Mittwoch, 17. Dezember 2014

Die Mafia ist der Krisengewinner

In der Finanz- und Wirtschaftskrise gibt es auch Gewinner. Die Mafiafamilien dringen in die Banken vor, riesige, in den USA gewaschene Millionenbeträge werden in Europa investiert. Damit übernehmen die Clans die Macht in der Finanzwirtschaft. Die Krise ermöglicht weltumspannende Geschäfte der Mafiafamilien.


Chef-Volkswirtschaft Luca Paolazzi


Beim Bankenzusammenbruch in den USA investierten sie Millionenbeträge aus Drogengeldern und retteten Kreditinstitute vor der Pleite, in Griechenland profitieren sie von Korruption und engagieren sich auf dem Petrolmarkt, in Spanien mischen sie im Immobiliensektor mit und sind in das Großprojekt Eurovegas involviert. In Italien investieren die Clans gewaschene Drogengelder in die legale Wirtschaft, beherrschen den Bau- und Entsorgungssektor, dringen in nationale und europäische Finanzinstitute vor.

Einer aktuellen Studie von Alejandro Gaviria und Daniel Mejiia von der Universität Bogota zufolge, werden 97,4 Prozent der Gelder aus dem kolumbianischen Drogenhandel in den USA »gewaschen«. Dabei handelt es sich immerhin um eine Summe von 352 Milliarden Dollar, die anschließend ihren Weg in die legale Wirtschaft fand. Am Geschäft partizipieren außer den italienischen Clans von Cosa Nostra, Camorra und `Ndrangheta, Gruppen aus Russland, Afrika, Indien, Griechenland, Spanien und weiteren Staaten. Die italienischen Organisationen investieren jährlich 165 Milliarden Euro in die legale Wirtschaft, das entspricht inzwischen etwa 8 % Prozent des Bruttoinlandsproduktes.


Die wuchernde Korruption in Italien bremst einer Studie zufolge das Wirtschaftswachstum in dem Euro-Krisenland enorm. Die italienische Wirtschaft sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten wegen der Korruption um fast ein Fünftel weniger gewachsen, heißt es in der am Mittwoch vorgestellten Untersuchung des größten italienischen Unternehmerverbandes Confindustria. «Wenn wir die Korruption auf das Level Frankreichs gedrückt hätten, wäre unsere Wirtschaft um weitere 0,8 Prozentpunkte pro Jahr gewachsen und heute um 19 Prozent größer», sagte der Chef-Volkswirtschaft des Verbands, Luca Paolazzi, in Rom.

Um für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wieder mehr Wachstum zu ermöglichen, sei es notwendig, die Korruption in Italien drastisch einzudämmen. «Sie ist die Spitze des Eisbergs aus weit verbreiteter Gesetzlosigkeit und Missachtung der Regeln», erklärte Paolazzi. Die italienische Hauptstadt Rom wird seit Tagen von einem Mafia-Skandal erschüttert, der auch die enge Verstrickung von Politik und Unternehmen in Rom mit der Mafia ans Licht gebracht hatte.
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