Montag, 22. Dezember 2014

Italienischer Abgeordneter wegen Waffenschmuggel verhaftet

Der ehemalige Abgeordnete der Berlusconi-Partei Forza Italia, Massimo Romagnoli, soll versucht haben Waffen an die kolumbianische FARC-Guerilla zu verkaufen. Am vergangenen Dienstag konnte er in Montenegro festgenommen werden. Romagnoli stand ebenfalls in Kontakt zu einem Mafiosi in Deutschland.


 Massimo Romagnoli


Anklage erhebt der New Yorker Bundesstaatsanwalt Preet Bharara. Romagnoli sei demnach ein “Waffenhändler mit Sitz in Griechenland, der fähig ist gefälschte Zertifikate für Militärwaffen zu besorgen.” Gemeinsam mit dem rumänischen Waffenhändler Cristian Vintila und dem rumänischen Mittelsmann Virgil Georgescu sei Romagnoli in die Vorbereitung und Ausführung eines terroristischen Aktes gegen die USA verwickelt. Zu dritt hätten sie am 8. Oktober versucht Waffen, darunter auch Maschinengewehre und Luftabwehrraketen an die FARC zu verkaufen.

Virgil Georgescu

 Cristian Vintila


Tatsächlich aber waren es keine Mitglieder der FARC-Guerilla sondern Ermittler der amerikanischen Drug Enforcement Agency (Dea) mit denen Romagnoli und seine Kumpanen verhandelten. Diese gaben sich bei einer Undercoveroperation als Guerilleros aus und trafen am 8. Oktober Romagnoli, Vintila und Georgescu in Tivat, Montenegro.

Laut Ermittler, gab Romagnoli während des Treffens damit an, er könne die Zertifikate für die gewünschten Waffen besorgen, außerdem zeigte er ein gefälschtes Zertifikat. Daraufhin erklärte Georgescu, dass sie die Waffen in ein afrikanisches Land bringen würden, von dort aus müsste die FARC den Transport nach Kolumbien selbst organisieren. Romagnoli zeigte einen Katalog, der die Waffen enthielt, die er liefern könne. Er sagte, er habe diese auch schon an andere Kunden verkauft.

Romagnoli, der seit 1989 in Athen lebt, ist Unternehmer und Politiker: Er war einst für die internationale Entwicklung von Solar- und Windkraftanlagen der Ökofirma ENERGETICA verantwortlich. Deren Eigentümer, denen zur Zeit ein Prozess wegen Betruges gemacht wird, standen über Ecken in Kontakt zu Vito Nicastri, der nach Meinung der italienischen Antimafia-Behörde einer wichtigste Alliierten Geschäftsmänner des Mafia-Clans von Alcamo ist. Der Hintermann des Clans: einer der meistgesuchte Kriminellen der Welt, der Boss der Bosse der Cosa Nostra, Matteo Messina Denaro.

2006 wird Romagnoli in Berlusconis Partei Forza Italia gewählt, auch Dank der 8700 Stimmen, die er aus Deutschland  erhalten hat. Doch es bestehen Zweifel, ob diese legal gewonnen wurden, denn bei Romagnolis Wahlkampf wurde er in Deutschland, im Raum Köln, von einem gewissen Calogero D. unterstützt. Calogero D. ist jedoch nicht irgendwer: Er ist gebürtig aus Sizilien und war früher Fahrer eines Mafiabosses. Als er sich von einem Mafiakrieg bedroht sah, wurde Calogero D. Kronzeuge und verbüßte eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. 

Danach zog er nach Deutschland und wurde Teil der westfälischen Baufirma. Genauer gesagt: Er war einer der Männer im Hintergrund, also einer, der die Fäden zog. 2013 wurde er in Köln festgesetzt und kollaboriert seither teilweise mit der deutschen Justiz. Er räumt ein, er habe Stimmen der Auslanditaliener für Abgeordnete im römischen Parlament aufgetrieben. Die Beamten fanden Romagnolis Visitenkarte bei Calogero.  Nach eigener Aussage war er mit Romagnoli einige Tage auf Wahlkampftournee.

Für die Mafia lohnt es sich, einem Mann wie Massimo Romagnoli einen Gefallen zu tun, denn der Politiker könnte zum Beispiel helfen, dringend benötigte Reisedokumente zu besorgen. Ob Romagnoli der Mafia Gegenleistungen für den Stimmenfang verschafft hat bleibt unklar. In einem Gespräch gab der Ex-Abgeordnete zwar zu, mit Calogero D. in Kontakt gewesen zu sein. Aber er habe Calogero D. oder dessen Freunden nie bei Passangelegenheiten geholfen.

Calogero D. hingegen behauptete vor den deutschen Beamten das Gegenteil: Romagnoli habe ihm geholfen für einen Kumpanen der Baumafia einen Reisepass zu organisieren.


Heute sitzt Romagnoli gemeinsam mit Vintila und Georgescu in einem Gefängnis in Montenegro und wartet auf seine Auslieferung in die USA. Dort droht ihm eine lebenslange Haftstrafe wegen Terrorismus.
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