Dienstag, 8. April 2014

Das Netz der Mafia in Deutschland

SPiegel/Online berichtet: Mehr als 1200 mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der italienischen Mafia leben in Deutschland. Besonders mächtig ist die 'Ndrangheta, die vor allem im Westen und Süden agiert. Das ergibt sich aus der Analyse von Dokumenten deutscher und italienischer Ermittler.

Mehr als 1200 mutmaßliche Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten der italienischen Mafia leben in Deutschland. Es zeigt sich, dass der Westen und Süden des Landes von ihnen bevorzugt werden. Besonders beliebt sind Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Im Osten des Landes leben weniger Menschen mit Bezug zur Mafia.

Mehr als 1200 mutmaßliche Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten der italienischen Mafia leben in Deutschland. Es zeigt sich, dass der Westen und Süden des Landes von ihnen bevorzugt werden. Besonders beliebt sind Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Im Osten des Landes leben weniger Menschen mit Bezug zur Mafia.


Zwar kann sich wegen des enormen Dunkelfelds kein vollständiges Bild der italienischen Organisierten Kriminalität in Deutschland ergeben, doch der Eindruck ist eindeutig: Die Mafia ist mitten unter uns.

II. Mafia-Organisationen, die in Deutschland operieren

Aus vertraulichen Berichten des Bundeskriminalamts entstand diese Übersicht. Sie zeigt, wo in Deutschland sich welche Mafia-Gruppierungen wie stark ausgebreitet haben.




'Ndrangheta

Schon seit den siebziger Jahren hat sich die 'Ndrangheta in Deutschland festgesetzt. Überwiegend leben die Mitglieder und Unterstützer der als wirtschaftlich besonders potent  geltende Gruppierung aus Kalabrien in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Die Behörden stellten auch Mitte der neunziger Jahre fest, dass nach der Wende einige 'Ndrangheta-Angehörige in den Raum Erfurt, Leipzig und Dresden gezogen waren und dort Restaurants eröffnet hatten. 2011 zeigte sich eine leichte Bewegung in den Berliner Raum, wobei hier wohl vor allem Lokale betrieben wurden, die Wohnsitze in Erfurt blieben bestehen.

Derzeit sind dem Bundeskriminalamt 283 mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta in Deutschland bekannt.




Bei den in Deutschland am stärksten vertretenen Gruppierungen handelt es sich um die Clans Romeo-Pelle-Vottari und Nirta-Strangio aus San Luca sowie Farao-Marincola aus Cirò.


Camorra

Die Camorra ist seit den achtziger Jahren verstärkt in Deutschland aktiv. Regionale Brennpunkte liegen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Laut Bundeskriminalamt hielten sich zuletzt 88 mutmaßliche Mitglieder der Mafia-Organisation aus dem Raum Neapel in Deutschland auf, am häufigsten waren die Clans Licciardi, Moccia, Cava und Ascione vertreten.


Cosa Nostra
Seit den siebziger Jahren ist die aus Sizilien stammende Cosa Nostra in Deutschland präsent, laut Bundeskriminalamt leben derzeit mutmaßliche 77 Mitglieder hier. Die Behörden stellten wiederholt fest, dass sich Bosse und auch Killer in der Bundesrepublik aufhielten, durchaus für längere Zeiträume. Mandamenti - das sind Einflussbereiche, in denen sich Cosa-Nostra-Familien engagieren - liegen vor allem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Hier agieren vor allem die Clans Gela, Agrigento, Partinicio und Catania.


Apulische Organisierte Kriminalität
Zur apulischen Organisierten Kriminalität liegen den deutschen Behörden nur wenige Informationen vor. Brennpunkte sind seit den neunziger Jahren bekannt, betroffen sind Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, hier im Raum Koblenz. Das Bundeskriminalamt zählt 14 mutmaßliche Mitglieder der apulischen Mafia, die in Deutschland leben. Die wichtigsten Clans heißen Rogoli-Buccarella-Donateillo, Padovano und Tornese.


III. Die Clans der 'Ndrangheta in Deutschland
In dieser Grafik sind die Bundesländer markiert, in denen die größten 'Ndrangheta-Clans in Deutschland leben: Carelli, Critelli, Farao und Nirta. Auch hier zeigt sich, dass die Familien den Westen und Süden Deutschlands bevorzugen. Die große Gemeinschaft dort lebender unbescholtener Landsleute bietet den Kriminellen Deckung. Natürlich ist nicht jeder, der einen der betreffenden Nachnamen trägt, ein Mitglied der Mafia.

Interessant ist, dass sich die Wohnorte der Sippen kaum überschneiden: Sie scheinen ihre Reviere deutlich abgesteckt zu haben.

Der Farao-Clan ist in Deutschland stark vertreten. Silvio Farao ist einer von vier "Bossen" der Gruppierung, wurde bereits mehrfach festgenommen, konnte aber immer wieder fliehen. Anfang Februar wurde er erneut gefasst, berichtete damals  „La Repubblica“

Der Carelli-Clan leben hauptsächlich im Raum Frankfurt und in Nordrhein-Westfalen.

Der Nirta-Romeo-Pelle-Clan  ist in Deutschland durch den Mehrfachmord in Duisburg im August 2007 bekannt geworden. Zwischen Fraktionen der Sippe war es zu Kämpfen gekommen.

Der Critelli-Clan der  gehört zu den 'Ndrangheta-Gruppierungen, die zu großen Teilen nach Deutschland übergesiedelt sind. Die meisten von ihnen sind aus Kalabrien nach Baden-Württemberg gezogen.
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