacetonitril). Das gräulich-weiße Pulver riecht unangenehm, ist hochentzündlich und gesundheitsgefährdend – und ausgerechnet Grundstoff zur Herstellung von BMK (Benzylmethylketon), das direkt zu Amphetamin weiterverarbeitet wird, etwa in Drogenküchen in Osteuropa.

„BMK ist im Grundstoffüberwachungsgesetz schon länger als Drogen-Grundstoff als genehmigungspflichtig eingestuft. Seit 1. Januar 2014 gilt diese Einstufung auch für Apaan“, sagt Hennig. Aus den fünf Tonnen hätte man rund 1250 Kilo Amphetamin herstellen können. Das wären 25 Millionen Tabletten je 50 Milligramm.

Die Ermittler nehmen die Spedition unter die Lupe: Am 27. Februar durchsuchen rund 40 Fahnder die Firmenräume auf der Veddel sowie Privathäuser und Wohnungen der beschuldigten fünf Geschäftsführer und Prokuristen im Hamburger Speckgürtel – nach MOPO-Informationen darunter auch eine Adresse in Aumühle.

Gegen die Verantwortlichen wird nun wegen Verstoßes gegen das Grundstoffüberwachungsgesetz ermittelt. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. In Untersuchungshaft befindet sich keiner der fünf Verdächtigen, Aussagen wurden bislang noch nicht aufgenommen. Unklar ist auch, welche Rolle sie spielen: nur Transporteure oder auch Hintermänner.


Einer der Beschuldigten ist offenbar bereits bei drei Fällen im Frühjahr 2013 aufgefallen. Damals hatte die Zollfahndung präventiv 30 Tonnen Apaan aus drei Containern aus China sichergestellt. Es war unter Waschpulver versteckt.
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