Samstag, 22. November 2014

Die "Kuh" war der große Mafia-Boss

Der italienischen Polizei gelingt es, den Mafioso Giuseppe L. festzunehmen. Er herrscht über die Schweizer Zellen der ’Ndrangheta, wie Videoaufnahmen beweisen.


Giuseppe L.* (49), genannt «Peppe la mucca»


Nach der Verhaftung von zwei Mitgliedern der Frauenfelder Mafiazelle im August 2014 (BLICK berichtete) folgte am vergangenen Dienstag eine zweite Verhaftungswelle in verschiedenen italienischen Städten. Unter den rund 40 Festgenommenen ist auch Giuseppe L.* (49), genannt «Peppe la mucca», auf Deutsch «Peppe die Kuh».

«Die Kuh» ist ein besonders großer Fisch. Auch in der Schweiz. Giuseppe L. herrscht über die ’Ndran­gheta-Zellen in Norditalien und der Schweiz, vorneweg die sogenannte Locale in Frauenfeld. Peppe hat laut italienischer Polizei mit seiner Familie einen Wohnsitz in der Schweiz und pendelte zwischen der Schweiz, der Lombardei und Kalabrien, der süditalienischen Heimat der ’Ndrangheta.

Erstmals in der Geschichte der italienischen Mafia­verfolgung konnten die Ermittler ein Video von einem Aufnahmeritual machen, das sie nun veröffentlicht haben. Es zeigt, wie «Peppe die Kuh» neue Mitglieder ins Syndikat aufnimmt, andere Mafiosi in höhere Ränge befördert und Aufgaben verteilt. Giuseppe L. ist die Mammasantissima, die Allerheiligste Mutter.

Damit steht er über dem Ende August verhafteten Mafioso Antonio N.* (65), genannt «Der Schweizer Berg». Der Pate von Frauenfeld hatte offenbar geplant, die Thurgauer Zelle auszubauen. Dafür brauchte er den Segen der «Kuh».

So kam es schließlich zur Verhaftung der Thurgauer Antonio N.* und Raffaele A.* (74). «Die Kuh» lud die beiden Ende August zur Hochzeit seiner Tochter nach Kalabrien ein. Hochzeiten sind bei der Mafia beliebte Anlässe für konspirative Treffen. Doch die Mafiajäger waren alarmiert. Carabinieri verhaf­teten im Hotel Le Palme in Marina di Gioiosa Ionica die beiden Thurgauer.


«Die Kuh» blieb vorerst verschont – bis zum Dienstag, 18. November.
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