Sonntag, 2. November 2014

Mehrere Dutzend Ndrangheta-Standorte in Deutschland

Es gibt keine Überläufer - Mehrere Dutzend Ndrangheta-Standorte in Deutschland: Deutschland ist eine Mafia-Hochburg

Der italienische Staatsanwalt Nicola Gratteri geht davon aus, dass Deutschland längst die Hochburg einer der einflussreichsten Mafia-Gruppierungen ist: Der Leiter der italienischen Anti-Mafia-Direktion im Distrikt Reggio Calabria (Kalabrien) verfolgt dort den ’Ndrangheta, der als besonders einflussreich gilt. In Europa ist die ‘Ndrangheta inzwischen weit verbreitet, sagte Gratteri der Welt am Sonntag. Wir wissen von 40 Standorten in der Schweiz, in Deutschland dürften es noch mehr sein, schätzungsweise mehrere Dutzend, sagte Gratteri.




30 Kilometer von Reggia Calabria entfernt liegt das Ndrangheta-Dorf San Luca. Von dort leiteten die Mafia-Bosse ihre weltweiten Geschäfte. Auch die Killer von Duisburg, wo 2007 bei einer Schießerei vor einer Pizzeria sechs Menschen starben, kamen aus Duisburg.

Gleichzeitig sei der Einsatz von Deutschland und Europa im Kampf gegen das organisierte Verbrechen mangelhaft, kritisierte der Italiener. „Während Europa über die Länge der Bananen streitet, wird nicht über ein System zur sinnvollen Bekämpfung der Mafia diskutiert. Europa ist nicht für eine systematische Bekämpfung der Mafia gerüstet. Das muss sich ändern“, sagte Gratteri. In Deutschland sei man sich der Gefahr nicht bewusst. Außerdem fehle der Wille, Gesetze zur Bekämpfung der Mafia zu verschärfen.


Weite Teile Kalabriens sind von den Mafia-Clans unterwandert - allen voran dei Politik. Doch jetzt regt sich Widerstand: Nachdem es in der Provinzhauptstadt Reggio Calabria vor zwei Jahren Clan-Mitglieder bis in die Geschäftsführung staatlicher Betriebe geschafft hatten, stellte Rom die Stadt unter Zwangsverwaltung. Nun gibt es einen neuen Bürgermeister: Der erst 31-jährige Giuseppe Falcomatà hat angekündigt, das Organisierte Verbrechen nun stärker zu verfolgen.