Dienstag, 2. Dezember 2014

Großrazzia in Stuttgarter Bordellen

Annähernd ein Jahr haben die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das LKA im Umfeld von Rockern ermittelt. Jetzt ist ihnen ein Schlag gegen die internationale Organisierte Kriminalität gelungen.

Es geht um Menschenhandel und Zuhälterei: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt im Zuge einer Razzia in Bordellen gegen 15 Männer und Frauen. Mehrere von ihnen sollen zu der rockerähnlichen Gruppierung United Tribunes aus Stuttgart und Bosnien gehören.

Die Behörden werfen den Verdächtigen im Alter von 21 bis 70 Jahren mutmaßlichen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei und gewerbsmäßigen Betrug vor. Das teilten die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg am Montag mit.

Unter der Leitung des LKA hatten am Sonntagabend Einsatzkräfte zeitgleich 4 Großbordelle, 5 Geschäftsräume, 28 Wohnungen und 14 Fahrzeuge in sechs Bundesländern sowie in Österreich, Bosnien und in Rumänien durchsucht. Darunter waren im Südwesten 13 Objekte in Stuttgart, 3 im Landkreis Esslingen, 2 im Raum Ulm sowie je ein Objekt im Rhein-Neckar-Kreis und im Landkreis Schwäbisch-Hall.




Drei Männer und zwei Frauen im Alter von 21 bis 49 Jahren wurden festgenommen und sollten am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. Ob mutmaßliche Opfer bei den Durchsuchungen angetroffen wurden, wollte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht sagen.


Den Frauen sei Gewalt angedroht worden

Bei der Großrazzia wurde umfangreiches Beweismaterial wie eine Pistole, Bargeld, Computer, Datenträger und Geschäftsunterlagen sichergestellt. Details blieben zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt den Angaben nach seit Anfang des Jahres mit einer Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Schleuser, zu der Beamte des LKA und der Bundespolizeidirektion Stuttgart zählen.

Sie verdächtigen mehrere Menschen, Frauen unter 21 Jahren zur Prostitution gedrängt zu haben. Dabei benutzten sie laut Mitteilung auch die „Loverboy-Methode“, bei der den Frauen die große Liebe vorgegaukelt wird. „Für eine gemeinsame Zukunft sollten sie ihren Geliebten durch die Ausübung der Prostitution aus vorgetäuschten finanziellen Schwierigkeiten helfen“, heißt es. Den Frauen sei aber auch Gewalt angedroht worden, um sie gefügig zu machen.

Die Beschuldigten sollen für die Rekrutierung und Überwachung der Frauen verantwortlich gewesen sein. Zudem bestehe der Verdacht, dass Geldgeber unter Vortäuschen falscher Tatsachen zu Investitionen in die Bordelle verleitet wurden.
Das Geld sei aber nicht nur für die Clubs, sondern auch für private Zwecke verwendet worden.

Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) sagte: „Dieser Schlag gegen die internationale Organisierte Kriminalität unter Leitung des baden-württembergischen Landeskriminalamtes beweist einmal mehr, dass die Null-Toleranz-Strategie gegen Rocker und rockerähnliche Gruppierungen wie den United Tribunes vollkommen berechtigt ist.“ Die enge Kooperation mit ausländischen Strafverfolgungsbehörden sei beispielhaft, wie über die Grenzen hinweg erfolgreich gegen Kriminalität vorgegangen werden müsse.
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