Samstag, 6. Dezember 2014

Mafia-Boss kassierte Sozialhilfe

Er zählte zu den zehn gefährlichsten Verbrechern in Italien. Er wusch Mafia-Milliarden über Schweizer Konten, stand deswegen 2009 in Bellinzona vor dem Bundesstrafgericht.


 Mafioso Michele Antonio Varano


Auch wenn der Mafioso Michele Antonio Varano (63) damals freigesprochen wurde, im Tessin und in Italien gilt der Kalabrier als berüchtigter Schmugglerkönig. Dennoch erhielt er von 2010 bis heute Sozialhilfe und AHV. Insgesamt 90 000 Franken.

Renato Scheurer von der zuständigen Sozialbehörde erklärte dem Südschweizer TV- und Radiosender RSI: «Varano lebte unter dem Existenzminimum. Er hatte die nötigen Papiere vorgelegt.» Was das Amt nicht interessiert: In Italien wird nach dem Mafioso weiterhin wegen Zigarettenschmuggels und anderer Delikte gefahndet. Der Wahlschweizer soll die Geschäfte von seiner Sozialwohnung in Gandria (Ticino) am Luganersee aus geleitet haben.

2013 wird Varano von einem Westschweizer Gericht zu 17 Monaten bedingter Haft wegen Marihuanahandels verurteilt, seine Aufenthaltsgenehmigung wird nicht verlängert. Er rekurriert und erhält weiter Sozialhilfe. Nichts bremst die Tessiner Barmherzigkeit.


Vorige Woche tauchen im Hafen von Genua (I) wieder Container voller Zigaretten auf. Italien will Varano erneut verhaften. Der Mafioso verzichtet auf Schweizer Schutz und stellt sich am Dienstag der Polizei in Genua – ganz freiwillig. Weshalb wohl? Kam er mit den ganz großen Bossen ins Gehege und fürchtet nun um sein Leben?
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