Samstag, 21. Juni 2014

Papst besucht Gefangene – „Nie wieder Opfer der Mafia!“

Der heilige Franziskus kam nicht bis Cassano“ – das sagte eine Frau, die in einer Bar des Städtchens an der Kasse sitzt, an diesem Samstag zu Journalisten. Als „Schlangennest“ soll Franz von Assisi das Städtchen Cassano allo Jonio bezeichnet haben, und tatsächlich sind es vor allem Mafia-Meldungen, die diese Ecke Kalabriens immer wieder mal in die Schlagzeilen bringen. Umso mehr freuen sich die Menschen über den Papstbesuch bei ihnen. 






Gegen 7.30 Uhr ist Franziskus am Morgen per Hubschrauber aus dem Vatikan aufgebrochen; kurz nach 9.00 Uhr landete er in Castrovillari vor dem örtlichen Gefängnis. Hier sitzen u.a. Familienangehörige von Cocò ein: Das ist ein dreijähriger Junge, der vor ein paar Monaten von der örtlichen Mafia, der Ndrangheta, in einem Auto bei lebendigem Leib verbrannt wurde, zusammen mit seinem Großvater und dessen Freundin. Der dreifache Mord hat in ganz Italien Entsetzen ausgelöst. 




Im Frauengefängnis



Papst Franziskus sprach im Gefängnis kurz mit den zwei Großmüttern und der Mutter des getöteten Kindes: „Nie wieder Opfer der `Ndrangheta!“, sagte er zu ihnen. Er bete für den kleinen Cocò und für alle Kinder, die Furchtbares durchmachen müssten. Der Ortsbischof, der den Papst begleitete, sprach hinterher von einem sehr emotionalen Moment.

Ein weiterer Insasse des Gefängnisses, das der Papst besuchte, ist ein 27-jähriger Rumäne, der – so die Anklage – am 3. März den Priester Lazzaro Longobardi umgebracht hat. Am Nachmittag wollte der Papst auch kurz in der Kirche von Sibari beten, wo der Mord geschah und wo eine Stele an den getöteten Pfarrer erinnert.



„Heiliger Vater, willkommen bei uns, und danke für diesen Moment, den Sie uns schenken!“, sagte einer der Häftlinge in einer kurzen Begrüßungsrede. Heute würden die Worte Jesu wahr, dass man den verlorenen Schafen nachgehen solle. Franziskus ermunterte in seiner kurzen Ansprache zu mehr Anstrengungen, um Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Es reiche nicht, allein menschenwürdige Haftbedingungen in den Gefängnissen sicherzustellen. Diese müssten von „konkreten Bemühungen der Institutionen für eine erfolgreiche gesellschaftliche Wiedereingliederung“ der Straftäter ergänzt werden, so Franziskus. Andernfalls verkomme die Strafe zum „bloßen Instrument der Bestrafung und sozialen Retourkutsche“. Das schade sowohl dem Betroffenen als auch der Gesellschaft selbst.